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Förderung eines besseren individuellen Umweltverhaltens

28/07/2011

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Der EU-Aktionsplan für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch zielt darauf ab, dem Bürger umweltfreundliche Entscheidungen zu ermöglichen, die letztlich zur Verbesserung des individuellen Umweltverhaltens beitragen

Die Europäische Kommission ist bestrebt, das individuelle Umweltverhalten des Bürgers als Verbraucher zu optimieren. Verbraucherverhalten ist ein wesentlicher Bestandteil des im Juli 2008 ins Leben gerufenen EU-Aktionsplans zur Förderung für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch. Diese Initiative fußt im Wesentlichen auf einer Reihe von Richtlinien und Programmen, die ihrerseits eine Verbesserung des Energieverbrauchs und Umweltverhaltens des Bürgers zum Gegenstand hat.

Die vorrangige Behandlung des Umweltverhaltens und Verbrauchs der Bürger in jüngsten EU-Programmen und -Initiativen unterstreicht die Bedeutung dieses Themas in den kommenden Jahren. Die Wichtigkeit dieses Themas wurde auch schon in dem im Oktober 2008 von ETAP veranstalteten Forum über aufstrebende Technologien hervorgehoben.

Bürger und Hersteller gleichermaßen im Visier

Meglena Kuneva, Kommissarin für Verbraucherschutz, referierte anlässlich des europäischen Symposiums zum Thema „Can carbon labelling help Europeans live more sustainably?“ im Oktober 2008 in Manchester, England, über den neuen Aktionsplan. Im Mittelpunkt des Interesses stand hierbei die Frage, wie der Plan zu einer Verbesserung des Umweltverhaltens von Bürgern und Herstellern beitragen kann. Kuneva betonte, dass sich die Verbraucherpolitik, wie andere politische Bereiche im Übrigen auch, der Frage der konkreten Auswirkungen des Klimawandels stellen müsse. Nach Konsequenzen für Industrie und Handel müsse sich nun auch das Verbraucherverhalten ändern und an eine nachhaltige Zukunft anpassen.

Der EU-Aktionsplan zur Förderung für Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch ist eine wegweisende Initiative, die Nachhaltigkeit dauerhaft in den Fokus europäischer Politik rückt. Er stellt einen Versuch dar, die Verbraucherpolitik in den Dienst einer nachhaltigen Zukunft für alle zu stellen. Nahrungsmittel sowie Hausbau und privater Transport tragen zusammen 70 bis 80 % zur Umweltbelastung bei. Aus diesem Grund wird eine Verhaltensänderung notwendig, um insbesondere die Verschwendung von Ressourcen und den Anstieg der negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu stoppen.

Zweck des Aktionsplans ist die grundlegende Veränderung des Verhaltens von Verbrauchern, Herstellern und Märkten. Um eine Änderung des individuellen Verhaltens des einzelnen Bürgers und somit eine Verbesserung des persönlichen Umweltverhaltens herbeizuführen, wird die Aufklärung der Bürger als ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung angesehen.

Neben einer verbesserten Aufklärung der Verbraucher hat die Kommission zwei weitere Aktionsfelder im Zusammenhang mit der Verbraucherpolitik ausgemacht. Zum einen wird eine Entwicklung qualitativ hochwertiger, und damit für den Verbraucher gesünderer Produkte angestrebt, zum anderen sollen Partnerschaften zwischen Verbrauchern und Herstellern aufgebaut werden.

Bessere Aufklärung

Verbraucheraufklärung ist ein wesentliches Element der EU-Verbrauchsstrategie für 2007-13. Die Kommission erkennt an, dass der direkte Weg zur Verbesserung des Verbraucherverhaltens, und damit einhergehend des Umweltverhaltens, über eine bessere Etikettierung und Werbung in Bezug auf den Energieverbrauch und die Umweltbilanz von Produkten führt.

Die Richtlinie 92/75/EWG des Rates vom 22. September 1992 über die Angabe des Verbrauchs an Energie und anderen Ressourcen von Haushaltsgeräten mittels einheitlicher Etiketten und Produktinformationen war ein voller Erfolg und konnte in den Mitgliedstaaten bei 85 bis 90 % der Bürger Aufmerksamkeit erregen. Die obligatorische Etikettierung von A bis G informiert die Verbraucher über die Energieeffizienz und Verbrauchsangaben insbesondere von Haushaltsgeräten. Dieses System hat bei den Bürgern das Bewusstsein für die Umweltverträglichkeit und den tatsächlichen Energieverbrauch ihrer Haushaltsgeräte geschärft – ein Aspekt, den auch der Aktionsplan verfolgt.

Der Plan umfasst den Vorschlag einer Erweiterung der Produktpalette, auf die die Etikettierpflicht Anwendung findet. So sollen auch Produkte berücksichtigt werden, die nur indirekte Auswirkungen auf den Energieverbrauch haben. Artikel wie Wasser verbrauchende Geräte und Fenster benötigen nicht direkt Energie, sind aber dennoch als energieverbrauchend einzustufen. Eine obligatorische Einstufung von Fenstern im Hinblick auf Dämmverhalten und Energieverbrauch könnte den Verbrauchern dabei helfen, übermäßigen Verbrauch zu drosseln und Nebenkosten zu senken.

Referenzmaßstäbe für mehr Berechenbarkeit

Darüber hinaus fordert der Aktionsplan eine Stärkung des EU-Umweltzeichens oder 'Blumenlogo', ein verbreitetes Siegel für die Umweltverträglichkeit von Produkten. Eine Ausweitung dieses Systems auf weitere Produkte würde letztlich auch eine breitere Produktauswahl für Verbraucher bedeuten. Auch ist die Kommission davon überzeugt, dass durch eine Erfassung weiterer Produkte sowie eine Verringerung der Kosten des Systems noch mehr Hersteller bei der Produktion auf die Mindestanforderungen und –standards achten würden. Mithilfe der Erweiterung des Anwendungsbereichs des Umweltzeichens könnte der Aktionsplan aktiv zu einem gesteigerten Umweltbewusstsein der Verbraucher beitragen.

Da Güter zum alltäglichen Verbrauch in aller Regel eine starke Umweltbelastung mit sich bringen, würde eine Verbesserung der Energiebilanz von Verbrauchsgütern einen enorm positiven Effekt nach sich ziehen. Die Ökodesign-Richtlinie setzt derzeit nur obligatorische Standards für die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchender Produkte. Im Hinblick auf das Energieetikett legt der Aktionsplan jedoch nahe, dass die Ökodesign-Richtlinie auch auf energiebezogene Produkte erweitert werden sollte.

Ferner könnte durch eine Verpflichtung der Mitgliedstaaten und der EU-Institutionen, eine umweltfreundliche Vergabepolitik zu verfolgen, neben einer hieraus resultierenden Veränderung des Waren- und Dienstleistungsmarktes auch eine Veränderung des Verbraucherverhaltens erreicht werden.

Partnerschaften mit Unternehmen

Mehr Informationen und qualitativ hochwertigere Waren könnten Verbraucher zu einer Verbesserung des individuellen Umweltverhaltens animieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch tatsächlich eintritt, würde allerdings wesentlich durch eine engere Partnerschaft zwischen Verbrauchern und Händlern gesteigert. Der Aktionsplan basiert auf der These, dass Händler mithilfe einer intelligenten Auswahl für den Verbraucher diesen zu einer unmittelbaren Änderung seines Konsumverhaltens veranlassen könnten.

Der Aktionsplan enthält die Empfehlung, ein Händlerforum zu schaffen, um Hersteller und Händler dazu anzuhalten, die durch deren Lieferketten und Produktionssysteme verursachten Umweltbelastungen zu verringern. Eine Verbesserung der Umweltverträglichkeit der Lieferkette könnte dann an den Verbraucher weitergegeben werden und diesem eine optimierte, umweltfreundlichere Auswahl eröffnen. Das europäische Büro der Verbraucherverbände (BEUC) räumt einer Nachhaltigkeit höchste Priorität ein, wobei die Zusammenarbeit mit einem Händlerforum insgesamt zu noch positiveren Ergebnissen in Sachen Umweltverträglichkeit führen könnte.

Es scheint, als ob die Verbesserung des individuellen Umweltverhaltens von EU-Bürgern auch in absehbarer Zukunft ein vorrangig behandeltes Thema bleiben wird. Der EU-Aktionsplan sowie die Richtlinien, auf denen er aufbaut, sind nur ein kleines Indiz für die Wichtigkeit, die diesem Thema beigemessen wird. Während bei früheren Initiativen die Verantwortung der Unternehmen und Behörden im Mittelpunkt stand, richten sich jüngste Anstrengungen zunehmend auf die Stimulation des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung. Die schwedische Regierung hat bekannt gegeben, dass während ihrer EU-Präsidentschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 die Förderung eines nachhaltigen Konsums ganz oben auf der Agenda stehen wird.

Weitere Informationen

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