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Regenbogen

natura 2000

Naturschutz-Infoblatt der Europäischen Kommission, GD XI

4.Ausgabe, Oktober 1997
ISSN 1026-6178

IN DIESER AUSGABE


EDITORIAL

Der Vorsitzende des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments, Ken Collins, betont die Bedeutung von Natura 2000 bei der Förderung von Biodiversität

Der Erhalt der Biodiversität ist von entscheidender Bedeutung beim Streben nach Nachhaltigkeit. Denn ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten können wir nicht ersetzen, und selbst das Verschwinden einer kleinen Anzahl von Arten kann sich katastrophal auf ganze Ökosysteme auswirken. Aus der Sicht von Landwirtschaft und Medizin garantiert Biodiversität die notwendige genetische Vielfalt; aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet der Erhalt von Biodiversität Schutz unseres Vorrats an Rohstoffen und folglich Schutz der Grundlage zukünftigen Wirtschaftens.

Das Natura 2000 Projekt, welches den Erhalt besonderer Schutzgebiete und seltener Arten zum Ziel hat, ist eine lobenswerte Initiative, die gründlich umgesetzt und ausreichend mit finanziellen Mitteln versehen sein muß, um die Errichtung des kohärenten ökologischen EU-Netzwerkes auch tatsächlich zu erreichen. Dieses Netzwerk wiederum muß richtungsweisend für die Entwicklung nachhaltiger Land- und Ressourcennutzungspolitik sein.

Die EU hat eine klar umrissene Rolle bei der Sicherstellung des Schutzes der Biodiversität. Mit Vogelschutz- und Habitat-Richtlinie stehen ihr ausgesprochen brauchbare Gesetzesinstrumente zur Verfügung, in deren Rahmen sie handeln kann. Biodiversität ist ein globales Thema, welches die Mitgliedsstaaten günstigerweise mittels einer gut entwickelten gemeinschaftsrechtlichen und politischen Struktur in Angriff nehmen können. Die EU ermöglicht den Mitgliedsstaaten, sich in einer nutzbringenden und koordinierten Weise den Bedrohungen der Biodiversität zu widmen. Dies ist von großer Bedeutung, da der Erhalt der Biodiversität neue politische Ansätze, nämlich eine Partnerschaft von Regierungs- (UNCED) bis hin zur lokalen Ebene (Agenda 21), verlangt. Wir müssen die Entstehung einer dynamischen, fortwährenden Partnerschaft sicherstellen, welche die Gestaltung der Politik in einer Weise verändert, daß sie die zentrale Bedeutung von Biodiversität auf dem Weg zur Nachhaltigkeit widerspiegelt.

Diese Schritte sind von einer Integration der Umweltpolitik in andere Politikbereiche abhängig, was wiederum bedeutet, daß horizontale und vertikale Partnerschaften gefördert werden müssen. Dies macht Natura 2000 zu einem besonders wichtigen Projekt, da es hier der Zusammenarbeit von Politikern aus den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft und Regionalpolitik bedarf. Es ist ein praktisches Beispiel für den Fortschritt, den die EU in diesem Bereich gemacht hat, ein Prozeß der im neuen Vertrag von Amsterdam noch verstärkt wurde.

Das Europäische Parlament wird auch weiterhin im Bereich der EU-Biodiversitäts-Gesetzgebung aktiv bleiben. Mein Ausschuß wird sich einsetzen um sicherzustellen, daß das Recht der Bürger auf eine sichere und vielfältige Umwelt gewahrt bleibt. Die UNGASS-Verhandlungen, welche dem Rio-Prozess nachfolgten, haben gezeigt, daß internationales Handeln im Bereich Biodiversität noch ein großes Stück des Weges vor sich hat. Es ist daher entscheidend, daß via Natura 2000 und anderer Instrumente, die EU auch zukünftig eine Vorreiterrolle beim Vorantreiben einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Biodiversitätspolitik spielt.

Ken Collins MdP, Vorsitzender des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherschutz


IM BRENNPUNKT

Umsetzung der Habitat-Richtlinie in Meeresgewässern und Küstenbereichen

Die spezielle Herausforderung, die sich aus der Umsetzung der Habitat-Richtlinie in Meeresgewässern und Küstenbereichen ergibt, war Thema eines Europäischen Seminars, welches in Morecambe, England, vom 22. bis 24.Juni 1997 stattfand.

Die Veranstaltung wurde vom Institute for European Environmental Policy, London mit Unterstützung mehrerer Organisationen, darunter die GD XI der Europäischen Kommission, das Department of Environment, Transport and the Regions des Vereinigten Königreiches und mehrere NGOs, organisiert, rund hundert Teilnehmer wurden gezählt.

Die Absicht des Seminars war es, ein Forum für Informationsaustausch und Diskussion über die fortschreitende Umsetzung der Habitat-Richtlinie in Meeresgewässern und Küstenbereichen zu bieten. Als Tagungsort wurde die Bucht von Morecambe im Nordosten von England gewählt, da hier besonders gut die vielen potentiellen Konflikte anhand eines pSAC (vorgeschlagenes besonderes Schutzgebiet nach Art. 4 der Habitat-Richtlinie) gezeigt werden konnten (das Gebiet ist auch Teil eines LIFE-Natur Projektgebietes - siehe Box). Die Bucht zeichnet sich durch ausgedehnte Gezeitenzonen mit Sand- und Schlammflächen aus und stellt einen Lebensraum für eine international bedeutsame Anzahl an Vögeln dar. Es ist allerdings auch ein wichtiges Gebiet für die Fischerei, Industrie, Schiffahrt, Erholung und den Tourismus.

Eine Exkursion, die am ersten Tag des Seminars veranstaltet wurde, gewährte den Teilnehmern einen Einblick aus erster Hand in die vom Vereinigten Königreich verfolgte Methode, diese verschiedenen Interessen und Aktivitäten im pSAC in Einklang zu bringen. Die Diskussionen während des Seminars waren weit gefächert und begannen mit dem Stand der Umsetzung im Generellen und im Vereinigten Königreich im Speziellen. Einige zur Konferenz erstellten Papiere behandelten Schlüsselthemen aus wissenschaftlicher Sicht. Die Teilnehmer stimmten darin überein, daß die Ermittlung und Auswahl von Gebieten eine wissenschaftliche Aufgabe ist, obwohl in der weiteren Diskussion deutlich wurde, daß die Mitgliedstaaten in der Praxis ziemlich verschiedene Ansätze verfolgten. Tiefgehendere Diskussionen fanden in separaten Workshops statt.

Die Bedeutung des Einbeziehens der unterschiedlichen Interessensgruppen beim Management von Meeresgebieten und Küstenbereichen war ein immer wiederkehrendes Thema des Seminars. Spezifische Fragen mit Bezug zu Fischerei, Häfen und Tourismus wurden von zwei Seiten, nämlich der des Naturschutzes und der der Industrie beleuchtet und in einen breiteren Zusammenhang gestellt.

Obwohl das Hauptthema des Seminars die Ermittlung und das Management von Meeresgebieten und Küstenbereichen zwecks Errichtung des Natura 2000 Netzwerkes war, wurde einhellig festgestellt, daß die Richtlinie zusätzliche Schutzmaßnahmen für die Arten des Anhangs IV und V verlangt. Dies ist insbesondere zur Sicherstellung des günstigen Erhaltungszustandes von aquatischen Arten notwendig, die weite Aktions- und Verbreitungsgebiete haben.

Die klare Botschaft, die sich aus dem Seminar ergab, war, daß die Habitat-Richtlinie ein ausgesprochen wichtiges Instrument zum Schutz von Meeresgewässern und Küstenbereichen darstellt. Es wurde jedoch auch festgestellt, daß die Umsetzung der Richtlinie in solchen Gebieten im Vergeich zur Umsetzung bei den terrestrischen Lebensräumen noch nicht sehr weit fortgeschritten ist und von den Mitgliedstaaten vorangetrieben werden muß. Aufbauend darauf, konzentrierte sich die Diskussion gegen Ende der Veranstaltung auf die Erstellung von Leitlinien zur Umsetzung der Richtlinie in eben diesen Gebieten. Diese Leitlinien geben die während des Seminars angestellten Überlegungen wieder. Sie haben keinen rechtlichen Status, noch erheben sie den Anspruch in ganz Europa anwendbar zu sein, da sehr unterschiedliche Bedingungen herrschen können und Meeresgebiete aufgrund ihres unsteten Charakters eines flexiblen Managementes bedürfen. Eine Kurzfassung der Leitlinien finden Sie in einer Box in diesem Artikel.

Eine vollständige Darstellung der Leitlinien wird gemeinsam mit den Proceedings zum Seminar gegen Ende 1997 herausgegeben. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Clare Coffey, IEEP (Fax: +44 171 799 2244)

Kurzfassung der Leitlinien zur Umsetzung der Habitat-Richtlinie in Meeresgewässern und Küstengebieten

Ermittlung von Gebieten und ihr Management

Auf die Ermittlung und Auswahl von Gebieten sollte die Entwicklung von Management-Strategien für eben diese Gebiete folgen.

  • bestmögliches Datenmaterial zu Lage, Ausdehnung und Verteilung von Lebensräumen und Arten ist zur Abgrenzung des Gebietes notwendig;
  • das Erforschen und Verstehen von Prozessen und Dynamiken in marinen Lebensräumen ermöglicht eine Bewertung der Dynamik eines Gebietes und dessen Sensitivität gegenüber menschlichen Einflüssen, sowie die Notwendigkeit für zukünftiges Management;
  • Schutzziele sollten für jedes einzelne Gebiet definiert werden und darauffolgend Vereinbarungen zu konkreten Managementmaßnahmen getroffen werden;
  • Strategien zur Erreichung der Schutzziele sollten die Nutzung von Indikatoren, Monitoring und Erfolgskontrolle von Maßnahmen beinhalten;

Integrative Ansätze

Integrierte Ansätze sind von zentraler Bedeutung für erfolgreiches Management von Meeresgewässern und Küstengebieten

  • Konflikte sollten durch lokale Kooperation bewältigt werden, obgleich auch formalere Verfügungen zur Konfliktlösung erforderlich sein mögen;
  • betroffene Parteien sollen frühzeitig in den Prozeß der Managementplanung einbezogen und mit klaren Vorschlägen konfrontiert werden;
  • der Rahmen innerhalb welchen sich das Management bewegt, sollte sämtliche relevanten Interessen umfassen, um die Umsetzbarkeit des Managementplanes zu garantieren und Anpassungen möglich zu machen;
  • bereits existierende Initiativen sollten aufgegriffen und einbezogen werden;

Unterstützende Maßnahmen

Gewisse unterstützende, politische Instrumente können für das Einsetzen des notwendigen Gebietsmanagements hilfreich sein. Einige Beispiele:

  • Förderprogramme für Ermittlung von Gebieten, Ausweisung, Management und Entwicklung von Fachkenntnissen. Die Möglichkeit der Nutzung von Strukturfonds-Mitteln sollte in Betracht gezogen werden;
  • Gut anwendbare Monitoring und Vollzugs-Übereinkommen, die eng mit den Entscheidungsprozessen in Zusammenhang stehen. Technologischer Fortschritt und Selbstregulierung der Nutzer kann eine wichtige Rolle spielen;
  • Information und Bewußtseinsbildung, um das Verstehen, Befolgen und die Unterstützung für Managementmaßnahmen zu fördern;
  • Kooperation mit und Lernen von anderen Projekten, einschließich des EU Demonstrations-Programmes zum integrierten Management von Küstenregionen.


Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich: Managementpläne für marine SACs, die von LIFE-Natur gefördert werden

Das Vereinigte Königreich verfügt über eine ausgedehnte Küste, entlang derer eine große Vielfalt an Lebensräumen und Arten zu finden ist. Die Küste ist aber auch ein wichtiges Gebiet für Industrie, Transport, Fischerei und Tourismus. Aufgrund dieser komplexen Situation erließ das Vereinigte Königreich neue Gesetze für die marinen Bereiche, um den Anforderungen der Habitat-Richtlinie gerecht zu werden.

Um die Umsetzung der neuen Regelungen zu erleichtern, wurde im Jahr 1996 ein großangelegtes, innovatives 4-jähriges Aktionsprogramm mit der Unterstützung von LIFE-Natur ins Leben gerufen. Es beinhaltet ein Konsortium von privaten und öffentlichen Körperschaften unter der Leitung von English Nature, des Naturschutzamtes der Regierung. Das Projekt wird zur Erstellung von Managementplänen mit Demonstrationscharakter für 12 Gebiete rund um das Vereinigte Königreich führen. Während der Erarbeitung sollen verschiedene Methoden vom Bereich der Forschung bis hin zu den unterschiedlichen Managementmethoden getestet und verbessert werden.

Von großer Bedeutung für den späteren Erfolg jedes dieser Managementpläne ist die Art und Weise wie er erarbeitet wurde - nämlich mit Betonung auf partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Interessensgruppen in den Gebieten. Daher soll, während sich die Naturschutzämter mit dem Definieren der Schutzziele, dem Zusammenstellen bisheriger Forschungsarbeiten und Aktivitäten, welche die wichtigsten Merkmale eines Gebietes stören oder beschädigen könnten, beschäftigen, sich eine spezielle "Management-Truppe" (für jedes Gebiet eigens aufgestellt) mit verschiedensten Fragen betreffend der Nutzung der Gebiete befassen.

Die "Management-Truppe" hat die Aufgabe, andere Interessen als die des Naturschutzes in die Planung einzubringen, und soll eine Basis dafür liefern, wie derzeitige Nutzungen gegenüber den Schutzzielen eines Gebietes zu bewerten sind. Dieser Beteiligungsprozeß, der von der bestmöglich verfügbaren wissenschaftlichen Information ausgeht, soll zur Entwicklung eines abgestimmten Managementplanes führen. Der Plan soll dann auf die Erreichung der Ziele hin überprüft werden und den Ergebnissen der regelmäßigen Prüfungen entsprechend angepaßt werden.

Die Erfahrungen, die in diesem Projekt gewonnen werden, sollen nicht nur den Weg zu ähnlichen Plänen für andere marine SACs im Vereinigten Königreich ebnen, sondern auch ähnliche Prozesse in anderen Mitgliedstaaten anregen.

Für weitere Informationen zum Projekt und Kopien der Publikation "NATURA 2000. European marine sites: an introduction to management" wenden Sie sich bitte an: John Torlesse, English Nature (Fax: +44 1733 555948).


Ein Schema für den Prozeß der Entwicklung eines marinen Managementplanes im Vereingten Königreich

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AUS DEM GELÄNDE :

LIFE entlang des Drugeon Flusstales: ein Beispiel effektiver Integration von Umweltaspekten

Eine außergewöhnliche Naturlandschaft ...

Die Quelle des Flusses Drugeon findet sich hoch im Jura-Gebirge. Von dort fließt er 36 km lang seinem Ziel entgegen: den Ebenen von Doubs. Nach einer kurzen Passage durch ein enges Tal ergießt sich der Fluß in eine ausgedehnte Tiefebene, die während der letzten Eiszeit entstand.

Über 8000 ha erstreckt sich das Gebiet, welches aufgrund seiner günstigen klimatischen Verhältnisse und Vielfalt an geologischen Ablagerungen von außerordentlichem Naturreichtum geprägt ist. Wälder, Trockenrasen, Feuchtwiesen, Sümpfe, Moore und Seen sind hier eng verzahnt und bilden ein reichhaltiges Mosaik verschiedenster Lebensräume. Besonders hervorzuheben sind die lebenden Hochmoore und Moorwälder, beides prioritäre Lebensraumtypen nach der Habitat-Richtlinie. Die Feuchtwiesen beherbergen den Moor-Steinbrech, Saxifraga hirculus und zahlreiche Orchideen-Arten aus dem Anhang II der Richtlinie. Auch die Tierwelt ist beachtenswert: über 40 Libellen- und 9 Amphibien-Arten sind hier zu finden.

Dank seiner strategisch günstigen Lage entlang einer Vogelzugroute, ist das Gebiet auch ornithologisch von großem Interesse. Ca. 220 Vogelarten wurden hier bereits beobachtet, was fast der Hälfte aller in Europa vorkommenden Vögel entspricht. 28 davon sind im Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie enthalten, unter ihnen der Wachtelkönig, Crex crex mit einer starken Population, der Rotmilan, Milvus milvus und der Schwarzmilan, Milvus migrans. Der Luchs, Lynx lynx und das Auerhuhn, Tetrao urogallus wurden gelegentlich beobachtet.

... vom Menschen erhalten

Die ersten Zeichen menschlicher Besiedlung, die in den Hochmooren gefunden wurden, reichen bis 1000 v.C. zurück. Seit damals hat der Mensch durch verschiedene Formen der Wiesenbewirtschaftung (extensive Beweidung, Heugewinnung) eine prägende Rolle bei der Formung der natürlichen Lebensräume gespielt.

Ab den 50er Jahren jedoch, begann die Ausweitung der menschlichen Aktivitäten das Gleichgewicht im Tal zu beeinträchtigen, was wiederum in der Zerstörung seines reichen Naturerbes resultierte. Zu jener Zeit wurde der Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft auf rund 2000 ha und dem Hochwasserschutz Vorrang eingeräumt. Ein ehrgeiziges und teures Programm zur Umleitung des Drugeon und zur Entwässerung umliegender Feuchtgebiete wurde begonnen. In den frühen 70er Jahren war der Fluß dann um 30% kürzer und ähnelte einem Kanal. Trotz all dieser Anstrengungen konnten nur 200 ha zusätzlicher Flächen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden.

Statt der erhofften günstigen wirtschaftlichen Effekte war die Folge, daß das Tal aufgrund der Sohleintiefung des Flusses auszutrocknen begann. Maßnahmen wie die Pflanzung von Fichten, Anlage künstlicher Wasserflächen zu Jagd- und Fischereizwecken, Dammbauten und illegale Müllablagerungen verlangten ebenfalls ihr Tribut. Des Weiteren stellte sich heraus, daß die 14 im Tal gelegenen Gemeinden für die Behandlung des Abwassers und der Gülle nicht ausgerüstet waren, und es kam zu erheblicher Wasserverschmutzung. Der erhöhte Einsatz von Pestiziden machte das Ganze nur noch schlimmer.

Faktum ist ...

Rund 30 Jahre lang wurde das Tal genutzt, ohne über die Folgen für die Zukunft nachzudenken. Erst als eine weitere Bedrohung in Gestalt von Schottergewinnung auftauchte, besannen sich die Bewohner des Tales (ca. 15.000) ihrer einmaligen Umgebung. Von diesem Wendepunkt an wurden sehr zügig Maßnahmen durchgeführt, um das einstige Gleichgewicht wiederherzustellen. Das Konsortium, dem das Trockenlegen der Feuchtgebiete oblag, wurde durch ein interkommunales Konsortium, das sog. "Plateau de Frasne", das alle 14 Gemeinden des Tales an einen Tisch brachte, ersetzt.

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Der Fluß Drugeon entspringt hoch im Gebirge des Französischen Jura

Ein integriertes Aktionsprogramm für das Tal ...

Ein Aktionsprogramm, welches sich mit der Talentwicklung auseinandersetzte, wurde aus der Taufe gehoben, um die verbleibenden Naturwerte des Drugeon-Beckens zu retten.

Der erste Schritt wurde 1991 getan und eine Förderung durch das LIFE-Natur Programm erhalten. Das Projekt, welches vor Kurzem abgeschlossen wurde, zielte darauf ab, die wichtigsten Gebiete für bestimmte Lebensraumtypen und Arten wiederherzustellen und zu erhalten. Fast 1500 ha Feuchtgebiete wurden von den Gemeinden, dem Konsortium und einer NGO gekauft oder unter strengen Managementauflagen gepachtet. Auf rund 150 ha Hochmoorflächen wurden Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt.

Der Fluß wurde in bestimmten Abschnitten in sein früheres Bett zurückverlegt um den Talgrund wieder zu vernässen und den früheren Fischreichtum, für den das Gebiet einst berühmt war, wiederzuerlangen. Das Konsortium schaffte Spezialausrüstung zur Pflege der Feuchtgebiete an und die Beweidung der am stärksten vernachlässigten Bereiche mit robusten Pferden (Haflingern) wurde aufgenommen. Gleichzeitig begann ein intensiver Dialog zwischen den Organisationen und den Einwohnern. Die Erinnerungen alter Dorfbewohner daran "wie die Dinge früher einmal waren" waren eine große Hilfe für das Projekt. Eine Wanderausstellung zog durch das ganze Tal und jeder Haushalt wurde regelmäßig mit einem Nachrichtenblatt beschickt, worin der Fortschritte des Projektes erklärt wurden.

Es war jedoch klar, daß dieses Programm alleine nicht ausreichte um ans Ziel zu gelangen. Daher wurden, motiviert durch die bereits errungenen Erfolge, weitere Aktivitäten angeregt:

... für mehr Lebensqualität und eine natürliche Umwelt

Noch ist es zu früh, um zu behaupten, daß all diese Aktionen bereits einen positiven Effekt auf die Naturraumaustattung des Tales gezeigt hätten. Aber man kann sehr wohl sagen, daß alles getan wurde, was getan werden konnte. In manchen Bereichen des Tales wurde bereits ein Grundwasseranstieg von 1 m festgestellt. Der Drugeon ist inzwischen auch schon einige Male über seine Ufer gestiegen und hat die umliegenden Feuchtgebiete überschwemmt.

Alles in allem kann die "Operation Drugeon" aus mehreren Gründen als Modellfall betrachtet werden. Erstens hat sich innerhalb der lokalen Bevölkerug eine starke Bewegung für eine natürliche Umwelt gebildet. Des Weiteren ist der politische Wille zum Schutz des Tales vorhanden und hat die verschiedenen Gemeinden und politischen Kräfte dazu gebracht, an einem Strang zu ziehen. Dazu kommt, daß verschiedene Finanz- und Rechtsinstrumente in einer einheitlichen und sich ergänzenden Weise genutzt wurden, um die Resultate zu optimieren. Schlußendlich wird der Dialog zwischen allen beteiligten Parteien zur Ausweisung des Tales als Besonderes Schutzgebiet im Sinne der Vogelschutzrichtlinie führen. Die Talbewohner, die eine zeitlang von ihrem Tal und ihrem Fluß getrennt worden waren, sind somit - ganz im Sinne von Natura 2000 - wieder zu deren Hüter geworden.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Ms Geneviève MAGNON
Syndicat intercommunal du plateau de Frasne
Marie de Frasne
F-25560 Frasne
Fax: +33 3 81 89 75 99


NATURA BAROMETER

(Situation am 17.3.97, auf Basis der Angaben, die von den Mitgliedsstaaten offiziell übermittelt wurden)

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KURZMELDUNGEN

Das Natura 2000 Barometer: Kommentare zum Fortschritt

Im Laufe der letzten Monate konnten beachtliche Fortschritte verzeichnet werden von:

Natura 2000 - Fortschritte in Makaronesien

Beim zweiten Seminar zu Makaronesien, welches am 15. und 16. Juli auf den Azoren stattfand, konnten Fortschritte bei der Erstellung der Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung dieser biogeographischen Region, welche ins NATURA 2000 Netzwerk einbezogen werden sollen, verzeichnet werden. Mit den drei Inselgruppen (Kanaren, Madeira, Azoren), welche Teil der Mitgliedsstaaten Spanien und Portugal sind, repräsentiert diese Region zwar nur 0,3% des Territoriums der Union, ist jedoch mit hoher Biodiversität ausgestattet, insbesondere mit einer hohen Anzahl endemischer Arten.

Die Teilnehmer (Europäisches Thematisches Zentrum für Naturschutz, nationale und regionale Behörden, unabhängige Experten und NGO-Vertreter) konnten beachtliche Fortschritte bei der Listenerstellung erzielen. Spanien und Portugal schlugen zusätzliche Gebiete vor um jene Lebensraumtypen abzudecken, welche in der ursprünglichen Liste nicht ausreichend abgedeckt waren.

Die vorläufige Liste für diese Region wird ca. 200 Gebiete enthalten und soll Ende dieses Jahres fertiggestellt sein. Der für die Umsetzung der Habitat-Richtlinie vorgesehene Zeitplan sollte daher betreffend der makaronesischen Region eingehalten werden, da mit einer Annahme der endgültigen Liste durch die Kommission noch vor Juni 1998 zu rechnen ist.

EU-Experten Seminar zu "Landwirtschaft und Natura 2000"

Auf Initiative des Niederländischen Ministeriums für Landwirtschaft, Naturraummanagement und Fischerei wurde im Juni mit Unterstützung der DG XI ein EU-Experten Seminar zum Thema "Landwirtschaft und Natura 2000" abgehalten. Rund 100 Vertreter aus 20 europäischen Ländern, darunter Mitglieder des Habitat- und des STAR-Ausschusses (deren Aufgabenbereiche die Begleitung der Habitat-Richtlinie bzw. der Verordnung zur umweltverträglichen Landwirtschaft sind) kamen zusammen. Das Seminar konzentrierte sich im Wesentlichen auf 4 Bereiche: (1) die Anwendung landwirtschaftlicher Extensivierungsmaßnahmen in Natura 2000 Gebieten, (2) Perspektiven für Mittel- und Osteuropa, (3) Management landwirtschaftlicher Gebiete mit hohem Naturwert im Lichte einer breiter angelegten Naturschutzperspektive und (4) Ansätze zur Steigerung des Naturwertes von landwirtschaftlichen Flächen.

Der Tatsache, daß die Verordnung zur umweltverträglichen Landwirtschaft einen beträchtlichen Beitrag zur Umsetzung des Natura 2000 Netzwerkes leisten könnte, wenn sie mehr zielgerichtet für diese Gebiete angewandt wird, wurde allgemein zugestimmt. Des Weiteren wurden die Teilnehmer dazu aufgerufen, das Thema in einem breiteren Zusammenhang, nämlich dem der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (CAP) und der Liberalisierung des Weltmarktes zu sehen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Notwendigkeit gelegt, extensive Nutzung in Grenzertragsgebieten aufrechtzuerhalten. Konferenzunterlagen sind erhältlich bei: Garry Post, Dutch Ministry for Agriculture, Nature Management and Fisheries (Fax: +31-70 379 3613).

LIFE-Projektförderungen im Jahr 1997

60 Naturschutzprojekten, mit einer Gesamtfördersumme von 42,5 Millionen ECU, wurde unter dem Budget 1997 Förderung zugesprochen. Eine neue Publikation, in der eine Kurzbeschreibung jedes einzelnen Projektes in Originalsprache, Englisch und Französisch enthalten ist, ist nun bei der GD XI erhältlich. In einer kurzen Einleitung wird das Auswahlverfahren und die Art der geförderten Projekte erklärt. Exemplare erhältlich bei: I.Venti DG XI.D.2

LIFE-Antragsrunde 1998

Das im Jahr 1998 für LIFE-Natur Projekte zur Verfügung stehende Budget wird vorraussichtlich rund 49 Millionen ECU betragen. Anträge müssen bei den nationalen zuständigen Behörden vor Ende des Jahres eingereicht werden. Genaue Abgabetermine kann man den neuen Antragsunterlagen entnehmen, welche Erklärungen und Tips zur Antragserstellung wie auch die auszufüllenden Formulare enthalten. Die Antragsunterlagen sind von den nationalen zuständigen Behörden erhältlich oder vom Internet abrufbar.

Die Mönchsrobbe wird zu Madeiras Wahrzeichen

Die von LIFE unterstützten Anstrengungen des Naturparks von Madeira der letzten Jahre zum Mönchsrobbenschutz auf den Desertas-Inseln, hat zu einem Anstieg der Population geführt. Nun haben die madeirischen Behörden, um die politische Unterstützung dieser Initiative und den Stolz der Insel auf diese seltene Art zu demonstrieren, die Mönchsrobbe in ihr Wappen integriert.

Niederländisches Gericht stellt holländische Erdgasgewinnung vorläufig ein

In einem vorläufigen Urteil vom 28. April entschied das Gericht in Leeuwarden, daß Genehmigungen, welche grünes Licht für Probebohrungen zwecks Erdgasgewinnung im Wattenmeer gaben, vorerst auszusetzen sind bis ein endgültiges Urteil gefällt wird, in dem es auch um den Verstoß gegen die Habitat-Richtlinie geht. Die Probebohrungen sollten in der unmittelbaren Nachbarschaft eines besonderen Schutzgebietes im Sinne der Vogelschutz-Richtlinie (SPA) stattfinden. Das Gericht bezog sich bei der Analyse der Entscheidung der Behörden auf Artikel 6 der Habitat-Richtlinie. Es stellte fest, daß die durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung unvollständig war und die Schlußfolgerung, daß das SPA durch das Projekt nicht erheblich beeinträchtigt würde, nicht rechtfertigen konnte. Des Weiteren waren kumulierte Effekte von aufeinanderfolgenden Probebohrungen nicht in die Prüfung einbezogen worden und große Wissenslücken zur Ökologie der Nordeseeküste und des Wattenmeeres zu Tage getreten. Aufgrund dieser Mängel war das Gericht nicht in der Lage festzustellen, ob zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses zur Begründung des Projektes geltend gemacht werden konnten.

Baugenehmigung für eine Autobahn in einem griechischen Braunbärengebiet aufgehoben

Als Folge einer Klage zweier griechischer NGOs, hob der Griechische Staatsrat am 2. Juli die naturschutzrechtliche Genehmigung auf, welche von griechischen Behörden für den Bau eines Teilbereiches der "Via Egnatia" - Autobahn, die ein wichtiges Bärengebiet in Nordgriechenland durchqueren soll - ausgestellt worden war. Die Argumente der NGOs wurden seitens des Staatsrates anerkannt und es wurde entschieden, daß die geplante Autobahn das Bärengebiet nicht durchschneiden darf. Das Gericht verwarf auch die verschiedenen baulichen Varianten der Autobahn, die vorgeschlagen worden waren, und verlangte die Planung von Alternativrouten, welche das Bärenschutzgebiet umgehen und auf diese Weise eine Störung der Art und ihres Lebensraumes vermeiden.

Herausnahme des Kormorans aus dem Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie

Als Folge der Erholung ihrer Bestände kann die Unterart des Kormorans Phalacrocorax carbo sinensis nun als eine sich im günstigen Erhaltungszustand befindliche Art bewertet werden. Die Kommission hat daher entschieden, sie aus dem Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie herauszunehmen. Diese Entscheidung wurde nach Zustimmung aller Mitgliedsstaaten getroffen. Alle Populationen des Kormorans werden auch weiterhin vom generellen Schutz, den die Vogelschutz-Richtlinie gewährt, profitieren und auch von den spezifischen Bestimmungen betreffend der Zugvogelarten. Zusätzlich wird ein internationaler Managementplan im Rahmen der Bonner Konvention für wandernde Arten erarbeitet, der unter anderem die Beziehung zwischen Kormoran und Fischerei behandeln wird.

Einbeziehung der NGOs in Natura 2000

Das European Habitats Forum, eine Gruppe, die sich aus den wichtigsten europäischen NGOs im Bereich des Naturschutzes zusammensetzt, ist ein Beobachter der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe zur Habitat-Richtlinie und, als solcher, mit dem Natura 2000 Netzwerk eng verbunden. Der Newsletter "Spotlight on Natura 2000" (in Englisch), der vom WWF-Europa mit Unterstützung der Europäischen Kommission herausgegeben wird, stellt die Ansichten der NGOs zur Errichtung des Netzwerkes dar. Kontakt: Marta Ballesteros, WWF - Brüssel (Fax: +32-2 743 8819).


NATURA 2000 INFOBLATT

Herausgeber: GD XI.D.2

mit ECOSYSTEMS LTD, 11 Rue Beckers, 1040 Brüssel

Dieses Infoblatt erscheint dreimal jährlich und ist in englischer, französischer und deutscher Sprache erhältlich. Um in den Verteiler aufgenommen zu werden, schicken Sie bitte Ihren Namen und Adresse an: GD XI.D.2, TRMF 02/04, Europäische Kommission, 200 Rue de la Loi, B-1049, Brüssel. Fax: +322 296 9556

Das Natura 2000 Infoblatt spiegelt nicht unbedingt die offizielle Sichtweise der Europäischen Kommission wieder. Vervielfältigung ist für nicht-kommerzielle Zwecke unter Hinweis auf die Quelle gestattet.