• Druckfassung

Ein gemeinsamer Ansatz zur Wiederverwertung von Batterien

15/02/2009

  • Energieeffizienz,
  • Recycling
  • Eu
332_de.html

Durch die im Oktober 2008 in Kraft getretene EU-Batterierichtlinie wird neu festgelegt, wie auf nationaler Ebene mit gebrauchten Batterien verfahren werden soll. In einigen Mitgliedstaaten sind bereits richtungweisende Verfahren im Einsatz.

Die neue Richtlinie 2006/66/EG folgt grundsätzlich dem früheren Ansatz der WEEE-Richtlinie (von engl. Waste Electrical and Electronic Equipment, deutsch Elektro- und Elektronikalt-/schrottgeräte) und zielt im Interesse des Schutzes der menschlichen Gesundheit und der Umwelt auf die Reduzierung gefährlicher Stoffe in Batterien ab. Die Richtlinie nimmt die Hersteller von Batterien und Akkumulatoren im Hinblick auf das Wiederverwerten der Altbatterien jedoch viel stärker in die Verantwortung und stellt damit im Vergleich zur Richtlinie aus dem Jahr 1991 eine bedeutende Weiterentwicklung dar.

Im Jahr 2002 noch wurde die Hälfte der in der EU verkauften Batterien in Deponien oder durch Verbrennung entsorgt - anstatt diese wiederzuverwerten. Jedes Jahr werden in der EU etwa 160.000 Tonnen Gerätebatterien, 190.000 Tonnen Industriebatterien und 800.000 Tonnen Fahrzeugbatterien verkauft, wodurch ein effizientes Einsammeln, Entsorgen und Wiederverwerten verbrauchter Batterien zum Schutz der Umwelt notwendig wird, denn Batterien enthalten zahlreiche, die menschliche Gesundheit und die Umwelt gefährdende Stoffe, wie Blei, Cadmium oder Quecksilber. Optimierte Methoden zum Einsammeln und Wiederverwerten gebrauchter Batterien könnten letztlich zur Vermeidung von Umweltschäden und gleichzeitig zur Einsparung von Energie und natürlichen Ressourcen beitragen.

Die neue Richtlinie verlangt, dass bis zum Jahr 2012 25 %, und bis zum Jahr 2016 45 % der Gerätebatterien eingesammelt werden. Darüber hinaus sind bis September 2009 sämtliche Batterien – mit einigen Ausnahmen – wiederzuverwerten. Im Hinblick auf die Verarbeitung bestimmter Stoffe in Batterien sind zudem neue Grenzwerte aufgestellt worden. So dürfen Batterien, die Quecksilber oder, wie im Falle von Gerätebatterien, Cadmium enthalten, nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Ferner wird die Entsorgung von Fahrzeug- und Industriebatterien in Deponien oder durch Verbrennung untersagt.

Während die Batterierichtlinie unzweifelhaft Einfluss auf die Ausgestaltung der Entsorgungsverfahren aller Mitgliedstaaten haben wird, haben zahlreiche Mitgliedstaaten jedoch bereits erfolgreich Batterieeinsammelverfahren eingeführt. In einigen europäischen Ländern sind seit einiger Zeit sogar schon umfassende bewährte Verfahren im Einsatz.

Schweden geht mit gutem Beispiel voran

Schweden ist seit Jahren ein Vorreiter in Sachen Batteriewiederverwertung und führte bereits vor der Ratifizierung der ersten Richtlinie erste geeignete Verfahren ein. So existieren in Schweden schon seit den 1970er Jahren Programme zum Einsammeln von Altbatterien. Die erste landesweite Kampagne (1987 bis 1993) informierte die Bürger dabei über die Wichtigkeit des Einsammelns und Wiederverwertens von Batterien, die Quecksilber und Cadmium enthalten – eine wesentliche Forderung auch in der neuen Richtlinie.

Die Kampagne ist von der schwedischen Naturschutzbehörde (EPA), der Vereinigung schwedischer Kommunalbehörden, der schwedischen Vereinigung der Abfallwirtschaft und SAKAB sowie Uppsala Energi ins Leben gerufen worden. Die erfolgreiche Kampagne förderte zunächst die Gründung der Stiftung zum Einsammeln gefährliche Stoffe enthaltender Batterien (SIMBA - Stiftelsen Insamling av Miljofarliga Batterier) und im Jahr 1997 dann das Projekt zum Einsammeln von Batterien (BCP).

Ab dem Jahr 1999 trieb das BCP in Kooperation mit 290 nationalen Gemeinden sehr erfolgreich eine Kampagne zur Sensibilisierung der Bürger voran, um zu verhindern, dass Batterien weiterhin einfach mit dem Hausmüll entsorgt werden. Seit dem Jahr 2000 sind schließlich in regelmäßigen Abständen auch Kampagnen und Wettbewerbe in Schulen durchgeführt worden. Im Rahmen der Marketing-Kampagne 'Hem till holken' (etwa: Zurück in den Nistkasten) wurden animierte Figuren verwendet, um das Entsorgen von Batterien in Sammelboxen, den so genannten Nistkästen, zu fördern. Diese Kampagne kam sehr gut an und wurde von über 70 % der Bevölkerung begrüßt. Besondere Aufmerksamkeit erhalten bei einer 2005 ins Leben gerufenen Kampagne drei- bis fünfjährige Kinder, denen schon früh die Bedeutung der Wiederverwertung von Batterien vermittelt werden soll.

Heute ist die Notwendigkeit der Batteriewiederverwertung in allen Teilen der schwedischen Bevölkerung allgemein akzeptiert. Die schwedische EPA hat die einzelnen Gemeinden dabei angewiesen, eigenverantwortlich für die Einrichtung von Programmen zur Wiederverwertung von Batterien Sorge zu tragen. Einige der eingerichteten Programme umfassen ein Holsystem für Batterien, in sämtlichen Programmen stehen jedoch Sammelboxen an frequentierten öffentlichen Plätzen zur Verfügung. Eingesammelte Batterien, die Quecksilber enthalten, müssen zur speziellen Entsorgung an SAKAB geschickt werden. Die Kosten hierfür werden vom Batteriefonds getragen, der seine Mittel aus gezahlten Gebühren seitens von Importeuren und Herstellern quecksilberhaltiger Batterien bezieht. Returbatt AB/ Boliden Bergsoe, eine Kooperative der schwedischen EPA und zahlreicher Hersteller, ist dabei für das Einsammeln und Wiederverwerten von Batterien aus dem Einzelhandel verantwortlich.

Erfolgreiches Pilotprojekt in Irland

Das erste Programm zum Einsammeln und Wiederverwerten von Batterien in Irland ist von Premierminister Brian Cowen im Juni 2008 ins Leben gerufen worden. Irland kann seither mit raschen Erfolgen aufwarten: Seit August 2005 sind etwa 21 Millionen Elektroartikel wiederverwertet worden. Die Wiederverwertung der Batterien wurde im Rahmen eines Pilotprojekts in Tullamore, County Offaly, durchgeführt.

Die Aufsicht über das Projekt hatte WEEE Ireland. Die gemeinnützige Organisation wurde von Elektroartikelherstellern mit dem Ziel gegründet, den rechtlichen Anforderungen der WEEE-Richtlinie zu genügen. Informationsbroschüren wurden zusammen mit Abfallsäcken an Anwohner verteilt, und 125 Sammelboxen sind an verschiedenen Plätzen der Stadt aufgestellt worden.

Das Projekt wird als großer Erfolg gewertet. „Händler und Einwohner von Tullamore nahmen das Projekt großartig an. Der Gemeinderat von Tullamore und die zuständige Handelskammer konnten so zeigen, was auch kurzfristig umgesetzt werden kann“, so die Compliance-Beauftragte von WEEE Ireland, Elizabeth O’Reilly. „Der Erfolg des Projekts gibt uns für die landesweite Einführung des Programms zur Batteriewiederverwertung ab Mitte September deutlich Aufwind“.

WEEE Ireland wird in den kommenden Monaten über 10.000 Batterieentsorgungspunkte in nationalen Geschäften einrichten.

Hohe Einsammelquote in Österreich

Österreich verfügt über eines der fortschrittlichsten Systeme zur Wiederverwertung von Batterien in der EU. Schon 1992 wurde hier mithilfe eines landesweiten Programms eine Einsammelquote von 40 % erreicht – eine Zahl, die viele Mitgliedstaaten auch heutzutage nur mit Mühe erreichen. 2001 lag die Zahl schon bei über 60 %, und steigt seither stetig an.

Die Aufsicht über die Wiederverwertung von Batterien in Österreich hat das unabhängige Umweltforum Batterien (UB). Das UB ist im Jahr 2001 gegründet worden und vereinigt heute sämtliche österreichische Batteriehersteller und –importeure unter seinem Dach. Von den Mitgliedern wird eine Gebühr verlangt, mit der die Wiederverwertungsprogramme letztlich finanziert werden.

Das UB wurde entscheidend von der österreichischen Regierung unterstützt, insbesondere vom Ministerium für Umwelt und Wirtschaft. Sein Erfolg beruht dabei vor allem auf erstklassigen PR- und Sensibilisierungskampagnen sowie der Entwicklung eines zusammenhängenden Einsammelnetzwerks über die vergangenen Jahrzehnte. Landesweit existieren 7.000 Einsammelpunkte, und alle sechs Monate werden auf nationaler Ebene Kampagnen für Holsysteme durchgeführt.

Auch werden Kinder schon im frühen Alter für das Thema sensibilisiert. So konnten im Jahr 2003 358 Schulen für einen nationalen Wettbewerb gewonnen werden. Teilnehmende Schüler sammelten hierbei die unglaubliche Menge von 107 Tonnen an gebrauchten Batterien.

Weitere Informationen

  • Richtline 2006/66/EG über Batterien und Akkumulatoren sowie Altbatterien und Altakkumulatoren: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32006L0066:EN:NOT български (bg)czech (cs)dansk (da)eesti (et)ελληνικά (el)English (en)español (es)Français (fr)Gaeilge (ga)italiano (it)latviešu (lv)lietuvių (lt)magyar (hu)Malti (mt)Nederlands (nl)polski (pl)português (pt)română (ro)slovenčina (sk)slovenščina (sl)suomi (fi)svenska (sv)

    ‘Environment: new EU legislation requiring collection and recycling of spent batteries applies from today’ (Pressemitteilung der Kommission): http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/08/1411 English

    Commission background on batteries: http://ec.europa.eu/environment/waste/batteries/index.htm English

    ‘Recycling of batteries’ – fact file by the UK Institute of Engineering and Technology: http://www.theiet.org/factfiles/energy/batteries.cfm?type=pdf English

    Waste Electrical and Electronic Equipment (WEEE) Directive: http://ec.europa.eu/environment/waste/weee/index_en.htm English

    Battery collection in Sweden: http://www.batteriinsamlingen.se/files/translations/pdf/batterycollection(engelska).pdf pdf English

    Batteriesammeln in Österreich: http://www.batteriensammeln.at English

    WEEE Ireland: http://www.weeeireland.ie English

    European Portable Battery Association (EPBA): http://www.epbaeurope.net English