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Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen: Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung

Am 7./8. Februar 2012 fand in London ein Austausch bewährter Verfahren statt, bei dem Sensibilisierungsmaßnahmen im Hinblick auf die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen erörtert wurden. Das Vereinigte Königreich und Griechenland legten ihre einschlägigen Aktionspläne dar, die jeweils „Sensibilisierungsmechanismen“ enthielten.

In Großbritannien wurde der Action Plan on Violence Against Women and Girls (Aktionsplan zur Gewalt gegen Frauen und Mädchen) im März 2011 initiiert. Mehrere Ministerien beteiligen sich mit unterschiedlichsten Tätigkeiten. Neben einer auf junge Menschen zugeschnittenen Präventionskampagne, die Beziehungsmissbrauch unter Jugendlichen entgegenwirken will, wurden landesweit Notrufstellen für Gewaltopfer eingerichtet. Ebenfalls vorgesehen sind Schulungen für (klinische) Fachkräfte, denen Fachwissen für den Umgang mit Opfern sexuelle Übergriff vermittelt werden soll. Ein weiterer wichtiger Baustein des Aktionsplans sind Medienkampagnen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und das Verständnis von sexueller Nötigung und Missbrauch zu verbessern.

Griechenland startete im November 2009 einen integrierten Aktionsplan für Frauen und zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt auf nationaler und lokaler Ebene. Eine Reihe von Aktionen wurde auf den Weg gebracht: Eine zweijährige Sensibilisierungskampagne, die sich nicht nur an die breite Öffentlichkeit, sondern auch weibliche Gewaltopfer, Fachkräfte, NRO und Frauenorganisationen richtet; Schaffung eines täglich rund um die Uhr erreichbaren Notrufs; Schaffung neuer Notschlafeinrichtungen und Beratungszentren; Schulungsmaßnahmen für Fachkräfte (BeraterInnen, Anwältinnen/Anwälte, Polizei, Gesundheitsdienste).

Bei den Diskussionen im Seminarverlauf wurde hervorgehoben, dass Kampagnen einerseits in einem Aktionsplan verankert und andererseits mit weiteren Maßnahmen wie der Opferhilfe verknüpft werden müssen. Es bedarf eines deutlichen Politikengagements und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Interessengruppen und NRO. Es gilt, eine zusammenhängende Sensibilisierungsstrategie mit eindeutig bestimmten Schlüsselelementen und Zielgruppen zu entwickeln. Es ist eine Verlagerung von Kampagnen mit undifferenzierten Zielgruppen zu solchen zu beobachten, die spezifisch auf Opfer, Außenstehende, potentielle Täter, Fachkräfte, Jugendliche oder Minderheitengruppen zugeschnitten sind. Allerdings gibt es kaum Kampagnen, die auf das Präventionspotential von Männern Bezug nehmen (Vorbild positiver Männlichkeit, Männer als Rollenmodelle usw.). Bei allen Zielgruppen ist es erforderlich, die jeweilige Botschaft sorgfältig zu formulieren und danach zu trachten, die Mitwirkung von Beteiligtenan der Kampagne zu fördern.

Darüber hinaus zeigte sich, dass bewusstseinsbildende Kampagnen mehr darauf achten müssen, welche Bilder transportiert werden. Die Darstellung von Frauen als passive Opfern und Männern als Gewalttätern darf nicht zusätzlich verstärkt werden. Nicht zuletzt stellt sich angesichts aktueller Sparzwänge die Herausforderung, Sensibilisierungsmechanismen ohne immensen Ressourcenbedarf anzulegen, um die Kontinuität der Aktionen zu gewährleisten. Das Fehlen adäquater Studien und Daten und die Schwierigkeiten der Wirksamkeits- und Folgenbewertung von Sensibilisierungsinitiativen wurden ebenfalls angesprochen. 

Dokumente zum Thema:

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Diskussionspapier (Nur in Englisch):

Stellungnahmen der teilnehmenden Länder (Nur in Englisch):  

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