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Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt und in der Bildung

Dieses Seminar wurde im Rahmen des Programms „Voneinander Lernen“ am 29.-30. September 2015 in Kopenhagen veranstaltet. Im Mittelpunkt stand die Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt und in der Bildung. Ein besonderes Augenmerk galt Konzepten, die mehr männliche pädagogische Fachkräfte für FBBE-Berufe (frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung) gewinnen sollen, sowie der verstärkten Förderung von Frauen und Mädchen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Neben dem Gastgeberland Dänemark und den assoziierten Ländern Nordirland und den Niederlanden nahmen VertreterInnen und Fachleute aus folgenden Staaten teil: Deutschland, Estland, Finnland, Island, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien und Zypern.

Dänemark präsentierte Pilotprojekte in fünf Kommunen, die das Ziel verfolgen, mehr männliche Pädagogen für eine Laufbahn in der Kindertagesbetreuung zu interessieren und so die Geschlechterdiversität in diesem Sektor zu steigern. Dafür musste der Hebel an mehreren Stellen angesetzt werden: Sprachliche Anpassung der Stellenangebote und Hinterfragung ungeschriebener Gesetze bei der Auswahl der Bewerbungen; Kontaktaufnahme im Vorfeld mit männlichen Studierenden, um sie auf Arbeitsplatzmöglichkeiten in diesem Sektor aufmerksam zu machen und auf ihre allfälligen Bedenken einzugehen; Aufbau einer beruflichen Identität, um die Tätigkeit im Sektor für alle attraktiv zu machen. Mit den Projekten waren alle beteiligten Institutionen gefordert, intern Veränderungen in Gang zu setzen, um Geschlechterstereotypen zu beseitigen, bestehende Konzepte zu Geschlechtervielfalt und Geschlechterrollen in der Arbeit zu überdenken und neue Gender-Erkenntnisse in die Alltagsroutinen einfließen zu lassen.

In Nordirland wurde mit Regierungsmitteln und in Partnerschaft mit der Gleichstellungskommission, die Stelle eines Wirschaftskoordinators bzw. –koordinatorin geschaffen um der geschlechtsspezifischen Segregation in MINT-Berufen entgegenzuwirken. Es wurde eine Infrastruktur entwickelt, um das Gleichgewicht auf dem MINT-Gebiet zu fördern. In Leitlinien für bewährte Verfahren werden Rollenvorbilder vor und nach der Einstellung, eine unterstützende Personalpolitik, Vernetzung und Chancen auf Karriereentwicklung sowie Mentoring als Faktoren mit besonderer Bedeutung hervorgehoben. Eine MINT-Charta für Unternehmensleitende enthält eine Reihe von Verpflichtungen, von der Umsetzung einer Gleichstellungspolitik über zweckmäßige Fördermaßnahmen und das Vorgehen gegen stereotype Denkmuster in Geschlechterfragen bis hin zum Benchmarking in Bezug auf bewährte Verfahren und zur Überwachung von Instrumenten der Chancengleichheit. Es wurde ein Unternehmensnetzwerk zur MINT-Gleichstellung ins Leben gerufen, um Fragen wie Benchmarking und Bedarfserkennung, Mentoring, Vernetzung und unbewusste Voreingenommenheit zu diskutieren.

In den Niederlanden wurde eine Reihe von Politikmaßnahmen und damit verknüpften Projekten initiiert, um im Zusammenhang mit den MINT-Fächern einen Wahrnehmungswandel herbeizuführen und gegen Stereotype anzugehen. Mädchen sollen über Möglichkeiten im MINT-Bereich informiert werden und es sollen Rollenvorbilder geschaffen werden. Außerdem sollen Eltern und Lehrkräfte mit Initiativen, die spezifisch auf das Grundschul-, Sekundarschul- und Hochschulniveau zugeschnitten sind, mehr Gender-Bewusstsein erhalten. Neben Lernenden, Eltern und Lehrkräften nehmen an diesen Initiativen auch Schul- und Bildungsberatungspersonal teil. Die Palette der Aktivitäten reicht von Unterrichtseinheiten, in denen mit einer „Talentrevue“ Stereotype abgebaut werden, über eine Online-Datenbank über weibliche Rollenvorbilder bis hin zu „Girls‘ Days“, an denen Besuche in MINT-Unternehmen und Forschungseinrichtungen stattfinden. Außerdem erhalten Lehrkräfte vor Ort Weiterbildung, um das Geschlechterbewusstsein im MINT-Unterricht zu stärken. „Speed Dating“ Veranstaltungen mit weiblichen MINT-Fachkräften, Informationsangebote für MINT-Studierende (weiterführende Programme, Berufsbilder), bildungspolitische Empfehlungen für den Umgang mit Geschlechtervielfalt in Lehrplänen und Arbeitssitzungen mit dem Personal von Kontakt-/Monitoringinstanzen für Genderbelange ergänzen das Programm.

Wie in der Debatte hervorgehoben wurde, ist es zur Überwindung der Geschlechtersegregation erforderlich, dass Unternehmen wirksame Gleichstellungspraktiken systematisch umsetzen, um Diversität sowie die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben zu fördern. Um auf gesellschaftlicher Ebene einen Wandel voranzutreiben, gilt es, eine ausgewogenere Aufteilung der Haus- und Familienarbeit zu fördern und Maßnahmen zugunsten der Leistbarkeit und Qualität der Kinderbetreuung zu ergreifen.

Die Teilnehmenden begrüßten die niederländischen Initiativen zur Mädchenförderung in den MINT-Fächern und dass dabei die Kette von der Grundschule bis zum Arbeitsmarkt durchgehend abgedeckt wird. Im Diskussionsverlauf wurde thematisiert, dass Botschaften, die Männer für frauendominierte und Frauen für männerdominierte Sektoren gewinnen sollen, geschlechtsbezogene Stereotype nicht kopieren dürfen. Auch die sprachliche Abstimmung auf Gender-Aspekte wirkt mitunter nur allzu leicht als Hürde im Abbau von Geschlechtersegregation und Geschlechterstereotypen.

Dokumente zum Thema

Zusammenfassungpdf(387 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Diskussionspapiere

Dänemarkpdf(492 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Niederlandepdf(459 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Nordirland pdf(437 kB) Übersetzung für diesen Link wählen - STEM Charterpdf(298 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Stellungnahmen 

Deutschlandpdf(422 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Estlandpdf(541 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Finnlandpdf(393 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Italienpdf(422 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Kroatienpdf(456 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Litauenpdf(388 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Luxemburgpdf(490 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Österreichpdf(454 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Polenpdf(456 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Portugalpdf(411 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Rumänienpdf(442 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Schwedenpdf(399 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Slowenienpdf(442 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

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