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13. Europäisches Forum für Öko-Innovation: Angewandte Öko-Innovation im Wasserbereich

15/01/2013

Das 13. europäische Forum für Öko-Innvovation fand vom 26.-27. November in Lissabon, Portugal, statt. Im Fokus standen Öko-Innovationen im Wassersektor, denn Wasserversorgungsprobleme werden künftig an Bedeutung gewinnen. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung (47%) wird laut Angaben der OECD bis zum Jahr 2030 gravierende Versorgungsprobleme spüren, wenn dem nicht entgegengesteuert wird. In vielen Ländern sind die Engpässe bereits zu spüren.

Auf dem Forum wurden Empfehlungen für die Europäische Wasserpartnerschaft (EIP) verabschiedet [ein Artikel dazu finden Sie hier http://ec.europa.eu/environment/ecoap/about-eco-innovation/policies-matters/eu/20121001_en.htm ].Die Empfehlungen setzen auf neue Ideen, eine geschickte Regulierung und Kooperationen, um Zugänge zu neuen Märkten zu schaffen.  [link to recommendations] . Die Präsentationen von 22 Initiativen auf dem Forum zeigten, dass Öko-Innovation im Wassersektor bereits stattfindet.

Portugal nutzte seine Gastgeberrolle, um öko-innovative Unternehmen vorzustellen. Die portugiesische Agentur für Innovation veröffentlichte gemeinsam mit weiteren staatlichen Stellen den Katalog: „Portugiesische Ideen und Kompetenzen aus dem Bereich der Öko-Innovation“. Der Katalog zeigt anhand von 53 Beispielen Organisationen und Firmen, die bereits auf dem Feld der Öko-Innovation agieren. Laut der portugiesischen Agentur für Innovation stieß der Katalog auf reges Interesse unter den Teilnehmern des Forums, so dass eine weitere Veröffentlichung angestrebt wird. In dieser Hinsicht beurteilte die portugiesische Innovationsagentur das Forum als Erfolg.

Paulo Lemos, Vorstandsmitglied der portugiesischen Agentur für Innovation und Mitglied der hochrangigen Arbeitsgruppe für den Aktionsplan zu Öko-Innovation erklärte, dass das Forum Portugals Interesse an Öko-Innovation weiter befeuern würde. „Wir sind sehr glücklich, dass das in Portugal passiert und freuen uns über den Erfolg des Forums mit so vielen Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. Diese Initiative in Portugal zu haben ist auch ein großer interner Anreiz, wir zählen darauf, dass das Forum noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit für Öko-Innovation schafft“, so Lemos.

Kooperationen fördern

Das Forum bot zudem gerade für kleine und mittelständische Unternehmen die Chance, Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Anabela Carvelho von der Stiftung Wissenschaft und Technologie, die für das portugiesische Wissenschaftsministerium arbeitet und dabei hilft EU-Förderung für Forschungsprojekte zu sichern, sagte, dass der zweite Tag des Forums wie ein „Speeddating für Öko-Innovatoren aus dem Bereich Wissenschaft und Entwicklung“ war. Innerhalb von 126 vereinbarten Meetings trafen sich Öko-Innovatoren aus 18 Ländern.

Ziel der Stiftung Wissenschaft und Technologie ist es, die Zusammenarbeit von universitärer Forschung, Industrie, kleinen und mittelständischen Unternehmen und politischer Regulation zu fördern. „Wir müssen den Schritt von der Forschung und Entwicklung hinzu Öko-Innovation erleichtern und mehr kleine und mittelständische Unternehmen in erfolgreichen Forschungsprojekten integrieren. Wir wollen die Hürden identifizieren, die kleine und mittelständische Unternehmen davon abhalten, sich in diesem Bereich zu engagieren“, erklärt Carbalho.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen stärker in den Bereich der Öko-Innovation einbezogen werden, „denn sie haben oft innovative Ideen, die einfach nur versteckt sind. Kleine und mittlere Unternehmen brauchen Unterstützung, um diese Ideen und Projekte auszuweiten“, erklärt Carvalho. Die Ausweitung kann sehr schwierig sein, denn nur wenige KMU haben die Ressourcen, um große Forschungsprojekte durchzuführen. Es gibt daher einen großen Bedarf an Kooperationen.

Die Ausweitung zur Marktreife war ein weiteres Kernthema des Forums. Am ersten Tag der Veranstaltung widmete sich ein Arbeitstreffen der Frage, wie Firmen aus dem Bereich der Öko-Innovation, KMU eingeschlossen, globale Märkte erschließen können. Partnerschaften können den Grundstein dafür legen. Eine Fallstudie präsentierte den Teilnehmern der Konferenz die Zusammenarbeit von Hidromod, einer kleinen portugiesischen Firma und Bentley Systems, einem großen amerikanischen Unternehmen. Hidromod stellt Echtzeitinformationssysteme für Wassermanagement her, während Bentley Systems Software für Architekten und zur Bereitstellung von Infrastruktur entwickelt. „Diese Art der Zusammenarbeit zwischen kleinen und großen Unternehmen können größere Absatzmärkte für Technologien schaffen“, sagte Adélio Da Silva, Manager bei Hidromod.

Auch am zweiten Tag des Forums ging es während einer Sitzung um Marktausweitung. Die Präsentationen beleuchteten die Bedingungen für die Entstehung neuer Märkte für Öko-Innovation. Dabei ging es auch um die Förderung von Forschung und Entwicklung, das Finden des richtigen Personals mit entsprechenden Kompetenzen, die Unterstützung von KMU, die Finanzierung und Koordination als Grundlage für die Internationalisierung von Öko-Innovation.

Besseres Wassermanagement

NAVIVA, ein in Porto beheimatetes Unternehmen aus dem Wassersektor war sowohl auf dem Forum präsent und ist auch im Katalog über Portugals Kompetenzen im Bereich der Öko-Innovation zu finden. 

Der Geschäftsführer von NAVIA, Jorge Tavares sagte, dass seine Firma an der Automatisierung von Kläranlagen in den 1990er Jahren gearbeitet hat und so die Bedürfnisse der Wasserfirmen kennen gelernt hat. Diese Erfahrung wurde in die Entwicklung einer Managementsoftware eingebracht. „So entstand eine Software von unten nach oben“, erkärt Tavares. „Die meisten IT-Firmen arbeiten anderes herum. Sie entwickeln Lösungen, ohne die täglichen Probleme der Wasserver- und -entsorger zu kennen. Wir kennen diese Probleme sehr genau. Wir sind sehr nah an dem eigentlichen Geschäft dran und sprechen die gleiche Sprache.“

Die NAVIA-Software unterstützt Wasserversorger bei ihrem täglichen Geschäft. „Es ist eine Arbeitsplattform für das operationale Team“, sagt Tavares. Die Software erlaubt es den Managern, Aufgaben zu terminieren und Zeitpläne an die Teams im operativen Geschäft weiterzugeben. Wenn Aufgaben erledigt sind, wird dies an das Managementteam zurückgegeben. Der Arbeitsfluss kann so viel leichter überblickt werden.

“Die Daten sind für das Managementteam und können auf einer anderen Ebene weiter verwendet werden. Zum Beispiel können die Daten mit Ergebnissen aus dem Labor zusammengebracht werden und mit der Software, die das Leitungssystem überwacht“, erklärt Tavares. So können Lecks viel schneller identifiziert und behoben werden. Die NAVIA-Software kann beispielsweise auch mit Überwachungs- und Modellierungsinstrumenten von AQUASAFE zusammengebracht werden. AQUASAFE ist eine Plattform, die Echtzeitinformationen von Wassersystemen für das operationale Management erstellt. AQUASAFE wird von der portugiesischen Firma Hidromod produziert und wurde ebenfalls während des Forums vorgestellt.

Tavares sagte, dass ein verbessertes operationales Wassermanagement Einsparungen auf unterschiedlichen Ebenen für Wasserversorger bedeutet. Zum Beispiel seien durch automatisches Monitoring weniger Feldbesuche von Ingenieuren notwendig und Einsparungen durch eine bessere Kontrolle des Energie- und Chemikalieneinsatzes möglich. Gerade für Länder, die im Zuge des Klimawandels immer weniger Regenfälle verzeichnen, ist ein optimiertes Wassermanagement unerlässlich. Eine mittelgroße Kläranlage konnte durch den Einsatz der NAVIA-Managementsoftware jährlich 33,800 Euro einsparen und die Reisekilometer auf operativer Ebene um 10.000 Kilometer pro Jahr reduzieren.

NAVIA ist ein kleines Unternehmen mit 15 Angestellten. Seine Software wurde bereits in vielen portugiesischen Anlagen eingebaut, unter anderem in Lissabon, wo sie für 1,5 Millionen Menschen arbeitet. Sie kommt auch im brasilianischen Rio de Jeneiro zum Einsatz. Die Kosten für die Software amortisieren sich in weniger als zwei Jahren.

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