Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Europäischen Union: eine Chance für Europas Grenzregionen

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15/09/2015

Mehr als ein Drittel der EU-Bürger lebt und arbeitet in Europas Grenzregionen. Diese Grenzen wirken sich mittel- und unmittelbar auf ihr Leben aus.

Die Europäische territoriale Zusammenarbeit (die Interreg-Programme) spielt bei der Beseitigung von Hürden an den Grenzen sowie der Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Die Interreg-Projekte, die nur mit einem relativ kleinen Budget arbeiten, haben für die Bürger zahlreiche konkrete Ergebnisse erzielen können – ob in den Bereichen grenzüberschreitende Sicherheit, Verkehr, Bildung, Energie, Gesundheitsfürsorge, Ausbildung oder bei der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Im Zeitraum 2014-2020 werden über 10 Mrd. EUR in die Zusammenarbeit zwischen den Regionen investiert werden, rund 6,6 Mrd. EUR davon werden in Grenzregionen fließen. So sollten eine größtmögliche Wirkung und eine noch effektivere Nutzung der Investitionen sichergestellt werden können.

Allerdings bleibt in den Grenzregionen aufgrund mangelnden Vertrauens oder sogar einer negativen Einstellung gegenüber dem Nachbarland bedeutendes wirtschaftliches Potenzial ungenutzt. Die GD REGIO hat deshalb erstmals eine Eurobarometer-Umfrage durchgeführt, um die Einstellung der Bürger in Grenzgebieten zu ermitteln und zu kartieren. Die Umfrage wird helfen, zielgerichtetere EU-Interventionen auszuarbeiten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse:

Bewusstsein für von der EU finanzierte Maßnahmen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: 

  • Ein Drittel (31 %) der Menschen, die in den Grenzregionen leben, ist sich bewusst, dass es in ihrer Region von der EU finanzierte Maßnahmen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gibt.
  • Befragte, die in den Grenzregionen der ost- und mitteleuropäischen Länder leben, sind sich dieser Projekte am ehesten bewusst.

Gründe für die Reise in ein Nachbarland:

  • Rund drei Viertel (76 %) der Befragten sind bereits einmal in ein anderes Land gereist. Befragte, die in den Grenzregionen der nord- und mitteleuropäischen Länder leben, reisen grundsätzlich mit größerer Wahrscheinlichkeit ins Ausland.
  • Die Befragten reisen am häufigsten wegen Freizeitaktivitäten in ein Partnerland, einschließlich touristischen Besuchen (57 %), gefolgt von über einem Drittel (35 %), die ins Ausland reisen, um Waren oder Dienstleistungen zu kaufen. Nur 14 % der Befragten reisen aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen. Irland (Republik) und Nordirland (Vereinigtes Königreich) sind die einzige Grenzregion, in der mindestens die Hälfte aller Antworten über die Grenze reist, um Freunde zu besuchen.

Höhe des Vertrauens von Menschen, die in Grenzregionen leben:

  • Eine große Mehrheit (61 %) der Befragten stimmte zu, dass man den meisten Menschen vertrauen kann. Die Befragten, die in den skandinavischen Ländern leben, stimmen der Aussage, dass man den meisten Menschen vertrauen kann, grundsätzlich am ehesten zu.
  • Es gibt wenige Unterschiede, wenn es darum geht, wie wohl sich Menschen damit fühlen, Bürger aus einem Partnerland als Nachbarn (59 % fühlen sich mit dieser Aussage sehr wohl), Arbeitskollegen oder Angehörige zu haben (jeweils 58 %). Die Befragten fühlen sich weniger wohl damit, einen Bürger aus einem Partnerland als Vorgesetzten zu haben (49 %).

Als Hindernisse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Grenzregionen wahrgenommene Punkte

  • Über ein Drittel (37 %) sehen das Leben in einer Grenzregion als Chance, nur 4 % eher als Hindernis. Die Hälfte der Befragten (55 %) erklärten, in der Nähe der Grenze zu einem Nachbarland zu leben, habe keinerlei Auswirkungen.
  • Mindestens die Hälfte der Befragten (57 %) nannte Sprachunterschiede als Problem für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
  • Mehr als 40 % betrachten sozioökonomische sowie rechtliche oder verwaltungstechnische Unterschiede als Problem, während mindestens 30 % kulturelle Unterschiede oder die Barrierefreiheit als Probleme für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit anführten.
  • Kulturelle Unterschiede werden am häufigsten entlang der deutsch-polnischen Grenze genannt. Im Westen wurde Barrierefreiheit häufiger als Problem angegeben, vor allem in Italien.

Eine kürzlich durchgeführte Eurobarometer-Umfrage zum Thema „Allgemeine Bekanntheit und Wahrnehmung der EU-Regionalpolitik“ ergab, dass nur ein Fünftel aller Bürger (einschließlich derjenigen, die in Grenzregionen leben) wissen, dass Mittel aus der EU-Regionalpolitik in diesem Bereich investiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass noch viel getan werden muss, um die Interreg-Programme zu fördern.

Diese Ergebnisse werden auf einer hochrangig besetzten Konferenz zur Feier „25 Jahre Interreg“ besprochen werden. Die Konferenz wird von der luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und dem INTERACT-Programm organisiert.

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