 |
| Seltene Krankheiten |  |
|  |
 |  |
| |
Sowohl die Gesundheitsstrategie der EU 2008 – 2013 als auch
das zweite Aktionsprogramm der Gemeinschaft
im Bereich der Gesundheit (2008 – 2013) umfassen Initiativen zur Vorbeugung und Behandlung bestimmter
Krankheiten, einschließlich genetischer Erkrankungen, und zur Vorbeugung seltener Krankheiten.
Was ist eine seltene
Krankheit?
Seltene Krankheiten,
einschließlich genetisch
bedingter Krankheiten, sind
lebensbedrohende oder eine
chronische Invalidität nach
sich ziehende Krankheiten;
ihre Prävalenz ist so gering,
dass zu ihrer Bekämpfung
besondere gemeinsame
Bemühungen erforderlich sind,
um eine signifikante
Morbidität bzw. perinatale
oder frühzeitige Mortalität
oder eine beträchtliche
Verringerung der
Lebensqualität oder des
sozioökonomischen Potenzials
einer Person zu verhindern.
Orientierungshalber
kann eine Prävalenz als
gering gelten, wenn sie - in
der Europäischen Union -
unter 5 von 10 000 liegt.
Zwar erscheint dieses
Zahlenverhältnis als niedrig,
in absoluten Zahlen handelt
es sich jedoch in der EU mit
27 Mitgliedstaaten um 246 000
Menschen. Die meisten dieser
rein statistisch
repräsentierten Individuen
leiden unter weniger häufigen
Krankheiten, die 1 von 100
000 Personen oder weniger
betreffen.
Nach Schätzungen
existieren heute zwischen
5000 und 8000
unterschiedliche seltene
Krankheiten, die zwischen 6 %
und 8 % der Gesamtbevölkerung
betreffen - in anderen Worten
zwischen 27 und 36 Millionen
Menschen in der Europäischen
Union.
Die Definition in den
Vereinigten Staaten ist der
europäischen sehr ähnlich. In
den USA geht man allgemein
davon aus, dass eine seltene
Krankheit eine Prävalenz von
weniger als 200 000
Betroffenen aufweist.
Bestimmte Krankheiten mit 200
000 oder mehr Betroffenen
kommen für eine Einstufung
als seltene Krankheit in
Frage, wenn bei Teilgruppen
der von diesen Leiden
Betroffenen der
Prävalenzstandard für seltene
Krankheiten gegeben ist.
Warum benötigen Patienten
mit seltenen Krankheiten eine
spezifische Unterstützung der
EU?
Weil Krankheiten und
Leiden mit geringer Prävalenz
per definitionem selten sind
und Informationen,
Forschungsaktivitäten,
Diagnosen, Therapien und
Sachverstand nicht zur
Verfügung stehen, kommt es
unter Umständen dazu, dass
die Betroffenen nicht in den
Genuss der benötigten
Gesundheitsressourcen und
-dienstleistungen kommen. Es
wird davon ausgegangen, dass
seltene Krankheiten sich auf
die Gesellschaft insgesamt
nur wenig auswirken, da die
Prävalenz jeder Krankheit nun
einmal niedrig ist. Für die
Patienten und ihre Familien
bedeuten sie jedoch
ernsthafte Schwierigkeiten.
Dass seltene
Krankheiten in den
Mittelpunkt des Interesses
gerückt sind, ist in Europa
verhältnismäßig neu. Bis vor
kurzem wurden sie von
Gesundheitsbehörden und
politischen
Entscheidungsträgern weit
gehend ignoriert. Warum
seltene Krankheiten im
Allgemeinen so lange
ignoriert worden sind, wird
heute besser verstanden.
Selbstverständlich
kann man nicht für jede
seltene Krankheit eine eigene
gesundheitspolitische
Strategie entwickeln. Eine
umfassende Vorgehensweise
könnte jedoch, im Gegensatz
zu einem fragmentarischen
Ansatz, einige Lösungen
erbringen. Eine derartige
globale Vorgehensweise bei
seltenen Krankheiten würde
bedeuten, dass man nicht
einzelne Krankheiten
aussondert und dass in den
Bereichen wissenschaftliche
und biomedizinische
Forschung,
Arzneimittelforschung und
Arzneimittelentwicklung,
Industriepolitik,
Unterrichtung und Ausbildung,
Sozialleistungen, stationäre
und ambulante Heilbehandlung
echte gesundheitspolitische
Strategien festgelegt werden
können.
Um welche Zielsetzungen
und Fragestellungen geht es
laut der GD SANCO
[Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher]?
Das
Aktionsprogramm
der Gemeinschaft für seltene
Krankheiten
,
einschließlich genetischer
Krankheiten, wurde für den
Zeitraum zwischen dem 1.
Januar 1999 und dem 31.
Dezember 2003 angenommen. Das
Programm sollte in Abstimmung
mit anderen
Gemeinschaftsmaßnahmen dazu
beitragen, ein hohes Niveau
des Gesundheitsschutzes in
Bezug auf seltene Krankheiten
zu gewährleisten. Bei dieser
ersten Unternehmung der EU in
diesem Bereich widmete man
besondere Aufmerksamkeit den
Vorhaben, den Wissensstand zu
verbessern und den Zugang zu
Informationen über diese
Krankheiten zu erleichtern.
Die seltenen
Krankheiten stellen
inzwischen eine der
Prioritäten in dem
zweites Aktionsprogramm der Gemeinschaft im
Bereich der Gesundheit 2008-2013
.
Laut den Arbeitsplänen der GD
SANCO für die Durchführung
des Programms für öffentliche
Gesundheit handelt es sich
bei den beiden
hauptsächlichen Aktionslinien
um den Informationsaustausch
über bereits vorhandene
europäische Informationsnetze
für seltene Krankheiten und
die Ausarbeitung von
Strategien und Mechanismen
für den Informationsaustausch
und die Koordinierung auf
EU-Ebene, um die Kontinuität
der Arbeit und eine
grenzüberschreitende
Zusammenarbeit zu fördern.
Bei Projekten im
Zusammenhang mit seltenen
Krankheiten haben nach
Auffassung der GD SANCO Netze
von Allgemeinmedizinern
Vorrang, die Informationen
über möglichst viele seltene
Krankheiten - nicht nur eine
spezifische Gruppe oder eine
einzelne Krankheit - zentral
zusammenfassen, um
Information und Überwachung
zu verbessern.
Die Europäische Kommission hat am 11 November 2008 die
Mitteilung COMM(2008) 679 final der Kommission an
den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über
seltene Krankheiten – eine Herausforderung für Europa angenommen.
Darin wird eine umfassende Gemeinschaftsstrategie zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Diagnose, Behandlung und
Versorgung der 36 Mio. EU-Bürger,
die an seltenen Krankheiten leiden, dargelegt. Aufgrund der begrenzten Zahl der betroffenen Patienten und der über die gesamte Europäische
Union verstreuten einschlägigen Erkenntnisse bilden seltene Krankheiten ein Paradebeispiel dafür, wie notwendig und nützlich die
Zusammenarbeit auf europäischer Ebene sein kann. Die Mitteilung legt eine Gemeinschaftsstrategie für Maßnahmen in drei Hauptbereichen
dar, die darauf abzielen: (i) seltene Krankheiten besser zu erkennen und ins Bewusstsein zu rücken, (ii) nationale Pläne zur Bekämpfung
seltener Krankheiten in den Mitgliedstaaten zu unterstützen und (iii) Zusammenarbeit und Koordinierung bei der Bekämpfung seltener
Krankheiten auf europäischer Ebene zu stärken.
Der Rat nahm 9. Juni 2009 die Empfehlung des
Rates zu einer Aktion im Bereich seltener Krankheiten an. Die Empfehlung konzentriert sich auf die Unterstützung und
Bestärkung der Annahme vor 2013 von nationalen Plänen und Strategien zur Antwort auf seltene Krankheiten, auf der Verbesserung
der Anerkennung und Sichtbarkeit seltener Krankheiten, auf der Anregung zu mehr Forschung zu seltenen Krankheiten und dem
Schaffen von Netzwerken zwischen Fachzentren und Fachleuten in verschiedenen Ländern, um Kenntnis und Fachwissen zu teilen
und bei Bedarf um zu ermitteln, wo Patienten behandelt werden sollten, wenn solches Fachwissen ihnen nicht zur Verfügung
gestellt werden kann. Die Rolle von Patientenorganisationen wird ebenfalls als besonders wichtig hervorgehoben.
Europäische Zusammenarbeit wird dazu beitragen, die derzeit über die ganze EU verteilten knappen Ressourcen für seltene Krankheiten zu
bündeln. Mittels europäischer Maßnahmen können Patienten und Gesundheitsberufe in allen Mitgliedstaaten Erkenntnisse und Informationen
austauschen. Dies geschieht beispielsweise durch die Vernetzung von Fachzentren in verschiedenen Ländern und durch die Nutzung neuer
Informations- und Kommunikationstechnologien (Gesundheitstelematik). Die Kommission wird auf erfolgreichen Maßnahmen aufbauen, wie
beispielsweise auf dem früheren Aktionsprogramm betreffend seltene Krankheiten, auf den Rahmenprogrammen für Forschung und technologische
Entwicklung und auf den spezifischen Regelungen, die bereits in Kraft sind, um zusätzliche Anreize für die Entwicklung von Arzneimitteln
für seltene Leiden zu schaffen.
Zu Einzelheiten über
die Auslegung des Begriffs
"Seltenheit" siehe
Seltene
Krankheiten sind eine
vorrangige Aufgabe des
Gesundheitswesens
.
Themenübersicht
Kommission Mitteilung und Empfehlung des Rates über seltene Krankheiten
Identifizierung seltener Krankheiten
Geschätzte Prävalenz einiger seltener Krankheiten
EU-Projekte zur Unterstützung der Zusammenarbeit von Organisationen im Bereich seltene Krankheiten
EU-Projekte zur Einrichtung von Netzen für Maßnahmen im Bereich seltene Krankheiten
Nationale Pläne oder Strategien für seltene Krankheiten, die von den Mitgliedstaaten vorgenommen werden
European Conference on Rare Diseases 2010
Europäische Konferenz über seltene Krankheiten 2007
International Conferences on Rare Diseases and Orphan Drugs
European Union Committee of Experts on Rare Diseases
Strategie auf dem Gebiet Arzneimittel für seltene Krankheiten
Sonstige EU-Aktivitäten im Bereich seltene Krankheiten: Forschungsarbeiten auf dem Gebiet seltene Krankheiten und Produkte aus der Züchtung menschlicher Gewebe
Referenznetzwerken für seltene Krankheiten
Nationale Initiativen oder andere Einrichtungen für seltene Krankheiten im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens
| |
 |  |  |
|
|