BIP auf regionaler Ebene

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Datenauszug vom März 2016. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: November 2017.

Mittels des Statistischen Atlasses von Eurostat können Sie alle Karten interaktiv verwenden (siehe Benutzerhandbuch (auf Englisch)).

Karte 1: Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner, in Kaufkraftstandards (KKS), im Verhältnis zum EU-28-Durchschnitt, nach NUTS-2-Regionen, 2014 (1)
(in % des EU-28-Durchschnitts, EU-28 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2gdp) und (nama_10_pc)
Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner, in Kaufkraftstandards (KKS), im Verhältnis zum EU-28-Durchschnitt, nach NUTS-2-Regionen, 2014
(in % des EU-28-Durchschnitts, EU-28 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2gdp) und (nama_10_pc)
Karte 2: Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) je Einwohner, in Kaufkraftstandards (KKS), im Verhältnis zum EU-28-Durchschnitt, nach NUTS-2-Regionen, 2008-2014 (1)
(Differenz zwischen 2008 und 2014 in Prozentpunkten)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2gdp) und (nama_10_pc)
Karte 3: Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem im Verhältnis zum EU-28-Durchschnitt, nach NUTS-2-Regionen, 2014 (1)
(in % des EU-28-Durchschnitts, EU-28 = 100)
Quelle: Eurostat (nama_10r_3gva), (nama_10r_3empers), (nama_10_a10) und (nama_10_a10_e)
Karte 4: Primäreinkommen der privaten Haushalte auf die Bevölkerung bezogen, nach NUTS-2-Regionen, 2013
(Kaufkraftkonsumstandards (KKKS) pro Einwohner)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2hhinc)
Abbildung 2: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte auf die Bevölkerung bezogen, nach NUTS-2-Regionen, 2013 (1)
(Kaufkraftkonsumstandards (KKKS) pro Einwohner)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2hhinc)
Karte 5: Veränderung im verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte auf die Bevölkerung bezogen, nach NUTS-2-Regionen, 2008–13 (1)
(Gesamtdifferenz des Kaufkraftkonsumstandards (KKKS) pro Einwohner zwischen 2008 und 2013)
Quelle: Eurostat (nama_10r_2hhinc)

Dieser Artikel ist Bestandteil einer Reihe statistischer Artikel die auf dem Eurostat-Jahrbuch der Regionen basieren. Darin werden die wirtschaftlichen Entwicklungen in der Europäischen Union (EU) anhand mehrerer regionaler Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen analysiert: Der erste Abschnitt basiert auf dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), dem wichtigsten Aggregat zur Messung der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wirtschaftswachstums. Der zweite Abschnitt enthält eine Kurzanalyse der Arbeitsproduktivität (in diesem Kontext definiert als Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem). Der Artikel schließt mit einer regionalen Analyse des Einkommens der privaten Haushalte und des verfügbaren Einkommens ab.

Die regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen dienen als Grundlage für die Mittelzuweisung im Rahmen der Kohäsionspolitik der EU. Zwar werden sämtliche Regionen in der EU abgedeckt, doch der Großteil der Mittel aus den Strukturfonds fließt in diejenigen NUTS-2-Regionen, deren Pro-Kopf-BIP weniger als 75 % des Durchschnitts der EU-28 beträgt. Die Mittelzuweisung im Rahmen der Kohäsionspolitik erfolgt derzeit auf der Grundlage einer Entscheidung über das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP im Dreijahreszeitraum von 2007 bis 2009; im Lauf des Jahres 2016 wird eine Halbzeitbewertung der Mittelzuweisung im Rahmen der Kohäsionspolitik stattfinden, die wahrscheinlich zu einigen Änderungen am System führen wird – weitere Informationen sind dem Artikel über Regionalpolitik und Europa 2020 zu entnehmen.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Im Jahr 2014 belief sich das BIP zu Marktpreisen in der EU-28 auf 14,0 Billionen EUR, was einem durchschnittlichen Wert von etwa 27 500 Kaufkraftstandards (KKS) pro Kopf entsprach.

Regionales Pro-Kopf-BIP

Karte 1 zeigt das Pro-Kopf-BIP der NUTS-2-Regionen im Jahr 2014, wobei der Wert für die einzelnen Regionen zunächst als Kaufkraftstandard (KKS) berechnet und dann als prozentualer Anteil am EU-28-Durchschnitt (= 100 %) angegeben wird. Insofern werden Regionen mit einem Pro-Kopf-BIP über dem EU-28-Durchschnitt als relativ „reiche“ Regionen (in Blau dargestellt) und Regionen mit Werten unter dem EU-Durchschnitt als relativ „arme“ Regionen (in Violett dargestellt) eingestuft. Die Nutzung der KKSs erlaubt den Vergleich der Kaufkraft über die Regionen der EU-Mitgliedstaaten hinweg, in denen es unterschiedliche Währungen und Preisniveaus gibt. Aus der Karte geht ein deutliches Ost-West-Gefälle hervor. Dieses Muster ist jedoch gegenwärtig weniger ausgeprägt als noch vor fast zehn Jahren, als die EU mit dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedstaaten die größte Erweiterung ihrer Geschichte vollzog. Dies ist im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen:

  • einen sich schrittweise vollziehenden Prozess wirtschaftlicher Konvergenz infolge eines relativ starken Wirtschaftswachstums in weniger entwickelten Regionen;
  • die Finanz- und Wirtschaftskrise, die erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung der meisten EU-Mitgliedstaaten hatte.

Tatsächlich war in zahlreichen Regionen im Osten der EU, insbesondere in den Hauptstadtregionen, sowohl absolut als auch relativ zum EU-28-Durchschnitt ein Anstieg des Pro-Kopf-BIP (bereinigt um Preisniveauunterschiede) zu beobachten. Dagegen sank das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise in mehreren NUTS-2-Regionen unter den EU-28-Durchschnitt, in denen er zuvor (2008) darüber lag: Dies gilt für vier britische Regionen, drei niederländische Regionen, je zwei Regionen in Griechenland, Italien und Finnland sowie je eine Region in Spanien, Zypern (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region), Slowenien und Schweden. Demgegenüber stieg das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 in drei Regionen in Deutschland und in je einer in Frankreich und Polen, in denen es 2008 noch darunter lag, über den EU-28-Durchschnitt.

Wirtschaftstätigkeit – Definition des BIP

Das BIP ist die zentrale Kennzahl der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und stellt die wirtschaftliche Lage eines Landes oder einer Region dar. Seine Berechnung erfolgt unter Verwendung verschiedener Ansätze: der Entstehungsrechnung, der Verwendungsrechnung und der Verteilungsrechnung.

Das BIP wird zur Analyse der Wirtschaftsleistung und der Konjunkturphasen (wie Rezession, Aufschwung oder Hochkonjunktur) verwendet. Daten in verschiedenen Währungen können zur besseren Vergleichbarkeit in eine gemeinsame Währung, z. B. Euro oder Dollar, umgerechnet werden. Die Wechselkurse spiegeln jedoch nicht alle Preisniveauunterschiede zwischen Ländern oder Regionen wider. Um diese Unterschiede auszugleichen, kann das BIP mithilfe von Umrechnungsfaktoren, die als Kaufkraftparitäten (KKP) bezeichnet werden, umgerechnet werden. Durch die Verwendung von KKP (anstelle von Marktwechselkursen) werden diese Indikatoren in eine gemeinsame künstliche Währung, den sogenannten Kaufkraftstandard (KKS) umgerechnet. Dadurch ist es möglich, die Kaufkraft der Regionen in den EU-Mitgliedstaaten zu vergleichen, die unterschiedliche Währungen und Preisniveaus haben.

Im weiteren Sinne führt die Verwendung von KKS-Reihen anstelle der Reihen auf der Grundlage des Euro in der Regel zu einer Nivellierung, da die Regionen mit einem sehr hohen Pro-Kopf-BIP (in EUR) gewöhnlich auch ein vergleichsweise hohes Preisniveau aufweisen (so sind beispielsweise die Lebenshaltungskosten im Zentrum von Paris oder London im Allgemeinen höher als in den ländlichen Gebieten Bulgariens oder Rumäniens).

EU-weit wurde das höchste Pro-Kopf-BIP in Inner London - West verzeichnet

In fünf Regionen betrug das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 mehr als das Doppelte des EU-28-Durchschnitts, namentlich in: Inner London - West, Luxemburg (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region), Région de Bruxelles-Capitale/Brussels Hoofdstedelijk Gewest, Hamburg und Inner London -East. Diese fünf Regionen mit dem höchsten Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 wiesen allesamt hohe Einpendlerüberschüsse auf: Beispielsweise legen viele Pendler täglich große Entfernungen zurück, um im Zentrum von London ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, während die (mit gut 160 km²) Région de Bruxelles-Capitale/Brussels Hoofdstedelijk Gewest relativ klein ist und zahlreiche Pendler aus den umliegenden Regionen anzieht. Während die höchsten absoluten Zahlen in der Regel für nationale Pendlerströme in die Regionen einiger der größten Städte Europas verzeichnet wurden, ist in einigen Regionen interessanterweise ein relativ hoher Anteil an grenzüberschreitenden Pendlern zu beobachten. In Luxemburg beispielsweise machen Pendler einen großen Anteil der Beschäftigten aus und fahren aus den Nachbarländern Belgien, Deutschland und Frankreich über die Grenzen zur Arbeit.

Weitere Informationen sind dem Artikel über Pendlerstrukturen zu entnehmen.

Messung von Wohlstand und Einkommen nach Wohn- oder Arbeitsort?

Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP gibt weder einen Hinweis auf die Verteilung des Wohlstands zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in einer Region, noch gibt es Aufschluss über das Einkommen, das den privaten Haushalten in einer Region letztlich zur Verfügung steht. Grund dafür sind die Pendlerströme, die bewirken können, dass Arbeitnehmer unter Umständen zum BIP in einer Region (in der sie arbeiten) und zum Haushaltseinkommen in einer anderen Region (in der sie leben) beitragen.

Dieses Manko macht sich bei einem erheblichen Pendlersaldo, d. h. dem Verhältnis zwischen Ein- und Auspendlern, besonders deutlich bemerkbar. Gebiete mit einer relativ hohen Zahl an Einpendlern verzeichnen häufig ein extrem hohes regionales Pro-Kopf-BIP im Vergleich zu den umliegenden Regionen. Dieses Muster ist in zahlreichen Metropolregionen der EU und insbesondere in Hauptstadtregionen zu beobachten. Angesichts dieser Besonderheit ist das hohe Pro-Kopf-BIP, das in einigen Regionen mit Einpendlerüberschuss erzielt wird, nicht zwangsläufig mit einem entsprechend hohen Einkommensniveau der Menschen gleichzusetzen, die ihren Wohnsitz in diesen Regionen haben.

Im Jahr 2014 vermeldeten etwa 15 % der 276 NUTS-2-Regionen, für die Daten verfügbar waren (siehe diesbezüglich Karte 1), dass ihr Pro-Kopf-BIP mindestens 25 % über dem EU-28-Durchschnitt lag; diese werden im dunkelsten Blau dargestellt. Bei vielen dieser Regionen handelte es sich um Hauptstadtregionen oder daran angrenzende Regionen, während sich die überwiegende Mehrheit der übrigen Regionen in der Mitte der Karte vornehmlich in West- und Süddeutschland, im Westen Österreichs und im Norden Italiens sowie in der Schweiz konzentrierte. Zu den übrigen drei Regionen gehören die Inselregion Åland (Finnland) sowie zwei mit der Öl- und Gasproduktion in der Nordsee assoziierte Regionen, namentlich Groningen in den Niederlanden und North Eastern Scotland im Vereinigten Königreich. Obwohl Deutschland die meisten Regionen mit einem Pro-Kopf-BIP mindestens 25 % über dem EU-28-Durchschnitt aufweist, zählt die deutsche Hauptstadtregion Berlin nicht dazu.

Fast alle 21 EU-Regionen, in denen das Pro-Kopf-BIP weniger als die Hälfte des EU-28-Durchschnitts ausmachte, lagen in Osteuropa

Im Rahmen der Kohäsionspolitik werden insbesondere jene Regionen gefördert, deren durchschnittliches Pro-Kopf-BIP sich auf weniger als 75 % des EU-28-Durchschnitts beläuft. Diese Regionen sind in Karte 1 im dunkelsten Violettton dargestellt. Im Jahr 2014 fielen insgesamt 78 NUTS-2-Regionen in diese Kategorie. Es ist zu beachten, dass für die Festlegung der Grundlage für die Förderfähigkeit im Programmplanungszeitraum von 2014-2020 das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP im Dreijahreszeitraum von 2007 bis 2009 herangezogen wurde.

Mehr als ein Viertel (21 Regionen) dieser 78 Regionen mit einer relativ niedrigen Wirtschaftsleistung verzeichnete ein Pro-Kopf-BIP von weniger als der Hälfte des EU-28-Durchschnitts. Von diesen 21 Regionen lagen 19 in Osteuropa und verteilten sich auf vier EU-Mitgliedstaaten, mit je fünf Regionen in Bulgarien, Polen und Rumänien sowie vier Regionen in Ungarn. Die verbleibenden zwei Regionen umfassten die französische Überseeregion Mayotte sowie die griechische Region Anatoliki Makedonia, Thraki. Die beiden bulgarischen Regionen Severozapaden und Yuzhen tsentralen sowie die französische Inselregion Mayotte vermeldeten das niedrigste durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in der EU, wobei jede dieser Regionen einen Wert von weniger als einem Drittel des EU-28-Durchschnitts verzeichnete.

Das Pro-Kopf-BIP war in Inner London - West fast 18 mal so hoch wie in Severozapaden

Im Jahr 2014 war das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in Inner London - West (539 % des EU-28-Durchschnitts) – bereinigt um unterschiedliche Preisniveaus – 18 mal so hoch wie in Severozapaden (Bulgarien), wo das niedrigste durchschnittliche Pro-Kopf-BIP festgestellt wurde (30 % des EU-28-Durchschnitts).

Das Pro-Kopf-BIP lag in allen Regionen Norwegens über dem EU-28-Durchschnitt

In allen EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen verzeichnete im Jahr 2014 zumindest eine NUTS-2-Region ein durchschnittliches Pro-Kopf-BIP unter dem EU-28-Durchschnitt. Dies galt jedoch nicht für die NUTS-2-Region Norwegen, wo alle sieben erfassten Werte über dem EU-28-Durchschnitt lagen. Nur in einem EU-Mitgliedstaat, der auf dieser Analyseebene lediglich eine Region bildet, lag das Pro-Kopf-BIP über dem EU-28-Durchschnitt, namentlich in Luxemburg; dies war auch in Island und der Schweiz der Fall (für welche nur nationale Daten verfügbar sind).

Die Hauptstadtregionen der Tschechischen Republik, Irlands, Ungarns, Polens, Portugals, Rumäniens und der Slowakei waren die einzigen Regionen in diesen EU-Mitgliedstaaten, in denen das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 über dem EU-28-Durchschnitt lag. Bulgarien, Griechenland, Kroatien und Slowenien waren die einzigen EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen, die in allen NUTS-2-Regionen ein durchschnittliches Pro-Kopf-BIP unter dem EU-28-Durchschnitt aufwiesen. Darüber hinaus lag das Pro-Kopf-BIP in den fünf anderen EU-Mitgliedstaaten, die auf dieser Analyseebene lediglich eine Region bilden, namentlich in den baltischen Mitgliedstaaten, Zypern und Malta, ebenfalls unter dem EU-28-Durchschnitt; dies galt auch für die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und Serbien (wobei für beide Länder nur nationale Statistiken verfügbar sind).

Hauptstadtregionen verzeichneten im allgemeinen das höchste Pro-Kopf-BIP in den meisten Mitgliedstaaten

Abbildung 1 zeigt eine alternative Analyse der regionalen Verteilung des Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014. Sie zeigt, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in der Mehrzahl der EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen im Allgemeinen in der jeweiligen Hauptstadtregion am höchsten war; die einzigen Ausnahmen von dieser Regel bildeten Deutschland, Italien und die Niederlande. In Deutschland wurde das höchste durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in Hamburg ermittelt, während Berlin als einzige Hauptstadtregion ein Pro-Kopf-BIP vermeldete, das unter dem Landesdurchschnitt lag. In Italien verzeichnete die Hauptstadtregion Lazio das sechsthöchste Pro-Kopf-BIP unter den italienischen Regionen. Dabei wurden höhere Werte in den meisten im Norden gelegenen Regionen und der Spitzenwert in der Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen festgestellt. In den Niederlanden war Groningen die einzige Region, die ein durchschnittliches Pro-Kopf-BIP verzeichnete, das über dem für die Hauptstadtregion Noord-Holland erfassten Wert lag.

Die Hauptstadtregionen Bulgariens, der Tschechischen Republik, Dänemarks, Irlands, Frankreichs, Kroatiens, Portugals, Sloweniens, der Slowakei und Schwedens waren die einzigen Regionen in diesen EU-Mitgliedstaaten, in denen das Pro-Kopf-BIP im Jahr 2014 über dem EU-28-Durchschnitt lag.

Eine Analyse der EU-Mitgliedstaaten mit mehr als zwei Regionen zeigt, dass die größten Unterschiede bei der Schaffung von Wohlstand zwischen Regionen innerhalb eines Landes im Vereinigten Königreich beobachtet wurden, da das Pro-Kopf-BIP in Inner London - West nahezu achtmal so hoch war wie in West Wales and the Valleys. Erhebliche Unterschiede beim Pro-Kopf-BIP wurden ebenfalls innerhalb Frankreichs, Rumäniens und der Slowakei festgestellt. Dagegen war die Schaffung von Wohlstand in Kroatien, Slowenien, den nordischen Mitgliedstaaten, Portugal, Irland, den Niederlanden, Österreich, Spanien und Griechenland relativ gleichmäßig verteilt. In keinem dieser EU-Mitgliedstaaten betrug das Pro-Kopf-BIP der Region mit dem höchsten Wert mehr als das Doppelte des in der Region mit dem niedrigsten Pro-Kopf-BIP erfassten Werts. Dies galt auch für Norwegen.

Analyse der regionalen Wirtschaftsentwicklung im Zeitverlauf

Bei Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde in der EU-28 für das Jahr 2008 beim Pro-Kopf-BIP ein Spitzenwert von 26 000 KKS verzeichnet. Die Wirtschaftstätigkeit brach im Jahr 2009 drastisch ein, und das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP erreichte erst im Jahr 2011 wieder einen (geringfügig) über dem Vorkrisenniveau liegenden Wert. In den Jahren 2012 und 2013 sank die Zuwachsrate des Pro-Kopf-BIP, wobei 2013 ein durchschnittliches Pro-Kopf-BIP von 26 700 KKS erwirtschaftet wurde, bevor sie im Jahr 2014 wieder auf ein Pro-Kopf-BIP von 27 500 KKS anstieg.

Rasanter Anstieg des Pro-Kopf-BIP in mehreren Regionen Polens, Deutschlands und Österreichs sowie in Litauen und Luxemburg

Karte 2 zeigt die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und führt im Einzelnen die regionalen Leistungen der NUTS-2-Regionen von 2008 bis 2014 auf. Die Regionen, die einen rasanten Aufschwung verzeichneten – im dunkelsten Blauton dargestellt –, befanden sich größtenteils in Polen (7 der 16 polnischen Regionen), Österreich (3 der 9 österreichischen Regionen), Deutschland (12 der 38 deutschen Regionen), Litauen und Luxemburg (beide bilden auf dieser Analyseebene lediglich eine Region). Zudem stieg das Pro-Kopf-BIP, gemessen am EU-28-Durchschnitt, in Nyugat-Dunántúl (Ungarn), Sud-Est (Rumänien), Bratislavský kraj (Slowakei) und Inner London - East um mehr als 10,0 Prozentpunkte.

REGIONEN IM BLICKPUNKT

Mazowieckie, Polen

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Gemessen am Zuwachs des Pro-Kopf-BIPs verzeichnete Mazowieckie (die polnische Hauptstadtregion) im Zeitraum 2008 bis 2014 das stärkste Wirtschaftswachstum unter allen Regionen. Auch beim verfügbaren Einkommen je Einwohner verzeichnete sie zwischen 2008 und 2013 den höchsten Zuwachs unter allen NUTS-2-Regionen.

©: skitterphoto.com

Im Zeitraum 2008 bis 2014 verzeichnete die polnische Region Mazowieckie mit der Hauptstadt Warschau, gemessen am EU-28-Durchschnitt, das stärkste Wirtschaftswachstum unter allen NUTS-2-Regionen in der EU. Das Pro-Kopf-BIP in Mazowieckie lag im Jahr 2008 17,1 % unter dem EU-28-Durchschnitt, stieg jedoch im Jahr 2014 an und lag 8,4 % über dem EU-28-Durchschnitt.

Am anderen Ende der Skala sank das Pro-Kopf-BIP von 2008 bis 2014 in insgesamt 38 Regionen um mindestens 10,0 Prozentpunkte, bezogen auf den EU-28-Durchschnitt (in Karte 2 im dunkelsten Violettton dargestellt). Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die griechische und die spanische Wirtschaft waren in nahezu allen Regionen dieser Länder zu spüren, denn zwölf griechische und 14 spanische Regionen waren betroffen. Zypern (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) gehörte ebenfalls zu dieser Gruppe, ebenso wie sieben vorwiegend im Norden Italiens gelegene Regionen, zwei niederländische Regionen sowie je eine Region in Finnland (die Hauptstadtregion) und dem Vereinigten Königreich (Bedfordshire und Hertfordshire). Der stärkste wirtschaftliche Abschwung aller NUTS-2-Regionen der EU, gemessen am EU-28-Durchschnitt zwischen 2008-2014, wurde in drei griechischen Regionen (Attiki, Notio Aigaio und Ionia Nisia) verzeichnet, wo das Pro-Kopf-BIP im Vergleich zum EU-28-Durchschnitt um mehr als 26,0 Prozentpunkte fiel. In der Hauptstadtregion Attiki beispielsweise sank es von 25,4 % über dem EU-28-Durchschnitt auf 1,2 % darunter.

Die nationale wirtschaftliche Entwicklung scheint eine bedeutende Rolle für die regionale Wirtschaftsleistung zu spielen, wobei sie in mehreren östlichen Mitgliedstaaten in vielen Regionen stieg

Interessant ist, dass trotz der großen Unterschiede des durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP in den einzelnen Regionen einiger EU-Mitgliedstaaten die Veränderung der Wirtschaftstätigkeit im Zeitraum 2008 bis 2014 ein relativ einheitliches Muster aufweist. In den EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen stieg das Pro-Kopf-BIP in allen Regionen in Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Slowakei schneller als der EU-28-Durchschnitt; in Belgien, der Tschechischen Republik und Österreich stieg es in jeder außer der Hauptstadtregion; auch in Dänemark und Deutschland nahm das Pro-Kopf-BIP in allen Regionen außer einer (die Hauptstadtregion) zu. Dagegen verzeichneten alle Regionen in Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien, den Niederlanden, Slowenien, Finnland (ausgenommen Åland) und Schweden im Verhältnis zum EU-28-Durchschnitt einen schleppenderen Anstieg ihres durchschnittlichen Pro-Kopf-BIPs (in der Regel bedingt durch niedrige Zuwachsraten, weniger durch einen absoluten Rückgang des Pro-Kopf-BIP). In Irland wuchs eine Region schneller als der EU-28-Durchschnitt und eine andere hingegen langsamer, während sich die Lage nur in Frankreich, Portugal und dem Vereinigten Königreich uneinheitlich darstellte, wo die Mehrheit der Regionen langsamer wuchs als der EU-28-Durchschnitt.

Arbeitsproduktivität

In der regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist die Arbeitsproduktivität definiert als Bruttowertschöpfung in Euro zu Basispreisen je Beschäftigtem. Karte 3 zeigt die Werte für diesen Indikator nach NUTS-2-Regionen im Jahr 2014 bezogen auf den EU-28-Durchschnitt. Idealerweise sollte bei der Ermittlung der regionalen Arbeitsproduktivität die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden (statt der Beschäftigtenzahl) herangezogen werden; für diese Größe liegen derzeit jedoch nicht von allen EU-Mitgliedstaaten Zahlen vor.

REGIONEN IM BLICKPUNKT

Luxemburg, Luxemburg

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Luxemburg wies 2014 die höchste Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem unter den NUTS-2-Regionen in der EU auf; die Arbeitsproduktivität war dabei doppelt so hoch wie der EU-28-Durchschnitt. Luxemburg verzeichnete ebenfalls das zweithöchste Pro-Kopf-BIP (nach Inner London - West). Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP gibt nicht unbedingt Aufschluss über das Einkommen, das den privaten Haushalten letztlich zur Verfügung steht. Grund dafür sind die Pendlerströme, die bewirken können, dass Arbeitnehmer unter Umständen zum BIP in einer Region (in der sie arbeiten) und zum Haushaltseinkommen in einer anderen Region (in der sie leben) beitragen.

©: nicrob 77

Bei erheblichen Pendlerströmen zwischen den Regionen ist die Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem in Regionen mit Einpendlerüberschuss höchstwahrscheinlich niedriger als das entsprechende Verhältnis beim Pro-Kopf-BIP, sofern sich die Beschäftigungsdaten auf den Arbeits- und nicht auf den Wohnort beziehen. Mit anderen Worten, bei der Analyse der Arbeitsproduktivität fallen die Unterschiede zwischen den Regionen unter Umständen geringer aus als bei der Analyse des Pro-Kopf-BIP. So wurde die höchste Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem 2014 in Luxemburg verzeichnet, wobei in dieser Region auch das Pro-Kopf-BIP eines der höchsten war. Für London sind keine Daten verfügbar.

Eine relativ hohe Arbeitsproduktivität kann durch die effiziente Nutzung von Arbeitskraft (ohne zusätzlichen Input) bedingt sein oder aus der Mischung der eine Volkswirtschaft ausmachenden Wirtschaftstätigkeiten resultieren (da die Arbeitsproduktivität in manchen Wirtschaftszweigen höher ist als in anderen). Beispielsweise spielt der Finanzdienstleistungssektor, der durch eine besonders hohe Produktivität gekennzeichnet ist, in der Wirtschaft von Luxemburg eine außerordentlich wichtige Rolle. Southern and Eastern Ireland (wozu Dublin zählt) – ebenfalls eine auf Finanzdienstleistungen spezialisierte Region – gehörte hinsichtlich der Arbeitsproduktivität auch zu den drei führenden Regionen. Zu den übrigen zehn führenden Regionen zählten drei belgische Regionen (die Hauptstadtregion sowie ihre angrenzenden Regionen), die dänische, französische und schwedische Hauptstadtregion sowie zwei mit der Öl- und Gasproduktion in der Nordsee assoziierte Regionen (welche bereits bezüglich ihres hohen Pro-Kopf-BIPs erwähnt wurden), namentlich die niederländische Region Groningen sowie North Eastern Scotland.

Niedrigere Arbeitsproduktivität in Mitgliedstaaten, die der EU 2004 oder später beigetreten sind

In den Mitgliedstaaten, die der EU 2004 oder später beigetreten sind, gab es keine einzige Region, in der die Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem über dem EU-28-Durchschnitt lag. Im Jahr 2014 verzeichnete die slowakische Hauptstadtregion Bratislavský kraj mit gut 80 % des EU-28-Durchschnitts die höchste Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem unter den NUTS-2-Regionen dieser 13 Mitgliedstaaten (soweit Daten verfügbar waren).

In 64 NUTS-2-Regionen betrug die Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem 2014 weniger als drei Viertel des EU-28-Durchschnitts (in Karte 3 im dunkelsten Violettton dargestellt). Darunter gab es 46 Regionen, in denen dieser Wert weniger als die Hälfte des EU-28-Durchschnitts betrug. Diese Regionen lagen vorwiegend in zwei baltischen Mitgliedstaaten (Lettland und Litauen, jeweils nur eine Region auf dieser Analyseebene) sowie in östlichen Regionen der EU mit einer niedrigen Arbeitsproduktivität in allen Regionen Bulgariens, Kroatiens und Ungarns, in allen außer zwei Regionen der Tschechischen Republik und Polens, in allen außer einer Region Rumäniens sowie in einer Region der Slowakei. Die einzige südliche Region mit einer Arbeitsproduktivität unter dem EU-28-Durchschnitt für das Jahr 2014 war Norte in Portugal.

Primäreinkommen der privaten Haushalte

In den letzten Jahren wurde zunehmend über die Lebensqualität in Europa diskutiert, wobei viele Menschen der Meinung sind, dass ihr allgemeiner Lebensstandard seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise gesunken sei; als Ursachen dafür gelten insbesondere gefallene Reallöhne, zunehmende Arbeitslosigkeit, zusätzliche Steuerlasten oder Sozialabgaben, geringere Leistungsbezüge oder steigende Preise.

Karte 4 bietet einen Überblick über das Primäreinkommen je Einwohner in den NUTS-2-Regionen von 26 EU-Mitgliedstaaten: Für Luxemburg und Malta sind keine Daten verfügbar. Die Daten werden in Kaufkraftkonsumstandards (KKKS) dargestellt, um Preisunterschiede zwischen den Regionen auszugleichen. Im Jahr 2013 schwankte das Primäreinkommen zwischen 51 200 KKKS je Einwohner in Inner London - West und 4 800 KKKS in Severozapaden, was einem Faktor von 10,6 zu 1 entspricht; der höchste und der niedrigste Wert wurden damit in denselben Regionen verzeichnet, die auch das höchste und das niedrigste Pro-Kopf-BIP meldeten.

Hohe Primäreinkommen in vielen deutschen Regionen und allgemein in den Hauptstädten und ihren Peripherien

In 52 Regionen wurde 2013 ein Primäreinkommen je Einwohner in Höhe von mindestens 22 500 KKKS verzeichnet. Die Mehrheit (27) dieser Regionen befand sich in Deutschland, wozu auch die Regionen mit den zweit-, dritt- und vierthöchsten Werten gehörten, die in Oberbayern, Stuttgart und Hamburg verzeichnet wurden. Abgesehen von Inner London - West gab es sieben andere britische Regionen in dieser Kategorie, die hauptsächlich im Südosten Englands lagen, sowie eine Region in Schottland (North Eastern Scotland). Zu den anderen EU-Mitgliedstaaten mit mehreren Regionen in dieser Gruppe gehörten Österreich (fünf Regionen), Belgien (vier Regionen um die Hauptstadtregion herum, jedoch nicht die Hauptstadtregion selbst), Italien, die Niederlande und Finnland (je zwei Regionen) sowie je eine französische und schwedische Region. Wie bereits bei den Informationen zum Pro-Kopf-BIP dargestellt, gehört zu den auffallendsten Merkmalen von Karte 4 das relativ hohe Niveau des Primäreinkommens je Einwohner in den Regionen der Hauptstädte oder ihrer Peripherien.

Am anderen Ende der Skala meldeten 36 NUTS-2-Regionen ein Primäreinkommen je Einwohner von weniger als 10 000 KKKS. Diese Regionen lagen vorwiegend in Lettland (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region), Griechenland sowie den östlichen EU-Mitgliedstaaten, insbesondere in Bulgarien (alle sechs Regionen), Kroatien (beide Regionen), Ungarn (sechs von sieben Regionen), Rumänien (sechs von acht Regionen), Polen (8 von 16 Regionen) und der Slowakei (eine von vier Regionen); außerdem gehörte eine französische Region dazu.

Verfügbares Einkommen

Abbildung 2 und Karte 5 stellen die Informationen über das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte dar, anders ausgedrückt, das Einkommen, das Menschen ausgeben oder sparen können (nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und nach Erhalt ihrer Sozialleistungen). Das höchste verfügbare Einkommen je Einwohner wurde 2013 in Inner London - West verzeichnet und betrug 37 900 KKKS; für Luxemburg oder Malta sind keine Daten verfügbar. Die anderen neun der zehn Regionen mit den höchsten Werten lagen allesamt in Deutschland, wobei das höchste verfügbare Einkommen in der Region Oberbayern (in der München liegt) verzeichnet wurde.

Das höchste verfügbare Einkommen je Einwohner in Inner London - West betrug 7,7 mal mehr als das im französischen Überseegebiet Mayotte (4900 KKKS); wenn man dies mit dem Verhältnis der Primäreinkommen (10,6 zu 1) vergleicht, hat sich die Kluft zwischen den Regionen mit dem höchsten und dem niedrigsten Wert beträchtlich verringert. In der Tat liegt das verfügbare Einkommen je Einwohner infolge staatlicher Eingriffe (Umverteilung) in den meisten Regionen im Allgemeinen unter dem entsprechenden Wert für das Primäreinkommen je Einwohner. Dies trifft insbesondere auf Regionen zu, die einige der höchsten Verdiener aufweisen (oft Hauptstadtregionen), da Steuern und Sozialversicherungsabgaben im Allgemeinen in Abhängigkeit vom Einkommen steigen.

Abbildung 2 zeigt, dass Hauptstadtregionen oft das höchste verfügbare Einkommen aufweisen, obwohl sich dieses Muster bei einigen EU-Mitgliedstaaten mit den höchsten Werten für das verfügbare Einkommen nicht so deutlich zeigte: In Belgien, Deutschland und Österreich lag das verfügbare Einkommen je Einwohner in der Hauptstadtregion unter dem nationalen Durchschnitt. In den Hauptstadtregionen Spaniens, Italiens, Ungarns und Finnlands lag das verfügbare Einkommen je Einwohner über dem entsprechenden nationalen Durchschnitt, obwohl es in jedem dieser EU-Mitgliedstaaten mindestens eine andere Region gab, die ein höheres verfügbares Einkommen je Einwohner aufwies.

Außerhalb der Hauptstadtregionen war die Verteilung des verfügbaren Einkommens über die meisten EU-Mitgliedstaaten hinweg relativ gleichförmig

Von den Hauptstadtregionen abgesehen bewegte sich die Verteilung des verfügbaren Einkommens je Einwohner in den übrigen Regionen der meisten EU-Mitgliedstaaten oftmals innerhalb einer relativ schmalen Bandbreite. Dies trifft insbesondere auf Dänemark, Schweden und Österreich zu, welche eine recht gleichförmige Verteilung aufwiesen. Demgegenüber – wieder unter Ausschluss der Hauptstadtregionen – wurden die größten Unterschiede im verfügbaren Einkommen je Einwohner über alle Regionen derselben EU-Mitgliedstaaten hinweg in Italien, Frankreich und Spanien verzeichnet; in Frankreich lag dies größtenteils an den relativ niedrigen Werten einiger Überseeregionen, während die Unterschiede in Italien und Spanien ein Nord-Süd-Gefälle widerspiegelten (wobei die nördlichen Regionen ein höheres verfügbares Einkommen aufwiesen).

Obwohl die meisten NUTS-2-Regionen vermeldeten, dass das verfügbare Einkommen je Einwohner unter dem Primäreinkommen je Einwohner lag, gab es 46 Regionen die von Sozialleistungen und anderen Transferleistungen dahingehend profitierten, dass ihr verfügbares Einkommen über ihrem Primäreinkommen lag. So verhielt es sich in 10 von 13 griechischen Regionen, allen sechs bulgarischen Regionen, fünf der acht rumänischen Regionen, fünf der sieben portugiesischen Regionen, vier der sieben ungarischen Regionen, jeweils drei Regionen in Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich, zwei Regionen in Polen und je einer Region in Deutschland, Frankreich, Kroatien und der Slowakei sowie in Zypern (welches auf dieser Analyseebene lediglich eine Region bildet).

Die höchsten Zunahmen im verfügbaren Einkommen wurden in vielen Regionen Deutschlands, Polens und Rumäniens verzeichnet

Karte 5 zeigt die Veränderungen im verfügbaren Einkommen je Einwohner in allen NUTS-2-Regionen zwischen 2008 und 2013; die Daten für Spanien beziehen sich auf die Veränderung zwischen 2010 und 2013, für Kroatien, Luxemburg und Malta sind keine Daten verfügbar. Das deutlichste Muster auf der Karte erkennt man bei den relativ hohen Zuwächsen des verfügbaren Einkommens im Betrachtungszeitraum in Deutschland, Polen und Rumänien. Der höchste Anstieg im verfügbaren Einkommen innerhalb der NUTS-2-Regionen, für die Daten vorliegen, wurden in der polnischen Hauptstadtregion Mazowieckie sowie in der rumänischen Region Vest verzeichnet. Die ersten zehn Plätze werden allesamt von Regionen in Polen, Rumänien und der slowakischen Hauptstadtregion belegt.

Das verfügbare Einkommen fiel in allen griechischen Regionen um mehr als eintausend KKKS gefallen

Die höchsten Rückgang beim verfügbaren Einkommen wurde in einigen der am stärksten von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffenen EU-Mitgliedstaaten verzeichnet. Es gab 38 Regionen innerhalb der EU-28, in denen das verfügbare Einkommen je Einwohner zwischen 2008 und 2013 um mehr als eintausend KKKS fiel (auf Karte 5 im dunkelsten Violettton angezeigt). Alle 13 griechischen Regionen gehörten dieser Gruppe an und die neun Regionen mit den größten Rückgängen unter allen EU-28 lagen allesamt in Griechenland, wobei der größte einzelne Rückgang in der griechischen Hauptstadtregion (Attiki) verzeichnet wurde. Andernorts gehörten dieser Gruppe mit 38 Regionen auch elf Regionen aus Italien an und zehn aus dem Vereinigten Königreich sowie beide irische Regionen und eine der beiden slowenischen Regionen sowie Zypern (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region).

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

ESVG 2010

Das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene (ESVG 2010) enthält die Methodik für die Erstellung der regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in der EU. Die aktuelle Fassung, ESA 2010, wurde im Mai 2013 verabschiedet und wird seit September 2014 umgesetzt.

Das ESVG 2010 legt eine harmonisierte Methodik fest, die bei der Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene in der EU anzuwenden ist. Dadurch wird gewährleistet, dass die Wirtschaftsstatistiken über die Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten anhand konsistenter, vergleichbarer, zuverlässiger und aktueller Informationen erstellt werden. Rechtsgrundlage für diese Statistiken ist die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zum Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene in der Europäischen Union (Verordnung (EU) Nr. 549/2013).

Weitere Informationen über den Übergang vom ESVG 95 zum ESVG 2010 sind der Eurostat-Website zu entnehmen.

NUTS

Die in diesem Artikel verwendeten Daten beziehen sich ausschließlich auf die NUTS-Version von 2013.

Erfassungsbereich

Die Statistiken aus den regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen beziehen sich in der Regel auf NUTS-2-Regionen. Die Daten für die Schweiz, Albanien und Serbien sind nur für die nationale Ebene verfügbar. Die neuesten Statistiken für die norwegischen Regionen stammen aus dem Jahr 2013; für das Jahr 2014 sind allerdings nationale Daten verfügbar.

Zu beachten ist, dass nicht für alle Regionen vollständige Zeitreihen verfügbar sind: Karten, die Entwicklungen im Zeitverlauf zeigen, sollten daher mit Bedacht analysiert werden. Auf Abweichungen vom Standard-Erfassungsbereich wird in Fußnoten hingewiesen.

Definitionen von Indikatoren

Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eine grundlegende Kennzahl für den wirtschaftlichen Wohlstand eines Landes insgesamt. Als Aggregat-Kennzahl für die Produktion ist das BIP gleich der Summe der Bruttowertschöpfung aller gebietsansässigen Produzenten zuzüglich sämtlicher Gütersteuern abzüglich sämtlicher Gütersubventionen. Die Bruttowertschöpfung entspricht der Differenz zwischen Produktionswert und Vorleistungen.

Das BIP je Beschäftigtem soll einen Gesamteindruck von der Wettbewerbsfähigkeit und der Produktivität einer nationalen/regionalen Wirtschaft vermitteln. In gewissem Maße wird der Indikator durch die Struktur der Beschäftigung insgesamt beeinflusst und kann z. B. durch eine Verlagerung von Vollzeit- zu Teilzeitbeschäftigung sinken.

Bei der Bruttowertschöpfung zu Basispreisen handelt es sich um einen Kontensaldo des Produktionskontos der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; sie entspricht dem Produktionswert zu Basispreisen abzüglich Vorleistungen zu Anschaffungspreisen. Der Basispreis ist der Betrag, den der Erzeuger vom Käufer für eine Einheit des Produkts erhält, abzüglich der Abgaben auf das Produkt zuzüglich aller empfangenen Subventionen auf das Produkt. Die Bruttowertschöpfung kann nach Wirtschaftszweig untergliedert werden. Die Summe der Bruttowertschöpfung zu Basispreisen aller Wirtschaftszweige zuzüglich Produktionsabgaben abzüglich Subventionen auf die Produktion ergibt das Bruttoinlandsprodukt.

Das Primäreinkommen der privaten Haushalte ergibt sich unmittelbar aus dem Marktgeschehen. Es umfasst in der Regel Einkommen aus unselbständiger Arbeit und selbständiger Erwerbstätigkeit sowie in Form von Zinsen, Dividenden und Pachteinkünften; negativ schlagen etwa zu zahlende Zinsen und Pachten zu Buche.

Das verfügbare Einkommen ergibt sich aus dem Primäreinkommen zuzüglich aller Sozialleistungen und monetären Transfers (im Rahmen der staatlichen Umverteilung) und abzüglich Steuern auf Einkommen und Vermögen sowie Sozialbeiträge und ähnliche Transfers; es stellt somit das Einkommen dar, das jemand ausgeben oder sparen kann.

Kontext

Messung der wirtschaftlichen Entwicklung

Die wirtschaftliche Entwicklung wird gemeinhin anhand des BIP dargestellt, das im regionalen Zusammenhang zur Bestimmung der makroökonomischen Tätigkeit und des Wachstums herangezogen werden kann und das als Grundlage für Vergleiche zwischen Regionen dient. Auch aus politischer Sicht ist das BIP eine wichtige Kennzahl, da es bei der Festlegung der Höhe des Beitrags, den ein Mitgliedstaat in den EU-Haushalt einzahlt, eine maßgebliche Rolle spielt. Außerdem werden Dreijahresdurchschnitte des BIP herangezogen, um zu entscheiden, welche Regionen Fördermittel aus den Strukturfonds der Europäischen Union erhalten.

Das Pro-Kopf-BIP wird häufig als stellvertretender Indikator für den allgemeinen Lebensstandard betrachtet. Jedoch kann das BIP als einzige Informationsquelle nicht immer als verlässliche Grundlage für alle politische Debatten dienen, da es keinen Aufschluss über externe Wirkungen wie ökologische Nachhaltigkeit oder soziale Inklusion gibt, die zunehmend als wichtige Triebkräfte für die Bestimmung der Lebensqualität angesehen werden.

Diese Problematik bildete den Schwerpunkt einer Reihe internationaler Initiativen, und im August 2009 nahm die Europäische Kommission eine Mitteilung mit dem Titel Das BIP und mehr – Die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel KOM(2009) 433 endg.) an, in der eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung und Ergänzung der BIP-Messwerte dargelegt wird. Daraus geht hervor, dass vieles dafür spricht, das BIP durch Statistiken zur Berücksichtigung anderer wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Fragestellungen zu ergänzen, die ebenfalls entscheidende Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen haben. Die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit solchen ergänzenden Indikatoren werden in einer Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen mit dem Titel Progress on ‘GDP and beyond’ actions (SWD(2013) 303 final) dargelegt.

Weitere Informationen sind dem Artikel zur Lebensqualität imEurostat-Jahrbuch der Regionen – Ausgabe 2015 zu entnehmen.

Wirtschaftspolitik

Regionale Ungleichheiten können durch viele Faktoren bedingt sein, darunter geografische Abgelegenheit oder geringe Bevölkerungsdichte, sozialer und wirtschaftlicher Wandel oder Altlasten aus früheren Wirtschaftssystemen. Diese Ungleichheiten können sich unter anderem in sozialer Benachteiligung, schlechter medizinischer Versorgung oder Bildungsangeboten geringerer Qualität, in höherer Arbeitslosigkeit oder einer unzureichenden Infrastruktur zeigen.

Die Regionalpolitik der EU soll die Europa-2020-Agenda unterstützen. Sie zielt darauf ab, Solidarität und Zusammenhalt zu fördern, damit jede Region ihr Potenzial vollständig zur Entfaltung bringen kann. Dadurch sollen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung verbessert und der Lebensstandard in „ärmeren“ Regionen möglichst schnell auf den EU-Durchschnitt angehoben werden.

Kohäsionspolitik

Mehr als ein Drittel des EU-Haushalts wird für die Kohäsionspolitik bereitgestellt, deren Ziel es ist, wirtschaftliche, soziale und territoriale Ungleichheiten innerhalb der EU zu beseitigen, zum Beispiel durch die Unterstützung der Umstrukturierung von im Niedergang begriffenen Industriegebieten oder der Diversifizierung ländlicher Gebiete. Auf diese Weise soll die Regionalpolitik der EU Regionen wettbewerbsfähiger machen, ihr wirtschaftliches Wachstum fördern und neue Arbeitsplätze schaffen. Bei der Regionalpolitik der EU handelt es sich somit um eine Investitionspolitik, mit der die Schaffung von Arbeitsplätzen, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum, eine verbesserte Lebensqualität und eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden sollen.

Für den Zeitraum von 2014-2020 wurde die Kohäsionspolitik der EU einer Neuausrichtung unterzogen, um eine maximale Wirkung in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung zu erzielen. In diesem Zeitraum werden Investitionen von insgesamt 351 Mrd. EUR in die EU-Regionen getätigt. Es wird weiterhin in alle Regionen investiert, jedoch wurden politische Reformen verabschiedet, die eine Anpassung des Grads der Unterstützung entsprechend der folgenden Klassifikation festlegen:

  • weniger entwickelte Regionen (BIP < 75 % des EU-27-Durchschnitts);
  • Übergangsregionen (BIP 75 %-90 % des EU-27-Durchschnitts) und
  • stärker entwickelte Regionen (BIP > 90 % des EU-27-Durchschnitts).

Die Regionalpolitik der EU zielt darauf ab, alle Regionen – durch Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Anhebung des Lebensstandards in den ärmsten Regionen auf den EU-Durchschnitt – bei der Entfaltung ihres vollen Potenzials zu unterstützen (Konvergenz). Ziel der regionalen Wirtschaftspolitik ist es, Investitionen in die Regionen durch Verbesserung der Zugänglichkeit, Bereitstellung hochwertiger Dienstleistungen und Erhaltung der Umwelt zu fördern und somit Innovation und Unternehmertum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen zu unterstützen.

Förderung von Beschäftigung, Wachstum und Investitionen

Im Jahr 2014 erklärte die Europäische Kommission die Initiative „Neue Impulse für Arbeitsplätze, Wachstum und Investitionen“ zu ihrer obersten Priorität. Hierbei handelt es sich um eine neue Großinitiative, die durch die Auflegung von Infrastrukturvorhaben, wie z. B. in den Bereichen Breitband- und Energienetze sowie Verkehrsinfrastruktur, öffentliche und private Investitionen erschließen soll. Die Europäische Kommission unterstrich in ihrer Mitteilung mit dem Titel „Eine Investitionsoffensive für Europa“ (COM(2014) 903 final), wie die Mitgliedstaaten und regionalen Behörden dazu beitragen sollten, dass die Mittel aus den Strukturfonds eine möglichst starke Wirkung entfalten, indem eine Vielzahl von Finanzinstrumenten wie Darlehen, Beteiligungskapital und Garantien eingesetzt wird. Im Januar 2015 verabschiedete die Europäische Kommission eine Mitteilung zur optimalen Nutzung der im Stabilitäts- und Wachstumspaket vorgesehenen Flexibilität (COM(2015) 12 final). Diese Mitteilung zielt darauf ab, die Verknüpfungen zwischen Investitionen, Strukturreformen und verantwortungsvoller Fiskalpolitik zu stärken.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Datenvisualisierung

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Regionale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen — ESVG2010 (t_nama_reg)

Datenbank

Regionale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen — ESVG2010 (reg_eco10)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Abbildungen und Karten (MS Excel)

Weblinks