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Umweltbelastungen der Landwirtschaft durch Biotechnologie reduzieren

24/01/2011

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Biotechnologie kann eine wichtige Rolle dabei spielen, Landwirte bei der Bewältigung von Herausforderungen zu unterstützen, zum Beispiel beim Schutz von Kulturen gegen Insekten, Unkraut und Krankheiten, und um gegen die Launen des Wetters anzugehen.

Auch ohne auf umweltschädliche Produkte und Verfahren zurückzugreifen oder sich zu sehr auf Bewässerung zu verlassen, kann viel erreicht und gleichzeitig ein Beitrag zu nachhaltigeren Anbaumethoden geleistet sowie die EU dabei unterstützt werden, ihre Energie- und Klimaziele zu erreichen.

Bei der Debatte über die Biotechnologie gibt es weiterhin große Meinungsunterschiede. Die Befürworter dieser seit vielen Jahren angewandten Technologie argumentieren, dass sich die einzigartigen Eigenschaften gentechnisch veränderter Kulturen positiv auf die Umwelt auswirken können.

Bislang vertreten Wissenschaftler die Meinung, dass diese Technologie keine zusätzlichen Risiken birgt. Die Weltgesundheitsorganisation beispielsweise hat erklärt, dass aufgrund der Risikobewertungen, denen die derzeit verfügbaren gentechnisch veränderten Lebensmittel unterzogen wurden, keine Gefahren für die menschliche Gesundheit zu erwarten sind. Außerdem konnten in Ländern, in denen diese Lebensmittel zugelassen sind, nach deren Genuss keine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit festgestellt werden.

Effiziente Verwendung von Wasser und Kohlenstoff

Die Verfechter der Biotechnologie führen über Ertragssteigerungen hinaus eine ganze Reihe von Vorteilen gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP) auf. Sie weisen auf innovative Produkte der zweiten Generation hin, die bereits in außereuropäischen Ländern angebaut werden oder sich noch in der Entwicklung befinden – wie etwa „Goldener Reis“, eine mit Beta-Carotin angereicherte Sorte zur Linderung des Vitamin-A-Mangels.

In Biotech-Unternehmen laufen Versuche mit Pflanzen, die gentechnisch so verändert werden können, dass sie dürre- und salztolerant werden oder weniger Düngemittel benötigen. Dadurch werden neue Anbauflächen gewonnen, die Produktivität wird gesteigert und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei gleichzeitiger Anreicherung der Umwelt mit Sauerstoff verringert.

Landwirten könnte innerhalb weniger Jahre dürreresistenter Mais zur Verfügung stehen, der auch in niederschlagsarmen Perioden gleichbleibende Ernteerträge sichert und so die Folgen der Wasserknappheit abschwächt. Herbizidresistente GVP könnten Landwirten helfen, Kraftstoff zu sparen, da Felder vor der Bepflanzung Felder dann nicht mehr unbedingt gepflügt werden müssen, während insektenresistente Feldfrüchte weniger Pestizide benötigen – was insgesamt zu einer Verminderung des Kohlendioxidausstoßes führt.

Landwirte, die gentechnisch veränderte Kulturen anbauen, nutzen die reduzierte Bodenbearbeitung oder Direktsaat, wobei Unkrautbekämpfung an die Stelle des Pflügens tritt. Abgesehen von Kraftstoffeinsparung und Emissionsminderung trägt dies zu einem gesunden Boden und zur besseren Wasserrückhaltung bei, denn durch verringerten Abfluss und ohne Bodenwendung kann genügend Feuchtigkeit aufgenommen werden. Zudem ermöglicht dies eine effizientere Kohlenstoffspeicherung im Boden.

In der Landwirtschaft werden 70 % aller Wasserreserven verbraucht. Aufgrund der Tatsache, dass viele Wissenschaftler weltweit zunehmende Trockenheit und höhere Temperaturen prognostizieren, wird sich die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen müssen, wenn die EU ihre ehrgeizigen Energie- und Klimaziele verwirklichen will. Biotechnologie kann einen Beitrag dazu leisten, indem sie Landwirte dabei unterstützt, Emissionen zu verringern und Wasserverluste einzudämmen.

Weniger Schädlingsbekämpfungsmittel

Während seit langem Meinungsverschiedenheiten über die Verdienste der Biotechnologie hinsichtlich der Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln bestehen, gibt es Hinweise darauf, dass – zumindest in Europa – Landwirte durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen die bei der Schädlingsbekämpfung entstehenden Kosten senken konnten. Derzeit ist in der EU nur eine solche Lebensmittelpflanze für den kommerziellen Anbau zugelassen: MON 810-Mais – entwickelt und vermarktet von dem amerikanischen Unternehmen Monsanto. Das einzige Land, in dem diese Maissorte in nennenswertem Umfang angebaut wird, ist Spanien.

Das Monsanto-Produkt ist eine Bt-Maissorte, die gegen den Maiszünsler resistent ist – ein vor allem in Europa vorkommender Schädling, der in wärmeren Klimazonen gedeiht und insbesondere Maisstängel durch Fraßgänge schädigt. Die chemische Bekämpfung des Maiszünslers in herkömmlichen Nutzpflanzen ist schwierig, da die Bespritzung mit Insektenvernichtungsmitteln nur in einem engen zeitlichen Rahmen wirksam ist.

In der ersten empirischen Untersuchung zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen in der EU konnte die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission bei spanischen Landwirten, die Bt-Mais anstelle von herkömmlichem Mais anbauen, eine durchschnittliche Ertragssteigerung von 4,7 % nachweisen. Die über drei Wachstumsperioden durchgeführte Studie ergab außerdem, dass in den untersuchten Regionen die durchschnittlichen Kosten für Insektizide zur Bekämpfung des Maiszünslers zwischen 4,50 und 20 EUR pro Hektar betrugen. Dem Bericht zufolge, der sich auf eine Reihe von Ex-ante-Bewertungen für den potenziellen Anbau herbizidresistenter Nutzpflanzen in der EU bezieht – Raps in Frankreich und Zuckerrüben im Vereinigten Königreich –, werden erhebliche Einsparungen bei der Unkrautbekämpfung erwartet.

Obwohl Bt-Mais im Allgemeinen teurer als herkömmliches Saatgut ist, haben spanische Landwirte, die gentechnisch veränderten Mais anbauen, weniger Geld für Schädlingsbekämpfung ausgegeben als die Erzeuger von herkömmlichem Mais und darüber hinaus ihre Bruttogewinnspanne steigern können. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kosten für Saatgut und niedrigerer Aufwendungen für Schädlingsbekämpfungsmittel konnten in den einzelnen Landwirtschaftsbetrieben insgesamt erhebliche Einsparungen erzielt werden – bei einer Zunahme des Nettoertrags um 84 EUR pro Hektar, was einer Steigerung der durchschnittlichen Bruttogewinnspanne um 12 % gegenüber Erzeugern von herkömmlichem Mais entspricht.

Ein Platz in der Agrarpolitik der Zukunft

Biotechnologie dürfte in der EU-Agrarpolitik weiterhin einen wichtigen Platz einnehmen, insbesondere als innovationsorientierte Wissenschaft im Rahmen der Strategie „Europa 2020“ für intelligentes Wachstum. Die Mitteilung der Kommission über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vom November 2010 macht deutlich, dass für die Zeit nach 2013 die bessere Einbindung von Umweltbelangen Vorrang haben wird, vor allem eine Stärkung der nachhaltigen Landwirtschaft als Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels sowie die zwingende Kopplung von Direktzahlungen an eine umweltorientierte Ausrichtung der Landwirtschaft.

Die Bedeutung von Innovation wird hervorgehoben im Hinblick darauf, dass sie dem EU-Agrarsektor ermöglichen könnte, sein verborgenes Produktivitätspotenzial freizusetzen – etwas, für das die Biotechnologie durch Erzielung von Ertragssteigerungen gut gerüstet wäre. Die Mitteilung verweist auch auf einen positiven Beitrag durch Reduzierung von Treibhausgasemissionen, zusammen mit Verbesserungen der Energieeffizienz, bei der Erzeugung von Energie aus Biomasse und anderen erneuerbaren Energien sowie bei der Kohlenstoffbindung und dem Schutz des Kohlenstoffs im Boden – auch hier auf der Basis von Innovationen.

Während bei den EU-Regierungen die Meinungen über Pflanzenbiotechnologie weiterhin auseinandergehen, hat die Europäische Kommission mit einem Vorschlag Bewegung in die festgefahrene Situation gebracht, der auf mehr Zulassungen für den Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen abzielt. Dies würde es EU-Staaten, die GVP skeptisch gegenüberstehen, ermöglichen, den Anbau von in der EU erlaubten Nutzpflanzen ganz oder teilweise einzuschränken und zugleich Landwirten in Mitgliedstaaten, die Gen-Pflanzen gegenüber positiv eingestellt sind, erlauben, gentechnisch veränderte Kulturen nach Wunsch anzubauen. Dies sieht nach einem bevorstehenden Wandel aus, der es der Biotechnologie ermöglichen wird, eine wichtige Rolle dabei zu spielen, Europa bei der Bewältigung einer Reihe großer Herausforderungen zu unterstützen.

Weitere Informationen

  • „Grüne Biotechnologie und Klimawandel“ (EuropaBio-Papier):
    http://www.europabio.org/positions/GBE/PP_090619_Climate_Change.pdf pdf English

    „Was ist landwirtschaftliche Biotechnologie?“ (EuropaBio):
    http://www.europabio.org/green_biotech/GBE_about.htm English

    „Gentechnisch veränderte Kulturen in der EU-Landwirtschaft“ (Fallstudie der Gemeinsamen Forschungsstelle):
    http://bio4eu.jrc.ec.europa.eu/documents/FINALGMcropsintheEUBIO4EU.pdf pdf English

    „Die GAP bis 2020: Nahrungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Gebiete – die künftigen Herausforderungen“ [KOM(2010) 672 endgültig]:
    http://ec.europa.eu/agriculture/cap-post-2013/communication/com2010 672_de.pdf [86 KB] български čeština dansk ελληνικά English español eesti suomi français magyar italiano lietuvių latviešu Malti Nederlands polski português română slovenčina slovenščina svenska