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SOS – europäische Fischbestände in Not - 23/04/2009

Die Kommission sucht Mitstreiter für eine radikale Reform der EU-Fischereipolitik.

Wir schreiben das Jahr 2020 und die Fischereiwirtschaft boomt. Das Problem der Überfischung gehört längst der Vergangenheit an. Fast alle europäischen Fischbestände haben sich erholt, und entlang der Küsten finden junge Leute in der Fischerei ein gutes Auskommen.

So beginnt ein Bericht der EU über die Zukunft der europäischen Fischerei English. Allerdings wird auch schnell klargestellt, dass diese Vision von der Realität noch weit entfernt ist. Wenn sie Wirklichkeit werden soll, muss die EU ihre Fischereipolitik von Grund auf ändern.

Der Bericht ist der erste Schritt in diese Richtung. Bevor die darin vorgestellten Ideen jedoch in einen konkreten Aktionsplan münden können, wird die Kommission in den kommenden Monaten all jene um Rat fragen, die mit der Branche vertraut sind.

„Uns geht es nicht einfach um eine weitere Reform“, erklärte Fischereikommissar Joe Borg. „Wir stellen sogar die Grundprinzipien der derzeitigen Politik auf den Prüfstand und sparen nichts aus.“

Die aktuelle Politik stammt aus dem Jahr 2002. Somit stünde eine Überprüfung normalerweise erst 2012 auf dem Programm. So lange können wir jedoch nicht warten, sonst hat es sich bald ausgefischt.

Bei 88 % der europäischen Fischbestände könnte es bald so weit sein – weltweit beträgt der Anteil überfischter Bestände hingegen nur 25 %. Nahezu jeder dritte Fisch kann sich nicht normal fortpflanzen, weil der Bestand älterer Fische bereits erschöpft ist. In der Nordsee werden beispielsweise 90 % der Kabeljaus gefangen, bevor sie überhaupt laichen können.

Kein Wunder also, dass Europa – nach China die weltweit größte Fischereiwirtschaft – inzwischen zwei Drittel seines Fischbedarfs importiert.

Das Hauptproblem besteht darin, dass zu viele Schiffe auf der Jagd nach zu wenigen Fischen sind. Die europäische Flotte – ungefähr 88 000 Schiffe unterschiedlicher Größe und Kapazität – ist in den letzten Jahren zwar geschrumpft, doch dies allein genügt nicht, denn die Schiffe sind durch den technologischen Fortschritt effizienter geworden. Tiefere Einschnitte sind notwendig, um die Bestände wiederauffüllen und wirtschaftliche Nachhaltigkeit garantieren zu können.

Eine wichtige Rolle bei der Überfischung spielt laut dem Bericht der Kommission auch die Subventionierung der Branche durch die Regierungen.

Die von der EU festgelegten Fangquoten haben jedenfalls nicht die gewünschte Wirkung erzielt – und sind darüber hinaus nicht gerade populär. Erst unlängst blockierten französische Fischer mehrere Häfen am Ärmelkanal, um gegen die Quoten für Seezunge und Kabeljau zu protestieren.

Immerhin – die Branche bietet nach wie vor gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Allerdings finden sich die meisten Arbeitsplätze bei der Verarbeitung und Verpackung und sonstigen nicht direkt mit der Fischerei zusammenhängenden Tätigkeiten. Nur etwa 190 000 Menschen sind tatsächlich im Fischfang beschäftigt.

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