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Rückgewinnung hochwertiger Metalle aus Industrieabfällen

27/07/2011

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Durch Kostensteigerungen bei Metallen sind Impulse bei der Umsetzung eines im Rahmen des EU-Projekts „Ecometre“ geförderten umweltfreundlichen Systems zur Rückgewinnung von Metallen zu erwarten. Davon profitieren Unternehmen für Oberflächentechnik und Elektronik.

Unternehmen im Bereich Oberflächentechnik und damit verbundene Branchen wie Luftfahrt- und Automobilindustrie, Hersteller von Leiterplatten und metallverarbeitende Unternehmen produzieren Abfallströme mit oftmals hohem Anteil an Metallen. Die Deponierung eines Großteils dieser Abfälle führt zum Verlust wertvoller Metalle, deren Wert vielfach noch zunimmt, da die steigende globale Nachfrage immer größeren Druck auf die begrenzten Vorräte ausübt.

Durch innovative Kombination bestehender Technologien wie Elektrokoagulation, Materialaufschluss und elektrolytische Extraktion wird derzeit im Rahmen des Ecometre-Projekts ein System zur Rückgewinnung von Metallen vor allem aus Abwasserschlamm entwickelt. Bei dem teilweise von der EU-Initiative CIP Öko-Innovation geförderten Projekt soll das neue System außerdem in einem kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) der metallverarbeitenden Branche oder der Leiterplattenindustrie erprobt werden.

Anfangs werde man sich auf Nickel konzentrieren, so Dr. Rod Kellner vom britischen Projektkoordinator Env-Aqua Solutions. „Nickel führt die möglichen finanziellen und ökologischen Vorteile des Systems klar vor Augen“, erklärt er. „In Europa werden im Bereich Oberflächentechnik jährlich rund 20 000 Tonnen Nickel benötigt. Davon gehen etwa zehn Prozent während der Verarbeitung als Abfall verloren. Dies entspricht rund 2 000 Tonnen, deren Rückgewinnung den Rohstoffabbau in entsprechender Größenordnung ausgleichen würde.“

Als wichtigste Projektergebnisse werden erwartet:

  • die Errichtung einer Anlage im Industriemaßstab, die typischen Produktionsanlagen des verarbeitenden Gewerbes entspricht;
  • Gewinnung ausführlicher Versuchsdaten für Nickel und technisch-wirtschaftliche Modelle für eine Reihe weiterer Metalle;
  • Lebenszyklusbewertung zur Bestimmung der Umweltbelastung.

Das fertiggestellte System kann die Schwermetalle aus einem Abwasserstrom ausfällen und sie zur weiteren Verwendung selektiv extrahieren. Vor allem die Leistungsfähigkeit des Extraktionsverfahrens und der Reinheitsgrad des gewonnenen Produkts werden für den Erfolg maßgeblich sein.

Ein wichtiger Aspekt bei der potenziellen Umsetzung des neuen Systems ist der Metallpreis, der aufgrund der steigenden weltweiten Nachfrage voraussichtlich weiter ansteigen wird. Diese Situation bietet die Gelegenheit, bei der Metallrückgewinnung aus Abfällen erhebliche Kostenersparnisse zu erzielen.

„In Europa gibt es schätzungsweise 6 000 Unternehmen für Oberflächentechnik und Leiterplattenhersteller mit einem Umsatz von insgesamt über 10 Mrd. EUR“, erklärt Dr. Kellner, nach dessen Meinung in den nächsten zehn bis 15 Jahren mit der Einführung dieses Systems in 2 000 dieser Unternehmen gerechnet werden kann. „Der Markt ist von Kostendruck und einer Vielzahl von Rechtsvorschriften geprägt, und da die Kosten sowohl für Metalle als auch für Entsorgung ansteigen, wird es folglich immer mehr Unternehmen geben, die diese Technologie einsetzen.“

Weitere Informationen

  • Projekt Ecometre:
    http://www.ecometre.eu/ English

    Initiative für Öko-Innovation im Rahmen des Programms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP):
    http://ec.europa.eu/environment/eco-innovation/index_en.htm