Navigationsleiste

EU: Kleine Anbieter müssen vor Industriegiganten geschützt werden - 23/07/2014

Supermarktkunde mit Einkaufswagen

Die EU fordert Maßnahmen zum Schutz kleinerer Lebensmittelunternehmen vor unfairen Handelspraktiken einiger großer Hersteller und Supermärkte.

Großunternehmen haben in Verhandlungen mit anderen Firmen eine günstigere Position, die sie – legitimerweise – zu ihrem Vorteil nutzen.

Infolge der Machtkonzentration in der Lebensmittelbranche haben sich die Ungleichgewichte allerdings verschärft und mitunter dazu geführt, dass kleinere Unternehmen unlauteren Handelspraktiken ausgesetzt sind.

So wird die starke Verhandlungsposition u. a. dazu genutzt,

  • die schriftliche Festlegung wesentlicher Vertragsklauseln zu verweigern,
  • die finanziellen Konditionen bereits vereinbarter Geschäfte nachträglich zu ändern,
  • unverhältnismäßige Risiken auf schwächere Vertragspartner abzuwälzen,
  • Handelsbeziehungen unangekündigt und ohne sachlich gerechtfertigte Gründe zu beendigen.

Wenn die schwächere Partei in einer Geschäftsbeziehung wirtschaftlich von ihrem stärkeren Partner abhängt, sieht sie sich aus Furcht vor einer Trübung der Beziehungen oftmals nicht zur Gegenwehr in der Lage.

Ein hypothetischer, aber typischer Fall: Ein multinationaler Getränkekonzern beliefert einen kleinen Einzelhändler. Er führt ein neues Produkt ein und verlangt vom Einzelhändler, Bestände anzulegen. Weigert sich der Einzelhändler mit Hinweis auf begrenzte Regalfläche, so droht der Konzern, zum Kernsortiment gehörende Produkte künftig nicht mehr zu liefern. Macht der Einzelhändler daraufhin geltend, dass das neu eingeführte Produkt überhaupt nicht Gegenstand des ursprünglichen Vertrags war, so droht der Konzern mit der Beendigung der Geschäftsbeziehung.

Unterstützung für kleine Unternehmen

Einige EU-Länder gehen bereits gegen solche Praktiken vor, andere müssen noch Maßnahmen treffen.

Die EU ruft die Unternehmen seit September 2013 dazu auf, einen freiwilligen Verhaltenskodex – die Supply-Chain-Initiative – zu übernehmen, der zu fairem und beständigem Verhalten in Geschäftsbeziehungen verpflichtet.

Auf dieser Grundlage möchte sie nun EU-weit geltende Grundsätze für vorbildliche Verfahren und Mindeststandards für die Durchsetzung festlegen.

So sollen mehr Streitfälle im Rahmen freiwilliger Initiativen anstelle kostspieliger und langwieriger Gerichtsverfahren beigelegt werden. Dabei könnten unabhängige Behörden im Interesse von Kleinunternehmen, die negative Auswirkungen ihrer Beschwerden befürchten, den Schutz der Vertraulichkeit gewährleisten.

An der Herstellung, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Lebensmitteln sind viele unterschiedliche Akteure beteiligt: Die Zahl der Beschäftigten in der Versorgungskette beträgt in der EU über 47 Millionen, und in kaum einer Branche sind mehr Kleinunternehmen tätig.

Pressemitteilung – Unlautere Praktiken in der Lebensmittelbranche 

Fragen und Antworten zur unlauteren Praktiken in der Lebensmittelbranche English

kontrastreiche Version normale Schriftgröße Schriftgröße 200 % Seite versenden Seite drucken

 

Haben Sie die gesuchten Informationen gefunden?

Ja Nein

Wonach haben Sie gesucht?

Haben Sie Vorschläge?

Nützliche Links