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Öko-Innovation – Motor der Zukunft der EU

07/11/2008

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Öko-Innovation sollte als Motor betrachtet werden, der die EU-Vision der Zukunftsmärkte bestimmt und damit viel versprechende Chancen bietet, so Europe Innova von Sectoral Innovation Watch über Öko-Innovation.

Auf dem fünften und letzten Treffen von Europe Innova von Sectoral Innovation Watch, der Beobachtungsstelle für sektorale Innovation, im April 2008 in Brüssel formulierte die Gruppe die Schlussfolgerungen ihrer Arbeit der letzten zweieinhalb Jahre. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz von Sebastian Gallehr statt, bot Gelegenheit für Diskussionen und stellte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sowie politische Empfehlungen vor. Sectorial Innovation Watch trägt dafür Sorge, dass Politiker und Stakeholder sektorale Antriebskräfte, Hindernisse und Herausforderungen im Bereich der Innovation EU-weit besser verstehen.

Die Hauptschlussfolgerungen konzentrierten sich auf die Überzeugung, dass Öko-Innovation nicht nur als ein Sektor und im Zusammenhang mit Öko-Technologie betrachtet werden sollte. Das Konzept sollte vielmehr als „ein alles umfassendes Thema“ oder als „Antriebskraft“ für die Zukunft angesehen werden, das die Frage, wie die EU die Zukunftsmärkte einschätzen wird, mitgestaltet. Das Panel betonte, dass dieser Punkt an sich schon eine wertvolle Chance für die EU darstellt.

Angesichts der Tatsache begrenzt verfügbarer, nicht-erneuerbarer Energiequellen ist es wichtig, die Notwendigkeit der Einführung von Entmaterialisierungsmaßnahmen – Maßnahmen, die das Wirtschaftssystem infolge eines geringeren Gebrauchs nicht-erneuerbarer Ressourcen verändern – herauszustellen. Öko-Effizienz – oder „grün werdende Märkte“ – ist ein weltweiter Trend, vorausgesetzt, dass sich wettbewerbsfähige Unternehmen in die richtige Richtung bewegen.

Um das zu erreichen, was als Öko-Innovation wahrgenommen wird, ist eine deutliche Botschaft an Politiker nötig, da politische Grundsatzentscheidungen die entscheidenden Faktoren sein werden.

Es wurde empfohlen, dass die Politik Öko-Innovation unterstützt, indem sie deren integrierte Kosten berücksichtigt und gleichzeitig anerkennt, dass Öko-Innovation rentabler werden kann, wenn externe Kosten – institutionelle und Transaktionskosten – internalisiert werden. Weiter forderte die Gruppe entsprechende Vorschriften, um ehrgeizigere Technologienormen festzusetzen. Insbesondere betonte sie die wichtige Rolle, die das öffentliche Beschaffungswesen in diesem Prozess spielen würde und unterstrich gleichzeitigdie Rolle von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als Quellen für Öko-Innovations-Lösungen.

Die Rolle sektoraler Politiken

Die Förderung von Innovation ist das Herzstück der Strategie von Lissabon, um die EU zur wettbewerbsfähigsten Wirtschaft der Welt zu machen, da sie ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens, eines Sektors, einer Region oder eines Landes ist. Kühne Zielsetzungen wie das Barcelona-Ziel der EU – die Verpflichtung, die Investitionen in die Forschung bis 2010 auf 3 % zu erhöhen – sind allerdings von begrenztem Wert, wenn es um das Verständnis der komplexeren Dynamik moderner Innovationssysteme und die Bereitstellung politischer Leitlinien geht. Der Grund dafür ist, dass sich Länder n Bezug auf den Stand ihrer Wirtschaftsentwicklung der Spezialisierung ihrer Industrie und ihres Innovationsbedarfs unterscheiden. Weiter unterscheiden sich die Industrien in ihrem Innovationsverhalten, ihren Technologie- und Marktchancen und ihrer Sensibilität gegenüber allgemeinen wirtschaftlichen Schwankungen.

Sectoral Innovation Watch hat zwar einige klare sektorbezogene Innovationsarten identifiziert, die sektorspezifische, politische Maβnahmenrechtfertigen würden, aber die starke Wechselbeziehung zwischen nationaler Innovationspolitik und sektoraler Innovationsleistung macht deutlich, dass es am Mitgliedstaat liegt aktiv zu sein.

Die von Sectoral Innovation Watch durchgeführte Untersuchung der politischen Maβnahmen zeigt, dass es sehr viele innovationspolitische Maßnahmen gibt, die auf wichtige Sektoren zielen, welche aber die im Großen und Ganzen nicht genau fokussiert sind. Dies weist darauf hin, dass Ressourcen zur Unterstützung von Innovation auf sektoraler Ebene eher verstreut sind und eine größere Koordinierung zwischen Mitgliedstaaten sowie zwischen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission zu einer Bündelung dieser raren Innovationsressourcen führen könnte.

Sektorspezifische politische Maßnahmen sollten auch daraufhin überprüft werden, in welchem Maße sie den Komplementaritäten und Trade-offs zwischen verschiedenen Herausforderungen Rechnung tragen. „Unsere Analysen zeigen, dass die Entwicklung sektoraler politischer Maβnahmen, IKT hohe Priorität einräumen sollten”, erklärte Andreas Reinstaller vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. „Obwohl viele politische Maßnahmen auf IKT zielen, sind sie nicht speziell für die IKT-Industrie entworfen.“ Darüber hinaus hat dieser Sektor im Vergleich zu den USA und Japan an Schwung verloren.

„Viele politische Maßnahmen zielen zwar auf Biotechnologie, Öko-Innovation und ‚Gazellen’ (wachstumsstarke KMU), doch diese Sektoren bleiben eher ohne spezifischen Fokus“, fügte er hinzu. „Nahrungsmittel- und Luftfahrtindustrie stehen einer großen Zahl von Herausforderungen gegenüber. Gezielte politische Maßnahmen, die diese Industrien unterstützen, werden indes bereits quer durch alle Mitgliedstaaten durchgeführt. Von daher ist der Bedarf an politischen Interventionen beschränkt.“

Weitere Informationen :

Das Verständnis sektoraler Innovationsleistung fördern

Sectoral Innovation Watch wurde ins Leben gerufen, um Politiker und Stakeholder umfassend über sektorale Innovationsleistungen, einschließlich der Hindernisse, Antriebskräfte und Herausforderungen in der gesamten EU im Zusammenhang mit dem Neustart des Lissabon-Programms der Gemeinschaft zu informieren.

Eine Reihe von Diskussionen ergänzten die Analyseergebnisse um sektorspezifische Prioritäten für Maßnahmen. Dabei wurden auch Fragen und Problemstellungen formuliert, die von Europe INNOVA angepackt werden müssen.

Europe INNOVA ist eine Netzwerkinitiative, die 300 Partner aus 23 Ländern im Sechsten EU-Rahmenprogramm (6. RP) involviert, um die Innovationshindernisse und Schranken innerhalb spezifischer Sektoren zu identifizieren und analysieren. Es wurden acht Paneldiskussionen zu folgenden Themenbereichen organisiert: nachgeschaltete Raumfahrtanwendungen, Automobiltechnologie, Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Textilien, Energie, Öko-Innovation und „Gazellen“ oder wachstumsstarke KMU. Die künftigen Prioritäten der Beobachtungsstelle Sectoral Innovation Watch wurden auf der Abschlusssitzung festgelegt. Die Kommission hob die folgenden Punkte hervor: Dienstleistungssektoren und Dienstleistungsaspekte in der verarbeitenden Industrie; für politische Maβnahmen relevante Forschung, die auf der Logik der Intervention basiert; stete Verbreitung von Zwischenergebnissen; Feedback-Zyklen, einschließlich verschiedener Abteilungen der Kommission und einer breiteren Anzahl externer Stakeholder.

Weitere Informationen :

Sectoral Innovation Watch: http://www.europe-innova.org/index.jsp?type=page&lg=en&classificationId=4963&classificationName=Innovation%20Watch&cid=5074 English