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Neue Geschäftsmodelle für nachhaltigen Güterverkehr  

26/11/2012

  • Industrie,
  • Verkehr
  • Belgien

TRI-VIZOR ermutigt Firmen dazu, ihre Transport- und Logistikkapazitäten zu bündeln, um so Vorteile finanzieller Art und für die Umwelt zu generieren.

Der europäische Güterverkehr ist durch eine starke Ineffizienz gekennzeichnet. Weniger als die Hälfte der Ladekapazitäten, die auf den europäischen Straßen herumfahren, wird tatsächlich genutzt. Einer von vier Lastkraftwagen fährt leer und diejenigen, die Frachten transportieren, sind im Durchschnitt nur zu 57 Prozent ausgelastet.

Diese Ineffizienz bedeutet Geldverschwendung und unnötige Umweltschäden. Überflüssiger Treibstoffverbrauch Treibhausgasausstoß, Stau, Lärm und unnötige Abnutzung der Infrastruktur sind die Folge. Eine belgische Firma sieht in den ungenutzten Kapazitäten jedoch eine Chance. TRI-VIZOR ermutigt Firmen dazu, ihre Transport- und Logistikkapazitäten zu bündeln, um so Vorteile finanzieller Art und für die Umwelt zu generieren.

Die in Antwerpen ansässige Firma behauptet von sich der „weltweit erste unparteiliche Orchestrator für Transport und Logistik“ zu sein. Sie vermittelt Logistik-sharing Vereinbarungen zwischen Verladern. Zwei Firmen, die ähnliche Güter mit kompatiblen Zielen verfrachten wollen, können so einen vollgeladenen LKW nutzen, statt zwei halbvolle Fahrzeuge auf den Weg zu schicken. Und LKWs, die nur für den Hinweg beladen wurden, können so auch auf dem Rückweg ausgelastet werden. Eine spezialisierte Software von TRI-VIZOR kann Ladungen verschiedener Wertschöpfungsketten synchronisieren und Kosten und Gewinne zwischen den beteiligten Partnern gerecht aufteilen.  

TRI-VIZOR ist auf Initiative der Universität von Antwerpen im Jahr 2008 gegründet worden. „ Seitdem hat das Unternehmen eine riesige Datenbank mit Firmen und ihren Frachtwegen aufgebaut “, so Sven Verstrepen von TRI-VIZOR. „Unsere Datenbank erfasst über 75.000 Transportwege und 100 erstklassige Unternehmen, die gewillt sind, ihre Daten zu teilen.“

Mit dieser Datenbank kann TRI-VIZOR die Logistikbedürfnisse der Unternehmen zusammenbringen und den leeren Lastwagen auf den Straßen ein Ende bereiten. „ Es gibt eine Menge an interessierten Unternehmen, aber wir hängen auch von dem Kooperationswillen der Unternehmen ab“, erklärt Vestrepen. Es kann eine Weile dauern, bis der richtige Partner gefunden ist. In den Unternehmen muss erst einmal ein mentaler Wechsel stattfinden. Sie müssen bereit sein, ihre Logistik und ihre Fracht in einer Gemeinschaft zu bündeln. Am Ende ist Vertrauen der Schlüssel und Logistik bleibt ein Geschäft, welches auf Personen basiert.“

Der mentale Wechsel hat schon begonnen. TRI-VIZOR fängt an Geschäfte zu machen. Einen ersten Erfolg verzeichnete das Unternehmen im Jahr 2011, als es zwei Unternehmen aus dem Pharmaziebereich, Baxter und UCB, für eine Kooperation zum „carpooling for cargo“ mit dem belgischen Logistikdienstleister H.Esser gewinnen konnte. Beide Pharmazieunternehmen haben besondere Bedürfnisse und benötigen eine kontrollierte Temperatur beim Transport ihrer Produkte.

TRI-VIZOR behauptet, dass es auf diesem Weg Kosteneinsparungen von etwa neun Prozent erreichen und den CO2-Abdruck der beteiligten Unternehmen um etwa 31%  senken konnte im Vergleich zum ungebündelten Transport. Verstrepen sagt, dass eine Reihe von ausgereiften Projekten in Arbeit sind, bei denen eine Kostenersparnis von 30% im gesamten Logistikbereich erreicht werden kann. Generell könnten die Einsparungen hohe Summen erreichen. Laut Angaben des Logistikgiganten DHL könnte eine veränderte Herangehensweise im Frachtgeschäft nach dem Motto „mix, move and match“ die strukturelle Ineffizienz, die den Sektor allein im Jahr 2010 160 Billionen Euro gekostet hat, adressieren.

Verstrepen erklärt: “Unsere nächste Herausforderung liegt darin, uns auf profitables Wachstum zu konzentrieren und die Reichweite zu vergrößern, um die enormen Synergiepotentiale, die in den großen multimodalen Transportnetzen liegen, zu nutzen. Innerhalb der nächsten 24 Monate werden wir da hinkommen, Schritt für Schritt.“  

Es gibt eine große Nachfrage danach, die Nutzung von Frachtkapazitäten zu maximieren. Projekte, die dieses Thema aus der legalen, der wissenschaftlichen und der praktischen Perspektive untersuchen, sind bereits begonnen. Zum Beispiel das CO3 Projekt (http://www.co3-project.eu English),  welches durch das siebte EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung gefördert wird. TRI-VIZOR ist ein wichtiger Partner des CO3 Projektes und verantwortet die Durchführung von Testprojekten im so genannten „Logistiklabor“.

Weitere Informationen

  • http://www.trivizor.com