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Fakten statt Fiktionen - 21/08/2008

Journalisten mit Fernsehkameras bei einer Nachrichtenkonferenz im Berlaymont-Gebäude der Kommission

Manche Schlagzeilen über die EU sind so bizarr, dass man ihnen keinen Glauben schenken will. Möglicherweise liegt das daran, dass sie schlicht und ergreifend nicht wahr sind.

„EU verbietet historisches Flächenmaß.“ „Brüssel führt im Herzen Schottlands eine Lärmordnung ein.“ „EU fordert Tempolimit auf deutschen Straßen.“

Tag für Tag wird in den Medien seitenweise über Initiativen der EU berichtet – zumeist im ehrlichen Bestreben, die Bürger zu informieren, doch es gibt auch Ausnahmen Englishfrançais. Häufig wird letzteren Berichten die größere Aufmerksamkeit geschenkt, denn sie machen sich die Ängste der Bevölkerung vor der Macht der Eurokraten in Brüssel zunutze. Die folgenden Beispiele mögen zwar amüsant sein, führen den Leser jedoch auch in die Irre.

Im Juni berichteten mehrere britische Zeitungen, die EU habe den „Morgen“, ein im angelsächsischen Sprachraum verwendetes  Flächenmaß, abgeschafft. In Wahrheit hat sich dieser Wechsel in der Praxis schon lange vollzogen.

Im Laufe der letzten 20 Jahre haben die Beamten des Vereinigten Königreichs das Flächenmaß „Morgen“ aufgegeben und die im übrigen Europa gebräuchliche metrische Einheit Hektar eingeführt. Bei ihren Geschäften mit Landwirten oder Eintragungen im Kataster verwendet die Regierung routinemäßig die Bezeichnung Hektar (dies entspricht 2,47 Morgen). Privaten Grundeigentümern steht es immer noch frei, die Fläche ihres Landbesitzes in Morgen anzugeben, vorausgesetzt sie fügen die Entsprechung in Hektar hinzu.

In den Zeitungsberichten wurde auch nicht erwähnt, dass dieser Wechsel zur Flächenangabe in Hektar Teil eines Vorschlags der EU war, durch den dem Vereinigten Königreich die Möglichkeit gegeben werden sollte, weitere nicht metrische Maßeinheiten – wie die Meile oder das Pint –beizubehalten, da sie für den Handel kein Problem darstellen.

In einem anderen Bericht, derauchirgendwie „verkehrt“ klang, kündigte The Sunday Times am 20. April an, dass Dudelsackspieler durch die neuen EU-Vorschriften über Gesundheit und Sicherheit zum Schweigen gebracht werden sollten. Um es einmal amtlich zu machen: Die EU hat nicht die geringste Absicht, Schottlands traditionellen Musikern das Dudelsackspielen zu verbieten.

Vielmehr möchte sie eine übermäßige Lärmbelastung vermeiden, die bei zahlreichen Orchestermusikern einen Hörverlust verursacht. Doch dieses Ziel lässt sich auf zahlreiche Weisen erreichen – auch ohne den Musikern das Spielen zu untersagen. Einige Orchester verwenden spezielle Ohrstöpsel und schalldämpfende Materialien oder andere Vorrichtungen, um die Lautstärke zu drosseln.

Bei einem anderen „Euromythos“ ging es um die Einführung eines Tempolimits auf den deutschen Autobahnen. Entgegen des Berichts der Welt online vom 26. März hat die EU keine derartigen Pläne. Die deutsche Online-Zeitung behauptete, Umweltschutzgruppen hätten erklärt, die Kommission würde zur Verbesserung des Klimaschutzes und der Straßensicherheit noch vor Ende 2010 Tempolimits einführen.

Wahr ist, dass die EU bestrebt ist, dieZahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang bis 2010 um die Hälfte zu reduzieren. Doch auch unbelehrbare „Bleifußfahrer“ brauchen keine Angst zu haben, denn die Kommission kann weder Deutschland noch irgendein anderes Land zur Einführung eines Tempolimits verpflichten.

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