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ECD überprüft Initiativen für nachhaltige Materialwirtschaft

28/07/2009

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Die OECD hat ein Verzeichnis internationaler Initiativen erstellt, die sich mit der Entwicklung einer nachhaltigen Materialwirtschaft als praktikable Alternative zur herkömmlichen Abfallwirtschaft beschäftigen.

Die Arbeitsgruppe für Abfallvermeidung und Recycling (Working Group on Waste Prevention and Recycling - WGWPR) der OECD hat eine Studie über die Initiativen für eine nachhaltige Materialwirtschaft in den OECD-Ländern veröffentlicht. Die nachhaltige Materialwirtschaft wird als wichtiges Konzept angesehen, denn sie geht über den normalen Umfang der herkömmlichen Abfallwirtschaft hinaus.

Bei der herkömmlichen Abfallwirtschaft und bei Müllvermeidungsstrategien werden Produkte und Materialien ausschließlich vom Ende des Produktlebenszyklus her betrachtet; dabei werden die immer größer werdenden Mengen von Abfällen außer Acht gelassen, die bei der wirtschaftlichen Tätigkeit entstehen, aber auch der Materialverbrauch. Aus diesem Grund bietet die nachhaltige Materialwirtschaft, die auch die Nachhaltigkeit und den Lebenszyklus mit einbezieht, nicht nur einen verbesserten Umweltschutz, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. Bei diesen Vorteilen kann es sich um Kostensenkungen oder Steuervorteile bzw. steuerliche Anreize handeln.

Die OECD definiert nachhaltige Materialwirtschaft als Ansatz, der integrierte Maßnahmen umfasst, mit denen negative Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden und der das Ziel verfolgt, die natürlichen Ressourcen zu wahren. Solche Maßnahmen sollten während des gesamten Lebenszyklus der Materialien die wirtschaftliche Effizienz und den sozialen Ausgleich berücksichtigen.

Das Verzeichnis der internationalen Initiativen, das die OECD im September 2008 veröffentlichte, legte für die Prüfung, ob ein Programm der nachhaltigen Materialwirtschaft gerecht wird, spezielle Kriterien fest. Jede Initiative musste die Produktlebenszyklen berücksichtigen, sich auf die Reduzierung der Umweltauswirkungen im gesamten Lebenszyklus der Materialien konzentrieren und generell einen Bezug zu Abfall- und Rohstoffstrategien herstellen.

Die Bedeutung des ETAP und anderer EU-Initiativen

Nach Anwendung dieser Kriterien wurde bei 68 Initiativen festgestellt, dass sie der nachhaltigen Materialwirtschaft entsprechen. Davon waren 13 Richtlinien oder Initiativen der EU. Insbesondere enthielt das Verzeichnis die thematische Strategie für eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen der EU, die Integrierte Produktpolitik und den Aktionsplan für Umwelttechnologie (ETAP).

In ihrer Bewertung des ETAP stellte die OECD-Arbeitsgruppe fest, dass ETAP, was die Nützlichkeit für die nachhaltige Materialwirtschaft betrifft, nicht auf Technologien in Bezug auf das Ende des Produktlebenszyklus beschränkt ist, sondern explizit das Ziel verfolgt, negative Auswirkungen auf die Umwelt während des gesamten Zyklus zu vermeiden.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Verzeichnis belegten, dass relativ wenige internationale Initiativen entwickelt wurden, um politische Entscheidungen zu treffen und nur wenige Initiativen haben zu konkreten neuen politischen Maßnahmen geführt. Es gibt daher immer noch Lücken bei den Kenntnissen und Erfahrungen zur Integration des Konzepts der Lebenszyklen in die bestehenden internationalen umweltpolitischen Strategien.

Allerdings wurde das Verzeichnis ausschließlich in Bezug auf internationale Initiativen erstellt; bei nationalen Programmen könnte der Fall anders liegen. Nur wenige nationale Initiativen wurden zu internationalen Netzwerken erweitert – wie z. B. der japanische „3R“-Ansatz (Reduce, Reuse, Recycle) und die chinesische Kreislaufwirtschaft. Ein besonders wichtiges Beispiel für die Umsetzung internationaler Aktionen in nachhaltige Methoden auf nationaler Ebene ist die vor kurzem verabschiedete Abfallrahmenrichtlinie der EU. Die überarbeitete Richtlinie unterstützt die Einhaltung der Entsorgungshierarchie, die von den Mitgliedstaaten angewendet werden muss, wenn die jeweilige nationale Entsorgungspolitik ausgestaltet wird. Dies räumt Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling einen Vorrang gegenüber anderen Abfallentsorgungsmethoden, wie z. B. Verbrennung und Lagerung auf Deponien, ein.

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