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EU-Zucht - Fragen und Antworten

EU-Zucht - Fragen und Antworten

Warum brauchen wir überhaupt Fischzucht?

Fisch ist gut für die Gesundheit, aber es gibt nicht genug wildlebende Fische und Schalentiere, um der Nachfrage gerecht zu werden. Nachhaltige Fischerei und Fischzucht gehen Hand in Hand. Nur durch beides zusammen kann genug Fisch erzeugt werden, um den Bedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu decken, ohne dabei unsere wildlebenden Fischbestände langfristig zu gefährden.
In der EU importieren wir 68 % der Fische und Meeresfrüchte, die wir essen. Ein erheblicher Teil davon stammt von Fischfarmen,  nur 10 % unseres Verbrauchs kommen aus EU-Fischzucht. Wenn mehr Zuchtfische auf unsere Teller kommen, bedeutet das geringeren Druck auf wildlebende Fischbestände, weniger Abhängigkeit von Einfuhren und mehr Wachstum und Beschäftigung in der örtlichen Wirtschaft.

Welche Arten werden in der EU hauptsächlich gezüchtet?

Etwa 50 % der Aquakulturerzeugung in der EU sind Schalentiere, wobei Muscheln und Austern am beliebtesten sind. Meeresfische wie Lachs, Meerbrasse und Wolfsbarsch machen etwa 27 % der Erzeugung aus Fischzucht aus, während auf Süßwasserfische wie Forelle und Karpfen 23 % der in der EU gezüchteten Fische entfallen.
In der EU werden ganz unterschiedliche Arten gezüchtet, darunter Venusmuscheln, Kammmuscheln, Hummer, Tilapia, Stör (Kaviar) und sogar intensiv befischte wildlebende Arten wie Steinbutt, Kabeljau und Seezunge. Auch die Algenproduktion gewinnt immer mehr an Bedeutung. 
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/aquaculture/species/index_de.htm

Wie werden Fische gezüchtet?

Schalentiere wie Muscheln und Austern wachsen an Leinen, Stangen oder tischähnlichen Gebilden heran. Sie benötigen sauberes Wasser, um die im Wasser schwebenden Nährstoffe aufnehmen zu können. Meeresfische wie Lachs und Wolfsbarsch werden in großen Netzkäfigen an der Meeresoberfläche gezüchtet, während Süßwasserfische wie Forellen in der Regel in einer Reihe von Becken gehalten werden, durch die Flusswasser geleitet wird. Andere Süßwasserfische wie Karpfen werden in großen Seen und Teichen gezüchtet.
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/aquaculture/aquaculture_methods/index_de.htm

Stimmt es, dass Aquakultur die Umwelt schädigen kann?

Wie alle anderen menschlichen Tätigkeiten auch muss Aquakultur nachhaltig und verantwortungsvoll betrieben werden. Fischzüchter unterliegen wie jeder Lebensmittelhersteller bestimmten Umwelt- und Gesundheitsstandards. Die Umweltstandards der EU gehören zu den weltweit strengsten und wirksamsten. Aber Fischzüchter müssen auch eine umfassendere proaktive Rolle beim Umweltschutz spielen: So tragen Fischzuchtteiche beispielsweise dazu bei, wichtige Naturlandschaften und Lebensräume wildlebender Vögel und anderer bedrohter Arten zu erhalten.
Durch Schalentiere werden Küstengewässer sauberer, da sie Nährstoffe aufnehmen, die andernfalls die Wasserqualität beeinträchtigen könnten. Letztlich ist Nachhaltigkeit auch ein gutes Verkaufsargument, und Fischzüchter stehen an vorderster Front bei der Überwachung und beim Umweltschutz, um schädliche Auswirkungen zu verhindern.

Ist Zuchtfisch wirklich genauso gesund wie wildlebender Fisch?

Das EU-Recht enthält strenge Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, einschließlich Grenzwerten für Schadstoffe. Diese gelten gleichermaßen für Zuchtfisch und wildlebenden Fisch. Außerdem wird durch ein strenges System amtlicher Kontrollen sichergestellt, dass nur gesunde Nahrungsmittel auf unsere Teller kommen, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb der EU erzeugt wurden.

Zur Herstellung von 1 kg Zuchtlachs ist mehr als 1 kg wildlebender Fisch nötig. Ist es sinnvoll, Zuchtfische mit wildlebenden Fischen zu füttern?

Dass zur Fütterung fleischfressender Arten wie Lachs wildlebende Fische benötigt werden, stellt natürlich eine große Herausforderung für eine nachhaltige Aquakultur dar. Dadurch, dass verstärkt auf Alternativen zurückgegriffen und der Nährwert des Futters erhöht wird, ist jedoch immer weniger wildlebender Fisch pro Kilo Zuchtfisch erforderlich. Neben Nachhaltigkeitsaspekten gibt es aber auch einen klaren wirtschaftlichen Anreiz für Fischzüchter, weniger wildlebende Fische zu verfüttern, da dies einer ihrer größten Kostenfaktoren ist. Die Kommission beabsichtigt, die Branche bei weiteren Verbesserungen zu unterstützen.
Allerdings sei daran erinnert, dass die Hälfte der Aquakulturproduktion in der EU Schalentiere sind, die kein zusätzliches Futter brauchen. Zudem werden auch nicht-fleischfressende Fische wie Karpfen gezüchtet.

Inwiefern fördert die EU die Aquakultur?

Im Rahmen der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik wird die EU der Unterstützung des Aquakultursektors Priorität einräumen. Die gemeinsamen Prioritäten und allgemeinen Ziele für den europäischen Fischzuchtsektor sind in unlängst veröffentlichten Leitlinien dargelegt. Die vier Schwerpunktbereiche sind:

  • hohe Qualitäts-, Gesundheits- und Umweltstandards;
  • verbesserter Zugang zu Raum und Wasser;
  • geringerer Verwaltungsaufwand für den Sektor;
  • größere Wettbewerbsfähigkeit.

Die EU wird (im Rahmen des Europäischen Meeres- und Fischereifonds – EMFF) finanzielle Unterstützung bereitstellen, um zu gewährleisten, dass Fischzüchter die bestmöglichen Betriebsbedingungen haben und erfolgreich sein können. Die EU wird auch in Forschung zu den Wechselwirkungen mit der Umwelt, zu Gesundheit und Ernährung von Zuchtfischen sowie zur Reproduktion und Zucht investieren; dies alles sind Schlüsselelemente für eine nachhaltige Entwicklung der europäischen Aquakultur.