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Pläne für sichere Derivatemärkte - 22/10/2009

Münzen auf den Finanzseiten einer Tageszeitung ©EC

Ein echter Paradigmenwechsel: Der Handel mit Derivaten soll in Zukunft reguliert werden.

Die EU hat Maßnahmen zur Regulierung der Derivatemärkte angekündigt. Der Handel mit diesen Finanzinstrumenten hatte bei der Entstehung der Finanzkrise eine nicht unbedeutende Rolle gespielt.

Die Kommission will 2010 entsprechende Legislativvorschläge vorlegen, um die mit diesen Titeln verbundenen Risiken für die Wirtschaft einzudämmen. Die Vorschläge sind der letzte Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, die die EU zur Stärkung der Finanzaufsicht ergreift, um eine weitere Krise zu vermeiden.

Der zuständige Kommissar Charlie McCreevy bezeichnete die Pläne als „Paradigmenwechsel und eine Abkehr von der bisherigen Sichtweise, wonach bei Derivaten – da sie für professionelle Marktteilnehmer bestimmt sind – nur geringer Regulierungsbedarf besteht.“

Um eine weltweit kohärente Vorgehensweise sicherzustellen, wird die Kommission vor Abschluss der neuen Legislativvorschläge mit ihren Partnern der G-20 zusammenarbeiten. Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer kam unlängst überein, bei Derivaten härter durchzugreifen. Die USA haben bereits entsprechende Gesetze erlassen.

Die Bezeichnung „Derivate“ geht darauf zurück, dass ihr Wert vom Preis eines bestimmten Basiswerts, z. B. Zinssatz oder Ölpreis, abhängt. Die Pläne der EU betreffen sogenannte OTC-Derivate, das heißt Wertpapiere, die nicht an der Börse, sondern direkt zwischen zwei Parteien gehandelt werden.

Der Handel mit Derivaten ist in den letzten zehn Jahren regelrecht explodiert. Weltweit bewegt sich der Markt heute in einer Größenordnung von mehreren Hundert Billionen Euro. In der Zeit vor der Krise wurden die Ausfallrisiken dieser Wertpapiere jedoch unterschätzt.

Die EU möchte den Markt nun transparenter gestalten und standardisierte Kontrakte einführen, die dann über zentrale Gegenparteien („Clearinghouses, CCP“) gehandelt werden, um das Ausfallrisiko so weit wie möglich zu begrenzen. Alle anderen Transaktionen müssten registriert werden.

Nach den neuen Vorschriften wären die Finanzinstitute auch dazu verpflichtet, mehr Eigenkapital und Sicherheiten für Transaktionen vorzuhalten, die nicht über eine zentrale Gegenpartei abgerechnet werden.

Die Kommission holt derzeit auch die Meinung der Öffentlichkeit dazu ein, wie verhindert werden kann, dass Bankenkrisen das gesamte Finanzsystem gefährden und letztendlich auf die Steuerzahler zurückfallen. Die Flut an Bankenpleiten während der Finanzkrise hat deutlich gemacht, dass neue rechtliche Instrumente nötig sind, um mit den grenzüberschreitenden Auswirkungen zurechtzukommen.

Angesichts der Erkenntnis, dass keine Bank vor einem Zusammenbruch gefeit ist, forderte Kommissar McCreevy ein robustes Regelwerk, um einen drohenden Zusammenbruch zu erkennen und, sofern möglich, abzuwenden. Sei dies nicht mehr möglich, müsse die Bank saniert oder liquidiert werden.

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