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No 16 (March 99/Mars 99/März 99)
SPEZIAL-DOSSIER - No 16 (März 99) |
WIRTSCHAFTSREFORM Bericht über die Funktionsweise der
Produkt- und Kapitalmärkte |
Wie funktionieren die Waren-, Dienstleistungs- und
Kapitalmärkte der EU in der Praxis? Die Kommission hat kürzlich eine
Mitteilung verabschiedet, die auf Bereiche der EU-Wirtschaft hinweist, in denen
angebotsseitige strukturelle Schwächen vorrangig behoben werden
müssen. Die Mitteilung geht auf eine Forderung des Euro päischen
Rates von Cardiff im Juni 1998 zurück und soll dem Rat der
EU-Finanzminister (ECOFIN) helfen, die Grundzüge der EU-Wirtschaftspolitik
festzulegen. Es wird insbesondere untersucht, inwieweit die Märkte bereits
integriert sind und effektiv funktionieren bzw. wo Strukturreformen auf
nationaler und Gemeinschaftsebene notwendig sind, um ihre Flexibilität und
Funktionsfähigkeit zu verbessern. Wirtschaftsreformen sind kein
Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Erhöhung des Wohlstands und der
wirtschaftlichen Stabilität, vor allem aber zur Schaffung von
Arbeitsplätzen. Die vorliegende Analyse gibt dem ECOFIN einen umfassenden
Überblick über volkswirtschaftliche Indikatoren, den Arbeits markt,
das Funktionieren des Binnenmarktes und andere Fragen der Wirtschaftsstruktur.
Die Mitteilung kann als Instrument eingesetzt werden, um die für den
Erfolg der Wirtschafts- und Währungsunion notwendigen strukturellen
Änderungen herbeizuführen.
Der Binnenmarkt ist ein willkommener Beschleuniger wirtschaftlicher
Reformen. Solche Reformen gewinnen in der WWU noch mehr Bedeutung, denn nachdem
Wechselkurs korrekturen nicht mehr möglich sind, kann asymmetrischen
Schocks nur mit Markteffizienz und -flexibilität begegnet werden.
Wirtschaftliche Integration und strukturelle Reformen erhöhen die
Diversifizierung der europäischen Wirtschaftssysteme und machen sie damit
weniger anfällig für asymmetrische Schocks.
Indem der Binnenmarkt die Integration der Kapitalmärkte erleichtert,
trägt er ferner dazu bei, Störungen der lokalen Finanzsysteme zu
mildern und das Funktionieren der europäischen Finanzmärkte zu
verbessern.
Im Bericht wird darauf verwiesen, daß auch staatliche Stellen zur
Verbesserung der Markteffizienz beitragen müssen, indem sie den
Verwaltungsaufwand auf ein Minimum beschränken und für eine
konsequente Anwendung des Rechts (z.B. des Kartellrechts) sorgen.
I. Entwicklungen
Im Bericht werden verschiedene Entwicklungen der Waren- und Kapitalmärkte
betrachtet. So läßt die Entwicklung des grenzüberschreitenden
Handels und der grenzüberschreitenden (d.h. ausländischen)
Direktinvestitionen (ADI) erkennen, daß die Integration der Märkte
in der EU seit 1992 zugenommen hat. Dies geschah auf den Waren-,
Dienstleistungs- und Faktormärkten jedoch mit unterschiedlicher
Geschwindigkeit. Die Verstärkung der Marktintegration und des Wettbewerbs
haben Auswirkungen auf die Preise, die sich zunehmend aneinander angleichen.
- Handel mit Industrieerzeugnissen
Der Handel zwischen den Mitgliedstaaten hat sich seit 1993 fast jährlich
ausgeweitet. 1997 entsprach der Wert des innergemeinschaftlichen Handels mit
Industrieerzeugnissen 31,5% des BIP (1993: 26,5%). Der größte Teil
dieser Zunahme fand zwischen 1993 und 1995 statt, wahrscheinlich unter dem
Einfluß des Binnenmarktprogramms von 1985. Zwischen 1995 und 1997 war die
jähr liche Zuwachsrate des Intra-EU-Handels im Vergleich zu den Vorjahren
rückläufig.
Die qualitativen Analysen lassen vermuten, daß weiterhin Spielraum
für eine Ausweitung des innergemeinschaftlichen Warenhandels besteht. Der
Abbau der verbleibenden Hemmnisse und eine bessere Durchsetzung der
Binnenmarktvorschriften dürften die Integration vertiefen und das
Funktionieren der Märkte verbessern.
- Dienstleistungen
Im Dienstleistungssektor deutet wenig auf verstärkte Marktinte
gration durch Zunahme des Handelsvolumens hin, es gibt hier aber mehr ADI als
im verarbeitenden Gewerbe.
Der Handel mit Dienstleistungen erfolgt tatsächlich überwiegend durch
die Gründung von Niederlassungen in anderen Mitgliedstaaten; dies zeigen
die seit 1992 gestiegenen ADI im Dienst leistungssektor. Für eine
stärkere Integration in diesem Sektor spricht jedoch die Tatsache,
daß sich sein Anteil an den inner gemeinschaftlichen ADI-Zuflüssen
zwischen 1993 und 1996 beträchtlich erhöht hat, nämlich von
64,5% auf 71,3%.
- Kapitalmobilität
Es gibt Anzeichen wachsender Kapitalmobilität im Binnenmarkt.
Grenzüberschreitende ADI sind ein wichtiger Bestandteil des
Kapitalverkehrs und ein wichtiger Indikator für die Marktintegration, denn
Unternehmen können ausländische Märkte nicht nur über den
Handel versorgen, sondern auch durch die Gründung von
Produktionsstätten vor Ort. Es gibt eindeutige Hinweise, daß sich
die ADI-Zuflüsse stärker ausgeweitet haben als vergleichbare
Transaktionen. Zwischen 1992 und 1997 hat sich ihr absoluter Wert trotz
gewisser Fluktuationen deutlich erhöht; im Verhältnis zum BIP stiegen
sie im gleichen Zeitraum von 0,8% auf 1%. Der Umfang der ADI-Zuflüsse
scheint allgemein von der Größe eines Mitgliedstaates
abzuhängen. Einige kleinere Mitgliedstaaten mit entsprechend kleinen
inländischen Märkten (Benelux, Irland) scheinen zunehmend als
Produktionsstandort für den Vertrieb in ganz Europa genutzt zu werden,
denn ihre innergemeinschaftlichen ADI-Zuflüsse entsprechen mehr als 3%
ihres BIP. In die Beneluxländer gehen rund 30% aller
innergemeinschaftlichen ADI.
- Arbeitskräftewanderung
Nach der Einführung des Euro dürfte die
Arbeitskräftewanderung innerhalb der EU stärker in den Mittelpunkt
des Interesses rücken. Dies gilt besonders für Sektoren mit relativ
starrem Arbeitsangebot. Wie der Anteil der Ausländer an der
Erwerbsbevölkerung der EU zeigt, ist der Umfang der
grenzüberschreitenden Wanderung gering, obwohl er zunimmt. Dies liegt an
verschiedenen Faktoren: kulturelle und sprachliche Hindernisse, zunehmende
Angleichung der Arbeitsmarktlage in den verschiedenen Mitgliedstaaten sowie
tatsächliche oder vermeintliche rechtliche Hindernisse (etwa bei
Anerkennung von beruflichen Befähigungsnachweisen, Zugang zu
Arbeitsplätzen im öffentlichen Sektor, Sozialschutz oder
Besteuerung). Dies erklärt, warum die großräumige
Arbeitskräftemobilität in der EU im Vergleich zu den USA relativ
gering ist.
- Preiskonvergenz
Die Verstärkung der Marktintegration und des Wettbewerbs haben
Auswirkungen auf die Preise, die sich zwischen 1985 und 1996 angeglichen haben,
und auf das Funktionieren des Marktes. Das ist vor allem in bestimmten
Dienstleistungsbranchen wie Telekommunikation und Luftverkehr zu beobachten, wo
die Preise gefallen sind. Im Vergleich mit den USA zeigt die EU allerdings ein
hohes Preisniveau und ein großes Preisgefälle, vor allem bei
öffentlichen Aufträgen und auf stark regulierten Märkten.
Verstärkte Marktintegration dürfte hier noch weitere erhebliche
Vorteile bringen.
Entwicklung der Preisstreuung in der EU
(Variationskoeffizient)
|
1985
|
1993
|
1996
|
Privater Endverbrauch
|
21,9%
|
15,9%
|
15,9%
|
Staatlicher Endverbrauch
|
25,4%
|
25,9%
|
27,2%
|
Bruttoanlageinvestitionen:
|
12,8%
|
14,5%
|
13,5%
|
* Gebäude
|
19,2%
|
23,6%
|
22,0%
|
* Sachanlagen
|
9,1%
|
6,7%
|
7,7%
|
Bruttoinlandsprodukt
|
20,1%
|
16,2%
|
16,3%
|
Quelle:
Eurostat/OECD
(Nicht gewogene Daten einschließlich Verbrauch- und Mehrwertsteuer)
|
Die Regel "Ein Markt, ein Preis" unterliegt zahlreichen Anpassungen, u.a. wegen
unterschiedlicher indirekter Steuern, Wechselkursschwankungen, nationaler
Vorlieben für bestimmte Produkte, Strukturunterschieden der Einzel- und
Großhandelsmärkte und Transportkosten. Von der WWU wird eine
stärkere Preiskonvergenz erwartet, die eine stärkere Preistransparenz
nach sich zieht. Dennoch kann es selbst in vollständig integrierten
Volkswirtschaften zu gewissen Unterschieden in den Verbraucherpreisen kommen.
Große Preisunterschiede (vor Steuern) auf seit langem bestehenden
nationalen Märkten können ein nützlicher Indikator zur
Marktbeobachtung sein.
In Schweden, Dänemark (vor allem bei Verbrauchsgütern) und
Deutschland (Endverbrauch des Staates und Baupreise) ist das Preisniveau
relativ hoch, vor allem im Vergleich zu den südlichen Mitgliedstaaten und
dem Vereinigten Königreich. Die ursprüngliche Erwartung ging dahin,
daß Effizienzgewinne als Preissenkungen (oder größere
Produktvielfalt) an die Verbraucher weitergegeben werden und ein stärkerer
Wettbewerb somit zu niedrigeren und konvergierenden Preisen führen
würde.
Innergemeinschaftlicher Warenaustausch im Verhältnis zum BIP
(1992-97)
|
1992
|
1993
|
1994
|
1995
|
1996
|
1997
|
1992-97
|
Belgien-Luxemburg
|
85,0%
|
80,9%
|
82,0%
|
86,0%
|
89,7%
|
93,8%
|
86,5%
|
Dänemark
|
36,5%
|
33,7%
|
35,7%
|
38,7%
|
37,8%
|
40,0%
|
37,2%
|
Deutschland
|
26,7%
|
22,2%
|
23,0%
|
24,2%
|
24,5%
|
25,6%
|
24,4%
|
Griechenland
|
22,9%
|
20,4%
|
20,2%
|
21,6%
|
18,5%
|
17,9%
|
20,1%
|
Spanien
|
18,7%
|
19,2%
|
22,7%
|
25,8%
|
27,0%
|
27,3%
|
23,6%
|
Frankreich
|
25,7%
|
21,7%
|
23,6%
|
25,2%
|
25,3%
|
26,8%
|
24,8%
|
Irland
|
72,7%
|
72,6%
|
77,5%
|
83,5%
|
81,1%
|
79,8%
|
78,4%
|
Italien
|
18,7%
|
18,8%
|
20,9%
|
23,8%
|
22,0%
|
22,4%
|
21,1%
|
Niederlande
|
66,5%
|
60,7%
|
64,6%
|
70,3%
|
70,9%
|
74,1%
|
68,2%
|
Österreich
|
36,4%
|
32,8%
|
34,1%
|
38,1%
|
38,6%
|
40,8%
|
37,0%
|
Portugal
|
41,3%
|
37,0%
|
40,3%
|
42,1%
|
45,0%
|
45,4%
|
42,0%
|
Finnland
|
26,4%
|
28,1%
|
30,2%
|
33,7%
|
34,1%
|
35,1%
|
31,7%
|
Schweden
|
26,7%
|
30,2%
|
33,3%
|
40,0%
|
37,5%
|
39,5%
|
34,7%
|
Vereinigtes
Königreich
|
22,3%
|
22,9%
|
24,0%
|
26,4%
|
26,6%
|
24,6%
|
24,5%
|
Große
Mitgliedstaaten (D,F,I,VK,E)
|
23,4%
|
21,3%
|
22,9%
|
24,9%
|
24,8%
|
25,2%
|
23,8%
|
Kleine
Mitgliedstaaten
|
49,1%
|
47,7%
|
50,1%
|
54,4%
|
54,3%
|
56,3%
|
52,2%
|
EU
15
|
28,4%
|
26,5%
|
28,3%
|
30,9%
|
30,8%
|
31,5%
|
29,5%
|
Quelle:
Eurostat und Dienststellen der Kommission
Innergemeinschaftliche ausländische Direktinvestitionen
(1992-1997)
|
Innergemeinschaftliche ADI Mrd. Euro |
|
Innergemeinschaftliche ADI in % des BIP |
|
|
1992
|
1995
|
1997
|
1992-97
|
1992-97
in % von Summe
|
1992
|
1995
|
1997
|
1992-97
|
| Belgien-Luxemburg
|
7633
|
5864
|
12172
|
44246
|
13,7%
|
4,2%
|
2,6%
|
5,3%
|
3,5%
|
| Dänemark
|
712
|
1788
|
649
|
5529
|
1,7%
|
0,6%
|
1,4%
|
0,5%
|
0,7%
|
| Deutschland
|
7123
|
5876
|
9251
|
39567
|
12,3%
|
0,5%
|
0,3%
|
0,5%
|
0,4%
|
| Griechenland
|
387
|
398
|
188
|
1883
|
0,6%
|
0,5%
|
0,5%
|
0,2%
|
0,4%
|
| Spanien
|
5020
|
2540
|
2770
|
22393
|
7,0%
|
1,1%
|
0,6%
|
0,6%
|
0,9%
|
| Frankreich
|
6812
|
5445
|
8513
|
38843
|
12,1%
|
0,7%
|
0,5%
|
0,7%
|
0,6%
|
| Irland
|
1713
|
1934
|
914
|
9473
|
2,9%
|
4,3%
|
3,9%
|
1,4%
|
3,2%
|
| Italien
|
3190
|
4128
|
4735
|
22071
|
6,9%
|
0,3%
|
0,5%
|
0,5%
|
0,4%
|
| Niederlande
|
7673
|
12467
|
9566
|
53801
|
16,7%
|
3,1%
|
4,1%
|
3,0%
|
3,1%
|
| Österreich
|
325
|
1826
|
837
|
6999
|
2,2%
|
0,2%
|
1,0%
|
0,5%
|
0,7%
|
| Portugal
|
1226
|
449
|
1268
|
5452
|
1,7%
|
1,7%
|
0,6%
|
1,5%
|
1,2%
|
| Finnland
|
270
|
599
|
776
|
3135
|
1,0%
|
0,3%
|
0,6%
|
0,7%
|
0,6%
|
| Schweden
|
1223
|
1125
|
3026
|
15656
|
4,9%
|
0,6%
|
0,6%
|
1,5%
|
1,4%
|
| Ver.
Königreich
|
5957
|
9179
|
17396
|
52878
|
16,4%
|
0,7%
|
1,1%
|
1,5%
|
1,0%
|
| EU-15
|
49264
|
53618
|
72061
|
321926
|
100,0%
|
0,8%
|
0,8%
|
1,0%
|
0,8%
|
| EU-12
|
|
|
|
|
|
0,9%
|
0,8%
|
1,0%
|
0,8%
|
| Große
Mitglied- staaten (D,F,I,VK,E)
|
|
|
|
|
|
0,6%
|
0,5%
|
0,7%
|
0,6%
|
| Kleine
Mitgliedstaaten
|
|
|
|
|
|
1,8%
|
2,0%
|
2,0%
|
1,9%
| Quelle:
Eurostat und Dienststellen der Kommission
II. Empfehlungen
Ein erfolgreich und reibungslos funktionierender Binnenmarkt bildet die
Grundlage für den Erfolg der Wirtschafts- und Währungsunion. Da die
Mitgliedstaaten innerhalb des Euro-Gebietes Wechselkurse und Zinssätze
nicht mehr anpassen können, müssen sie dafür sorgen, daß
ihre Güter- und Kapitalmärkte flexibel genug sind, um asymmetrische
Schocks abzufangen. Die gemeinsame Währung dürfte im übrigen die
Integration der nationalen Märkte vorantreiben: das Wegfallen des
Wechselkursrisikos und die steigende Preistransparenz dürften,
ähnlich wie nach der Durchführung des Binnenmarkt-Programms 1992,
neue lebhafte grenzüberschreitende Aktivitäten auslösen.
Der Binnenmarkt hat eine gewisse Reife erreicht. Es geht daher nicht mehr um
die "Vollendung" des Binnenmarktes bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern
um sein Management und seine Entwicklung in vier Bereichen. Im Bericht werden
hierzu folgende Empfehlungen ausgesprochen:
- Ausarbeitung von Strategien, um neuen Herausforderungen zu
begegnen. Der bestehende politische Rahmen ist in bestimmten Bereichen
verbesserungsbedürftig. Hierzu gehören die Finanzdienstleistungen: Im
Versicherungssektor führt eine Kombination aus rechtlichen und
steuerlichen Hindernissen zu einer Zersplitterung des Binnenmarktes für
Lebens- und Nichtlebensversicherungen. Im Bankensektor machten
grenzüberschreitende Darlehen an Nichtbanken 1996 durchschnittlich nur
4,6% aus. Derzeit gibt es 33 regulierte (Wertpapier- oder Derivate-)
Märkte in der EU, die von 18 verschiedenen Aufsichtsbehörden
überwacht werden. Im Rahmen der kürzlich eingerichteten "Gruppe
für Finanzdienstleistungspolitik" (siehe Seite 8) werden die
Mitgliedstaaten und die Kommisison prüfen, wie den Verbrauchern EU-weit
der Zugang zu wettbewerbsfähigen Finanzdienstleistungen unter Wahrung
eines hohen Verbraucherschutzniveaus ermöglicht werden kann.
Ferner ist das öffentliche Auftragswesen betroffen, wo die Bemühungen
der EU, den Wettbewerb zu fördern, hinter den Erwartungen
zurückbleiben, und zwar in einem Markt, der 1997 einem Volumen von
über 800 Mrd. Euro entsprach (11% des BIP der Union). Schließlich
hapert es auch bei der Anwendung des Prinzips der gegenseitigen Anerkennung
nationaler Normen und Standards. Die Marktteilnehmer sind nach wie vor besorgt
angesichts der unterschiedlichen Konformitätsanforderungen: 41 % der
Unternehmen klagten über zusätzliche Kosten für die Anpassung
von Waren oder Dienstleistungen an unterschiedliche einzelstaatliche
Spezifikationen, und 34% stuften ungewohnte Test-, Zertifi zierungs- und
Genehmigungsverfahren als Hindernisse für länder übergreifende
Transaktionen ein.
- Beseitigung der bestehenden Hemmnisse im Binnenmarkt. In
einigen Bereichen, die in die Zuständigkeit der nationalen Politik fallen,
wird das Potential des Binnenmarktes nicht voll ausgeschöpft (Beispiele:
Kfz und Arzneimittel). Außerdem ist Wachsamkeit gegenüber
Marktverzerrungen durch staatliche Beihilfen weiterhin erforderlich. Staatliche
Beihilfen sind weiterhin eine der Hauptursachen von Wettbewerbsverzerrungen im
Binnenmarkt. Wenn auch das Volumen der gemeldeten Beihilfen seit 1990 leicht
zurückgeht, betrug es doch zwischen 1994 und 1996 über 83 Mrd. Euro
(1,4% des BIP der Union) jährlich.
Gesamtbetrag (nicht landwirtschaftlicher) staatlicher Beihilfen)
(Preise von 1995 in Mio. Euro)
|
Verarbeitendes Gewerbe |
Kohle |
Dienstleistungen |
Summe |
|
|
1992-94
|
1994-96
|
1992-94
|
1994-96
|
1992-94
|
1994-96
|
1992-94
|
1994-96
|
| Österreich
|
-
|
448
|
-
|
0
|
-
|
656
|
-
|
1.104
|
| Belgien
|
920
|
1.149
|
555
|
0
|
1.605
|
1.570
|
3.083
|
2.721
|
| Dänemark
|
539
|
671
|
0
|
0
|
606
|
527
|
1.162
|
1.207
|
| Deutschland
|
19.851
|
16.639
|
9.309
|
5.734
|
10.796
|
11.649
|
39.976
|
34.039
|
| Griechenland
|
722
|
662
|
0
|
0
|
253
|
316
|
976
|
978
|
| Spanien
|
1.311
|
2.101
|
1.179
|
1.004
|
2.017
|
1.857
|
4.601
|
5.024
|
| Finnland
|
-
|
365
|
-
|
0
|
-
|
48
|
-
|
416
|
| Frankreich
|
4.931
|
3.740
|
2.449
|
758
|
6.805
|
8.225
|
14.218
|
12.755
|
| Irland
|
198
|
215
|
0
|
0
|
187
|
167
|
396
|
394
|
| Italien
|
10.320
|
9.760
|
0
|
0
|
7.310
|
6.899
|
17.739
|
16.748
|
| Luxemburg
|
55
|
46
|
0
|
0
|
203
|
85
|
258
|
131
|
| Niederlande
|
694
|
686
|
0
|
0
|
1.091
|
1.336
|
1.827
|
2.062
|
| Portugal
|
467
|
382
|
7
|
2
|
196
|
331
|
673
|
720
|
| Schweden
|
-
|
318
|
-
|
0
|
-
|
1.079
|
-
|
1.404
|
| Vereinigtes
Königreich
|
1.431
|
1.513
|
293
|
983
|
1.304
|
1.810
|
3.051
|
4.328
|
| EU15
|
41.439
|
38.695
|
13.792
|
8.481
|
32.375
|
36.555
|
87.961
|
84.032
| Quelle:
5. und 6. Bericht über staatliche Beihilfen in der Europäischen
Union, KOM (98) 417
Beihilfen, die an die Fertigungsindustrie gingen, waren zu ca. 50% regionale
Beihilfen. Eine bedauerliche Entwicklung ist aber die starke Zunahme
staatlicher ad hoc-Beihilfen an einzelne Unternehmen in den neunziger Jahren,
d.h. Beihilfen ohne gemeinschaftsrechtliche Grundlage als Begleitmaßnahme
zur Umstrukturierung. Weil sich diese Beihilfen auf wenige Unternehmen
konzentrieren, die häufig in oligopolistischen Märkten operieren,
geht von ihnen eine erhebliche Gefahr für den Wettbewerb aus. Die
Mitgliedstaaten sollten den Umfang und die Angemessenheit staatlicher Eingriffe
in den Markt überdenken und für die Senkung des
Gesamtbeihilfevolumens konkrete Ziele und Zeitpläne aufstellen. Sie
sollten auch die Struktur der verbleibenden Beihilfen ändern.
Schließlich wird die Beseitigung steuerlich bedingter Marktverzerrungen
immer dring licher, denn der Euro steigert die Preistransparenz und die
Erwartung, daß grenzüberschreitende Transaktionen störungsfrei
verlaufen. Längerfristig erfordert das mehr Zusammenarbeit zwischen den
Mitgliedstaaten mit dem Ziel, die wesentlichen steuerlichen Hemmnisse zu
beseitigen und ein optimales Funktionieren der integrierten EU-Wirtschaft zu
ermöglichen.
- Effektive Durchsetzung der bestehenden
Binnenmarktregeln. Zusätzlich zur rechtzeitigen und korrekten
Umsetzung der Binnenmarktrichtlinien müssen die Mitgliedstaaten den
Binnenmarktregeln in der Praxis Geltung verschaffen. Seit Anlauf des
Aktionsplans für den Binnenmarkt im Juni 1997 wurden hier wesentliche
Fortschritte erzielt, wie aus der Tabelle zum Umsetzungsstand hervorgeht.
Die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, daß auf allen Ebenen
ihrer Verwaltung der Binnenmarktbezug staatlichen Handels erkannt wird und die
Binnenmarktregeln selbstverständlich, wirksam, fair und offen angewandt
werden. Bei bestimmten öffentlichen Diensten hängt der Erfolg der
Liberalisierung jetzt im wesentlichen von der effektiven Durchsetzung der
vereinbarten Regeln ab.
- Laufende Beobachtung der Marktentwicklung. Damit die
Fortschritte bei der Strukturreform über Jahre hinweg laufend
überwacht werden können, müssen unter aktiver Mitwirkung der
Mitgliedstaaten mehr Daten (z.B. über Preisunterschiede) erhoben werden,
und es muß regelmäßig festgestellt werden, wie gut der
Binnenmarkt tatsächlich funktioniert (z.B. im öffentlichen Auf
tragswesen).
Der Bericht wird nicht nur einen Beitrag zu den Grundzügen der
Wirtschaftspolitik leisten. Denn die in ihm festgehaltenen Ergebnisse werden
der Kommission nach der erfolgreichen Durchführung des
Binnenmarkt-Aktionsplans bei der Festlegung neuer mittelfristiger
Prioritäten für den Binnenmarkt von Nutzen sein. Die Kommission will
diese Prioritäten noch vor der Tagung des Europäischen Rates im Juni
1999 in Köln festlegen.
Fortschritte bei der Umsetzung von Binnenmarktrichtlinien
Für weitere Informationen
wenden Sie sich bitte an:
Jean-Yves Muylle
DG XV/A-2
TEL: (+32 2) 296 75 37
FAX: (+32 2) 296 09 50


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