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Grüne Innovation: Sanierung der Industrie oder sauberere Industrie?

28/07/2011

  • Europe
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Nachhaltigkeit und grünes Wachstum waren am 30. Juni und 1. Juli in Brüssel Hauptthemen beim Europäischen Wirtschaftsgipfel 2010 (European Business Summit, EBS), dem maßgeblichen Forum für Wirtschaftsführer und Entscheidungsträger.

Nachhaltigkeit ist weltweit in aller Munde, und dies aus gutem Grund: „Im 20. Jahrhundert hatten wir ein phänomenales ressourcenintensives Wachstum“, so Umweltkommissar Janez Potoènik. „Was die so genannte ‚große Beschleunigung’ anbelangt, verzeichneten wir ein Bevölkerungswachstum um den Faktor 4 und ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um den Faktor 40. Im gleichen Zeitraum haben aber auch der Verbrauch fossiler Brennstoffe um das 16-fache, die Fischfangmengen um das 35-fache, unser Wasserverbrauch um das Neunfache und unsere Kohlenstoffemissionen um das 17-fache zugenommen.“Nachhaltigkeit ist weltweit in aller Munde, und dies aus gutem Grund: „Im 20. Jahrhundert hatten wir ein phänomenales ressourcenintensives Wachstum“, so Umweltkommissar Janez Potoènik. „Was die so genannte ‚große Beschleunigung’ anbelangt, verzeichneten wir ein Bevölkerungswachstum um den Faktor 4 und ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um den Faktor 40. Im gleichen Zeitraum haben aber auch der Verbrauch fossiler Brennstoffe um das 16-fache, die Fischfangmengen um das 35-fache, unser Wasserverbrauch um das Neunfache und unsere Kohlenstoffemissionen um das 17-fache zugenommen.“

Daher ist es nicht überraschend, dass Nachhaltigkeit einer der Eckpfeiler der Agenda 2020 der Europäischen Kommission ist und dass in den USA die Regierung von Präsident Obama 100 Milliarden US-Dollar für Forschung im Hinblick auf eine umweltfreundlichere Industrie vorgesehen hat.

Eines der beim EBS angesprochenen Probleme ist aber, dass Forschung allein nicht genügt. Nachhaltige Lösungen müssen zu marktfähigen Produkten werden, damit Europa aus dem Wirtschaftsabschwung herauskommt. In einer Sitzung stellte Phillip Vandervoort von Microsoft einen Mangel an Menschen fest, die die Fähigkeit haben, aus Ideen Produkte zu machen.

Zweierlei Herausforderungen

Die Vordenker und wirtschaftlichen Entscheidungsträger beim EBS stellten eine Reihe zentraler Herausforderungen für die EU in Sachen Nachhaltigkeit fest, die sich im Großen und Ganzen in zwei Kategorien einteilen lassen:

  • Grünere Wirtschaft: Wie können Unternehmen ihre Umweltbelastung senken? Welche neuen Prozesse werden die Wirtschaft energie- und ressourceneffizienter machen?
  • Grüne Technologien: Welche innovativen neuen Produkte und Technologien können entwickelt werden, die aufgrund ihrer Eigenschaften die Umwelt weniger belasten?

Es ist die zweite Kategorie, auf die unsere Hoffnung ruht, unsere gesellschaftlichen Bedürfnisse bis weit in die Zukunft befriedigen zu können, und die laut WWF bis 2020 zur weltweit wichtigsten Industrie werden wird 1 English.

Aktuelle Studien belegen, dass Europa zwar weltweit führend in Sachen Energieeffizienz ist, aber nicht so erfolgreich in der Entwicklung bahnbrechender Technologien. Deshalb waren sich viele EBS-Teilnehmer einig, dass die Öko-Innovation mit größerem Nachdruck vorangetrieben werden muss. Eine INSEAD-Studie aus dem Jahr 2008 zum umweltfreundlichen Umbau der Wirtschaft ergab, dass die EU bei Risikokapitalinvestitionen in umweltfreundliche Technologien noch hinter Nordamerika hinterherhinkt.

Neufokussierung auf Öko-Innovation

Es gibt bereits Maßnahmen, die dieses Problem angehen. Der 2004 ins Leben gerufene Aktionsplan für Umwelttechnologie (Environmental Technologies Action Plan, ETAP) soll die Öko-Innovation und die Einführung von Umwelttechnologien auf breiter Basis fördern, um die Umwelt besser zu schützen, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu fördern und die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupacken. Es wird an einem verbesserten Aktionsplan gearbeitet, der diese sich herausbildenden Herausforderungen anpackt.

„Wir müssen uns überlegen, was unsere Ressourcen sind“, so Umweltkommissar Janez Potoènik. „Im Verständnis der meisten Menschen ist Energie bereits die wichtigste Ressource, aber beim Thema Ressourceneffizienz geht es nicht allein um Energieeffizienz. Wir müssen alle unsere Rohstoffe wie etwa Metalle, Mineralien und Nahrungsmittel sowie die natürlichen Systeme einbeziehen, die sauberes Wasser und saubere Luft liefern.“

Finanzierungsmöglichkeiten finden

Aber Innovation kostet Geld, und viele EBS-Teilnehmer sprachen über die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation zwischen Forschung und Wirtschaft. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) brauchen mehr Informationen über die Fördermittel, die ihnen in den ersten Forschungsabschnitten zur Verfügung stehen, und ein genaueres Verständnis des EU-Patentsystems und seiner Anwendung in den EU-Mitgliedstaaten.

In Bezug auf die nächste Phase der Innovation, nämlich die Produktentwicklung, wurde das nicht in ausreichendem Umfang vorhandene Risikokapital als großes Problem in der EU erkannt. In diesem Bereich scheinen die USA deutlich weiter zu sein. Andere Herausforderungen für angehende Unternehmer in Europa sind Compliance und Marketing. Für Letzteres wird oft Geld benötigt, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie ein Produkt funktioniert, wozu es gut ist und was seine Vorzüge sind. Die Wirtschaftsführer beim EBS waren sich darüber einig, dass sich Verbraucher umweltfreundlichere Produkte wünschen, allerdings nicht auf Kosten der Funktionalität.

Geeignete Mitarbeiter

Eine Diskussionsgruppe stellte fest, dass es besonders schwierig ist, Mitarbeiter zu finden, die über ausreichende Qualifikationen in Sachbereichen verfügen, die mit Nachhaltigkeit im Zusammenhang stehen. Astrid De Lathauwer vom belgischen Telekommunikationsunternehmen Belgacom sagte, dass die Rekrutierung technischer Mitarbeiter ein großes Problem sei, und forderte eine bessere Kommunikation zwischen Staat und Industrie, um das Problem zu lösen. Phillip Vandervoort von Microsoft sagte, die Industrie brauche Menschen, die die Fähigkeit haben, aus Ideen Produkte zu machen.

Die Teilnehmer äußerten sich auch besorgt über die demografische Situation. Um erfolgreich und zukunftsfähig zu sein, müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Arbeitskräfte die künftigen Anforderungen erfüllen und sich an neue Arbeitsweisen anpassen können. Es gab einen breiten Konsens, dass soziale Verantwortung und Stabilität heute als wesentliche Unternehmensziele erstrebenswert sind. Vandervoort stellte den hohen Motivationsgrad jüngerer Menschen und ihr hohes Maß an technischer Kompetenz als Zukunftskapital für die Industrie heraus.

Mit Blick auf die Zukunft wird der Schwerpunkt europäischer Initiativen in Sachen Nachhaltigkeit auf Forschung, Innovation und Bildung liegen müssen. Es wurden bereits wichtige Grundlagen gelegt, und Programme wie ETAP sind gute Vorbilder. Aber es besteht kein Grund zur Selbstgefälligkeit, und es müssen noch mehr Wirtschaftsführer einbezogen werden.

Weitere Informationen

  • European Business Summit (EBS):
    http://www.ebsummit.eu English

    „Greening the Economy: Creating a Climate for Change“ (INSEAD-EBS-Bericht):
    http://www.insead.edu/discover_insead/Newsroom/docs/FinalReportEBS.pdf pdf [2 MB] English

    1. Clean Economy, Living Planet: Building strong clean energy technology industries. WWF und Roland Berger, November 2009.