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Recyclingmaterial als Baustoff in Häfen

04/04/2011

Ein skandinavisches Konsortium vermischt belastete Sedimente mit Spezialbindemitteln zur Herstellung von Baustoffen für Häfen – eine Alternative zur Verklappung im Meer und zur Deponierung.

Auch wenn aufgrund strengerer Vorschriften weniger gefährliche Stoffe und Schwermetalle in der Industrie verwendet werden, sind sie doch nach wie vor in verseuchten Böden und Sedimenten als Altlasten vorhanden. Dies bereitet vor allem der Seeschifffahrtsindustrie Probleme, da in diesem Sektor regelmäßig Sedimente ausgebaggert werden, die mit krebserregenden PCB, Cadmium, Blei und Quecksilber belastet sind. Hafeneigentümer befinden sich in einem Dilemma: wählen sie die billigere Lösung und verklappen die Sedimente auf See, nehmen sie Umweltverschmutzung in Kauf – laden sie die Sedimente auf einer Deponie ab, müssen sie mit hohen Kosten rechnen.

Im Rahmen eines EUREKA-Projekts, das von einem schwedisch-norwegischen Konsortium gegründet wurde, werden belastete Sedimente und sonstiges Baggergut behandelt. Die Partner hatten bereits für das Schwedische Amt für Umweltschutz Techniken zur Stabilisierung und Verfestigung untersucht. Das STABCON-Projekt erprobte dieses Verfahren und erstellte entsprechende Anwendungsrichtlinien.

Zuerst wurden die Optionen für den Umgang mit Sedimenten verglichen – Verklappung, Verfestigung und Stabilisierung oder Ausbaggerung und Deponierung. Stabilisierung und Verfestigung boten Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz. Dabei werden belastete Sedimente an Ort und Stelle mit Bindemitteln vermischt, um einen festen Stoff zu erzeugen, der die gefährlichen Stoffe aufnimmt.

In Tests wurden die besten Bindemittelgemische und Mischverfahren für eine Reihe von Schadstoffen und Sedimenttypen ermittelt. Verwendet wurde schließlich ein Gemisch aus Zement und Merit 5000, einem Abfallprodukt aus der Stahlproduktion. Während die Schlacke aushärtet, ist sie zugleich in der Lage, Schwermetalle chemisch zu binden.

Zum Schluss wurden die erzielten Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst und Leitlinien für Hafenbehörden erstellt, damit diese selbst über Alternativen zur Stabilisierungs- und Verfestigungstechnik entscheiden und das unter den gegebenen Umständen geeignetste Bindemittel wählen können. Außerdem wurden Entwurfsgrundlagen zur Nutzung behandelter Sedimente in Hafenanlagen – z. B. für Pflasterflächen, Ladezonen und Gebäude – bereitgestellt.

Im Rahmen des STABCON-Projekts wurde eine Pilotstudie für den schwedischen Hafen Oxelösund durchgeführt. Zum Bau einer neuen Hafenanlage mussten hier belastete Sedimente beseitigt und zugleich die strengen schwedischen Umweltvorschriften beachtet werden.

Ziel war die Ausbaggerung eines Hafenabschnitts und die Behandlung der Sedimente zur Verwendung im neuen Baugebiet. Dabei wurden rund 500 m3 weiche Sedimente ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Zement und Merit 5000 verfestigt. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Nach der Stabilisierung kam es zu keinem chemischen Abbauprozess, und es entstanden auch keine materiellen Schäden. Das neue Material erwies sich zudem als sehr beständig.

Die Beteiligten am STABCON-Projekt konnten bereits neue Verträge abschließen. Einige schwedische Häfen haben großes Interesse an der kosteneffizienten Stabilisierungs- und Verfestigungstechnik, und viele weitere führen eigene Versuche mit Sedimenten durch und lassen sich dabei von den fachkompetenten STABCON-Partnern beraten. Inzwischen wurde ein umfangreicheres F&E-Projekt für die gesamte Ostseeregion ins Leben gerufen, auch dank der im Rahmen des EUREKA-Projekts geleisteten Arbeit.

Weitere Informationen

  • STABCON:
    http://www.stabcon.com/ English