Internationaler Warenverkehr

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Daten vom März 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: Juni 2018. Die englische Version ist aktueller.

Dieser Artikel behandelt die Entwicklung des internationalen Warenverkehrs der Europäischen Union (EU). Dabei geht er auf den Anteil der EU an den Einfuhren und Ausfuhren auf den Weltmärkten, den Intra-EU-Handel (Handel zwischen EU-Mitgliedstaaten), die wichtigsten Handelspartner der EU und die meistgehandelten Produktkategorien ein.

Auf die EU-28 entfallen etwa 15 % des weltweiten Warenverkehrs. Der Wert des internationalen Warenverkehrs liegt deutlich über dem für den internationalen Dienstleistungsverkehr (etwa um das Dreifache), was der Eigenheit bestimmter Dienstleistungen zuzuschreiben ist. Deshalb gestaltet sich auch der grenzüberschreitende Handel mit Dienstleistungen schwieriger.

Abbildung 1: Hauptakteure des internationalen Warenverkehrs, 2015
(in Mrd. EUR)
Quelle: Eurostat (ext_lt_introle) und (ext_lt_intercc)
Abbildung 2: Deckungsgrad für den internationalen Warenverkehr, 2005 und 2015
(in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_introle) und (ext_lt_intercc)
Abbildung 3: Handelsbilanz für den internationalen Warenverkehr 2005 und 2015
(in Mrd. EUR)
Quelle: Eurostat (ext_lt_introle) und (ext_lt_intercc)
Abbildung 4: Weltmarktanteile beim internationalen Warenverkehr, 2015
(in % der weltweiten Ausfuhren)
Quelle: Eurostat (ext_lt_introle)
Abbildung 5: Weltmarktanteile beim internationalen Warenverkehr, 2015
(in % der weltweiten Einfuhren)
Quelle: Eurostat (ext_lt_introle)
Abbildung 6: Entwicklung des internationalen Warenverkehrs EU-28, 2006–2016
(in Mrd. EUR)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intertrd)
Abbildung 7: Internationaler Warenverkehr Extra EU-28, 2016
(Anteil der EU-28-Ausfuhren/Einfuhren, in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)
Abbildung 8: Internationaler Warenverkehr Intra EU-28, 2016
(Anteil der EU-28-Versendungen/Eingänge, in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)
Abbildung 9: Internationaler Warenverkehr, Intra- und Extra-EU-28, 2016
(Einfuhren und Ausfuhren, Anteil am Gesamthandel in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)
Abbildung 10: Internationaler Warenverkehr (Extra-EU-28) nach Haupthandelspartnern, EU-28, 2006 und 2016
(in Mrd. EUR)
Quelle: Eurostat (ext_lt_maineu)
Abbildung 11: Wichtigste Handelspartner beim internationalen Warenverkehr, EU-28, 2016
(Anteil an den Extra EU-28-Ausfuhren in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_maineu)
Abbildung 12: Wichtigste Handelspartner beim internationalen Warenverkehr, EU-28, 2016
(Anteil an den Extra EU-28-Einfuhren in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_maineu)
Abbildung 13: Extra EU-28-Handel nach wichtigsten Produkten, EU-28, 2011 et 2016
(in Mrd. EUR)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intertrd)
Abbildung 14: Wichtigste Ausfuhren nach Produkt, EU-28, 2011 und 2016
(Anteil an den Extra EU-28-Ausfuhren in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)
Abbildung 15: Wichtigste Einfuhren nach Produkt, EU-28, 2011 und 2016
(Anteil an den Extra EU-28-Einfuhren in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)
Abbildung 16: Wichtigste Ausfuhren und Einfuhren nach Produkt, EU-28, 2016
(Anteil an den Extra EU-28-Ausfuhren/Einfuhren, in %)
Quelle: Eurostat (ext_lt_intratrd)

Wichtigste statistische Ergebnisse

Hauptakteure des internationalen Warenhandels

Die drei größten Hauptakteure des Außenhandels sind seit 2004, als China an Japan vorbeizog, die EU-28, China und die Vereinigten Staaten (siehe Abbildung 1). 2015 war das Gesamtwarenhandelsvolumen (Ausfuhren und Einfuhren), das für die EU-28, China und die Vereinigten Staaten verzeichnet wurde, fast identisch. Der höchste Wert wurde mit 3633 Mrd. UR in den Vereinigten Staaten verzeichnet und lag 61 Mrd. UR über dem in China bzw. 115 Mrd. EUR über dem in der EU-28 erzielten Niveau (ohne Intra-EU-Handel). Japan erzielte das vierthöchste Volumen des internationalen Warenhandels mit 1 127 Mrd. EUR.

2015 fiel das Verhältnis zwischen Ausfuhren und Einfuhren (Deckungsgrad) besonders stark zugunsten der Ausfuhren nach Russland, Norwegen und China aus (siehe Abbildung 2), während in absoluten Zahlen China und Russland seit 2005 die größten Außenhandelsüberschüsse aufweisen; 2015 verzeichneten die Vereinigten Staaten das größte jährliche Defizit (siehe Abbildung 3), womit sich ein Muster fortsetzte, das während des gesamten letzten Jahrzehnts sichtbar war, für welches Daten vorliegen.

Bei näherer Betrachtung der Aus- und Einfuhrströme zeigt sich, dass die EU-28 2015 die zweitgrößten Weltmarktanteile bei den Warenein- und ausfuhren hatte (siehe Abbildungen 4 und 5): Die Warenausfuhren der EU-28 machten 15,5 % der weltweiten Ausfuhren insgesamt aus und wurden 2014 erstmalig seit der Gründung der EU von denen Chinas (die von 16,1 % im Jahr 2014auf 17,8 % im Jahr 2015 anstiegen) übertroffen, lagen aber dennoch weiterhin vor denen der Vereinigten Staaten (13,4 %). Beim Weltmarktanteil an den Einfuhren lagen die Vereinigten Staaten (17,4 %) vor der EU-28 (14,5 %) und China (12,7 %).

Extra-EU-Warenhandel

Der Warenhandel der EU-28 mit der übrigen Welt (Summe aus Extra-EU-Ausfuhren und -Einfuhren) belief sich 2016 auf 3453 rd. EUR (siehe Abbildung 6). Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren waren im Vergleich zu 2015 leicht niedriger, wobei der Rückgang bei den Ausfuhren (44 Mrd. EUR) rund doppelt so hoch war wie bei den Einfuhren (21 Mrd. EUR). Dadurch fiel der Außenhandelsüberschuss der EU-28 von 60 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 38 Mrd. EUR im Jahr 2016.

Nach einem starken Rückgang im Jahr 2009 sowohl bei den Ausfuhren als auch bei den Einfuhren stiegen die Ausfuhren der EU-28 innerhalb von vier Jahren um 58,7 % auf den Rekordstand von 1736 Mrd. EUR im Jahr 2013. Die Ausfuhren gingen dann 2014 um 1,9 % zurück, bevor sie 2015 um 5,1 % auf einen neuen Höchstwert von 1789 Mrd. EUR stiegen und dann 2016 erneut um 2,4 % sanken. Die Einfuhren wuchsen demgegenüber nach 2009 innerhalb von drei Jahren um 45,6 % und erreichten 2012 den Spitzenwert von 1799 Mrd. EUR. 2013 gingen sie um 6,2 % zurück, bevor sie sich 2014 stabilisierten (+0,3 %) und 2015 um 2,2 % stiegen, während sie 2016 um 1,2 % fielen, als ihr Niveau weiterhin noch unter dem Wert von 2012 lag.

Unter den EU-Mitgliedstaaten hatte Deutschland 2016 mit Abstand den größten Anteil im Extra-EU-28-Handel; es trug mit 28,7 % zu den EU-28-Warenausfuhren in Drittstaaten bei und zeichnete für fast ein Fünftel (18,8 %) der Einfuhren der EU-28 verantwortlich (siehe Abbildung 7). Bei den Ausfuhren rangierten mit dem Vereinigten Königreich (11,1 %), Italien (10,5 %) und Frankreich (ebenfalls 10,5 %) erneut dieselben Länder auf den nächsten Plätzen wie 2015 (wobei Italien allerdings mit seinen Extra-EU-28-Ausfuhren an Frankreich vorbeizog), und sie wiesen neben Deutschland als einzige Mitgliedstaaten einen zweistelligen Anteil an den Ausfuhren der EU-28 auf. Bei den Einfuhren von Waren aus Drittländern lagen 2015 das Vereinigte Königreich (16,6 %), die Niederlande (14,2 %), Frankreich (9,4 %) und Italien (8,4 %) auf den Plätzen hinter Deutschland. Der verhältnismäßig hohe Anteil der Niederlande lässt sich zumindest teilweise durch die beträchtliche Menge an Waren erklären, die über Rotterdam, den wichtigsten Seehafen der EU, in die Union gelangen. Den höchsten Außenhandelsüberschuss im Warenverkehr der EU-28 in Höhe von 180,9 Mrd. EUR konnte 2016 Deutschland verbuchen, gefolgt von Italien (39,7 Mrd. EUR) und Irland (34,5 Mrd. EUR). Das größte Handelsdefizit im Extra-EU-28-Warenhandel wurde in den Niederlanden (115,9 Mrd. EUR) und im Vereinigten Königreich (89,7 Mrd. EUR) verzeichnet.

Intra-EU-Warenhandel

Der Warenverkehr unter den Mitgliedstaaten (Intra-EU-Handel) belief sich 2016 gemessen an den Versendungen auf 3110 Mrd. EUR. Dies waren 78 % mehr als die 1745 Mrd. EUR, die für die Ausfuhren aus der EU-28 in Drittstaaten (Extra-EU-Handel) verzeichnet wurden.

Der Intra-EU-28-Handel stieg — ebenfalls gemessen an den Versendungen — von 2015 bis 2016 in der gesamten EU-28 um 1,3 %; dies war der siebte jährliche Zuwachs in Folge seit 2009. Betrachtet man Eingänge und Versendungen zusammen, verzeichneten Zypern (11,2 %), Rumänien (+7,0 %) und Kroatien (+55 %) die höchsten Zuwächse im Intra-EU-Handel im Jahr 2016, während Malta (-7,7 %), Luxemburg (-4,8 %), das Vereinigte Königreich (-4,3 %), Finnland (-1,4 %) und Litauen (-0,1 %) 2016 als einzige EU-Mitgliedstaaten Rückgänge beim Niveau des Intra-EU-Handels aufwiesen.

Wie beim Extra-EU-28-Handel stand Deutschland 2016 auch beim Intra-EU-28-Handel an der Spitze der Mitgliedstaaten mit einem Anteil von 22,8 % an den Warenversendungen in andere Mitgliedstaaten und von gut einem Fünftel (20,9 %) an den Wareneingängen der EU-28 aus anderen Mitgliedstaaten (siehe Abbildung 8). Die Niederlande (12,5 %) trugen als einziger weiterer Mitgliedstaat mehr als ein Zehntel zu den Intra-EU-Versendungen bei, was wiederum auf den „Rotterdam-Effekt“ zurückzuführen ist, während auf Frankreich (11,8 %) und das Vereinigte Königreich (9,6 %) jeweils fast ein Zehntel der Intra-EU-Eingänge entfiel.

Die Bedeutung des EU-Binnenmarkts wird durch die Tatsache unterstrichen, dass der Anteil des Intra-EU-Warenverkehrs (Versendungen und Eingänge zusammengenommen) bei jedem Mitgliedstaat – mit Ausnahme von Malta und des Vereinigten Königreichs, wo fast ein Gleichgewicht bestand – über dem Anteil des Extra-EU-Warenverkehrs (Ausfuhren und Einfuhren zusammengenommen) lag (siehe Abbildung 9). Zum Teil aufgrund historischer Bindungen und der geografischen Lage der einzelnen Länder variierte der Anteil des Intra-EU- und des Extra-EU-Handels am Warenverkehr insgesamt je nach Mitgliedstaat erheblich. Den höchsten Anteil (etwa 80 % des Gesamthandels) erreichte der Intra-EU-Handel in Estland, Luxemburg, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei, während der Anteil im Vereinigten Königreich lediglich bei 49,3 % lag.

Analyse der wichtigsten Partner im Warenhandel

Von 2006 bis 2016 entwickelten sich die Warenausfuhren der EU-28 nach den wichtigsten Handelspartnern höchst unterschiedlich. Die höchste Zuwachsrate bei den wichtigsten Handelspartnern wurde bei den Ausfuhren nach China verzeichnet, die sich fast verdreifachten, während sich die Ausfuhren nach Südkorea und Brasilien fast verdoppelten (siehe Abbildung 10). Die Ausfuhren nach Norwegen und Japan stiegen langsamer an und lagen 2016 bei 26 % und 30 % über dem Wert von 2006, während sich das Niveau der EU-28-Exporte nach Russland im gegenständlichen Zeitraum fast nicht änderte.

Bei ihren Wareneinfuhren verzeichnete die EU-28 von 2006 bis 2016 bei Japan einen Rückgang (-15 %), ebenso bei Russland (-17 %) und Norwegen (-23 %); bei den letzten beiden Ländern geht dies zumindest teilweise auf Änderungen des Öl- und Gaspreises zurück. Die stärksten Zuwächse gab es bei Einfuhren aus China (76 %), Indien (74 %) und der Schweiz (70 %).

Die Vereinigten Staaten waren 2016 weiterhin der mit Abstand größte Abnehmer für aus der EU-28 ausgeführte Waren (siehe Abbildung 11), wenngleich der Anteil der EU-28-Ausfuhren in die Vereinigten Staaten von 28,0 % der Gesamtausfuhren im Jahr 2002 auf 16,7 % im Jahr 2013 zurückging, bevor er 2016 wieder auf 20,8 % anstieg. Der zweitgrößte Abnehmer für Warenausfuhren der EU-28 war 2016 China (9,7 % der Gesamtausfuhren der EU-28), gefolgt von der Schweiz (8,2 %). 2016 übernahm die Türkei den vierten Platz unter den größten Abnehmern für EU-28-Warenausfuhren von Russland und dieses Muster setzte sich 2016 fort, als der Anteil der Türkei 4,5 % der EU-28-Warenausfuhren ausmachte. Auf die sieben größten Zielmärkte — die Vereinigten Staaten, China, Russland, die Schweiz, die Türkei, Japan und Norwegen — entfiel mehr als die Hälfte (53,4 %) aller Warenausfuhren aus der EU-28.

Die sieben größten Lieferanten von EU-28-Wareneinfuhren waren zugleich auch die sieben größten Zielmärkte für EU-28-Ausfuhren, wenn auch mit geringfügigen Unterschieden in der Reihenfolge (vergleiche Abbildungen 11 und 12). Diese sieben Länder verzeichneten einen höheren Anteil an den EU-28-Wareneinfuhren als an den EU-28-Warenausfuhren. Knapp über drei Fünftel (60,2 %) aller Wareneinfuhren in die EU-28 stammten aus diesen sieben Ländern. Aus China kam 2016 mehr als ein Fünftel (20,2 %) aller Einfuhren in die EU-28; damit war das Land der größte Lieferant von in die EU-28 eingeführten Waren. Der Anteil der Vereinigten Staaten an den EU-28-Wareneinfuhren blieb mit 14,5 % um 6 Prozentpunkte hinter dem Chinas zurück, während die Anteile der Schweiz (7,1 %) und Russlands (7,0 %), der dritt- und viertgrößten Warenlieferanten in die EU-28, um noch einmal 7 Prozentpunkte darunter lag. Die Türkei belegte Platz 5 unter den Lieferanten von EU-28-Wareneinfuhren, dicht gefolgt von Japan und Norwegen.

Analyse der wichtigsten Produktgruppen

Von 2011 bis 2016 stieg der Wert der Extra-EU-28-Ausfuhren bei den meisten der in Abbildung 13 dargestellten Produktkategorien, obgleich es zwei Ausnahmen gab: Ausfuhren von Rohstoffen (mit einem Gesamtrückgang von 5,1 %) und Ausfuhren von mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln, wo dieser Wert um 26,0 % zurückging. Die höchste Zuwachsrate bei Ausfuhren wurde mit 31,0 % bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak verzeichnet, während auch ein relativ rascher Anstieg des Niveaus der Extra-EU-Ausfuhren von chemischen Erzeugnissen verzeichnet wurde (die um 23,1 % zunahmen), während zweistellige Wachstumsraten auch bei Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen und anderen Industrieerzeugnissen verzeichnet wurden. Ähnlich ist die Situation bei den Einfuhren. Es kam zwischen 2011 und 2016 zu einem relativ starken Rückgang des Gesamtniveaus der Extra-EU-Einfuhren von Rohstoffen (-20,2 %) und von mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln (-46,6 %); es sei darauf hingewiesen, dass einige der Verluste auf Preisänderungen und/oder Wechselkursschwankungen zurückzuführen sind, da viele Rohstoffe und Öl auf den Weltmärkten in US-Dollar gehandelt werden. Im Gegensatz dazu stiegen zwischen 2011 und 2016 die Extra-EU-Einfuhren von Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen um insgesamt 24,9 %. Ferner wurden relativ hohe Wachstumsraten auch bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak (19,1 %) sowie bei chemischen Erzeugnissen (18,9 %) verzeichnet. Der Extra-EU-Handelsüberschuss der EU-28, der bei Waren 37,7 Mrd. EUR im Jahr 2016 erreichte, ist auf eine positive Handelsbilanz bei Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen (193 Mrd. EUR) und chemischen Erzeugnissen (129,1 Mrd. EUR) zurückzuführen. Von 2011 bis 2016 verzeichnete die EU-28 in beiden Produktgruppen einen Anstieg des Handelsüberschusses für chemische Erzeugnisse, während der Überschuss bei Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen leicht zurückging. Bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak konnte die EU-28 das 2011 bestehende geringe Handelsdefizit im Jahr 2016 in einen ebensolchen Handelsüberschuss überführen. Das größte Handelsdefizit gab es 2016 bei mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln, wo die Einfuhren die Ausfuhren um 190 Mrd. EUR überstiegen. Das EU-28-Handelsdefizit ging im Zeitraum zwischen 2011 und 2016 bei mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln stark zurück; bei den mineralischen Brennstoffen sank es in diesem Fünfjahreszeitraum auf weniger als die Hälfte. Im Gegensatz dazu stieg bei sonstigen Industrieerzeugnissen 2016 das EU-28-Handelsdefizit auf 53,5 Mrd. EUR, was einem Zuwachs von 3,5 % gegenüber 2011 entspricht.

Die Struktur der EU-28-Warenausfuhren veränderte sich von 2011 bis 2016 am deutlichsten in den kleineren Produktgruppen (siehe Abbildung 14). Der Anteil von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak stieg in diesem Zeitraum von 5,7 % auf 6,6 %, während der Anteil von mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln von 6,4 % auf 4,2 % zurückging.

Zur größten Strukturveränderung bei den EU-28-Einfuhren kam es im Zeitraum von 2011 bis 2016 bei den mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln, deren Anteil von 28,6 % auf 15,5 % zurückging (siehe Abbildung 15). Demgegenüber stieg der Anteil der sonstigen Industrieerzeugnisse von 23,3 % auf 26,3 % und der Anteil von Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen von 25,6 % auf 32,3 %.

In Abbildung 16 wird die Struktur der Einfuhren und Ausfuhren der EU-28 im Jahr 2016 verglichen: Dabei ist zu beachten, dass der Gesamtwert der Ausfuhren 2,2 % über dem Niveau der Einfuhren lag. Der auffälligste Unterschied zeigt sich beim Anteil von mineralischen Brennstoffen und Schmiermitteln, der bei den Einfuhren 3,6-mal so hoch war als bei den Ausfuhren. Dies wurde durch geringere Einfuhranteile bei Maschinenbauerzeugnissen und Fahrzeugen sowie chemischen Erzeugnissen ausgeglichen.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Für Statistiken über den internationalen Warenverkehr werden Wert und Menge der Waren gemessen, die zwischen den Mitgliedstaaten der EU (Intra-EU-Handel) bzw. zwischen Mitgliedstaaten und Drittstaaten (Extra-EU-Handel) gehandelt werden. Diese Statistiken bilden die amtliche Quelle für Informationen über Einfuhren, Ausfuhren und die Handelsbilanz der EU, ihrer Mitgliedstaaten und des Euroraums.

Die Statistiken werden für jedes Meldeland in Bezug auf jedes Partnerland und für verschiedene Produktklassifikationen veröffentlicht. Zu den gebräuchlichsten Klassifikationen zählt das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (SITC Rev. 4) der Vereinten Nationen (UN), das den weltweiten Vergleich von Außenhandelsstatistiken ermöglicht.

In den Statistiken des Extra-EU-Handels werden die für die EU-28 ausgewiesenen Daten als Daten eines einzigen Handelsraums behandelt. Die Daten zu den Ausfuhren beziehen sich also nur auf die Ausfuhren aus der gesamten EU-28, die den Handelsraum verlassen und für die Länder der übrigen Welt bestimmt sind, während sich die Extra-EU-Einfuhren auf die Einfuhren aus den Ländern der übrigen Welt (Drittstaaten) in die EU-28 beziehen. Dagegen werden bei der Übermittlung von Daten für einzelne EU-Mitgliedstaaten internationale Handelsströme im Allgemeinen als Welthandelsströme dargestellt, die sowohl Intra-EU- als auch Extra-EU-Partnerländer umfassen. Die Statistiken über den Warenverkehr mit den EU-Mitgliedstaaten (Intra-EU-Handel) umfassen die Eingänge und Versendungen von Waren, die von den einzelnen Mitgliedstaaten erfasst werden.


Die statistischen Werte für den Extra-EU-Handel und den Intra-EU-Handel werden für Ausfuhren/Versendungen zum FOB-Wert (FOB = free on board – frei an Bord) erfasst, für Einfuhren/Eingänge hingegen zum CIF)-Wert (CIF = cost, insurance, freight – Kosten, Versicherung, Fracht). Die gemeldeten Werte umfassen nur diejenigen Nebenkosten (Fracht und Versicherung), die – bei Ausfuhren/Versendungen – die Beförderung innerhalb des Hoheitsgebiets des EU-Mitgliedstaats betreffen, aus dem die Waren ausgeführt/versendet werden, und bei Einfuhren/Eingängen die Beförderung außerhalb des Hoheitsgebiets des Mitgliedstaats, in den die Waren eingeführt/verbracht werden.

Die EU-Daten stammen aus der COMEXT-Datenbank von Eurostat, der Referenzdatenbank für den internationalen Warenverkehr. Diese Datenbank enthält nicht nur die jüngsten sowie historische Daten aus den EU-Mitgliedstaaten, sondern auch Daten einer Vielzahl von Drittstaaten. Die aggregierten und detaillierten Statistiken für den internationalen Warenverkehr, die über die Eurostat-Website veröffentlicht werden, werden jeden Monat ausgehend von COMEXT erstellt. Da COMEXT täglich aktualisiert wird, können (im Falle von Aktualisierungen) die auf der Website veröffentlichten Daten von den in COMEXT enthaltenen Daten abweichen.

Kontext

Statistiken über den internationalen Warenverkehr werden in großem Umfang von Entscheidungsträgern auf internationaler, nationaler und EU-Ebene genutzt. Die Unternehmen können anhand von Daten über den internationalen Handel Marktforschung betreiben und ihre Geschäftsstrategien planen. Die EU-Organe verwenden Statistiken über den internationalen Warenhandel auch zur Vorbereitung multilateraler und bilateraler Handelsverhandlungen, zur Festlegung und Durchführung von Antidumpingmaßnahmen, zur Durchführung der Gesamtwirtschafts- und Währungspolitik sowie bei der Bewertung der im Rahmen des Binnenmarkts oder der Integration der europäischen Volkswirtschaften erzielten Fortschritte.

Die Förderung des Handels kann wirtschaftliches Wachstum ermöglichen. Die EU verfolgt eine gemeinsame Handelspolitik, in deren Rahmen die Europäische Kommission Verhandlungen über Handelsabkommen führt und die Interessen der EU im Namen der 28 Mitgliedstaaten vertritt. Die Konsultationen zwischen der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedstaaten erfolgen in einem beratenden Ausschuss, in dem sämtliche für die EU relevanten handelspolitischen Angelegenheiten, einschließlich der multilateralen, bilateralen und unilateralen Instrumente, erörtert werden. Damit fällt die Handelspolitik in die ausschließliche Zuständigkeit der EU, d. h. nur die EU, nicht ein einzelner Mitgliedstaat, kann Rechtsvorschriften im Bereich Handel erlassen und internationale Handelsabkommen abschließen. Dies umfasst seit Kurzem nicht nur den Warenverkehr, sondern auch den internationalen Dienstleistungsverkehr, die Rechte des geistigen Eigentums und die ausländischen Direktinvestitionen(FDI).

Auf internationaler Ebene werden multilaterale Handelsfragen unter der Ägide der Welthandelsorganisation (WTO) (auf Englisch) behandelt. Der WTO gehören 164 Länder an (Stand: März 2017), weitere Länder streben zurzeit einen Beitritt an. Die WTO erarbeitet weltweit geltende Regeln für den internationalen Handel und dient als Plattform für Handelsverhandlungen und die Schlichtung von Streitfällen zwischen den Mitgliedstaaten. Die Europäische Kommission verhandelt mit ihren WTO-Partnerländern und nahm an der letzten multilateralen WTO-Verhandlungsrunde, der sogenannten Entwicklungsagenda von Doha (DDA), teil. Nachdem die Doha-Verhandlungen schon 2005 und auch 2006 nicht fristgerecht abgeschlossen werden konnten, kamen die Gespräche auf einem WTO-Treffen im Juli 2008 erneut zum Stillstand. Im Dezember 2013 wurden mit der Annahme eines Pakets von Übereinkommen in Bali (Indonesien) in einigen Bereichen Fortschritte erzielt. Die Übereinkommen betreffen Maßnahmen zur Handelserleichterung, eine Verpflichtung zum Abbau von Ausfuhrsubventionen in der Landwirtschaft und sonstige Entwicklungsaspekte wie die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern. Auf der im Dezember 2015 in Nairobi abgehaltenen 10. WTO-Ministerkonferenz konnte Einvernehmen über eine Reihe von Handelsinitiativen erzielt werden, die insbesondere den ärmsten Mitgliedern der Organisation zugutekommen sollen. Dazu zählt die Verpflichtung, Ausfuhrsubventionen für landwirtschaftliche Erzeugnisse abzuschaffen.

Derzeit steht die EU in Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über ein Handels- und Investitionsabkommen — die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Von einem künftigen Abkommen werden wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum auf beiden Seiten erwartet. Im Februar 2017 nahm das Europäische Parlament das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) zwischen der EU und Kanada an (dieses Abkommen muss jedoch vor Inkrafttreten von den nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft treten kann).

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Datenvisualisierung

Haupttabellen

Internationaler Warenhandel – Daten (t_ext)
Internationaler Warenhandel – langfristige Indikatoren (t_ext_go_lti)
Internationaler Waren Handel – kurzfristige Indikatoren (t_ext_go_sti)

Datenbank

Internationaler Warenhandel – Daten (ext_go_agg)
Internationaler Warenhandel – langfristige Indikatoren (ext_go_lti)
Internationaler Warenhandel – kurzfristige Indikatoren (ext_go_sti)
Internationaler Warenhandel – detaillierte Daten (detail)

Spezieller Bereich


Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weitere Informationen – Rechtlicher Hintergrund

  • Verordnung (EG) Nr. 471/2009 vom 6. Mai 2009 über Gemeinschaftsstatistiken des Außenhandels mit Drittländern.
  • Verordnung (EU) Nr. 92/2010 vom 2. Februar 2010 zur Durchführung der Verordnung EG) Nr. 471/2009 über Gemeinschaftsstatistiken des Außenhandels mit Drittländern hinsichtlich des Datenaustauschs zwischen den Zollbehörden und den nationalen statistischen Stellen, der Erstellung von Statistiken und der Qualitätsbewertung.
  • Verordnung (EU) Nr. 113/2010 vom 9. Februar 2010 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 471/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über Gemeinschaftsstatistiken des Außenhandels mit Drittländern hinsichtlich der Abdeckung des Handels, der Definition der Daten, der Erstellung von Statistiken des Handels nach Unternehmensmerkmalen und Rechnungswährung sowie besonderer Waren oder Warenbewegungen.
  • Verordnung (EG) Nr. 638/2004 vom 31. März 2004 über die Gemeinschaftsstatistiken des Warenverkehrs zwischen Mitgliedstaaten und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 3330/91 des Rates.
  • Verordnung (EG) Nr. 1982/2004 der Kommission vom 18. November 2004 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr.638/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Gemeinschaftsstatistiken des Warenverkehrs zwischen Mitgliedstaaten und zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr.1901/2000 und (EWG) Nr.3590/92 der Kommission.

Weblinks