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Kreditvergabe durch Nichtbanken – Regulierungsbedarf? - 22/03/2012

Stapel von Euro-Münzen © EU

Schattenbanken: Für Kreditnehmer eine mögliche Alternative zum herkömmlichen Bankwesen, für Kritiker eine mögliche Bedrohung der Finanzstabilität – die Kommission möchte Ihre Meinung dazu erfahren.

Unternehmen des Schattenbanksektors agieren typischerweise als Mittler zwischen Anlegern und Kreditnehmern. Sie stellen Darlehen und Liquidität bereit, nehmen aber im Unterschied zu regulären Banken keine Einlagen entgegen. Deshalb unterliegen sie nicht den gleichen Vorschriften wie der größte Teil des Bankensektors.

Das globale Finanzvolumen des Schattenbanksystems im Jahr 2010 wird auf ca. 46 Billionen Euro geschätzt, das sind 25–30 % des weltweiten Finanzsystems.

Um eine Wiederholung der aktuellen Finanzkrise zu verhindern, führt die EU derzeit im Finanzsektor, insbesondere bei den Banken, weitreichende Reformen durch. Da das Schattenbankwesen sich ohne behördliche Aufsicht ausbreitet, hat die Kommission eine öffentliche Konsultation eingeleitet, um das Wesen und die Geschäftstätigkeit von Schattenbanken besser zu verstehen und angemessene Formen ihrer Regulierung und Beaufsichtigung zu finden.

Als Schattenbanken bzw. Schattenbankgeschäfte gelten u. a.:

  • Geldmarktfonds und andere Arten von Investmentfonds oder –produkten mit einlageähnlichen Merkmalen
  • Investmentfonds, die Kredite bereitstellen oder mit Fremdmitteln arbeiten, z. B. Hedgefonds
  • Finanzierungsgesellschaften und Wertpapierhäuser, die Kredite oder Kreditgarantien bereitstellen
  • Versicherer und Rückversicherer, die Kreditprodukte ausgeben oder garantieren
  • Verbriefungen sowie Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfte.

Diese Tätigkeiten stellen eine zusätzliche Finanzierungsquelle dar und bieten Alternativen zu Bankeinlagen. Sie bieten auch die Möglichkeit zur Risikostreuung außerhalb des Bankensektors.

Schattenbanken sind aber auch nahezu den gleichen Risiken ausgesetzt wie reguläre Banken – allerdings ohne das durch Regulierung und Aufsicht eingezogene Sicherheitsnetz. Ihre Geschäfte werden oftmals mit kurzfristigen Einlagen finanziert, die von den Kunden jederzeit abgezogen werden können.

Da Schattenbanken sich der für konventionelle Banken geltenden Regulierung entziehen, können sie außerdem im Finanzsystem eine Nivellierung nach unten in Gang setzen, d. h. andere Finanzunternehmen könnten ebenfalls versuchen, bestimmte Geschäftstätigkeiten aus dem regulierten Bereich auszulagern.

Manche Investmentbanken nutzen bereits das Schattenbanksystem. Ihre Hauptgeschäftstätigkeit wird zwar reguliert und beaufsichtigt, die über Schattenbanken abgewickelten Geschäfte entgehen jedoch den Regulierungsbehörden. Daher ist zu befürchten, dass die Bemühungen um eine strengere Aufsicht innerhalb des Finanzsystems zu einer weiteren Verlagerung der Geschäftstätigkeit in das Schattenbanksystem führen könnten.

Die Konsultation betrifft vorwiegend fünf Bereiche: Bankenregulierung, Regulierung der Vermögensverwaltung, Wertpapierleih- / Pensionsgeschäfte, Verbriefungen und sonstige Schattenbankaktivitäten.

Die Kommission wird anhand der Konsultationsergebnisse gemeinsam mit den Finanzaufsichtsbehörden der EU entscheiden, welche Maßnahmen auf EU-Ebene zweckmäßig sind.

Die Interessenträger werden gebeten, ihre Stellungnahmen vor dem 1. Juni 2012 zu übermitteln.

Am 27. April findet in Brüssel eine Konferenz zur Regulierung des Schattenbankwesens statt.

Mehr zu Schattenbanken und zur Konferenz im April

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