Wo liegen die Ursachen?
Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gehen auf eine Anzahl komplexer Faktoren zurück, die häufig miteinander verwoben sind.
Offene Diskriminierung
- Manche Frauen werden für dieselbe Tätigkeit schlechter bezahlt als Männer. Dieser Faktor hat wegen der Wirksamkeit EU-weiter und nationaler Rechtsvorschriften nur einen geringen Anteil an den Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern.
Die Unterbewertung der Arbeit von Frauen
- Häufiger verdienen Frauen weniger als Männer für die Ausübung von gleichwertigen Tätigkeiten. Eine der Hauptursachen liegt in der Art der Wertschätzung der Kompetenzen von Frauen im Vergleich zu Männern.
- Tätigkeiten, die ähnliche Fähigkeiten, Qualifikationen oder Erfahrung erfordern, sind in der Regel dann schlecht bezahlt und unterbewertet, wenn in ihnen der Anteil von Frauen gegenüber Männern vorherrscht. So verdienen beispielsweise die (vorwiegend weiblichen) Kassenkräfte in einem Supermarkt normalerweise weniger als die (hauptsächlich männlichen) Beschäftigten, die Regale bestücken und andere eher körperliche Tätigkeiten ausüben.
- Möglich ist auch eine Bevorzugung von Männern bei der Bewertung der Leistung, und damit der Lohnhöhe und Aufstiegsmöglichkeit. Wenn beispielsweise Frauen und Männer gleich qualifiziert sind, kann die Verantwortung für Kapital höher gewertet werden als die Verantwortung für Menschen.
Segregation am Arbeitsmarkt
- Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden auch durch die so genannte Segregation im Arbeitsmarkt verstärkt. Frauen und Männer tendieren nach wie vor zu unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Zum einen haben bestimmte Branchen oft einen hohen Anteil von Frauen oder Männern. Zum anderen überwiegt innerhalb einer Branche oder eines Unternehmens der Anteil von Frauen in geringer geschätzten und niedriger bezahlten Beschäftigungen.
- Frauen arbeiten oft in Branchen, in denen ihre Arbeit geringer bewertet und bezahlt ist, als in den Branchen mit hohem Männeranteil. Über 40% der Frauen sind im Gesundheitswesen, im Erziehungsbereich oder in der öffentlichen Verwaltung tätig. Dies ist doppelt so viel wie der Anteil der Männer in denselben Sektoren. Im Gesundheits- und Sozialsektor allein beträgt der Frauenanteil 80%.
- Ferner sind Frauen häufig als Verwaltungsassistentinnen, Verkäuferinnen oder als angelernte bzw. ungelernte Arbeiterinnen tätig – fast die Hälfte der berufstätigen Frauen arbeiten in diesen Tätigkeiten. Viele Frauen üben gering bezahlte Beschäftigungen aus, beispielsweise im Reinigungs- und Pflegebereich.
- In Management- und Führungspositionen sind Frauen unterdurchschnittlich vertreten. In den Unternehmen der EU beträgt der Frauenanteil beispielsweise nur 32% im Management, 10% in den Vorständen der größten Unternehmen und 29% bei Wissenschaftlern und Ingenieuren in ganz Europa.
Traditionen und Stereotypen
- Die Trennung hängt oft mit Traditionen und Stereotypen zusammen. Traditionen und Stereotypen, in denen sich persönliche Präferenzen ausdrücken mögen, können beispielsweise die Wahl des Bildungswegs und die Beschäftigungsmuster beeinflussen.
- Frauen haben zwar einen Anteil von 55% bei den Universitätsstudenten, sind aber in Bereichen wie Mathematik, IT und Ingenieurswesen in der Minderheit.
- Einen Universitätsabschluss in mathematischen, wissenschaftlichen und technischen Fächern besitzen nur 8,4 von 1.000 Frauen im Alter von 20-29 Jahren besitzen, aber 17,6 Männer.
- Folglich arbeiten weniger Frauen in wissenschaftlichen und technischen Berufen. In vielen Fällen führt dies dazu, dass Frauen in geringer geschätzten und niedriger bezahlten Sektoren der Wirtschaft tätig sind.
- Wegen dieser Traditionen und Stereotypen wird von Frauen erwartet, dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufstätigkeit ganz aufgeben, um sich um Kinder zu kümmern oder ältere Angehörige zu pflegen.
Vereinbarung von Arbeit und Privatleben
- Frauen haben größere Schwierigkeiten als Männer, wenn es um das Verhältnis von Arbeit und Privatleben geht.
- Die Aufgaben in der Familie und Pflege sind immer noch ungleich verteilt. Die Sorge um abhängige Familienmitglieder wird weitgehend von Frauen getragen. Weitaus mehr Frauen als Männer entscheiden sich für Elternurlaub. Diese Tatsache führt in Verbindung mit fehlenden Möglichkeiten der Betreuung von Kindern und älteren Menschen dazu, dass Frauen oft gezwungen werden, den Arbeitsmarkt zu verlassen. Die Beschäftigungsquote von Frauen mit abhängigen Kindern liegt nur bei 62,4% gegenüber 91,4% bei Männern mit abhängigen Kindern.
- Teilzeitarbeit kann zwar eine persönliche Entscheidung sein, ist für Frauen in vielen Fällen jedoch eine Notwendigkeit, um Erwerbstätigkeit und familiäre Verpflichtungen zu vereinbaren. Eine Lohndifferenz zeigt sich bei der Betrachtung der Stundenlöhne von Beschäftigten in Teilzeit und Vollzeit. Europaweit arbeitet über ein Drittel der Frauen in Teilzeit, bei den Männern liegt der Anteil nur bei 8%. Über drei Viertel aller Teilzeitbeschäftigten insgesamt sind Frauen.
- Dadurch haben Frauen mehr Karriereunterbrechungen oder arbeiten weniger Stunden als Männer. Dies kann ihre Karriereentwicklung und Aufstiegschancen beeinträchtigen. Es bedeutet auch finanziell weniger attraktive Karrieren.
Dokumente
- Der geschlechtsspezifische Verdienstabstand in Europa aus rechtlicher Sicht
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The gender pay gap — Origins and policy responses A comparative review of 30 European countries
- Gleiches Entgelt - Austausch bewährter Praktiken
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Analysis note : The gender pay gap in the EU- what policy responses?
Hier finden Sie alle Dokumente zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle
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