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Öko-Innovation versucht in Ungarn Fuß zu fassen

28/07/2011

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Geringes Interesse von Bürgern und Unternehmen an Umweltthemen ist Hintergrund für mangelnden politischen Willen und ein fragmentarisches Konzept für grüne Technologien und führt zur Behinderung von Öko-Innovation in Ungarn.

Einem Länderprofil der Beobachtungsstelle für Öko-Innovation (EIO) zufolge hat Öko-Innovation in Ungarn aufgrund eines schwach ausgeprägten Bewusstseins und mangelnden Interesses an Umweltthemen keinen leichten Stand. Aufgrund der geringen Nachfrage nach Öko-Innovationen sowohl von Verbrauchern als auch seitens der Unternehmen sehen Politiker kaum Anlass zur Förderung oder Unterstützung.

Folglich liegt Ungarns Öko-Innovations-Index 30 % unter dem EU-Durchschnitt. Innovationen von Unternehmen werden als „extrem niedrig“ eingestuft, und die nationalen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) betragen insgesamt nur etwa 1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), noch nicht einmal die Hälfte des EU-27-Durchschnitts. Von den gesamten F&E-Ausgaben entfallen lediglich 5 % auf den Umweltbereich.

Wie in den meisten europäischen Ländern gibt es keine übergreifende Strategie zur Förderung von Öko-Innovation. Mittel aus EU-Strukturfonds werden zur Entwicklung einer Basisinfrastruktur im Umweltbereich anstelle von Öko-Innovationen genutzt.

Es überrascht vielleicht, dass der Anzeiger für Öko-Innovation an Ungarn die meisten Punkte in der Kategorie „ökologischer Fortschritt“ vergibt: die Rohstoffproduktivität lag 2007 nur leicht unter dem EU-Durchschnitt, die Wasserproduktivität 20 % darüber. Höchstwahrscheinlich spiegeln die Ergebnisse den Strukturwandel zu einer Dienstleistungswirtschaft wider.

Dennoch hat Ungarn einige Öko-Innovationen vorzuweisen, mit denen sich Energie- und Rohstoffverbrauch erheblich reduzieren ließen. Diese Innovationen gehen typische Umweltprobleme an, die die ökologische Modernisierung der Länder beeinträchtigen: schlechte Wasserqualität, unbefriedigende Abfallentsorgung und mangelnde Energieeffizienz.

Im Rahmen des „Panel Programme“ beispielsweise wurde in die Sanierung von Mehrfamilienhäusern investiert und durch Montage von Wärmedämmplatten („panels“) die Energieeffizienz gesteigert. Gülle, Klärschlamm und Deponieabfälle werden zunehmend zur Biogaserzeugung genutzt. Wissenschaftler erforschen Biokunststoffe und die Bioremediation verseuchter Böden, während das ungarische Unternehmen Organica Wasseraufbereitungsanlagen plant und baut, bei denen das Wasser von lebenden Organismen gereinigt wird.

Einer der boomenden Wirtschaftszweige in Ungarn ist die Herstellung von nachhaltigem Baumaterial. In diesem Bereich gibt es einige vielversprechende Patente, darunter ein Strohhaus – die Zwischenräume eines Holzrahmens werden mit Strohballen ausgefüllt, wodurch ein äußerst energieeffizíentes Gebäude entsteht, dessen Konstruktion nur biologisch abbaubare Abfälle hinterlässt – und Vekla, ein völlig neues, hoch isolierendes Baumaterial, das aus Metall-, Kunststoff-, Textil-, Glas- und organischen Abfällen sowie Bau- und Abbruchabfällen hergestellt wird.

Mit der Strategie für Umwelttechnologie und Innovation soll noch in diesem Jahr die politische Unterstützung besser koordiniert werden. Mittlerweile findet Öko-Innovation auch in anderen Politikbereichen verstärkt Beachtung, so auch in der neuen Regierungsstrategie zur wirtschaftlichen Entwicklung, dem Neuen Széchenyi-Plan, der im Januar 2011 in Kraft trat und in dem Energieeffizienz und Innovation eine vorrangige Rolle spielen.

Immer mehr Unternehmen zeigen Interesse an zielgerichteten staatlichen Fördermitteln, von denen sie sich Kostensenkungen und neue Gewinnmöglichkeiten versprechen. Der 2010 gegründete und mit EU- Strukturfondsmitteln ausgestattete Fonds für ökologische und technologische Entwicklung etwa unterstützt Unternehmen, die ihre Umweltbelastung reduzieren wollen.

Die Schwierigkeit, für innovative Ideen vom Forschungsstadium bis zur Marktreife Investitionen zu sichern, ist eines der Haupthindernisse für Öko-Innovationen in Ungarn. Neue, von einem kohärenteren politischen Rahmen abgesicherte Mittel können dabei Abhilfe schaffen. Dem EIO-Bericht zufolge muss jedoch erst das Umweltbewusstsein geschärft werden, damit wirklich ein Markt für Öko-Innovationen entstehen kann.

Weitere Informationen

  • EIO-Bericht Ungarn:
    http://www.eco-innovation.eu/hungary English

    Neuer Széchenyi-Plan (Regierungsvorlage):
    http://www.mfa.gov.hu/NR/rdonlyres/AFC099BF-B37F-4DA1-82EC-0E015644A732/0/NewSz%C3%A9chenyiPlanwaspresented.pdf pdf [1014 KB] English

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