Strukturelle Unternehmensstatistik auf regionaler Ebene

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Datenauszug vom Januar 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: November 2018.

Mittels des Statistischen Atlasses von Eurostat können Sie Karten interaktiv verwenden (siehe user manual) (auf Englisch).

Abbildung 1: Änderungsrate und Anteil von Mehrwert/Beschäftigung für NACE-Abschnitte innerhalb des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abschnitte B-N und Abteilung 95, ohne Abschnitt K), EU-28, 2012–2014
(in %)
Quelle: Eurostat (sbs_na_ind_r2), (sbs_na_con_r2), (sbs_na_dt_r2), (sbs_na_1a_se_r2) und (sbs_na_sca_r2)
Karte 1: Beschäftigung in der Industrie (NACE-Abschnitte B-E), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil am nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in %)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)
Karte 2: Beschäftigung im Bereich der nichtfinanziellen Dienstleistungen (NACE-Abschnitte G-N und Abteilung 95, ohne Abschnitt K), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil am nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in %)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)
Tabelle 1: Durchschnittlicher Anteil an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft und Regionen mit dem höchsten Spezialisierungsgrad, nach NACE-Abteilung und NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in %)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2)
Abbildung 2: Regionale Spezialisierung in der EU-28 und in Norwegens Verarbeitendem Gewerbe (NACE-Abschnitt C), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil an der regionalen Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in %)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)
Abbildung 3: Regionale Spezialisierung in der EU-28 und bei Norwegens nichtfinanziellen Dienstleistungen (NACE-Abschnitte G-N und Abteilung 95, ohne Abschnitt K), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil an der regionalen Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in %)
Quelle: Eurostat (sbs_r_nuts06_r2) und (sbs_na_sca_r2)
Karte 3: Unternehmensgründungsrate in der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abschnitte B-S, ohne Gruppe 64.2), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(Anteil an aktiven Unternehmen in %)
Quelle: Eurostat (bd_size_r3) und (bd_9bd_sz_cl_r2)
Karte 4: Unternehmensschließungsrate in der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abschnitte B-S, ohne Gruppe 64.2), nach NUTS-2-Regionen, 2013
(Anteil an aktiven Unternehmen in %)
Quelle: Eurostat (bd_size_r3) und (bd_9bd_sz_cl_r2)
Karte 5: Anteil wachstumsstarker Unternehmen an der Gesamtzahl der Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abschnitte B-N, ohne Gruppe 64.2), nach NUTS-2-Regionen, 2014
(%)
Quelle: Eurostat (bd_hgnace2_r3) und (bd_9pm_r2)

Dieser Artikel ist Bestandteil der zentralen Veröffentlichung von Eurostat, dem Eurostat Jahrbuch der Regionen. Aufgegliedert nach der europäischen Wirtschaftszweigsystematik NACE basiert die erste Hälfte dieses Artikels auf einer Reihe von strukturellen Unternehmensstatistiken (SUS) zur Beschreibung von Struktur und Spezialisierung der gewerblichen Wirtschaft in den Regionen der Europäischen Union (EU). Die zweite Hälfte des Artikels enthält Informationen in Bezug auf die Statistiken zur regionalen Unternehmensdemografie, in denen die Unternehmensgründungen und -schließungen sowie Informationen zu den wachstumsstarken Unternehmen detailliert aufgeführt werden.

Wichtigste statistische Ergebnisse

  • Zwei der unternehmensorientierten Dienstleistungen steigerten die Wertschöpfung (auf Ebene der NACE-Abschnitte) innerhalb des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft zwischen 2012 und 2014 am meisten: administrative und unterstützende Dienstleistungen sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen.
  • Beim relativen Beitrag der Industrie zur Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft gab es 2014 ein recht deutliches Ost-West-Gefälle, wobei die Industrie in den östlichsten Regionen der EU im Allgemeinen einen höheren Beschäftigungsanteil verzeichnete.
  • Zu den größten Arbeitgebern der EU gehörten die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln und der Einzelhandel, während die Herstellung von Tabakprodukten und Luftverkehrsdienste die wenigsten Beschäftigten zählten.
  • In den Hauptstadtregionen des Vereinigten Königreichs - die westliche und östliche Region von Inner London — machten nichtfinanzielle Dienstleistungen 95,1 % und 92,1 % der Beschäftigten in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft aus. Inner London - West war die am meisten spezialisierte EU-Region für Multimediaveröffentlichungen, Rechts- und Steuerberatung, Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben sowie Werbung und Marktforschung.
  • Mehrere Regionen verzeichneten relativ hohe Zahlen für Unternehmengsgründungen, aber auch für Unternehmensschließungen: alle portugiesischen und slowakischen Regionen, die dänischen und rumänischen Hauptstadtregionen, Lettland, Litauen und Polen.

Sektorgröße und Wachstum

Gegenstand der SUS sind Industrie (NACE-Abschnitte B bis E), Baugewerbe (NACE-Abschnitt F) und nichtfinanzielle Dienstleistungen (NACE-Abschnitte G bis J und L bis N sowie Abteilung 95), die gemeinsam den nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft bilden, hierunter definiert als NACE-Abschnitte B bis J und L bis N sowie NACE-Abteilung 95. Die SUS lassen sich auf sehr detaillierter sektoraler Ebene (mehrere Hundert Wirtschaftstätigkeiten) nach Unternehmensgrößenklassen und, wie es hier der Fall ist, nach Regionen analysieren. Diese Statistiken liefern Informationen zur regionalen gewerblichen Wirtschaft, mit harmonisierten Daten für die Zahl der örtlichen Einheiten und der Beschäftigten, den monetären Wert der Löhne und Gehälter sowie die getätigten Investitionen.

Etwa 136 Millionen Menschen waren 2014 im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft der EU-28 beschäftigt

Schätzungen auf der Grundlage nationaler SUS-Zahlen zufolge waren im Jahr 2014 23,4 Millionen Unternehmen im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft der EU-28 tätig. Gemeinsam erwirtschafteten diese Unternehmen 6 582 Milliarden EUR Bruttowertschöpfung und beschäftigten etwa 136 Millionen Menschen. Auf Analyseebene der NACE-Abschnitte war die Herstellung von Waren in der EU-28 der größte Wirtschaftszweig auf der Grundlage der Wertschöpfung (26,0 % der gesamten nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft), während unter Betrachtung der Beschäftigungszahlen der Handel den größten Wirtschaftszweig ausmachte (24,0 % der gesamten nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft). Abbildung 1 zeigt diese Anteile in Verbindung mit den Veränderungsraten zwischen 2012 und 2014.

Unter Betrachtung der Wertschöpfung haben fast alle Wirtschaftszweige im Zeitraum von 2012 bis 2014 ein Wachstum verzeichnet, allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die Wertschöpfung in aktuellen Preiswerten angegeben wird, sodass die Veränderungsrate auch Preisänderungen wiedergibt. Bei vielen Wirtschaftszweigen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Preise im betrachteten Zeitraum gestiegen sind, dies mag nicht für den Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden zutreffen, wo ein beträchtlicher Teil an die Energiepreise gebunden ist, sodass Preisänderungen und andere Faktoren (wie die Verknappung der Reserven fossiler Energieträger) für einen Teil des großen Rückgangs in der Wertschöpfung für diese spezielle Aktivität verantwortlich sein können. Die zwei stärksten Zuwächse für die Wertschöpfung wurden für zwei der unternehmensorientierten Dienstleistungen verzeichnet: administrative und unterstützende Dienstleistungen; und freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Alle nichtfinanziellen Dienstleistungen meldeten für den Betrachtungszeitraum einen Zuwachs, der im Baugewerbe etwas geringer ausfiel. Die vier Industriezweige wiesen ein gemischteres Bild auf: die Wertschöpfung wuchs für die Herstellung von Waren sowie für Wasserversorgung, Kanalisation, Abfallbewirtschaftung und Umweltsanierung, auf der anderen Seite schrumpfte die im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden generierte Wertschöpfung, und ein etwas weniger starker Rückgang traf auch für die Energieversorgung zu.

Bei der Beschäftigung zeichnete sich im Vergleich zur Wertschöpfung ein nicht ganz so einheitliches Bild ab. Viele der nichtfinanziellen Geschäftstätigkeiten meldeten keine oder nur geringe Änderungen ihrer Beschäftigungszahlen zwischen 2012 und 2014, wobei die meisten Tätigkeiten einen geringen Rückgang angaben, dies traf für die zwei größten Wirtschaftszweige Handel und Herstellung von Waren zu. Größere Einbrüche in den Beschäftigungszahlen wurden im Baugewerbe und insbesondere im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden beobachtet, in Letzterem kommt, wie bereits erwähnt, noch ein starker Rückgang der Wertschöpfung in diesem Zeitraum hinzu. Ein Beschäftigungszuwachs fand fast ausschließlich bei den nichtfinanziellen Dienstleistungen statt (außer Handel, Verkehr und Lagerei) mit einem allgemeinen Anstieg der Arbeitnehmerzahlen um ca. 5–6 % für die meisten Unternehmensdienstleistungen. Einen deutlichen Beschäftigungsanstieg gab es ebenfalls im Bereich Wasserversorgung, Kanalisation, Abfallbewirtschaftung und Umweltsanierung.

Muster der Beschäftigungsspezialisierung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft

Während einige Wirtschaftszweige - wie der Einzelhandel - flächendeckend in allen Regionen vertreten sind, fällt bei anderen die regionale Konzentration sehr unterschiedlich aus. Oft haben hier nur wenige Regionen einen besonders hohen Spezialisierungsgrad. Der Anteil eines bestimmten NACE-Wirtschaftszweigs des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft gibt Aufschluss darüber, welche Regionen am stärksten und welche am wenigsten spezialisiert sind, und zwar unabhängig davon, ob die jeweilige Region bzw. der jeweilige Wirtschaftszweig groß oder klein sind. Diese Merkmale werden für die Industrie und die nichtfinanziellen Dienstleistungen auf den Karten 1 und 2 dargestellt.

Zu den ganz unterschiedlichen Gründen für eine solche Spezialisierung zählen die Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen (z. B. im Bergbau und bei der Gewinnung von Steinen und Erden sowie in der forstbasierten Industrie), der Zugang zu Fachkräften (z. B. für Forschung und Entwicklung), die Höhe der Produktionskosten (z. B. Löhne, Gehälter und andere Arbeitskosten oder die Kosten und die Verfügbarkeit anderer Produktionsfaktoren), das Vorhandensein adäquater Infrastrukturen (z. B. Beförderung oder Telekommunikation), klimatische und geografische Bedingungen (besonders relevant bei touristischen Aktivitäten und in der Schifffahrt), die Nähe bzw. der Zugang zu Märkten sowie rechtliche Zwänge. All diese Faktoren können die beträchtlichen Unterschiede hervorrufen, die zwischen den EU-Regionen hinsichtlich der Bedeutung einzelner Wirtschaftszweige innerhalb des jeweiligen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft bestehen.

Auf die Industrie entfiel knapp ein Viertel der Beschäftigten des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft in der EU

Im Jahr 2014 entfiel in der gesamten EU-28 auf die Industrie knapp ein Viertel (24,4 %) der Gesamtzahl der Beschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft, wobei der Anteil allmählich weiter abfällt. Wie Karte 1 zu entnehmen ist, gab es 2014 beim relativen Beitrag der Industrie zur Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft ein recht deutliches Ost-West-Gefälle, wobei die Industrie in den östlichsten Regionen im Allgemeinen einen höheren Beschäftigungsanteil verzeichnete.

In 54 NUTS-2-Regionen machten die Beschäftigten in der Industrie im Jahr 2014 mindestens 35,0 % der Arbeitskräfte des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft aus (auf Karte 1 im dunkelsten Blauton dargestellt), wobei keine Hauptstadtregionen beteiligt waren. Am stärksten war die Bedeutung der Industrie für die Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft in einem Band von Regionen, das sich von Bulgarien über Rumänien bis nach Ungarn erstreckte und sich dann in einen südlichen Strang (nach Slowenien und Norditalien) und einen nördlichen Strang (in die Slowakei, die Tschechische Republik und Polen) teilte. Richtung Westen setzte es sich nach Deutschland und Österreich fort. Zusätzlich gab es einzelne Regionen in Spanien, Frankreich, Mittelitalien und Finnland, die Beschäftigungsanteile von mindestens 35 % meldeten.

Die relativ starke Spezialisierung auf die industriellen Wirtschaftszweige in den östlichen Regionen der EU dürfte in gewissem Maße mit den vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten, der Auslagerung von Geschäftsbereichen und den Strategien im Zusammenhang mit ausländischen Direktinvestitionen sowie mit den Vorkommen an natürlichen Ressourcen zusammenhängen. Die Industriezweige der deutschen und der österreichischen Volkswirtschaft hingegen zeichnen sich häufig durch hochwertige ingenieurtechnische Leistungen und Erzeugnisse aus, die insbesondere auf den Ausfuhrmärkten erfolgreich sind (wie etwa Maschinen und elektrische Geräte).

Bei näherer Betrachtung der NUTS-2-Regionen zeigt sich, dass die Beschäftigten in der Industrie in der tschechischen Region Severovýchod im Jahr 2014 48,8 % der Arbeitskräfte des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft ausmachten, wobei in dieser Region der Wirtschaftszweig Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen die meisten industriellen Arbeitsplätze stellte. Auch in der rumänischen Region Vest, zwei bulgarischen Regionen (Severozapaden und Severen tsentralen), in der ungarischen Region Közép-Dunántúl und der slowakischen Region Západné Slovensko entfiel ein Anteil von über 45 % an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft auf die Industrie. Abgesehen von diesen Regionen im Osten der EU vermeldete die zentralitalienische Region Marche (die Region mit dem höchsten Spezialisierungsgrad in der EU bei der Herstellung von Leder und Lederwaren) mit 39,2 % den höchsten Industrieanteil an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft.

Die EU-Regionen mit den niedrigsten Beschäftigungsanteilen in der Industrie werden auf Karte 1 im hellsten Blauton dargestellt: In diesen Regionen machte der Anteil der Industriebeschäftigten im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft weniger als 15 % aus. Zu diesen 55 Regionen gehörten die Hauptstadtregionen der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten. Den niedrigsten Anteil unter allen Regionen wies Inner London - West mit 1,8 % auf.

Relative Bedeutung der Beschäftigung im Bereich der nichtfinanziellen Dienstleistungen in Inner London am größten

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Im Jahr 2014 entfielen auf nichtfinanzielle Dienstleistungen knapp zwei Drittel (66,1 %) der Beschäftigten des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft der EU-28, mit steigender Tendenz.

Der Grad der regionalen Spezialisierung auf nichtfinanzielle Dienstleistungen ist oft das Gegenstück zur industriellen Spezialisierung: Regionen mit relativ geringer Spezialisierung in der Industrie wiesen üblicherweise einen relativ hohen Spezialisierungsgrad im Bereich nichtfinanzieller Dienstleistungen auf. Wo dies nicht zutrifft, ist oft eine besondere hohe oder niedrige Spezialisierung im Baugewerbe der Grund.

In den Hauptstadtregionen des Vereinigten Königreichs – der westlichen und östlichen Region von Inner London – entfiel auf nichtfinanzielle Dienstleistungen ein Anteil von 95,1 % bzw. 92,1 % an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft. Inner London - West war die am stärksten spezialisierte Region in der EU in den Bereichen Multimediaveröffentlichungen, Rechts- und Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben sowie Werbung und Marktforschung. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Dienstleistungsorientierung der beiden Regionen von Inner London unter Berücksichtigung der Finanzdienstleistungen noch ausgeprägter wäre, zumal London einer der weltweit führenden Finanzplätze ist.

In 15 weiteren Hauptstadtregionen belief sich der Anteil der Beschäftigung im Bereich der nichtfinanziellen Dienstleistungen auf mindestens 75 % (auf Karte 2 im dunkelsten Blauton dargestellt) sowie in einer Reihe anderer, um eine Großstadt wie Hamburg und Köln in Deutschland, Utrecht in den Niederlanden oder Greater Manchester im Vereinigten Königreich gelegene Regionen. Aus Karte 2 lässt sich weiterhin ableiten, dass dienstleistungsorientierte Arbeitskräfte stark dazu tendieren, sich in touristisch geprägten Regionen anzusiedeln. Dies trifft für verschiedene griechische, spanische und portugiesische Regionen sowie die finnische Inselregion Åland zu.

In 47 Regionen machten nichtfinanzielle Dienstleistungen im Jahr 2014 weniger als 55 % der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaftsbeschäftigung aus, diese lagen vorwiegend in den östlichen EU-Mitgliedstaaten, wobei die geringsten Anteile in Regionen der Tschechischen Republik, von Slowenien und Rumänien verzeichnet wurden.

Messgrößen für die regionale Beschäftigungsspezialisierung und -konzentration

Tabelle 1 zeigt eine detailliertere Analyse der Wirtschaftszweige auf der Ebene der NACE-Abteilungen. Sie gibt den (Medianwert und den Durchschnittswert) des Anteils jeder NACE-Abteilung an der Beschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft an und wird für alle Ebene- 2-Regionen der EU (abgesehen von den irischen Regionen) und für Norwegen berechnet. Die beiden letzten Tabellenspalten geben Aufschluss darüber, welche Region den höchsten Spezialisierungsgrad aufwies, indem die entsprechenden Beschäftigungsanteile an der Gesamtbeschäftigung im nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft angegeben werden. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass zwar die Namen der Regionen mit den höchsten Anteilen, nicht jedoch die zugehörigen Werte angegeben sind, da diese Daten vertraulich sind.

Polnische und Nordseeregionen waren auf den Bergbau und die Gewinnung von Steinen und Erden spezialisiert

Der Bereich Bergbau und Gewinnung von energieerzeugenden und metallischen Mineralstoffen ist aufgrund der geografischen Verteilung der Lagerstätten tendenziell stark konzentriert, weshalb nur wenige Regionen in diesen Wirtschaftszweigen hoch spezialisiert waren. Infolge dieser Besonderheiten kann bei einigen dieser Tätigkeiten auf einige wenige Regionen ein relativ hoher Anteil an der sektoralen Beschäftigung entfallen. Zu den herausragendsten Beispielen zählen der Stein- und Braunkohlebergbau in Śląskie (Polen) sowie die Gewinnung von Erdöl und Erdgas vor der Küste von Westnorwegen oder Ostschottland (Vereinigtes Königreich).

Nordische Regionen verzeichneten einen hohen Spezialisierungsgrad in der forstbasierten Industrie

Die Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes in den ersten Verarbeitungsstufen von Erzeugnissen aus Land-, Fischerei- oder Forstwirtschaft sind in der Regel besonders stark in Regionen konzentriert, in denen die Wege zu den jeweiligen Rohstoffvorkommen kurz sind. Die am stärksten spezialisierte Region bei der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (NACE-Abteilung 10) war die ländliche Küstenregion Bretagne (im Nordwesten Frankreichs). Die stark bewaldeten und bergigen nordischen Regionen gehörten zu den Regionen mit dem höchsten Spezialisierungsgrad bei der Herstellung von Holz und Holzwaren (NACE-Abteilung 16) sowie bei der nachgelagerten Herstellung von Papier und Papiererzeugnissen (NACE-Abteilung 17).

Spezialisierung auf die Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen in Deutschland und Belgien

Mehrere deutsche und belgische Regionen wiesen einen vergleichsweise hohen Spezialisierungsgrad bei der Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen auf. Den Spitzenplatz nahmen hierbei Rheinhessen-Pfalz bei der Herstellung von Chemikalien und die belgische Region Prov. Brabant Wallon bei der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen und Zubereitungen ein. Die am stärksten spezialisierte Region im Bereich der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren war die französische Region Auvergne, wobei die diesbezüglichen Aktivitäten vornehmlich in Clermont-Ferrand angesiedelt waren.

Insel- und Hauptstadtregionen gehörten zu den am stärksten spezialisierten Regionen bei den Transportdienstleistungen

Bei den Transportdienstleistungen ist der Standort ein wichtiger Faktor. In Küstenregionen und auf Inseln ist naturgemäß die Schifffahrt (NACE-Abteilung 50) von Bedeutung, während die Luftfahrt (NACE-Abteilung 51) im Allgemeinen in Regionen in Großstadtnähe sowie in einigen Inselregionen (vor allem in denen mit Tourismusschwerpunkt) eine große Rolle spielt. Die kleine Inselregion Åland (Finnland) ist ein Knotenpunkt für den Fährverkehr zwischen Schweden und Finnland, aber auch für den übrigen Ostseeverkehr. Die Region Outer London - West and North West war regionaler Spitzenreiter bei der Spezialisierung in der Luftfahrt (sie umfasst den Flughafen London Heathrow).

Traditionelle Urlaubsziele unter den Regionen mit dem höchsten Spezialisierungsgrad im Beherbergungsbereich

Der Spezialisierungsgrad im Bereich Beherbergung (NACE-Abteilung 55) und Gastronomie (NACE-Abteilung 56) war u. a. in jenen Regionen am höchsten, in denen der Tourismus traditionell eine wichtige Rolle spielt, wie etwa in vielen Regionen Zyperns, Griechenlands, Maltas, Spaniens, Österreichs, Kroatiens, Portugals und Italiens. Die höchsten Anteile des Beherbergungsbereichs und des Gastronomiebereichs an der Beschäftigung des nichtfinanziellen Bereichs der gewerblichen Wirtschaft wurde in der griechischen Region Ionia Nisia verzeichnet (zu der unter anderem die Inseln Korfu, Zakynthos und Kefalonia gehören).

Hauptstadtregionen sind oft im Bereich der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie bei der Erbringung von Unternehmensdienstleistungen spezialisiert

Die Hauptstadtregionen waren die am stärksten spezialisierten Regionen bei den Informations-, Kommunikations- und Unternehmensdienstleistungen. Wie bereits erwähnt war Inner London - West die am stärksten spezialisierte Region in der EU in den Bereichen Multimediaveröffentlichungen, Rechts- und Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben sowie Werbung und Marktforschung. Bei den verbleibenden Wirtschaftszweigen der Informations-, Kommunikations- und Unternehmensdienstleistungen gehörten die Hauptstadtregionen der Tschechischen Republik, von Österreich, Portugal und von Rumänien zu den spezialisiertesten Regionen.

Regionale Beschäftigungsspezialisierung

Die Abbildungen 2 und 3 bieten einen Überblick über die relative Bedeutung der Wirtschaftstätigkeiten auf Ebene der NACE-Abteilungen bei der Beschäftigung im Bereich der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft: Abbildung 2 stellt die Abteilungen des Verarbeitenden Gewerbes dar und Abbildung 3 die Abteilungen der nichtfinanziellen Dienstleistungen. Die horizontalen Linien zeigen für jeden Wirtschaftszweig die Ausdehnung von der Region mit dem geringsten Anteil dieses Wirtschaftszweigs an den Beschäftigten in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft bis hin zur Region mit dem höchsten Anteil an; die Region mit dem höchsten Anteil wird außerdem in der Abbildung genannt. Die Extremwerte des höchsten und des niedrigsten Anteils können von einer einzelnen Region beeinflusst werden, und die farbige Box stellt eine engere Auswahl dar, die die Hälfte der Regionen umfasst (den Quartilabstand), wobei ein Viertel aller Regionen für diesen Wirtschaftszweig eine höhere Beschäftigung aufweist und ein Viertel der Regionen eine niedrigere. Der mittlere Balken innerhalb der farbigen Box stellt den Wert des Medianbereichs dar. Die Wirtschaftszweige werden von jenem, der die meisten Arbeitsplätze stellt — die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln in Abbildung 2 und Einzelhandel in Abbildung 3 — bis zu jenem mit der geringsten Beschäftigung — Herstellung von Tabakerzeugnissen in Abbildung 2 und Luftfahrt in Abbildung 3 eingestuft.

Bei genauerer Betrachtung von Abbildung 2 lassen sich einige wenige Wirtschaftszweige ausmachen, in denen nicht nur die Spanne vom höchsten zum niedrigsten Wert weit ist, sondern auch der Quartilabstand (die Breite der Box auf der Abbildung) groß ausfällt. Für einige der kleinsten Herstellungsbereiche, wie etwa Kokerei und Mineralölherstellung oder die Herstellung von Leder und Lederwaren fiel das Verhältnis zwischen dem dritten Quartil (die rechte Seite der Box) und dem ersten Quartil (die linke Seite der Box) besonders groß aus. Bei den großen Wirtschaftszweigen konnte ein relativ hohes Verhältnis zwischen drittem und erstem Quartil für die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen beobachtet werden. Darin spiegelt sich eine relativ große Bandbreite an Anteilen in der mittleren Hälfte (bezüglich der Einstufung) der Regionen, was auf Wirtschaftszweige mit einem recht verschiedenartigen Spezialisierungsgrad hinweist. Demgegenüber weisen Wirtschaftszweige mit einem relativ schmalen Quartilabstand – wie zum Beispiel die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln, die Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen oder die Herstellung von Druckerzeugnissen und die Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern – über eine Vielzahl an Regionen hinweg einen recht ähnlichen Beschäftigungsanteil in der nichtfinanziellen gewerblichen Wirtschaft auf, was darauf hindeutet, dass viele Regionen in diesen Wirtschaftszweigen nicht besonders oder gar nicht spezialisiert sind.

Die Beschäftigungsverteilung für große, grundlegende Wirtschaftszweige, wie Kraftwagen, Groß- und Einzelhandel, die normalerweise eher lokalen Kunden dienen, war relativ eng, und zwar hinsichtlich des Verhältnisses zwischen dem Höchstwert und dem Medianwert und hinsichtlich der Breite des Quartilabstands: Für diese drei Handelsaktivitäten betrug das Verhältnis zwischen dem dritten Quartil und dem ersten Quartil 1,4 : 1 und war damit enger als bei allen anderen nichtfinanziellen Dienstleistungen.

Für den Abschnitt Verkehr und Lagerei variiert der Grad der Spezialisierung zwischen den Wirtschaftszweigen sehr stark. Eine relativ kleine Zahl an Regionen zeigt die Tendenz zur Spezialisierung in der Schiff- und Luftfahrt, was zu einigen besonders hohen Verhältnissen zwischen dem Höchstwert und dem Median sowie zwischen dem dritten und ersten Quartil führt. Demgegenüber gibt es beim Landtransport (und beim Transport in Rohrfernleitungen) eine viel geringere regionale Spezialisierung. Ebenso gab es bei der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen eine stärkere regionale Spezialisierung bei der Forschung und Entwicklung als bei der Rechts- und Steuerberatung oder im Bereich der Architektur- und Ingenieursbüros sowie bei der technischen, physikalischen und chemischen Untersuchung.

Unternehmensdemografie: Gründungen und Schließungen

Statistiken zur Unternehmensdemografie beschreiben die Merkmale von Unternehmen innerhalb des Unternehmensbestands. Gegenstand sind unter anderem die Unternehmensgründungen, das Wachstum und der Fortbestand bereits bestehender Unternehmen (wobei den Auswirkungen auf die Beschäftigung besonderes Interesse galt) sowie die Unternehmensschließungen. Diese Indikatoren können wichtige Einblicke in die Wirtschaftsdynamik vermitteln, da neue Unternehmen bzw. schnell wachsende Unternehmen häufig Wegbereiter für Innovationen sind, die Effizienzgewinne erzielen und die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft verbessern, während relativ hohe Unternehmensschließungsraten auf Wirtschaftstätigkeiten hinweisen, die nicht mehr rentabel sind.

Ein erheblicher Teil der Mittel im Rahmen der Kohäsionspolitik wurde für die Förderung des Unternehmergeists und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen bereitgestellt. Daher soll mit der nächsten Datenerhebung die regionale Kohäsionspolitik (2014–2020) unterstützt werden, indem wichtige Daten für die Überwachung zur Verfügung gestellt werden.

Gegenstand der auf den Karten 3, 4 und 5 dargestellten Statistiken sind die Bereiche Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen (ausgenommen Beteiligungsgesellschaften) (NACE-Abschnitte B bis S, Gruppe 64.2 nicht inbegriffen). Es sei darauf verwiesen, dass für Griechenland keine Statistiken zur Unternehmensdemografie verfügbar sind.

Relativ viele Unternehmensgründungen in Litauen und Rumänien

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Die Unternehmensgründungsrate gibt die Anzahl der neu gegründeten Unternehmen im Verhältnis zum Gesamtbestand aktiver Unternehmen an. Für das Jahr 2014 wird die Unternehmensgründungsrate in der gewerblichen Wirtschaft in der EU auf ca. 10 % geschätzt; in Litauen (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) jedoch lag sie mit einem Wert von 25,1 % wesentlich höher; auch in allen vier slowakischen Regionen mit 18,8 % bis 20,4 % sowie allen sieben portugiesischen Regionen mit 13,3 % bis 16,6 % waren die Werte überdurchschnittlich. In der Türkei war die Unternehmensgründungsrate mit 23,3 % ebenfalls sehr hoch (für 2011 nur nationale Daten verfügbar). Gründungsraten von 12 % oder mehr (im dunkelsten Blauton auf Karte 3) wurden auch für zwei bulgarische Regionen verzeichnet, für die dänischen (Daten aus 2013) und rumänischen Hauptstadtregionen sowie einzelne Regionen aus Spanien, Frankreich und Lettland (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region). Für einige EU-Mitgliedstaaten sind lediglich nationale Daten verfügbar und unter diesen wiesen Polen und das Vereinigte Königreich ebenfalls Unternehmensgründungsraten von mindestens 12 % auf.

Die niedrigsten Unternehmensgründungsraten (unter 8 %, auf Karte 3 im hellsten Blauton dargestellt) wurden in 17 italienischen Regionen, jeweils vier Regionen in Österreich und Finnland und einzelnen Regionen in Spanien und Kroatien sowie in Zypern und Malta (auf dieser Analyseebene jeweils nur eine Region, für Malta Daten von 2013) verzeichnet; ähnlich niedrige Raten für Unternehmensgründungen wurden auch für Belgien, Deutschland, Irland und Schweden vermeldet, für die nur nationale Daten verfügbar sind.

Hinter den Statistiken zur Unternehmensdemografie auf nationaler Ebene können sich erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Regionen verbergen. Unter den EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen, für die regionale Daten vorliegen, war die größte Spanne zwischen der höchsten und der geringsten Gründungsrate auf regionaler Ebene in Spanien zu beobachten, wo der Höchstwert in der Region Ciudad Autónoma de Melilla 14,7 % erreicht wurde und der Tiefstwert in der Region País Vasco bei 7,3 % lag.

Hauptstadtregionen rangierten oftmals unter den Spitzenreitern bei den Unternehmensgründungsraten

Im Jahr 2014 lagen die Unternehmensgründungsraten in den Hauptstadtregionen häufig über dem Durchschnitt. Hierfür könnte eine Reihe von Faktoren verantwortlich sein. So bieten Hauptstadtregionen in der Regel das größte Marktpotenzial (allerdings gibt es hier auch die meisten Wettbewerber) und verfügen oftmals über mehr hochqualifizierte Arbeitskräfte – Studien zufolge gründen Hochschulabsolventen mit höherer Wahrscheinlichkeit neue Unternehmen. Darüber hinaus haben in Hauptstadtregionen im Allgemeinen zahlreiche Dienstleistungsunternehmen ihren Sitz (bei welchen die Markteintrittsbarrieren häufig vergleichsweise niedrig sind).

In Bulgarien, der Tschechischen Republik, Dänemark, Kroatien, Italien, Ungarn, Rumänien und Finnland wurden die höchsten Gründungsraten in der jeweiligen Hauptstadtregion verzeichnet, während die Hauptstadtregion Portugals die zweithöchste und jene von Frankreich und Österreich die dritthöchste Unternehmensgründungsrate verzeichneten. Die beiden Ausnahmen in diesem Zusammenhang bilden Spanien und die Slowakei, in deren Hauptstadtregionen die Unternehmensgründungsraten im Vergleich zu ihren anderen Regionen niedrig waren. Die Hauptstadtregion der Slowakei verzeichnete zudem die niedrigste Gründungsrate der vier NUTS-2-Regionen.

Alle rumänischen Regionen wiesen 2013 Unternehmensschließungsraten von 23 % oder mehr auf

Für das Jahr 2013 wurde die Unternehmensschließungsrate in den Bereichen Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen (ausgenommen Beteiligungsgesellschaften) in der EU auf ca. 9 % geschätzt. Die höchsten Schließungsraten unter allen NUTS-2-Regionen in der EU wurden in den acht rumänischen Regionen mit 23–27 % verzeichnet. Raten über 12 % (auf Karte 4 im dunkelsten Blauton) wurden auch für alle portugiesischen und slowakischen Regionen sowie für Lettland und Litauen (beide jeweils eine Region auf dieser Analyseebene) und Polen (nur nationale Daten verfügbar) gemessen.

Die niedrigsten Schließungsraten verzeichnete Belgien (nur nationale Daten verfügbar) mit 3,5 %. Insgesamt 25 französische Regionen vermeldeten ebenfalls Schließungsraten unter 6 % (auf Karte 4 im hellsten Blauton dargestellt), gemeinsam mit allen fünf finnischen Regionen (Daten von 2014) und jeweils zwei Regionen in Italien und Österreich.

Unternehmensfluktuation: Regionen mit verhältnismäßig hohen Gründungs- und Schließungsraten

Bei einer Analyse der Informationen auf den Karten 3 und 4 ist ersichtlich, dass einige der Regionen, die vergleichsweise hohe Unternehmensgründungsraten vermeldeten, ebenfalls relative hohe Schließungsraten aufwiesen. Dies ist nicht unbedingt verwunderlich, da in den Markt eintretende dynamische und innovative Unternehmen durchaus in der Lage sein können, die etablierten Unternehmen aus dem Markt zu verdrängen. In allen Regionen Portugals und der Slowakei sowie in den dänischen und rumänischen Hauptstadtregionen, in Lettland, Litauen und Polen wurden relativ hohe Unternehmensgründungs- und -schließungsraten beobachtet.

Alternativ kann man die Daten auch auswerten, wenn man sich den Unterschied zwischen Unternehmensgründung und -schließung für jede Region ansieht. In 56 der 142 EU-Regionen, für die auf beiden Karten Daten verfügbar sind, lagen die Schließungsraten über den Gründungsraten. Diese Situation trat in allen dänischen, kroatischen und rumänischen Regionen, fast allen tschechischen, italienischen und portugiesischen Regionen auf, in Zypern, Malta (jeweils nur eine Region auf dieser Analyseebene), Deutschland, Irland, Polen (nur nationale Daten verfügbar) sowie in jeweils zwei Regionen in Spanien und Ungarn. Demgegenüber stehen relativ große prozentuale Unterschiede zwischen den hohen Unternehmensgründungsraten und den niedrigen Schließungsraten in allen slowakischen Regionen, fast allen französischen Regionen, in Litauen (nur eine Region auf dieser Analyseebene) und dem Vereinigten Königreich (nur nationale Daten verfügbar).

Unternehmensdemografie: wachstumsstarke Unternehmen

Die abschließende Analyse dieses Artikels betrachtet nicht nur das Überleben von Unternehmen, sondern auch ihr personelles Wachstum. Wachstumsstarke Unternehmen zählen zu Beginn eines Zeitraums mindestens 10 Beschäftigte und erweitern ihren Personalstand dann über einen 3-Jahres-Zeitraum jährlich im Durchschnitt um mehr als 10,0 %. Wachstumsstarke Unternehmen sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung von Interesse, insbesondere wegen der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Verwendung des Schwellenwerts von 10 Beschäftigten zu Beginn eines Zeitraums soll sehr kleine Unternehmen mit geringem absoluten Wachstum (und relativ geringfügiger wirtschaftlicher Bedeutung) aber hohem relativen Wachstum ausschließen, die beispielsweise von einem Mitarbeiter auf zwei Mitarbeiter anwachsen. Bezüglich des Unternehmensalters gibt es keine Beschränkungen (außer, dass sie für die Messung des Wachstums über den 3-Jahres-Zeitraum mindestens vier Jahre alt sein müssen), sodass die wachstumsstarken Unternehmen sowohl relativ junge als auch konsolidierte Unternehmen einschließen. Der in Abbildung 5 dargestellte Anteil wachstumsstarker Unternehmen wird im Verhältnis zur Gesamtzahl der Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten am Ende des Wachstumszeitraums berechnet, hier das Jahr 2014.

Es wird geschätzt, dass wachstumsstarke Unternehmen 2014 9,2 % des Unternehmensbestandes (der Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigen) in der EU-28 ausmachten und dass diese Unternehmen 13,0 % der Beschäftigten in Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern beschäftigten. Obwohl wachstumsstarke Unternehmen in allen Wirtschaftszweigen der gewerblichen Wirtschaft vertreten waren, war ihr Anteil im Dienstleistungssektor in der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten höher, insbesondere in den Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie in administrativen und unterstützenden Dienstleistungen.

Bei Betrachtung der regionalen Analyse auf Karte 5 ist ersichtlich, dass die wachstumsstarken Unternehmen 2014 in 19 der 142 EU-Regionen, für die Daten auf Karte 5 verfügbar sind, 10 % oder mehr des Unternehmensbestandes (der Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten) ausmachten. Diese Regionen sind im dunkelsten Blauton dargestellt. Dazu zählten alle ungarischen Regionen, jeweils zwei Regionen (stets einschließlich der Hauptstadtregion) aus Bulgarien, der Slowakei (Daten von 2013) und Finnland sowie Lettland, Litauen und Malta (jeweils eine Region auf dieser Analyseebene) und Irland, Schweden und das Vereinigte Königreich (nur nationale Daten verfügbar).

Wachstumsstarke Unternehmen machten maximal 3,0 % des Unternehmensbestandes (der Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten) in Mayotte (Frankreich, Daten von 2013), allen rumänischen Regionen und Zypern (eine Region auf dieser Analyseebene) aus. Zusätzlich gab es fünf EU-Mitgliedstaaten, in denen mindestens eine Region einen Anteil an wachstumsstarken Unternehmen unter 6,0 % (aber über 3,0 %) verzeichnete: Spanien (zwei Regionen), Frankreich (eine Region), Italien, Österreich (jeweils vier Regionen) und Portugal (eine Region).

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Strukturelle Unternehmensstatistiken

Rechtsgrundlage für die jährliche Erhebung der SUS sind die Neufassung der Verordnung (EG) Nr. 295/2008 und ihre Durchführungsverordnungen. Regionale Statistiken werden für Löhne und Gehälter sowie die Zahl der Beschäftigten erstellt. Die in diesem Artikel dargestellten Informationen beziehen sich ausschließlich auf den nichtfinanziellen Bereich der gewerblichen Wirtschaft (NACE-Abteilungen B-N, mit Ausnahme des Abschnitts K sowie NACE-Abteilung 95) und schließen daher Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei sowie die öffentliche Verwaltung und sonstige nicht marktbestimmte Dienstleistungen (wie Verteidigung, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheits- und Sozialwesen), die nicht von der SUS erfasst werden, sowie die Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NACE-Abschnitt K) aus. Für Norwegen sind auch regionale SUS verfügbar, während die Schweiz auf den Karten 1 und 2 zwar mit nationalen Daten vertreten, aber von den anderen regionalen Erhebungen ausgeschlossen ist.

Als statistische Einheit für regionale SUS wird in der Regel die örtliche Einheit verwendet, d.h. ein Unternehmen oder ein Teil eines Unternehmens an einem räumlich bestimmten Ort. Einige Datenfelder der regionalen SUS werden aus Gründen der statistischen Geheimhaltung nicht offengelegt. Die betreffenden Felder werden als vertraulich gekennzeichnet und ihre Werte werden nicht veröffentlicht. Da die Choroplethenkarten jedoch anhand einer Reihe von Werten für jeden Farbton erstellt wurden, war es möglich, einer bestimmten Klasse vertrauliche Felder zuzuweisen und zugleich die Geheimhaltungsvorgaben zu erfüllen.

Unternehmensdemografie

Im Jahr 2012 wurde mit Unterstützung der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission eine Pilotdatenerhebung für eine Regionalstatistik zur Unternehmensdemografie in die Wege geleitet. Diese freiwillige Erhebung wurde mit einer Reihe von Zuschüssen gefördert, die nationalen Statistikbehörden gewährt wurden. Eine weitere Erhebungsrunde, welche die Bezugszeiträume 2011 bis 2013 abdeckt, wurde 2015 eingeleitet. Diese Statistiken werden weiterhin auf freiwilliger Basis erhoben, bis ein neuer rechtlicher Rahmen verabschiedet und umgesetzt wird.

Weitere Informationen:
Handbuch der Eurostat und OECD zur Unternehmensdemografie (auf Englisch)

NUTS

Die in diesem Artikel verwendeten Daten beziehen sich ausschließlich auf die NUTS-Version von 2013.

Definitionen von Indikatoren

Glossareinträge zu den Statistiken sind für eine Vielzahl verschiedener Begriffe/Indikatoren im Zusammenhang mit strukturellen Unternehmensstatistiken verfügbar, dazu gehören: Unternehmen, Bruttowertschöpfung, Beschäftigte, Unternehmensgründungen und Unternehmensschließungen.

Weitere Informationen:
Spezieller Bereich zu strukturellen Unternehmensstatistiken
Strukturelle Unternehmensstatistiken — Methodik

Kontext

Politische Initiativen

Die Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (auf Englisch) der Europäischen Kommission ist unter anderem zuständig für die Politik in folgenden Bereichen: die Vollendung des Binnenmarktes für Waren und Dienstleistungen; Hilfestellung bei der Umwandlung der EU in eine „intelligente, nachhaltige und integrative Wirtschaft“ durch die Umsetzung der in der Strategie Europa 2020 verankerten Industrie- und Branchenpolitik; die Förderung von Unternehmertum und Wachstums durch die Verringerung der bürokratischen Hürden für kleine Unternehmen; die Erleichterung des Zugangs zu Finanzmitteln für kleine und mittlere Unternehmen (KMU); die Unterstützung der EU-Firmen beim Zugang zu globalen Märkten; Erstellung von Richtlinien für den Schutz und die Durchsetzung gewerblicher Eigentumsrechte; die Koordinierung von EU-Standpunkten und Verhandlungen und Hilfestellung für Innovatoren bezüglich der effektiven Nutzung geistiger Eigentumsrechte; die Überbringung der EU-Weltraumpolitik sowie Forschungstätigkeiten, um technologische Innovationen und das Wirtschaftswachstum voranzutreiben.

Binnenmarktstrategie

Die Vorteile des Binnenmarkts werden nicht immer ausgeschöpft, da nicht alle Regeln bekannt sind oder umgesetzt werden oder da sie von anderen Hürden untergraben werden. Um dem Binnenmarkt Auftrieb zu verschaffen, stellte die Europäische Kommission im Oktober 2015 eine neue Binnenmarktstrategie vor. Damit soll die Mobilität für Dienstleister verbessert, die Entfaltung innovativer Geschäftsmodelle gewährleistet, der grenzüberschreitende Handel für Einzelhändler erleichtert und der Zugang zu Waren und Dienstleistungen innerhalb der EU verbessert werden.

„Small Business Act“

In dem im Juni 2008 angenommenen Small Business Act für Europa (KOM(2008) 394 endg.) erkennt die Europäische Kommission die zentrale Rolle der KMU für die Wirtschaft der EU an. Er schafft einen politischen Rahmen für KMU, mit dem der Unternehmergeist gefördert und der Grundsatz „Vorfahrt für KMU“ in der Politik verankert werden soll. Darüber hinaus sollen KMU bei der Lösung von Problemen unterstützt werden, die ihre Entwicklung behindern.

Unternehmertum 2020

Die Europäische Kommission nahm Anfang 2013 den Aktionsplan Unternehmertum 2020 (COM(2012) 795 final) an. Er soll den Unternehmergeist in der EU fördern und neu entfachen sowie Hindernisse beseitigen, damit mehr Unternehmer zur Gründung eines Unternehmens ermutigt werden. Der Plan basiert auf folgenden drei Aktionsschwerpunkten: unternehmerische Bildung zur Förderung des Wachstums und der Gründung von Unternehmen; Schaffung eines Umfelds, in dem neu gegründete Unternehmen wachsen und gedeihen können, indem bestehende bürokratische Hürden beseitigt und die Unternehmer in den wichtigsten Phasen des Unternehmenslebenszyklus unterstützt werden sowie die Neuentfachung des Unternehmergeists in der EU und die Förderung einer neuen Generation von Unternehmern durch die Entwicklung von Rollenvorbildern und die Erreichung einzelner Zielgruppen, deren unternehmerisches Potenzial nicht in vollem Umfang ausgeschöpft wird (z. B. einige ethnische Minderheiten). Des Weiteren soll der Aktionsplan das unternehmerische Scheitern entstigmatisieren und Fördermaßnahmen für Unternehmer zur Gewinnung von Investoren auf den Weg bringen.

Wiedererstarken der europäischen Industrie

Die Industrie wurde von der Finanz- und Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. Dies zeigt sich am Rückgang der relativen Bedeutung des Verarbeitenden Gewerbes der EU während der Rezession. Dessen ungeachtet entfällt auf die Industrie weiterhin der Löwenanteil der EU-Ausfuhren und der Forschungs- und Innovationstätigkeit, und auch heute noch bietet die Industrie zahlreiche hochqualifizierte Arbeitsplätze.

Die jüngsten, über die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass die Bruttowertschöpfung aus dem Herstellungssektor der EU-28 im Jahr 2015 15,5 % der gesamten Bruttowertschöpfung ausmachte. In ihrer Mitteilung (COM(2014) 14 final) mit dem Titel „Für ein Wiedererstarken der europäischen Industrie“, hat die Europäische Kommission das Ziel verankert, den Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am BIP bis 2020 wieder auf 20 % zu steigern. Um dies zu erreichen, werden die EU- und nationalen Entscheidungsträger dazu aufgerufen, die zentrale Bedeutung der Modernisierung der industriellen Basis anzuerkennen. Dem folgte eine ergänzende Mitteilung im April 2016 mit dem Titel „Digitalisierung der europäischen Industrie - Die Chancen des digitalen Binnenmarkts in vollem Umfang nutzen“ (COM(2016) 180 final) mit Schwerpunkt auf der digitalen Transformation der EU-Wirtschaft und der Start-up- und Scale-up-Initiative, die im November 2016 verabschiedet wurde, um günstige Bedingungen für die zahlreichen innovativen Unternehmer in der EU zur Gründung weltweit marktführender Unternehmen zu schaffen, wobei ein besonderes Augenmerk auf Risikokapital, Insolvenzrecht und Besteuerung gelegt wird.

Weitere Informationen:
Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Datenvisualisierung

Veröffentlichungen

Datenbank

Regionale strukturelle Unternehmensstatistiken (reg_sbs)
SUS-Daten nach NUTS-2-Regionen und NACE Rev. 2 (ab 2008) (sbs_r_nuts06_r2)
Mehrjährliche Statistiken für den Handelssektor (NACE Rev. 2, G) nach NUTS-2-Regionen (sbs_r_3k_my_r2)
Regionale Unternehmensdemografie (reg_bd)
Unternehmensdemografie und schnell wachsende Unternehmen nach NACE Rev. 2 und NUTS-3-Regionen (bd_hgnace2_r3)
Unternehmensdemografie nach Größenklasse und NUTS-3-Regionen (bd_size_r3)
Unternehmensdemografie mit abhängig Beschäftigten nach NACE Rev. 2 und NUTS-3-Regionen (bd_enace2_r3)
Unternehmensdemografie mit abhängig Beschäftigten nach Größenklasse und NUTS-3-Regionen (bd_esize_r3)
SUS - Regionaldaten - alle Aktivitäten (sbs_r)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Karten (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks