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Tarifverträge

Schweden

In Schweden wurde im Rahmen der zentral ausgehandelten Tarifverträge für 2007-2009 ein „Fonds zur Geschlechtergleichstellung“ zur Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles eingeführt. Dieser wurde gemeinsam vom schwedischen Gewerkschaftsbund (Landsorganisationen, LO) und den Arbeitgeberverbänden verhandelt. Der Fonds sah größere Lohnsteigerungen für gering bezahlte Beschäftigte in Bereichen mit überwiegendem Frauenanteil vor. Weil dadurch allerdings gering bezahlte Frauen in Bereichen mit überwiegendem Männeranteil unerreicht blieben, wurde der Fonds im Jahr 2010 vom Gewerkschaftsbund überarbeitet; seither berücksichtigt er alle Beschäftigten mit geringer Bezahlung so, dass er vor allem Frauen zugute kommt und daher zur Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles beiträgt. Gering bezahlte Beschäftigte (mit einem Monatseinkommen unter 2 445 EUR) erhielten eine monatliche Lohnaufstockung von 10,90 EUR aus dem Fonds. So konnten die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in den Jahren 2007 bis 2009 verringert werden. Schwedischen Lohnstatistiken zufolge betrug die Lohnerhöhung unter den im Gewerkschaftsbund organisierten Frauen 12,6 %, wohingegen ihre männlichen Kollegen eine Steigerung von 11,4 % verzeichneten. Dabei fielen für Arbeitnehmerinnen in Gemeinden, Provinzräten und im Einzelhandel, also in Bereichen mit hohem Frauenanteil, die höchsten Lohnsteigerungen ab.

Finnland

Seit 1998 haben Gleichheitszuschläge in finnischen Tarifverhandlungen einen festen Platz. Sie veranschaulichen auf interessante Weise, wie über ein spezielles Budget für Gleichstellung die Lohngleichheit in Tarifverträgen verankert werden kann. Vor 2005 waren die Zuschläge Bestandteil der umfassenden Einkommenspolitik, die alle Wirtschaftsbereiche abdeckte, und seither werden sie in gesonderten Branchentarifverträgen separat verhandelt. Gleichheitszuschläge dienen der Verbesserung der Lohnbedingungen in Bereichen mit überwiegendem Frauenanteil sowie im Niedriglohnsektor. Die Zuschlagshöhe richtet sich danach, zu welchem Grad die Tätigkeiten entweder frauendominiert oder gering bezahlt sind.

Im Tarifvertrag für den behördlichen Sektor 2007-2010 sowie im Branchentarifvertrag für den kommunalen Sektor 2007-2010 wurden jeweils Zuschläge für frauendominierte und gering bezahlte Tätigkeiten vorgesehen. Dies führte beispielsweise in Behörden zu einem Gleichheitszuschlag in Höhe von 0,2 %. Dieser Satz beruhte auf einem von der Regierung aufgestellten Gleichheitsindex, an dem die Entlohnung von Frauen und Männern in bestimmten Ämtern oder Behörden gemessen wurde. Zusätzlich war die Höhe des tatsächlichen Zuschlags vom Anteil der gering bezahlten Frauen abhängig. Je nach Situation ergab sich somit ein spezieller Gleichheitszuschlag von bis zu 0,4 % des Lohns.In den Kommunen erhielten Berufsgruppen mit überwiegendem Frauenanteil besondere Lohnerhöhungen.

Im Rahmen einer im Jahr 2010 durchgeführten Überarbeitungpdf der neuen Vergütungssysteme in einzelnen Wirtschaftsbereichen kam man zu dem Schluss, dass diese in direkter Weise zum Abbau des geschlechtsspezifischen Lohngefälles beitrugen. Allerdings wurden die größten Auswirkungen den Frauen zuteil, die in höher dotierten Positionen anspruchsvolleren Tätigkeiten nachgingen, während gering bezahlte Frauen mit weniger anspruchsvollen Tätigkeiten in geringerem Maße profitierten. Ebenfalls konnte durch die neuen Vergütungssysteme die Trennung zwischen Frauen und Männern im Arbeitsmarkt nur geringfügig beeinflusst werden. Ähnlich profitierten von Bonuszahlungen und anderen besonderen Gratifikationen aufgrund der ungleichen Verteilung der familiären Aufgaben eher Männer als Frauen.

Belgien

Der Gewerkschaftsbund FGBT/ABVV hat einen Leitfaden für Gewerkschaften und Arbeitgeber zur Berücksichtigung der Geschlechterperspektive in Tarifverhandlungen herausgegeben. Der Fachbereich für Genderfragen des Gewerkschaftsbunds hat zudem eine spezielle Schulung zu diesem Thema für Verhandlungsführer entwickelt.


Hier finden Sie alle Dokumente zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle Übersetzung für diesen Link wählen .