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Europa als „Recycling-Gesellschaft“: Chancen und Herausforderungen

28/07/2011

  • Eu
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Die Initiative zur Förderung von Abfallvermeidung und -recycling auf EU- Ebene hat zu erheblichen Verbesserungen geführt, aber es besteht noch viel Spielraum für eine Steigerung der Ressourceneffizienz.

Anlässlich einer Besichtigung der Umicore-Recyclinganlage für Edelmetalle in Belgien im Januar 2011 äußerte sich EU-Umweltkommissar Janez Poto─Źnik ganz im Sinne der EU-Strategie zur Abfallvermeidung: „Mein altes Handy enhält Gold, Platin, Palladium und Kupfer ...Dies ist kein Abfall, den wir vergraben oder verbrennen sollten, sondern ein Rohstoff, mit dem wir sorgsam umgehen müssen.“

Die 2005 verabschiedete thematische Strategie für Abfallvermeidung und -recycling sollte aus Europa eine „Recycling-Gesellschaft“ machen, in der Abfall nicht nur vermieden, sondern auch als neuer Rohstoff verwendet wird. Die zur Erreichung der Strategieziele gemachten Fortschritte wurden von der Europäischen Kommission in ihrem Bericht über die thematische Strategie für Abfallvermeidung und -recycling bewertet.

Seit Annahme der Strategie sind große Fortschritte bei der Vereinfachung der Abfallgesetze und ihrer Umsetzung erzielt worden. Dazu zählt die 2008 überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie, bei der die Vermeidung von Abfällen durch Einführung einer Abfallhierarchie in den Mittelpunkt gerückt wird. Unterstützt durch Umwelttechnologie, hat die EU-Politik der Abfallbewirtschaftung in dieser Hierarchie ein höheren Stellenwert eingeräumt.

Auf EU-Ebene gibt es ermutigende qualitative Entwicklungen:

  • in Europa wird mehr recycelt: die Recyclingquote stieg zwischen 2005 und 2008 um 5 %;
  • auf Deponien landet weniger Müll: 2008 waren es rund 40 % im Vergleich zu knapp 50 % im Jahr 2005;
  • die Mengen an Sondermüll gehen weiter zurück;
  • die energetische Verwertung von Abfällen hat zugenommen;
  • eine bedeutende Anzahl als unzulänglich eingestufter Deponien wurde stillgelegt.

In quantitativer Hinsicht lassen die Ergebnisse jedoch zu wünschen übrig. Die Menge der erzeugten Abfälle steigt weiter an, da der Verbrauch der Haushalte in den letzten zehn Jahren um 16 % zugenommen hat.

Ein in dem Bericht angesprochenes Problem ist das Gefälle zwischen den Mitgliedstaaten. Die Recyclingquoten können von wenigen Prozentpunkten in einigen Ländern bis zu 70 % in anderen betragen, und während in einigen wenigen Ländern Deponien nicht mehr genutzt werden, machen sie in anderen noch immer 90 % der Abfallbewirtschaftung aus.

  • Durchführung weiterer Maßnahmen für Öko-Design und Anwendung des Prinzips der Herstellerverantwortung zur Verbesserung der Umweltleistung von Produkten;
  • Gründung neuer ökoinnovativer Initiativen zur Verknüpfung von Produktion und Verbrauch sowie zur Entwicklung eines Marktes für Sekundärrohstoffe;
  • Einführung strengerer Normen für Vermeidung und Recycling von Abfällen als Beitrag zu einer ressourceneffizienteren Wirtschaft.

Alle Anstrengungen, aus Europa eine „Recycling-Gesellschaft“ zu machen, sollten im breiteren Kontext der neuen Leitinitiative für ein ressourceneffizientes Europa gesehen werden. Als Bestandteil der „Europa 2020“-Strategie unterstützt die Initiative den Übergang zu einer ressourceneffizienten CO2-armen Wirtschaft zur Erzielung nachhaltigen Wachstums.

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