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Öko-Innovation auf Exportkurs  

10/12/2012

  • Polen
   

Der “Beschleuniger für grüne Technologien”, bekannt als GreenEvo wurde entwickelt, um die besten Firmen für Umwelttechnologie aus Polen auszuwählen und sie bei der Expansion ins Ausland zu unterstützen. 

Ein polnisches Exportförderungsprogramm für Umwelttechnologien geht 2013 ins vierte Jahr. Das Portfolio des Programms besteht aus 40 Unternehmen, die Lösungen in den Bereichen Luftqualität, Biodiversität, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Abfall-, Wasser- und Abwassermanagement anbieten.

Die Unternehmen sind Teil von GreenEvo, dem “Beschleuniger für grüne Technologien“. GreenEvo wurde entwickelt, um Polens erfolgsversprechendste Unternehmen aus dem Bereich der grünen Technologie zu identifizieren und sie bei der Expansion in ausländische Märkte zu fördern. Das Programm unterstützt den internationalen Technologietransfer, um drängenden Umweltproblemen etwas entgegen zusetzten.

GreenEvo wurde im Dezember 2008, nachdem Polen die Weltklimakonferenz in Poznan ausgerichtet hat, in Kraft gesetzt. Das Programm implementiert eine Strategie zum Technologietransfer, die auf der Konferenz beschlossen wurde.

Um bei GreenEvo teilzunehmen, müssen die Unternehmen in einem Wettbewerb bestehen und werden von einer Jury unter Vorsitz des Umweltministers ausgewählt. Der Auswahlprozess ist hart. Von 36 Bewerbern erlangten im Jahr 2011 in der ersten Runde 21 Technologien von 19 unterschiedlichen Firmen den GreenEvostatus. Laut Angaben des polnischen Umweltministers wurde die Zahl aber nach weiteren „Untersuchungen und Analysen der Dokumente“, auf 17 Technologien von 17 Unternehmen herunter korrigiert.

Die Belohnung für bei der Auswahl erfolgreichen Unternehmen ist die GreenEvo Auszeichnung und die Gewährleistung von staatlicher Unterstützung, darunter sind:

  • Das Recht, GreenEvo als Label zu benutzen. Da das Label eine Qualitätsauszeichnung für Umwelttechnologien ist, hilft es beim Vertrauensaufbau und Export.
  • Unterstützung beim Marketing: Ausgezeichnete Unternehmen erhalten Beratung von Experten darüber, wie sie die Vorteile ihrer Erfindung neben den technischen Details gut vermarkten können.
  • Teilnahme an Exportmissionen: GreenEvo Unternehmen können finanzielle Unterstützung für Akquisereisen im Ausland erhalten und an polnischen Handelsmissionen teilnehmen. Die letzten dieser Reisen gingen beispielsweise nach Russland und China.
  • Spezialisierte Fortbildungen: Zum Beispiel zur Erstellung von Businessplänen für eine Expansion.
  • Beratung durch Experten zum Geschäftsleben im Ausland und zum Umgang mit administrativen Hürden und lokaler Rechtssprechung. Außerdem werden Unternehmen dabei unterstützt, Geschäftspartner zu finden und sie können vom Fonds für polnische Entwicklungshilfe und Außenhandelsförderung profitieren.
  • Unterstützung durch das polnische Patentamt zum Schutz des geistigen Eigentums

Klein aber effektive

Marcin Korolec, der polnische Umweltminister, gibt zu, dass das Programm im Vergleich zu ähnlichen Programmen in Westeuropa verhältnismäßig klein ist, aber dennoch wirksam in der Vermarktung polnischer Öko-Innovationen im Ausland ist. Während einer Rede am 15 November in London sagte er: „Ich weiß, dass Rahmen und Größe des Programms nicht der Größenordnung von Programmen anderer Länder entsprechen, aber GreenEvo hat uns in Polen gezeigt, dass Technologieentwicklung und Anwendung der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung sind.“ 

Außerdem könnten die polnischen grünen Erfinder Vorteile gegenüber ihren Kollegen in Westeuropa oder Nordamerika haben. In der Einführung eines im September 2012 erschienen Berichts zu GreenEvo schrieb der Umweltminister Korolec: „aufgrund der niedrigeren Lohnkosten in unserem Land, haben fortschrittliche Technologien einen Preisvorteil gegenüber ähnlichen Produkten ausländischer Hersteller. Die Unternehmen aus dem GreenEvo Portfolio wissen, wie sie dies zu ihrem Vorteil nutzen können.“

Die polnische Regierung zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen von GreenEvo.  Allein im letzten Jahr haben die GreenEvo Unternehmen laut Beata Jaczewska, Unterstaatssekretärin im polnischen Umweltministerium, ihre durchschnittlichen Gesamteinnahmen um 30% und ihre Exporteinnahmen um 60% steigern können. Fast ein Fünftel der Unternehmen (18%) haben neue Anlagen eröffnet und 57% haben in Forschung- und Entwicklung ihrer grünen Technologien investiert. „Über die Hälfte der beteiligten Unternehmen haben Arbeitsplätze geschaffen“, so Jaczewska. „Ich erwarte, dass die endgültige Auswertung noch besser ist. Wir warten noch auf die Ergebnisse der dritten Runde von GreenEvo aus dem Jahr 2012.“ 

Die Regierung ist überzeugt und hält an dem Programm fest. GreenEvo wird 2013 neue Gewinner küren. Gleichzeitig wird auch über eine Vergrößerung des Programms nachgedacht. Sie ist allerdings noch nicht beschlossen. „Ich halte dieses Programm für einen großen Erfolg und sehe es als Zeichen für das Potential grüner Technologien.“ Sagt Jaczewska. Es kommt hinzu, dass das Programm Erfolge vorweisen kann, ohne den Staatshaushalt zu sehr zu belasten.

„ Aus Regierungssicht ist es ein gutes Preis- Leistungsverhältnis. Ich bin ein großer Fan dieses Programms“, so Jaczewska.

GreenEvo Preisträger

Mit Hilfe des GreenEvo Programms können polnische Firmen ihr Einflussgebiet weit über die Grenzen des Landes ausdehnen. Jaczewska erklärt: “Wir versuchen potentielle Märkte für grüne Technologien zu finden, aber es geht nicht nur ums Verkaufen. Beide Seiten sollen einen langfristigen Nutzen davontragen.“ Als Märkte identifiziert sie ganz unterschiedliche Länder, wie Algerien, Armenien, Chile, Kasachstan, Russland, die Ukraine oder Vietnam.

Einer der Stars des Programms ist Biogradex. Biogradex bietet einen Extraschritt innerhalb des Wasserklärungsprozesses an, mit dem Sedimente und Schlamm besser vom Abwasser getrennt werden. Weil der Prozess relativ schnell ist, benötigen Kläranlagen 25-35% weniger Platz als herkömmliche Anlagen. Zudem kann nach Angaben des Unternehmens ein Fünftel an Energie eingespart werden.

Diese Technologie von Biogradex wird bereits in Peking und im estischen Tartu

angewendet. Vereinbart wurde außerdem die Implementierung in einer der größten Kläranlagen in der schwedischen Hauptstadt Stockholm und in Griechenland.

Ein anderer GreenEvo Preisträger ist die Firma PROTE aus Poznan. Mit der Technologie von PROTE können Seen und Wasserreservate, die von starkem Algenwuchs mit der Folge von Überernährung und Sauerstoffmangel befallen sind, wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Getestet wurde die Methode in einem Projekt, das von EU-Programm LIFE+ gefördert wurde. In den zwei Testseen verringerte sich der Phosphorgehalt um über 90% und der Fischbestand sowie die Vegetation erholten sich merklich.

In Polen gibt es einen großen Markt für derartige Technologien. Nach Angaben von PROTE brauchen laut einer Studie mit 1250 polnischen Seen 30% der Gewässer einen Eingriff, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen, weitere 30% sind kurz davor ganz umzukippen. Auch außerhalb der polnischen Grenze wird das Unternehmen sicherlich zahlreiche Anwendungsgebiete finden.

Die polnische Auswahlstrategie der Gewinner mit dem GreenEvo Programm hat dazu beigetragen weitere potentielle gute Technologien zu identifizieren. Der GreenEvo Bericht vom September 2012 bemerkt, dass Investitionen in Umweltschutz und grüne Technologien Teil der wirtschaftlichen Umstrukturierung nach der Planwirtschaft war und seitdem viele Lektionen gelernt worden sind. Nun teilt Polen seine Erfahrung mit dem Rest der Welt.

Weitere Informationen

  • http://greenevo.gov.pl/en/ English