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  Maul- und Klauenseuche: Fragen und Antworten zur Impfpolitik der Gemeinschaftslide
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Brüssel, den 19. März 2001

Warum wird in der EU zurzeit nicht gegen MKS geimpft?

- Die Impfung ist in der EU 1991 eingestellt worden, weil die MKS mit Erfolg getilgt worden war. Mit dieser Entscheidung wurden über 1 Mrd. € eingespart, und es wurde Gemeinschaftserzeugern ermöglicht, in Länder zu exportieren, die nur Einfuhren aus MKS-freien Ländern zulassen, die keinerlei Impfpolitik betreiben.

- Die Gemeinschaft verfügt jedoch über eine Antigenbank von über 30 Mio. einzelner Impfstoffdosen. (8,5 Mio. Dosen des aktuellen O-1-Stammes sind derzeit im VK und in Mayenne, Frankreich, vorrätig). Diese werden in Situationen verwendet, in denen ein Seuchenausbruch epidemische Ausmaße annimmt und die Behörden "präventiv" impfen müssen, d.h. wenn es notwendig ist, in Erwartung der Vernichtung potentiell kontaminierter Tiere der Erregerverschleppung Einhalt zu gebieten. Nach der ersten Injektion dauert es jedoch eine gewisse Zeit, bis sich eine ausreichend starke Immunität entwickelt hat.

Wird die Kommission ihre Politik der Nichtimpfung überprüfen?

- Geimpfte Tiere sind nicht unbedingt seuchenfrei - die durch die Impfung aufgebaute Antigenreserve im Körper kann die Präsenz von MKS-Erregern verschleiern.

- Es sind sehr bedeutende logistische Auswirkungen und Kostenaspekte zu berücksichtigen, wenn die Gemeinschaftspopulation von über 300 Mio. empfänglichen Tieren zweimal jährlich geimpft werden soll.

- Eine Impfung ist nur gegen den betreffenden MKS-Stamm wirklich wirksam und gewährleistet gegen andere Stämme desselben Virus keinerlei Schutz. Zurzeit existieren 7 MKS-Stämme mit rund 80 Subtypen. Jede Impfung muss daher sorgfältig gegen den richtigen Stamm gerichtet sein. Drittländer, die präventiv impfen, weil MKS in ihrem Hoheitsgebiet endemisch ist, sehen sich aufgrund der Variabilität des Virus regelmäßig mit neuen MKS-Ausbrüchen konfrontiert.

- Der Verlust ihres Nichtimpfstatus würde schließlich auch die Handelsbeziehungen der Gemeinschaft mit Drittländern stark beeinträchtigen, die auf Einfuhren aus MKS-freien Ländern bestehen. Die EU könnte nur Erzeugnisse exportieren, die gegen den MKS-Erreger behandelt wurden.

Der Status "MKS-frei ohne Impfung" wird vom Internationalen Tierseuchenamt (OIE) in Paris zugeteilt. Nur annähernd ein Drittel der Welt ist MKS-frei. Weitere Informationen zu dieser Frage können über folgende Webadresse abgerufen werden:

http://www.fao.org/ag/AGA/AGAH/EUFMD/fmdmaps/default.htm

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Nachteile der Impfung die Vorteile überwiegen. Dennoch wird die Lage im Auge behalten.

Ist Überregulierung, wie das Schließen kleiner Schlachthöfe, ein Einflussfaktor?

Der Wettbewerbsdruck und vor allem die Vorteile der Massenproduktion werden als Hauptfaktor für die Rationalisierung der Schlachthofindustrie anerkannt. Die illegale Einfuhr von kontaminiertem Fleisch ist nach wie vor die wahrscheinlichste Ursache des jetzigen Ausbruchs. Allgemein sollte bei der Frage der Schlachthofhygiene berücksichtigt werden, dass der derzeitige Ausbruch von einem gut ausgebildeten amtlichen Tierarzt im Rahmen der Fleischuntersuchung festgestellt wurde. Die Anwesenheit des amtlichen Tierarztes im Schlachthof ist gemeinschaftsrechtlich vorgeschrieben und soll die Aufdeckung von Tierseuchen gewährleisten, die die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden könnten und zu denen neben BSE auch die MKS zählt. Es wäre gefährlich, vom Prinzip eines hohen und einheitlichen Hygienestandards in Schlachthöfen abzurücken. Ein solcher Schritt könnte dem hohen Gesundheitsschutzniveau der EU nur abträglich sein.

Sind die umfangreichen Tiertransporte die Ursache des derzeitigen Ausbruchs?

Selbstverständlich steigt mit jedem Zusammenführen von Tieren aus verschiedenen Herden an einem einzigen Platz und mit jedem Mischen von Tieren mit großen Mengen anderer Tiere die Gefahr der Krankheitsverschleppung. Aber:

- Fleisch und Fleischerzeugnisse werden zumeist in Schlachtkörperform gehandelt, und die Zahl der Tiere, die über lange Strecken befördert werden, nimmt ständig ab, vor allem, seit die Kühlung es ermöglicht, Schlachtkörper über lange Strecken zu befördern;

- es existieren Verordnungen, die darauf ausgerichtet sind, die Verschleppung von Krankheitserregern beim Transport auf ein Mindestmaß zu beschränken, und die auch "no-exit"-Vorschriften für Transporte zu Schlachthöfen, die Rückverfolgbarkeit von Tierbewegungen im Rahmen des ANIMO-Systems, die Desinfektion von LKWs und Viehmärkten, Gesundheitsbescheinigungen für Tiere usw. beinhalten;

- es wird jedoch immer notwendig sein, bestimmte Tiere über lange Strecken zu befördern (z.B. Zuchttiere, Rennpferde usw.).

Es bleibt jedoch Zielsetzung der Kommission, die Zahl der Langstreckentransporte von Tieren weiter zu verringern und ihre Transportbedingungen zu verbessern. Die Kommission hat Rat und Parlament kürzlich einen Bericht über den Schutz von Tieren beim Transport vorgelegt.

Ist die intensive Tierhaltung die Seuchenursache?

Alle Einflussfaktoren müssen untersucht werden, allzu einfache Erklärungen für sehr komplexe Probleme sollten jedoch vermieden werden. MKS ist in den späten 80er Jahren gemeinschaftsweit getilgt worden; deshalb konnten die Impfungen 1991 eingestellt werden. Nach 1991 ist es nur in Italien (1993), Griechenland (Einbringung von Tieren aus der Türkei) und jetzt im VK zu MKS-Ausbrüchen gekommen - ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass MKS-Ausbrüche und ihre verheerenden wirtschaftlichen Verluste, Einkommenseinbußen und Impfkosten vor 1991 eher die Regel waren. Ebenfalls wissenswert:

- MKS ist am prävalentesten in Ländern/Regionen mit "traditioneller" Landwirtschaft, d.h. im Mittleren Osten, in Nordafrika, der Türkei, in Südamerika. In den OECD-Ländern, die sehr intensive Landwirtschaft betreiben, sind Ausbrüche dagegen eher selten;

- gleichermaßen war die MKS in der EU früher, als Landwirtschaft noch weniger intensiv betrieben wurde, prävalenter als heute. Seit 1991 hat es nur wenige Fälle gegeben zuletzt in Italien (1993) und in Griechenland (2000).

Werden die betroffenen Erzeuger finanziell entschädigt?

Ja, die Kommission gewährt eine Entschädigung bis zu 60% der Kosten für die Beseitigung von Tieren, die Desinfektion usw. aus einem Veterinärfonds für Krisensituationen. Insgesamt 41 Mio. € stehen 2001 für Entschädigungen dieser Art zur Verfügung. Es wird davon ausgegangen, dass diese Mittel voll an Mitgliedstaaten gezahlt werden, die in den vergangenen Jahren Tierseuchenausbrüche zu bekämpfen hatten (Geflügelpest in Italien, Bluetongue in Italien, Frankreich und Spanien, klassische Schweinepest in den Niederlanden und dem VK und MKS in Griechenland). Entschädigungsansprüche im Zusammenhang mit dem derzeitigen MKS-Ausbruch werden daher erst 2002 geltend gemacht werden können. Wenn sich die Lage nicht verschlimmert, dürften die Kosten allerdings nicht sehr hoch sein.

 
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