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Risikokapital: Interesse an Öko-Innvovation

15/01/2013

  • Europe

Risikokapital oder Fonds von Investoren für Start-ups und kleine Unternehmen mit Wachstumspotential flossen in den letzten Jahren in so genannte saubere Technologien

Gerade in den USA haben Investoren saubere Energieformen und Verkehrsmittel gestützt. Aber such andere Sektoren, wie der Recyclingmarkt konnten profitieren. Die Zahlen der amerikanischen National Venture Capital Association zeigen einen starken Anstieg von Risikokapitalinvestitionen in die amerikanische Cleantech Industrie: Waren es 2005 noch 628 Millionen Dollar, wurden im Jahr 20122 schon 4,7 Billionen Dollar investiert.

Im Jahr 2012 gab es einen Rückgang der Investitionen in saubere Industrien. Experten erwarten allerdings, dass dies nur ein zeitlich begrenzter Trend ist. Die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlicht vierteljährlich eine Studie zu den us-amerikanischen Investitionen in saubere Technologien (www. www.pwcmoneytree.com). Berater der Consultinfirma erklären den Rückgang der Investitionen mit einer unsicheren wirtschaftlichen Lage und Zurückhaltung vor den Präsidentschaftswahlen im November 2012. Die Investoren befürchteten, dass ein Wahlsieg der Republikaner zu weniger Unterstützung von sauberen Energien hätte führen können.

Der Sektor „saubere Technologien“ in der PwC Studie beinhaltet Schlüsselindustrien für Öko-Innovation: alle alternativen Energieformen, Energiespeicherung, Recycling, intelligente Netze, Verkehr und Abwasserklärung. Da Öko-Innovation aber auch noch in anderen Sektoren stattfindet, kann man davon ausgehen, dass die Statistik über saubere Technologie nicht die gesamte Bandbreite von Öko-Innovation abbildet.

Investoren zieht es zu den sauberen Technologien, weil sie ein hohes Wachstumspotential bergen. Die Wirtschaftsprüfgesellschaft Grant Thornton fand in ihrem im April 2012 erschienen International Business Report zu sauberen Technologien heraus, dass Forschung und Entwicklung in diesem Bereich zunehmen und, dass Firmen ihre Gewinnchancen optimistisch einschätzen. 64% der Firmen aus dem Bereich sauberer Technologien erwarteten steigende Gewinne im folgenden Jahr, während die Gesamtheit der Unternehmen nur zu 40% mit einem Anstieg rechnete.

Risikokapital ist auch innerhalb der Europäischen Union eine wichtige Finanzquelle für neue und junge Unternehmen. Georgios Floros, Leiter der Abteilung Eigenkapital und Finanzierungsinstrumente innerhalb EU-Kommission "Wirtschaft und Finanzen" sagte anlässlich des 13. Europäischen Öko-Innovationsforums vom 26.-27. November 2012 in Lissabon, dass die Finanzierung durch Risikokapital innerhalb der EU in den Jahren von 2008-11 auf 17,8 Billionen Euro angestiegen sei. Dieses Geld ist Startkapital für die Erforschung von neuen Ideen, und für neue Firmen, die diese Ideen auf dem Markt umsetzten oder sich vergrößern wollen.

Risikokapital ist, besonders in Zeiten gespannter öffentlicher Haushalte, auch eine Option für öffentliche Investitionen. Floros sagte, dass die Europäische Union mit der Initiative für Wachstum und Innovation kleiner und mittelständischer Unternehmen (GIF) in Risikokapitalfonds investiere. GIF wurde innerhalb des Wachstums- und Innovationsrahmenprogramms (2007-2013) gegründet. Über GIF hat die EU bis Mitte 2012 376 Millionen Euro innerhalb von 30 Fonds investiert.

Floros fügte hinzu, dass die EU Investitionen dazu beigetragen haben, insgesamt fast 2,1 Billionen Risikokapital freizusetzen. Mit anderen Worten stimulierten die Investitionen der EU 5,5 Mal höhere private Investitionen. Von den Geldern konnten insgesamt 236 „potentielle Champions“ profitieren. Potentielle Champion sind kleine und mittlere Unternehmen mit hohem Wachstumspotential. Rund 28% der Gesamtsumme – 573 Millionen Euro – sind in Fonds geflossen, die auf Öko-Innovation spezialisiert sind.

Die Erfahrung mit Vives II

Eine der Investitionen tätigte die EU in Vives II. Vives II ist ein Fonds von 43 Millionen Euro, der von der katholischen Universität Louvain (UCL) in Belgien gegründet wurde. GIF beteiligte sich mit 15 Millionen Euro. Andere Investoren sind SFPI-FPIM, Fortis Private Equity Belgium, CDC Entreprises (Frankreich), ING Belgien, Sofina, AXA Belgien, Dexia Bank Belgien, IRD (Frankreich) und Nivelinvest. Der Fonds ist der größte, der jemals von einer europäischen Universität initiiert wurde. Er unterstützt High-Tech Start-ups und junge Unternehmen, die im Bereich Öko-Innovation arbeiten.

Vives II wird von SOPARTEC, einem Technologietransferunternehmen, mit dem Ziel neue Firmen auf Grundlage von ULC Forschung zu gründen. Philippe Durieux. Geschäftsführer von SOPARTEC sagt, dass die Hauptaufgabe “der Technologietransfer zum Wohle der Gesellschaft ist. Langfristig wollen wir gesellschaftliche Herausforderungen angehen.“ Diese beinhalteten Umweltprobleme und erforderten deshalb einen Schwerpunkt im Bereich Öko-Innovation.

Vives II investiert in Unternehmen im Umkreis von 250 km um Louvain-la-Neuve herum. „Dies hat pragmatische Gründe“, erklärt Duriex. Vives II will nicht mit Risikokapitalgesellschaften aus Paris oder London konkurrieren und möchte nah dran an den Firmen sein, die mit dem Fonds unterstützt werden.

Ein erfolgreiches Investment von Vives II (das Investment folgte einem Engagament des Vorgängers Vives I) war die Unterstützung von GreenWatt, einem in Louvain-la-Neuve beheimateten Unternehmen. GreenWatt baut und betreut Anlagen zur anaeroben Vergärung, die Biogas von pflanzlichen Abfällen erzeugen. Die Biogasanlagen können im Agrarbereich oder bei Lebensmittelprozenten installiert werden und können dort den anfallenden Abfall absorbieren.

Die anaerobe Vergärung von GreenWatt ist ein innovativer Prozess. Normalerweise benötigen ähnliche Systeme ständige Kontrolle und die Zufuhr von Gülle. Die Verwerter von GreenWatt arbeiten mit pflanzlichen Resten ohne die Zufuhr von Gülle. Sie sind weites gehend automatisiert und benötigen weniger Personal für die Beaufsichtigung. Ein weiterer Vorteil der GreenWatt Verwerter ist ihre Größe. Sie können die gleiche Menge an Abfall verwerten wie herkömmliche Anlagen und sind dabei um die Hälfte kleiner. Das produzierte Biogas kann als Treibstoff für kombinierte Heiz- und Stromkraftwerke benutzt werden oder in das Gasversorgungsnetz eingespeist werden.

Die erste GreenWatt Anlage hat der größte Endivenhersteller aus Wallonia in Belgien im Jahr 2009 gekauft. Seitdem hat GreenWatt Anlagen in Frankreich aufgestellt und bereitet gerade Projekte in Südamerika vor. GreenWatt ist eines von mehr als 50 Firmenausgrüdungen. Insgesamt entstanden so, nach Angaben von SOPARTEC, mehr als 3000 Arbeitsplätze

Was suchen Risikokapitalfonds?

Bei der Entscheidung für eine Investition in eine potentielle öko-innovative Idee, spielen laut Philippe Durieux drei Dinge eine wichtige Rolle. Es muss ein starkes geistiges Eigentum geben, die Idee sollte einen großen Bedarf auf dem Markt treffen und es muss dem Managementteam Vertrauen entgegen gebracht werden. Der letzte Punkt ist entscheidend: die besten Ideen scheitern, wenn sie schlecht gemanagt sind. „SOPARTEC investiert nicht in Technologien, sondern in Menschen“, so Durieux. Die Unternehmer müssen technisches Verständnis und kaufmännische Fähigkeiten verbinden.

In seiner Rede auf dem 13. Europäischen Forum für Öko-Innovation stellte auch Georgios Floros einige Schlüsselelemente dar, die wichtig für Risikokapitalfonds sind: Innovative Technologien, viel versprechende und gut definierte Märkte, erfahrenes Management und eine überzeugende Wachstumsstrategie.

Öko-Innovatoren sollten bei ihren Präsentationen für Risikokapitalgeber realistisch bleiben, fügte Flores hinzu. Sie sollten sich nicht in Einzelheiten bei der Erklärung der neuen Technologie verlieren oder unrealistische Versprechen machen. Wichtig sei es zu zeigen, wie die Technologie einen bestimmten Bedarf deckt und was das Unternehmen von der Konkurrenz absetzt.

« Risikokapitalfonds erhalten eine Menge Bewerbungen und eine begrenzte Zeit zu Entscheidung. Wenn Sie ihnen erzählen, sie seien einzigartig, werden Sie ihnen wahrscheinlich nicht glauben. Es gibt sehr gute Produkte, aber keine einzigartigen Produkte“, so Floros.

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