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Präzisierung von Öko-Innovation

21/11/2010

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Michal Miedzinski von der Technopolis Group leitet eine Initiative zur Analyse von Trends und Chancen im Bereich Öko-Innovation, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Umweltleistung der EU zu verbessern.

Das Eco-Innovation Observatory (EIO) wurde eingerichtet, um für politische Entscheidungsträger und Unternehmen Informationen über Öko-Innovationen zu sammeln und zu analysieren. Es wurde erstmals im ETAP-Bericht vom Mai 2007 als eine Initiative erwähnt. Das Konzept wurde ebenfalls während Treffen der ETAP High-Level Working Group im Laufe des Jahres 2007 erörtert. Das Ziel besteht darin, zu verstehen, was sich hinter Öko-Innovationen verbirgt und was sie vorantreibt. Diese Kenntnisse sollen dann zur Schaffung eines unterstützenden Rahmenwerks sowie gut unterrichteten zwischengeschalteten Stellen und vorausschauenden Unternehmen verwendet werden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Europa für die Zukunft zu rüsten. Die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission ist gemäß des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation English Hauptinteressensvertreter und Geldgeber des auf drei Jahre angelegten Projekts. Das EIO erhält Unterstützung von nationalen Regierungen, Netzwerken und führenden wissenschaftlichen Sachverständigen.

Was sind die Ziele des Eco-Innovation Observatory?

Der Auftrag von EIB umfasst die Sammlung von Informationen und die Verbesserung des Zugangs zu Informationen. Das ist allerdings noch nicht alles. Indem es konkrete Beispiele für Öko-Innovationen und Trends in diesem Bereich gibt, fördert es außerdem das Verständnis von grünen Märkten und gibt vor, wie ein umweltfreundliches Wachstum aussehen sollte.

Wir werden ein Öko-Innovation Scoreboard für die EU der 27 erstellen. Dabei sehen wir uns die nationalen Indikatoren an, um uns über die Leistungen und Fortschritte der einzelnen Länder klar zu werden. Außerdem werden wir einzelne Branchen betrachten, obwohl ein brachenübergreifender Blick auf die Wertschöpfungskette sich möglicherweise als nützlicher erweisen wird. Dies wird durch eine Sammlung von konkreten Beispielen zu Produkten, Dienstleistungen, organisatorischen Lösungen und sozialen Innovationen ergänzt.

Was verstehen Sie unter Öko-Innovationen?

Eine Innovation ist etwas, das auf dem Markt eingeführt wird. Der größte Unterschied zwischen Öko-Innovationen und normalen Innovationen bzw. Erfindungen besteht in der zusätzlichen Komponente des Nutzens für die Umwelt. Bei Öko-Innovationen kommt es zwar auch auf den wirtschaftlichen Aspekt an, denn Waren und Dienstleistungen müssen wirtschaftlich rentabel sein, aber darüber hinaus müssen Öko-Innovationen gut für die Umwelt sein. Das heißt, durch Öko-Innovationen sollen der Material- und Energieverbrauch gesenkt sowie schädliche Emissionen reduziert werden.

Durch Hinzufügen des „Öko“ zu Innovation wird die Strategie „Europa 2020“ bereichert, da das allgemeine Innovationskonzept, das mit Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen verknüpft ist, uns nichts darüber verrät, in welche Richtung die Innovation führt.

Ein weiteres wichtiges Element ist das Cradle-to-Cradle-Konzept. Das bedeutet, dass wir während des gesamten Produktlebenszyklus die drei Kriterien Materialien, Energie und Emissionen ansetzen. Dies kann zu einer Veränderung des Verständnisses von grünen bzw. öko-innovativen Produkten führen.

Können Sie ein konkretes Beispiel für die Informationen geben, die Sie sammeln werden?

Wir werden Kurzberichte zu jedem einzelnen EU-Mitgliedstaat verfassen, in denen wir die Leistungen der Länder im Hinblick auf Öko-Innovationen beschreiben. Darunter fallen Trends, konkrete Beispiele für entwickelte Lösungen sowie Beispiele für staatliche Maßnahmen zur Unterstützung (bzw. Nichtunterstützung) von Öko-Innovationen. Möglicherweise werden wir im zweiten oder dritten Jahr des Projekts überprüfen, ob wir Kurzberichte zu den USA, zu Japan sowie weiteren großen aufstrebenden Wirtschaftsmächten hinzufügen können.

Wir werden außerdem einen Blick darauf werfen, was Öko-Innovationen hemmt. Dabei werden wir nicht nur offensichtliche Hindernisse, wie beispielsweise die Finanzierung und das Humankapital, betrachten, sondern auch physische Barrieren wie die Geografie oder Geologie eines Landes berücksichtigen.

Da in der Vergangenheit möglicherweise Abhängigkeiten bestanden, sehen wir uns die Geschichte näher an. Abhängig von der Verfügbarkeit des Indikators werden wir auf zehn bis zwanzig Jahre zurückliegende Zeitreihen zurückgreifen. Zudem werden wir versuchen, herauszufinden, wie wir mithilfe von aktuellen Trends die zukünftigen Trends besser vorhersehen können. Dies ist besonders wichtig in Bezug auf den Materialbedarf, die Notwendigkeit, bestimmte Güter und Dienstleistungen zu substituieren, sowie in Bezug auf Veränderungen bei Herstellungsverfahren.

Wir werden die Branchen im globalen Zusammenhang betrachten. Wir werden bei der Filterung der Informationen im Hinterkopf behalten, was für Europa relevant ist, aber uns nicht nur auf die EU der 27 beschränken.

Welche Fortschritte haben Sie bisher erzielt?

Ein thematischer Bericht zu Innovationen im Bereich Wasserwirtschaft wird im November 2010 veröffentlicht. Im Dezember folgen die ersten Länderberichte und Ende des Jahres oder im Januar 2011 wird ein Bericht zum Thema Bauwesen herausgebracht.

Das erste Länder-Scoreboard wird 2010 veröffentlicht. Wir prüfen den Verbundindikator, untersuchen beispielsweise, wie die Einbeziehung gewisser Faktoren die Position der einzelnen Länder verändert. Dabei handelt es sich um einen heiklen Vorgang, denn anhand der Ergebnisse werden die Länder in Ranglisten eingeordnet, obwohl das Ziel eigentlich nicht darin besteht, eine Art Öko-Innovationsbibel zu schaffen, sondern Diskussionen anzuregen.

Welche wesentlichen Herausforderungen ergeben sich für die Zukunft?

Unsere Zielgruppen sind sehr verschieden, aber wir möchten unter ihnen ein gemeinsames Verständnis von Öko-Innovationen fördern, ihnen vermitteln, in welchem Zusammenhang die Öko-Innovationen zu umweltfreundlichen Gütern und Dienstleistungen stehen, und was sie im Rahmen der allgemeinen Diskussionen über ergrünenden Märkte bedeuten.

Wir unterstützen ebenfalls einen eher horizontalen Weg bei der Förderung des Verständnisses von Öko-Innovationen. Uns stehen in diesem Zusammenhang allerdings nur sehr wenige Daten zur Verfügung, da die Datensysteme für gewöhnlich auf sektoralen Klassifizierungen basieren.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass wir uns mit Themen und Problemen befassen, die sehr eng mit Business Intelligence verknüpft sind. Wir werden uns die Preise verschiedener Produkte, die Beziehungen zwischen Unternehmen in der Wertschöpfungskette sowie die Art und Weise ansehen, wie die Versorgung mit Materialien bei den verschiedenen privaten Akteuren untereinander ablief. In diesen Bereichen sind die Informationen aber sehr schwierig zu beschaffen, da sie einen wirklichen Wert haben.

Schließlich ist für Öko-Innovationen eine stärkere Zusammenarbeit erforderlich und eine unserer Aufgaben wird es sein, zu versuchen, die Verknüpfung der Agenda der Europäischen Institutionen in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Forschung zu unterstützen.

Weitere Informationen

  • Technopolis Group:
    http://www.technopolis-group.com/ English

    Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation:
    http://ec.europa.eu/cip/ English

    Europäisches Eco-Innovation Observatory:
    http://www.eco-innovation.eu/ English