Language selector

  • Current language:de
  • en
  • fr
 
left
  slide
right
transtrans
 

de en fr

Lebensmittelsicherheit

Safety of Food Products Food irradiation

Diskussionspapier
Betr.: Bestrahlte Lebensmittel und Lebensmittelbestandteile - Vorschlag der Kommission zur Ergänzung der Positivliste der zur Behandlung mit ionisierenden Strahlen zugelassenen Lebensmittel

Die Richtlinien 1999/2/EG und 1999/3/EG über die Bestrahlung von Lebensmitteln sind am 20. September 2000 wirksam geworden. Dabei ist jedoch eine wichtige Frage nach wie vor ungeklärt:

Bei welchen Lebensmitteln sollte die Behandlung mit ionisierenden Strahlen zugelassen werden?

Bei den Diskussionen im Vorfeld der Verabschiedung dieser Richtlinien haben sich die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament nur auf eine einzige Lebensmittelkategorie verständigt, die EU-weit für die Strahlenbehandlung zugelassen werden soll: ¬ĄGetrocknete aromatische Kräuter und Gewürze". Die Richtlinie 1999/2/EG enthält die Auflage, dass die Kommission bis zum 31. Dezember 2000 einen Vorschlag zur Ergänzung der gemeinschaftlichen Positivliste der für die Bestrahlung zugelassenen Lebensmittel vorlegt. Bis diese Positivliste ergänzt ist, können die Mitgliedstaaten die bestehenden einzelstaatlichen Genehmigungen in Bezug auf die Bestrahlung bestimmter Lebensmittel beibehalten und die bestehenden einzelstaatlichen Beschränkungen bzw. Verbote weiterhin anwenden. Dieser Sachverhalt ist für die Verbraucher verwirrend und beeinträchtigt das Funktionieren des Binnenmarkts. Es dürfte im gemeinsamen Interesse liegen, sich so bald wie möglich auf eine entsprechende Gemeinschaftsliste zu verständigen.

Bevor dem Rat und dem Europäischen Parlament ein Kommissionsvorschlag für eine gemeinschaftliche Positivliste vorgelegt wird, möchte die GD Gesundheit und Verbraucherschutz eine offene Diskussion mit Verbraucherorganisationen, Interessengruppen und anderen Beteiligten über die Strategie bei der Aufstellung der Positivliste führen. Dieses Diskussionspapier beschreibt eine mögliche Strategie, zu der wir vor dem 31. Oktober 2000 um Stellungnahme bitten.

Rechtlicher Hintergrund

Die Bestrahlung von Lebensmitteln wird geregelt durch

- die Rahmenrichtlinie 1999/2/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über mit ionisierenden Strahlen behandelte Lebensmittel und Lebensmittelbestandteile, die die allgemeinen und technischen Aspekte für die Durchführung des Prozesses, die Etikettierung bestrahlter Lebensmittel und die Bedingungen für die Zulassung der Lebensmittelbestrahlung abdeckt.

- die Durchführungsrichtlinie 1999/3/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Festlegung einer Gemeinschaftsliste von Lebensmitteln und Lebensmittelbestandteilen, die für Behandlung mit ionisierenden Strahlen zugelassen sind. Diese Positivliste enthält bis jetzt nur eine einzige Lebensmittelgruppe, nämlich ¬Ągetrocknete aromatische Kräuter und Gewürze".

Die Richtlinien sind am 20. September 2000 wirksam geworden. Spätestens am 20. März 2001 wird das Inverkehrbringen von nicht mit dieser Richtlinie übereinstimmenden Erzeugnissen untersagt.

Die Rahmenrichtlinie enthält konkret folgende Vorgaben:

- Die Bestrahlung von Lebensmitteln ist nur zulässig, wenn sie

  • technologisch sinnvoll und notwendig ist
  • gesundheitlich unbedenklich ist und gemäß den vorgeschlagenen Bedingungen durchgeführt wird
  • für den Verbraucher nützlich ist
  • nicht als Ersatz für Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen oder für gute Herstellungs- oder Landwirtschaftsverfahren verwendet wird.

- Alle Lebensmittel, die als solche bestrahlt sind oder bestrahlte Bestandteile enthalten, müssen etikettiert sein.

- Für die Aufnahme eines Lebensmittels in die Positivliste ist die Zustimmung des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses notwendig.

- Einzelstaatliche Genehmigungen der Mitgliedstaaten, wonach die Bestrahlung bestimmter Lebensmittel zulässig ist, können bis zum Inkrafttreten der ergänzten Positivliste beibehalten werden.

- Bis zum Inkrafttreten der ergänzten Positivliste können die Mitgliedstaaten auch Beschränkungen bzw. Verbote in Bezug auf bestrahlte Lebensmittel unter Beachtung der Vorschriften des Vertrags beibehalten.

- Die Mitgliedstaaten sollen dafür sorgen, dass die zum Nachweis bestrahlter Lebensmittel herangezogenen Analyseverfahren validiert oder normiert werden.

- Lebensmittel - auch solche, die aus Drittländern eingeführt werden - dürfen nur in zugelassenen Bestrahlungsanlagen bestrahlt werden.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Anhand wissenschaftlicher Studien kamen die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, die Internationale Atomenergie-Organisation und die Weltgesundheitsorganisation (FAO/IAEO/WHO) 1980 zu dem Schluss, dass die Bestrahlung von Lebensmitteln bis zu einer Höchstdosis von 10 kGy als unbedenklich gilt. Die WHO fördert sogar die Anwendung des Bestrahlungsprozesses, um Krankheitserreger in Lebensmitteln zu reduzieren.

Auf der Grundlage der Arbeiten von FAO/IAEO/WHO hat der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss in den Jahren 1986, 1992 und 1998 zu bestrahlten Lebensmitteln Stellung genommen und die Bestrahlung einer Reihe von Lebensmitteln befürwortet (Obst, Gemüse, Getreideprodukte, stärkehaltige Knollen, Gewürze, Fisch, Schalentiere, Frischfleisch, Geflügel, Rohmilchcamembert, Froschschenkel, Gummiarabicum, Casein/Caseinat, Eiklar, Getreideflocken, Reismehl, Blutprodukte). Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss hat darauf hingewiesen, dass die Lebensmittelbestrahlung nicht dazu dienen darf, Nachlässigkeit beim Umgang mit Nahrungsmitteln oder ihre Untauglichkeit zum Verzehr als Lebensmittel zu verdecken

FAO/IAEO/WHO veröffentlichten 1999 den Bericht einer Studiengruppe zur Genusstauglichkeit von mit Dosen über 10 kGy bestrahlten Lebensmitteln. Die Studiengruppe kam zu dem Schluss, dass Lebensmittel, die mit einer zur Erzielung des beabsichtigten technologischen Zwecks geeigneten Dosis bestrahlt worden sind, unbedenklich verzehrt werden können und ernährungsmäßig adäquat sind.

Für die meisten Lebensmittel, die bestrahlt werden können, gibt es entsprechende Nachweismethoden. Diese Methoden sind validiert und entweder bereits vom Europäischen Normenausschuss (CEN) genormt oder ihre Normung durch den CEN steht bevor. Somit ist die analytische Kontrolle, ob bestrahlte Lebensmittel einwandfrei etikettiert sind, in den meisten Fällen bis hin zum Endprodukt möglich. In den wenigen Ausnahmefällen gibt es die dokumentarische Kontrolle als Alternative.

Anwendungen

Obwohl die bestehenden Genehmigungen in einigen Mitgliedstaaten die Bestrahlung einer Reihe von Lebensmitteln und Lebensmittelbestandteilen zulassen, werden nur wenige in der Praxis tatsächlich bestrahlt. Die Gesamtmenge eines bestimmten Lebensmittels, die mit ionisierender Strahlung behandelt wird, ist in den meisten Fällen im Vergleich zu den unbehandelten Mengen klein.

Hauptanwendungszweck der Bestrahlung ist die Reduzierung der Mikroorganismen in Lebensmittelbestandteilen bei der Herstellung industriell erzeugter zusammengesetzter Nahrungsmittel zur Verlängerung der Haltbarkeit des Endprodukts. Dies gilt besonders für Inhaltsstoffe, die Erzeugnissen zugesetzt werden, die bei der Herstellung nicht erhitzt werden, wie z. B. Getreideflocken enthaltender Yoghurt oder Weißkäse mit Kräutern und Gewürzen. Bei den gleichen Lebensmitteln/Inhaltsstoffen (Flocken, Trockenobst usw.) kann auf eine Bestrahlung verzichtet werden, wenn sie als solche unmittelbar für den Endverbraucher bestimmt sind, da die notwendige Haltbarkeit bei hausgemachten Erzeugnissen sehr viel kürzer ist und die normale mikrobielle Belastung bei normaler sachgerechter Lagerung und Handhabung der Inhaltsstoffe durch den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich ist.

Bestimmte für den direkten Verzehr durch den Verbraucher bestimmte Lebensmittel können mit Salmonella, Listeria oder anderen schädlichen Mikroorganismen kontaminiert sein und die Gesundheit des Verbrauchers beeinträchtigen (z. B. Hühner- und [rotes] Fleisch, Eier, Rohmilchkäse). Einige dieser Produkte, besonders Froschschenkel und Garnelen, werden bei der Zubereitung vielfach nur unzureichend erhitzt und die Schadorganismen daher nicht zerstört, oder sogar ohne weitere Hitzebehandlung verzehrt. Eine Gesundheitsgefährdung kann auch durch die Kreuzinfektion von Küchengerät und anderen Lebensmittel bei der Zubereitung eintreten. Da die Bestrahlung ein geeignetes Dekontaminationsverfahren ist, werden solche Produkte in Ländern, wo dies zulässig ist, vielfach mit ionisierender Strahlung behandelt.

Vorgeschlagene Strategie zur Aufstellung der Positivliste

Zur Aufstellung der Positivliste wird folgende Strategie vorgeschlagen:

- Nach den Vorgaben der Rahmenrichtlinie muss die Bestrahlung für den Verbraucher nützlich sein. Von einem Nutzen für den Verbraucher kann ausgegangen werden, wenn mögliche Gesundheitsrisiken reduziert und die Haltbarkeit der Produkte verlängert wird. Das letztere Kriterium bietet, neben dem praktischen Aspekt, zusätzlich noch die Möglichkeit zur Reduzierung des Produktpreises.

- Nach den Vorgaben der Rahmenrichtlinie muss die Bestrahlung technologisch sinnvoll und notwendig sein. Dass einige Produkte in zumindest einem Mitgliedstaat in nicht unerheblichen Mengen bestrahlt werden, ist als Hinweis auf die technologische Notwendigkeit zu werten.

- Nach den Vorgaben der Rahmenrichtlinie sollte die Bestrahlung nicht als Ersatz für Hygienemaßnahmen oder für gute Herstellungsverfahren verwendet werden. Dies lässt sich dadurch umsetzen, dass man die Genehmigungen auf solche Produkte beschränkt, bei denen beim unbehandelten Produkt ein unvertretbares Risiko für die Gesundheit der Verbraucher gegeben ist und geeignete Alternativen fehlen.

Der Schwerpunkt würde folglich bei Produkten liegen, die in der Lebensmittelindustrie als Inhaltsstoffe verwendet werden. Produkte, die zum direkten Verzehr durch den Endverbraucher bestimmt sind, würden sich auf einige wenige Fälle beschränken. Nach dieser Strategie könnten folgende Erzeugnisse in die Positivliste aufgenommen werden:

- Tiefgefrorene Gewürzkräuter, Trockenfrüchte und Getreideflocken und -keime. Diese Inhaltsstoffe werden vor allem in zusammengesetzten Lebensmitteln verwendet, vorwiegend Produkte auf Milchbasis, die während der Verarbeitung nicht erhitzt werden.

- Mechanisch gewonnenes Hühnerfleisch (Separatorenfleisch), Innereien von Hühnern, Eiklar 1 und Gummiarabicum (Zusatzstoff). Diese Lebensmittelbestandteile sind u. U. zwangsläufig kontaminiert und müssen zur Reduzierung der Gesundheitsrisiken und Verlängerung der Haltbarkeitsdauer dekontaminiert werden.

- Froschschenkel und geschälte Garnelen erfüllen möglicherweise aufgrund der Gewinnungs- oder Zubereitungsverfahren nicht die entsprechenden mikrobiologischen Anforderungen. Solche Produkte sind für den direkten Verzehr durch den Endverbraucher bestimmt. Durch die Bestrahlung wird die Sicherheit dieser Produkte erhöht.

Produkte, zu denen der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss eine positive Stellungnahme abgegeben hat, die aber dennoch nicht in die Positivliste aufgenommen würden, sind folgende:

- Frischobst und -gemüse, Getreide, stärkehaltige Knollen (Kartoffeln), Fisch, Rohmilchcamembert, Casein, Reismehl und Blutprodukte. Diese Erzeugnisse werden in den Mitgliedstaaten nicht oder nur in sehr geringen Mengen bestrahlt. Dies kann als Hinweis auf eine unzureichende technologische Notwendigkeit gewertet werden.

- Frisches (rotes) Fleisch und Geflügelfleisch. Um dem Gebot der guten Hygienepraxis Rechnung zu tragen, sollte die erste Priorität auf Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienebedingungen bei der Herstellung dieser Lebensmittel gelegt werden und nicht auf die nachträgliche Dekontamination der Lebensmittel durch ionisierende Strahlung.

Anlagen: Richtlinien 1999/2/EG und 1999/3/EG

----------------------------------------

1 Keine oder unzulängliche Nachweismethode verfügbar; angesichts des mit diesem Produkt verbundenen mikrobiologischen Risikos wird es entsprechend der Gesamtstrategie zur Lebensmittelhygiene in die Liste aufgenommen.

Top

Safety of Food Products Food irradiation
LEBENSMITTELSICHERHEIT | ÖFFENTLICHE GESUNDHEIT | VERBRAUCHERFRAGEN | GENERALDIREKTION GESUNDHEIT UND VERBRAUCHERSCHUTZ

 
lefttranspright

 

  Print  
Public HealthFood SafetyConsumer Affairs