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Europas Wettbewerbsvorteil im Bereich Ökoindustrie sichern

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In einer 2009 durchgeführten Studie der Europäischen Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Ökoindustrie wurde die aktuelle Lage im Sektor analysiert und eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, um die weltweite Führungsrolle auch in Zukunft verteidigen zu können.

Im Rahmen der Studie wurde die Wettbewerbsfähigkeit einiger wichtiger Ökoindustrien untersucht – etwa Luftreinhaltung, Sammlung und Aufbereitung von Abfällen und Abwässern, erneuerbare Energien und Recycling –, um Defizite in aktuellen Strategien aufzudecken, beispielsweise im Europäischen Strukturfonds, im Kohäsionsfonds und im Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP). Zu den wesentlichen Maßnahmen zur Sicherung des Wettbewerbsvorteils zählen die einheitliche Umsetzung von Richtlinien, die Verbesserung der Lieferkette und ein besserer Zugang zu Finanzmitteln.

Zur Sicherung der Führungsrolle Europas im Bereich Ökoindustrie wurden zehn Strategieansätze vorgeschlagen:

  • Verbesserung der statistischen Beobachtung des Sektors, da aktuelle quantitative Daten nur begrenzt vorliegen
  • Sicherstellung von Vorteilen für die Ökoindustrie durch den Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch und für eine nachhaltige Industriepolitik
  • Harmonisierte Umsetzung von Richtlinien, Standards und Zertifizierungsverfahren für den Binnenmarkt
  • Einführung EU-weiter funktionaler Leistungskriterien und technischer Standards zur Verringerung der Verwaltungslast
  • Aufbau einer Basis aus qualifizierten Arbeitskräften durch Schulungsprogramme, lebenslanges Lernen und den Zustrom von hoch qualifizierten Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten
  • Sicherstellung eines gleichberechtigten Zugangs zu Informationen für die Ökoindustrie sowie Kunden und Lieferanten
  • Förderung und Unterstützung von Öko-Innovationen sowie Forschung und Entwicklung durch die Förderung von ETAP und des Siebten Rahmenprogramms für Forschung (FP7)
  • Fortführung der finanziellen Fördermaßnahmen für Forschung und Entwicklung sowie Innovationen in der Ökoindustrie
  • Harmonisierung und Förderung eines umweltfreundlichen Beschaffungswesens
  • Entwicklung offener Märkte auf globaler Ebene zur Sicherstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen

Starkes Wachstum und hohe Produktivität

2008 hat die EU-Ökoindustrie 3,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Mit einem Umsatz von 300 Milliarden EUR und einer Wachstumsrate von 8 % pro Jahr leisten die Ökoindustrien einen wesentlichen Beitrag zur Strategie „Europa 2020“ für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum.

In den Jahren 2004 bis 2006 verzeichnete die Ökoindustrie eine höhere Produktivität als die verarbeitende Industrie. Doch aufgrund von Kostenfaktoren im Zusammenhang mit der Anwendung neuer Technologien und Skaleneffekten sowie aufgrund der Auswirkungen der Marktfragmentierung und der Verwaltungslast führte dieses hohe Maß an Produktivität nicht zu hoher Rentabilität.

Europa nimmt bei der Nutzung technologischer und wirtschaftlicher Chancen in der Ökoindustrie weltweit die Vorreiterrolle ein. So ist Europa etwa in den Bereichen Recycling (50 % Marktanteil), Wasserversorgung (30 % Marktanteil) und erneuerbare Energien (40 % Marktanteil) führend. Auf einigen Gebieten sind die weltweiten Mitbewerber jedoch besser aufgestellt. Im Gegensatz zur EU, deren Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Verschmutzung, der Abfallwirtschaft und dem integrierten Supply-Chain-Management liegt, sind Japan und die USA insbesondere in den Bereichen Anlagenentwicklung und Ökodesign aktiv und in puncto Hybridautos, Cradle-to-Cradle-Konzept und Ökodesign führend.

Vorschriften und Richtlinien, Preise und die Verfügbarkeit von Rohstoffen und fossilen Brennstoffen sowie technologische Entwicklungen sind die Schlüsselfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit in der Ökoindustrie. Zwar hat Europa durch die frühe Ratifizierung von Umweltvorschriften und -richtlinen weltweit einen Wettbewerbsvorteil geschaffen, dennoch steht Europa heute unter Druck. Denn Schwellenländer wie China waren aufgrund ausländischer Direktinvestitionen insbesondere bei der Entwicklung von Hightech-Teilsektoren sehr erfolgreich.

Dank Globalisierung könnte Europa jedoch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Abfallwirtschaft, beim Recycling durch integriertes Supply-Chain-Management und in speziellen Teilsektoren der erneuerbaren Energien, wie Windenergie und Biomasse, spielen.

Weiterentwicklung der Lieferkette in der EU-Ökoindustrie

Im Hinblick auf die Lieferkette der EU-Ökoindustrie verschwimmen die Grenzen zwischen Ökoindustrien und traditionellen Industrien zunehmend. Mittlerweile bestehen starke Abhängigkeiten zwischen Öko- und traditionellen Industrien, die sich in Zukunft noch weiter verstärken werden, da auch die traditionellen Industrien ihre eigenen umweltfreundlichen Unternehmensstrategien entwickeln.

Die Ökoindustrien verfügen über das Potenzial, einen Beitrag zu diesen Strategien zu leisten. Denn sie sorgen dank der Einbindung von Maßnahmen wie Wasserreinigung, Energieerzeugung und Wärmespeicherung für die Schaffung von Mehrwert und die Reduzierung von Kosten.

Doch bestehen auch einige Herausforderungen, die es zu meistern gilt, um eine effiziente Ökoindustrie-Lieferkette sicherzustellen. Insbesondere besteht die Notwendigkeit einer bestimmenden Organisationseinheit, wie sie beispielsweise in der Automobilindustrie vorzufinden ist. In diesem Sektor übernehmen die Originalgerätehersteller (Original Equipment Manufacturer) eine wichtige Rolle als Organisatoren.

Darüber hinaus existieren Hindernisse in Bezug auf den Technologietransfer, wie etwa die begrenzte Übernahme von Umwelttechnologien, nicht ausreichende Kapitalmärkte für die Ökoindustrie und unzureichende Investitionen in saubere Technologien, die die Weiterentwicklung der Ökoindustrie-Lieferkette behindern.

Hindernisse für Rahmenbedingungen

Die Tatsache, dass kein gut funktionierender einheitlicher europäischer Markt und keine einheitliche Umsetzung relevanter europäischer Richtlinien auf der Ebene der Mitgliedstaaten existiert, stellte eine Belastung für Investitionen und Wachstum dar. Daher ist ein langfristiges, solides Rahmenwerk, das eine stärkere Koordination in den Mitgliedstaaten vorsieht, unerlässlich.

Weitere Hindernisse, die es zu überwinden gilt, sind der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und der begrenzte Zugang zu Finanzmitteln. Es müssen Maßnahmen zur Weiterbildung der vorhandenen Arbeitskräfte und zur Überarbeitung unflexibler Arbeitsmarktregelungen ergriffen werden, um eine breite Basis aus qualifizierten Mitarbeitern zu schaffen.

Während einige größere Unternehmen möglicherweise keine Schwierigkeiten haben, Finanzmittel für Innovationen zu beschaffen, sind andere Unternehmen – insbesondere KMUs –, die zu sogenannten „riskanten“ Sektoren gehören, darauf angewiesen, Unterstützung von traditionellen lokalen Bankinstituten anstatt von Risikokapitalgebern zu erhalten. Daher muss ein attraktives Klima für Investitionen geschaffen werden, um die finanzielle Unterstützung der Ökoindustrie zu fördern.

Insgesamt ist neben der Notwendigkeit von mehr statistischen Daten zur EU-Ökoindustrie die korrekte Umsetzung der EU-Richtlinien durch die Mitgliedstaaten von immenser Bedeutung. Überdies kann Europa durch die Förderung der Entwicklung von Öko-Innovationen seine Führungsrolle im Bereich Ökoindustrie sichern.

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