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Umweltfreundlichere Mobiltelefone

03/10/2009

  • Technologie
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Während Interessengruppen und Regierungen bestrebt sind, die Umweltbelastung durch Mobiltelefone zu verringern, machen Handyhersteller erste Schritte, um den Forderungen einer umweltbewussten Gesellschaft gerecht zu werden.

Die Nutzung von Mobiltelefonen nimmt schnell zu. Zahlen der International Telecommunications Union (ITU) zufolge werden die Verträge bis Ende 2008 die 4-Milliarden-Grenze überschreiten. Die Marktforschungsorganisation Gartner schätzt, dass 2008 1,22 Milliarden Handys verkauft wurden. Jetzt stellen Mobiltelefonhersteller Modelle vor, die die Umwelt weniger belasten.

Im Rahmen des Pilotprojekts für Mobiltelefone, das Teil der integrierten Produktpolitik (IPP) der Europäischen Kommission ist, wurden die Umweltauswirkungen von Mobiltelefonen während ihres gesamten Lebenszyklus bewertet. In das Projekt waren Hersteller, Betreiber, Regierungsorganisationen und Umweltschutzgruppen einbezogen.

Im Abschlussbericht wurden unter anderem ein Umweltindex für Mobiltelefone, ähnlich dem Energieeffizienzindex für Haushaltsgeräte, und Kampagnen gefordert, durch die die Nutzer zu nachhaltigem Verhalten angeregt werden sollen, wie zum Beispiel Ausstecken von Ladegeräten und verantwortungsvolle Entsorgung am Ende der Lebensdauer. Nach Schätzungen des Telefonherstellers Nokia würde genug Energie eingespart, um jedes Jahr 60 000 europäische Haushalte zu versorgen, wenn nur 10 % aller Handybenutzer weltweit ihre Ladegeräte nach der Benutzung ausstecken würden.

Die EU hat einen wichtigen Schritt zur Abfallreduzierung gemacht, indem sie die Mobiltelefonhersteller davon überzeugt hat, Ladegeräte zu vereinheitlichen. Die im Juni 2009 von den Herstellern angekündigte Maßnahme ist die Folge einer Aufforderung der Kommission zu einer freiwilligen Verpflichtung; die Einführung von Rechtsvorschriften wurde nicht für erforderlich gehalten. Die Verbraucher werden von niedrigeren Preisen profitieren, da die Wiederverwendbarkeit bedeutet, dass neue Telefone nicht mit neuen Ladegeräten geliefert werden müssen – und alte Ladegeräte nicht in den Müll wandern.

Solarbetriebene Telefone

Der koreanische Hersteller Samsung stellte auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress 2009 in Barcelona sein erstes Solarzellen-Handy vor. Für die Herstellung des Mobiltelefons Blue Earth werden aus Wasserflaschen recycelte Kunststoffe verwendet, und sowohl Handset als auch Ladegerät sind frei von toxischen Stoffen. Eine volle Solaraufladung – 10 bis 14 Stunden – liefert Strom für vier Stunden Sprechzeit.

Anfang 2009 stellte der Mobilfunkbetreiber Digicel – der Entwicklungsländer in der Karibik, Zentralamerika und dem Südpazifik versorgt – das Mobiltelefon Coral-200-Solar vor, das angeblich erste äußerst günstige solarbetriebene Handy. Es soll 2 Milliarden Menschen mit eingeschränktem Zugang zum Stromnetz mobile Kommunikation ermöglichen.

Das Handy arbeitet mit innovativer Technologie des niederländischen Solarenergie-Spezialisten Intivation, die in jedem Mobiltelefon funktioniert. Ein Aufwärtswandler erhöht die Leistung der Solarzelle auf 3,7 V, um die Lithium-Ionen-Batterie des Telefons zu laden, wodurch der Wirkungsgrad der Zelle verbessert wird. Weil die Solarzelle kleiner sein kann, fallen auch geringere Produktionskosten an. Mit der Herstellung des Handys wurde das chinesische Unternehmen ZTE beauftragt, wodurch die Kosten weiter reduziert wurden.

Weitere Informationen

  • ITU: http://www.itu.int/ITU-D/ict/publications/idi/2009/material/IDI2009_w5.pdf pdf English

    Gartner: http://www.itu.int/ITU-D/ict/publications/idi/2009/material/IDI2009_w5.pdf pdf English

    IPP-Pilotprojekt für Mobiltelefone: http://ec.europa.eu/environment/ipp/mobile.htm English

    „Kommission begrüßt Einigung der Industrie auf ein universelles Ladegerät für Mobiltelefone“ (Pressemitteilung der Europäischen Kommission):
    http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/09/1049&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=fr français

    Samsung Blue Earth phone [Samsung-Mobiltelefon Blue Earth]: http://samsungblueearth.com/ English

    „Digicel announces launch of Coral 200 Solar“ [„Digicel kündigt die Einführung von Coral 200 Solar an“] (Digicel-Pressemitteilung):
    http://www.digicelgroup.com/en/media-center/press-releases/products-services/digicel-announces-launch-of-coral-200-solar English

    Intivation: http://www.intivation.nl/ English

    ZTE: http://www.zte-deutschland.de/

    „Mobile phone companies commit to environmental action plan“ [„Mobiltelefonunternehmen verpflichten sich zur Teilnahme am Umweltaktionsplan“] (Nokia-Pressemitteilung):
    http://www.nokia.com/press/press-releases/showpressrelease?newsid=1076996 English

Die Elektro- und Elektronikschrott-Richtlinie (WEEE-Richtlinie)

Die Elektro- und Elektronikschrott-Richtlinie verpflichtet Hersteller, die Sammlung, Wiederverwertung und Verarbeitung von Mobiltelefonen zu finanzieren und zu ermöglichen. Ziel dieser Richtlinie ist die Verminderung der Umweltbelastung durch alle elektrischen und elektronischen Produkte. Durch die verstärkte Wiederverwendung und -verwertung wird die zu deponierende Abfallmenge reduziert. Im Dezember 2008 schlug die Kommission eine Überarbeitung der bestehenden Richtlinie vor, um die Menge des entsprechend behandelten Elektro- und Elektronikschrotts zu erhöhen.

Weitere Informationen: http://ec.europa.eu/environment/waste/weee/index_en.htm English