Navigationsleiste

Startseite

Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen RSS

Am 16. und 17. April 2013 wurde in Madrid ein Austausch bewährter Verfahren veranstaltet, um Handlungsmöglichkeiten in der Eindämmung von Gewalt gegen Frauen zu erörtern. Zur Debatte standen sowohl vorbeugende Maßnahmen und Verfahren als auch Mechanismen zur begleitenden Unterstützung bedrohter Frauen.

Spanien besitzt seit 2008 einen Gesetzesrahmen für die Eindämmung von Gewalt gegen Frauen, der mit Opferhilfeprogrammen ergänzt wird. Besonders hervorzuheben sind mehrere Instrumente, die von Betroffenen kostenlos in Anspruch genommen werden können und auf moderner Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) beruhen. Sie zeichnen sich durch eine beträchtliche Reichweite aus, bieten zügige Interventionsmöglichkeiten und die ggf. gebotene Diskretion. Dazu zählen:

  • Eine Webseite mit einem zielgerichteten Informations- und Beratungsangebot. Es können insbesondere örtliche Anlaufstellen wie Frauenvereine, Familiengruppen, Rechtsberatungen und Polizeidienststellen abgefragt werden.
  • Eine rund um die Uhr besetzte Notrufstelle mit professioneller Beratung und Orientierungshilfe.
  • Ein auf Mobiltelefonen beruhendes Soforthilfeinstrument für Opfer, die an einem Unterstützungsprogramm teilnehmen.
  • Elektronische Fußfesseln für Gewalttäter, gegen die per Gerichtsbeschluss ein Kontaktverbot verhängt wurde.

Irland präsentierte seine Aktionsprogramme, die sich an Männer richten, die sich häuslicher Gewalt gegen Frauen schuldig gemacht haben. Das Ziel besteht darin, Misshandlungen abzuwenden, eine weitere Viktimisierung einzudämmen und die Rückfallquote zu drosseln. Dieses Konzept, das bereits einige Erfolge vorzuweisen hat, ist in Europa bislang wenig verbreitet. Studien offenbaren, dass das Gewaltverhalten der am Programm teilnehmenden Männer mehrheitlich zurückgeht und Frauen sich weniger bedroht fühlen. Allerdings wurde unterstrichen, dass derartige Programme als therapeutische Maßnahme keinen Ersatz für Interventionen darstellen, um die Sicherheit von Frauen und Kindern zu gewährleisten.

In der darauffolgenden Diskussion wurde der Einsatz von IKT – wie im Fall Spaniens – als Möglichkeit erachtet, kostenwirksame Maßnahmen zu entwickeln, die einer größeren Zahl von Opfern zugute kommen und eine effiziente und rasche Intervention gestatten. Die Fokussierung auf Gewalttäter in Irland wurde ebenfalls als sinnvolle Praxis bewertet, die in anderen Staaten Nachahmung finden könnte, wenngleich Ressourcenzwänge den Handlungsspielraum einengen könnten. Eine übereinstimmende Feststellung lautete darüber hinaus, dass für eine positive Weiterentwicklung bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden müssen – etwa eine wirksame Strategie zur geschlechtsspezifischen Gewalt, mit regionalen und lokalen Maßnahmenplänen, zumal die Unterstützung überwiegend auf diesen Ebenen benötigt bzw. erbracht wird.

Aus den Diskussionen ging die Notwendigkeit zur Koordinierung der Opferhilfe in unterschiedlichen Anlaufstellen hervor. Diese sollte im Idealfall durch ein übergeordnetes Organ erfolgen, mit Qualitätsvorgaben für alle Dienstleistungen die Opfern geboten werden. Unterstützend bedarf es Weiterbildungsmaßnahmen für alle beteiligten Fachkräfte (Justizwesen, Exekutive, Sozial- und Gesundheitswesen), einer nachhaltigen Finanzierung und geeigneter Rechtssprechungsinstrumente (z. B. eigene Gerichte wie in Spanien, oder eine solide Koordination zwischen Zivil- und Strafgerichten).

Therapieprogramme für Täter erlangen zunehmend an Bedeutung. Häufig stellen sich dabei jedoch noch immer einige Hindernisse; so lässt sich etwa nur schwer belegen, wie sich derartige Programme in der Verhütung neuer Gewaltfälle bewähren. Angesichts der aktuellen Finanzkrise ist es darüber hinaus angezeigt, Prioritäten in der Ressourcenzuteilung festzulegen.

Ein besserer Wissensstand über alle vorhandenen Instrumente wurde als ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor erkannt, ebenso wie die regelmäßige Evaluierung der Maßnahmen und Politiken, die zur Betreuung von Opfern und Tätern eingesetzt werden.

Dokumente zum Thema

Zusammenfassungpdf(375 kB) Übersetzung für diesen Link wählen 

Diskussionspapier:

Stellungnahmen der teilnehmenden Länder: