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ENWORKS: Effektive Beratung für mehr Öko-effizienz  

19/02/2013

ENWORKS, ein Öko-effizienzberatungsunternehmen für kleine und mittelständische Betriebe aus Manchester in England, wurde mit dem RegioStar Award 2013 der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Die Jury begründete die Entscheidung damit, dass ENWORKS „beispielhaft für effektive Kooperation und Informationsaustausch zwischen privatem und öffentlichem Sektor stehe und wegweisend mittelständische Unternehmen in eine kohlenstoffarme Wirtschaft führt". 

Die Dienstleistung, die ENWORKS Unternehmen bietet, ist kostenlos. Der Service wird vom Europäischen regionalen Entwicklungsfonds (6.6 Millionen Euro für zwei Projekte im Jahr 2007-13) unterstützt und durch öffentliche Gelder aus Großbritannien finanziert.

Ein aktuelles Beispiel zur Arbeitsweise von ENWORKS ist die Beratung des Kosmetikherstellers Faith Products aus Manchester. ENWORKS hat sämtliche Prozesse innerhalb des Unternehmens analysiert und half dem Betrieb dabei, seine Verpackungen umzustellen. Die Verpackungen werden nun aus 100% recyceltem Plastik hergestellt und sind kleiner, damit weniger Müll entsteht. ENWORKS beriet das Unternehmen auch in Bezug auf Energie- und Wasserverbrauch bei Luftdruckanlagen, so dass nun jährlich 23,259 Euro eingespart werden können. ENWORKS bietet nicht nur einmalige Beratung, sondern begleitet längerfristig. Mit laufenden Projekten bei Faith Products sollen weitere jährliche Einsparungen in Höhe von 43,500 Euro erreicht werden.

Samantha Nicholson, Programmleiterin bei ENWORKS, erklärt die Dienstleitung und gibt Empfehlungen für ähnliche Initiativen in anderen Ländern.

Wie unterscheidet sich ENWORKS von anderen Beratungsdienstleistungen, die auf dem Gebiet der Energie- und Rohstoffeffizienz arbeiten? Warum ist ENWORKS so effektiv?

Samantha Nicholson: ENWORKS ist eine Zusammenarbeit zwischen staatlichen Führungsstrukturen bis hin zum Lieferantennetzwerk. Wir bringen den öffentlichen, den privaten und den dritten Sektor zusammen, um an einem Ziel zu arbeiten – wirtschaftliches Wachstum von der Ausbeutung der Umwelt abzukoppeln.

Wir haben erkannt, dass wenn wir nur Energieeffizienz allein betrachten, unsere Wirkung limitiert bleibt – für beide, die Unternehmen, die wir unterstützen und für unser Projekt als Ganzes. Deshalb bieten wir ein breites Spektrum an Dienstleistungen vom effizienten Einsatz von Energie, Material bis hinzu Wasser, decken dabei alle Etappen der Wertschöpfungskette ab und reduzieren Risiken extremer Wetterlagen (wie zum Beispiel durch Maßnahmen zur  Anpassung an den Klimawandel). Durch die breite unseres Angebots können wir den Unternehmen maximale Vorteile bieten: höhere Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität.

Außerdem beraten wir die Unternehmen nicht nur einmalig. Wir identifizieren im ersten Schritt, welche Verbesserungen das Unternehmen vornehmen kann und unterstützen dann dabei, diese Veränderungen kurz-, mittel-, und langfristig umzusetzen.

Mit unserer Effizienzsoftware geben wir den Unternehmen außerdem ein sinnvolles Instrument an die Hand, mit dem mögliche Veränderungen identifiziert werden und wir die Daten sammeln können, die wir brauchen, um mehr zu machen.

Kommen Unternehmen zu Ihnen, um Geld einzusparen oder gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, umweltfreundlicher zu handeln?

Samantha Nicholson: Lord Stern legt in seinem Report aus dem Jahr 2006 dar, dass der Klimawandel das größte Marktversagen, das die Welt je gesehen hat, ist.[Anmerkung der Redaktion: Stern Review on the Economics of Climate Change,für die britische Regierung angefertigt und zu finden unter: http://www.hm-treasury.gov.uk/sternreview_index.htm ]. Das bedeutet, dass die meisten Firmen, besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen umweltfreundliches Handeln eher als Kostenfaktor sehen und nicht als Chance. Die derzeitige wirtschaftliche Lage verstärkt diese Tendenz noch zusätzlich, da es momentan vielen Unternehmen ums Überleben geht. Interne Ressourcen werden für die Aktivitäten eingesetzt, die das Unternehmen als Kerngeschäft ansieht. Die Unterstützung, die wir leisten ist deswegen auch nicht nachfrageorientiert, es ist ein Angebot. Und der beste Weg dieses Angebot den Unternehmen nahe zu bringen, ist es auf die wirtschaftlichen Effekte, wie zum Beispiel Kosteneinsparungen, Verkaufssteigerung und Jobsicherheit, zu verweisen. Es stimmt, dass es auch unter Firmen ein wachsendes Umweltbewusstsein gibt, aber im Allgemeinen haben Unternehmen gar nicht die Zeit und Expertise aktiv zu werden ohne die Unterstützung von Dienstleistern wie wir einer sind.

Wie sieht das typische Unternehmen aus, das Ihre Beratung sucht?

Samantha Nicholson: ENWORKS berät Unternehmen jeglicher Größenordnung und in allen Sektoren. Unseren Service stimmen wir auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Unternehmens ab. Bei viel Einsparungspotential sind wir direkt vor Ort in den Unternehmen und beraten dort. Andere Formen können Workshops sein. Newsletter und Informationen sind für alle zugänglich. Wir schauen ständig darauf, wie sich die Investitionen für die öffentliche Hand wieder auszahlen. Das hilft uns, unsere Dienstleistung möglichst gut zu platzieren. Wir entscheiden danach, was ein Unternehmen mit unserer Unterstützung machen kann und nicht nach Art des Unternehmens.

Bleiben Sie mit den Unternehmen in Kontakt, so dass Sie sehen können, ob sich wirklich etwas verändert hat?

Samantha Nicholson: Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit besteht aus begleitender Unterstützung. Dabei bauen wir teilweise über Jahre dauerhafte Beziehungen zu den Unternehmen auf und das ermöglicht dann tatsächlich einen Wandel. Viele Beratungsprojekte besuchen ein Unternehmen nur einmal, identifizieren, welche Verbesserungen gemacht werden können, schreiben einen Bericht und sind dann weg. Nach unserer Erfahrung verstauben diese Berichte ohne Unterstützung zur Umsetzung der vorgeschlagenen Veränderung in den Schubladen. Weil wir bei der Umsetzung begleiten,  können wir sehr genau nachzeichnen, welche Veränderungen wirken und welche positiven Auswirkungen sie auf Umwelt und Wirtschaftlichkeit haben.

Energieeffizienz und Energieeinsparungen sind bereits geläufig, aber arbeiten Unternehmen auch daran, Rohstoffe effizienter einzusetzen, Wasser zu sparen und Abfall zu reduzieren?

Samantha Nicholson: Wir suchen Möglichkeiten alle Ressourcen effizienter einzusetzen. Das ist der beste Weg, um Unternehmen zu unterstützen und stößt auch bei den Unternehmen auf Zustimmung. Häufig kann eine Veränderung Energie, Wasser und Material sparen. Wenn man aber nur nach Engergieeinsparungen sucht, übersieht man leicht Möglichkeiten, die sehr profitabel für Unternehmen sein können.

Ist es möglich alles für jeden anzubieten? Mit anderen Worten, wie kann ENWORKS dieses breite Spektrum in den unterschiedlichsten Sektoren besonders den spezialisierten mit unterschiedlichster Nachfrage abdecken?

Samantha Nicholson: Es gibt viele Themen, mit denen sich Unternehmen ganz unabhängig vom Sektor in dem sie tätig sind, beschäftigen. Einfach gesagt, alle Unternehmen nutzen Energie, Wasser und Material. Unsere Projekte strukturieren wir so, dass wir garantieren können Berater mit breitem Fachwissen und Experten mit spezifischem Fachwissen einbeziehen zu können. So kann unsere Dienstleistung individuell an das Unternehmen angepasst werden.

Was würden Sie jemandem raten, der eine ähnliche Dienstleistung in einem anderen EU-Land anbieten möchte?

Samantha Nicholson: Es gibt ein paar Dinge: Biete Beratung in Bezug auf viele verschiedene Ressourcen und Themen an, das macht es einfacher die Verbindung zu Unternehmen herzustellen und ist kosteneffizienter. Langfristige Beratung ist besser als nur einmalige Intervention und biete mehr an, als einfach nur Information. Bewusstseinsbildung allein führt nicht automatisch zum Handeln. Die Unterstützung sollte außerdem auf das Unternehmen zugeschnitten sein, so hat das Unternehmen am meisten davon und die Investition lohnt sich.

All unsere Unterstützungsinstrumente von Informationen, praktische Tips und Anleitungen können kostenlos von unserer ENWORKS In-a-box Webseite heruntergeladen werden (www.enworksinabox.com).

Auf welchen Fall sind Sie besonders stolz  - die größten Einsparungen oder Prozessveränderungen? Was sind größten Hindernisse, Veränderungen für effizienten Energie- , Material und Wasserverbrauch durchzusetzen?

Samantha Nicholson: Wir wollen zeigen, dass gutes Business grünes Business ist und dass jeder dabei profitiert, wenn er seinen Teil beiträgt. Unsere Fallstudien beweisen das (www.enworks.com/casestudies). Außerdem sind unsere Zahlen sehr eindrucksvoll:

Wir haben mehr als 12,400 Unternehmen zu allen Umweltthemen beraten und haben intensiv mit 5.200 dieser Unternehmen an Ressourceneffizienz gearbeitet. Insgesamt haben wir 31.900 Verbesserungen vorgeschlagen und bei der Umsetzung mit angehender Beratung geholfen. Im Ergebnis konnten so Kosten in Höhe von 175 Millionen Euro eingespart werden. Bei über der Hälfte waren noch nicht einmal Kapitalinvestitionen nötig, es waren einfach nur Veränderungen in der Arbeitsweise. Wir haben Unternehmen auch dabei geholfen etwa 8.100 Arbeitsplätze zu sichern bzw. zu schaffen, Verkaufsverträge im Wert von 400 Millionen Euro zu behalten oder neu abzuschließen und 35 Millionen Euro in kohlenstoffarme Produkte zu investieren. 685.000 Tonnen Kohlenstoff, 21,5 Millionen Rohmaterial, 7.8.Millionen Kubikmeter Wasser  und 458.000 Tonnen Abfall konnten so eingespart werden.

Wir sind in der Tat sehr stolz darauf, dass wir etwas verändern auf individueller Ebene und für die Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Trotzdem sehen wir das Ausmaß der Herausforderung und das vielschichtige Marktversagen, welches wir überwinden müssen, um global die Wirtschaft in eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu verwandeln.

Weitere Informationen

    • http://www.enworks.com/
    • http://ec.europa.eu/regional_policy/cooperate/regions_for_economic_change/regiostars_13_en.cfm English français