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Die Chancen der digitalen Zukunft Europas nutzen

Photo: All rights reserved © Jakub Jirsák - iStockphoto.com

Während die elektronische Rechnungsstellung Kunden und Unternehmen erhebliche Zeit- und Kostenersparnisse verspricht, gibt es noch immer einige Hürden auf dem Weg zu ihrer vollständigen Einführung. Die Europäische Kommission hat kürzlich einen Plan vorgelegt, um Europa bei der vollen Ausschöpfung der Vorteile elektronischer Rechnungsstellung zu unterstützen.

Der europäische Binnenmarkt ist ein echter Motor des Wohlstands. Der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital führt zu neuen Geschäftsmöglichkeiten, mehr Auswahl für die Verbraucher und engerer Zusammenarbeit zwischen den Menschen - über Grenzen hinweg, die keine Hindernisse mehr darstellen. Eine Grundidee des Binnenmarktes ist, den Unternehmen und Bürgern Europas geschäftliche Aktivitäten zu ermöglichen, die sich in anderen EU-Staaten genauso einfach verwirklichen lassen wie im eigenen Land.

Es bestehen jedoch nach wie vor Hemmnisse für eine störungsfreie Abwicklung grenzüberschreitender kaufmännischer Dienstleistungen im Internet, und die EU-Binnenmarktvorschriften bedürfen zudem der Anpassung an das digitale Zeitalter. Die Informations- und Kommunikationstechnologien haben in den vergangenen 15 Jahren die Hälfte des Produktivitätszuwachses ermöglicht und sind durchaus in der Lage, auch weiterhin zu intelligentem, nachhaltigem und integrativem Wachstum beizutragen.

Daher hat die Digitale AgendaEnglish, eine Leitinitiative im Rahmen der Strategie Europa 2020, die Stärkung des digitalen Binnenmarktes zu einer ihrer Schwerpunktmaßnahmen erklärt. In diesem Rahmen gilt die elektronische Rechnungsstellung als zukunftsträchtiger Bereich, und die Europäische Kommission hat jüngst einen Plan vorgeschlagen, der sich mit der Überwindung der Hindernisse bei ihrer Einführung befasst.

Der große Unterschied

Die Europäische Kommission fordert eine standardmäßige Einführung der elektronischen Rechnungsstellung bis 2020. Die digitale Rechnung ist schneller, billiger und wird überdies immer alltäglicher. Die elektronische Bereitstellung von Rechnungsdaten bietet Unternehmen große Vorteile: geringere Zahlungsverzögerungen, weniger Fehler sowie niedrigere Druck- und Portokosten. Strukturierte elektronische Rechnungen erleichtern vor allem eine Integration der verschiedenen Prozesse vom Kauf bis zur Zahlung, sodass Rechnungen ohne manuellen Eingriff verschickt, empfangen und bearbeitet werden können.

"Die elektronische Rechnungsstellung kann Unternehmen, Verbrauchern und dem gesamten europäischen Handel großen Gewinn bringen", unterstreicht Michel Barnier, für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständiges Kommissionsmitglied.

Aufgrund voneinander abweichender rechtlicher und technischer Vorschriften konnte eine grenzüberschreitende elektronische Rechnungsstellung bisher nicht vollständig verwirklicht werden. Obwohl größere Unternehmen Systeme zur elektronischen Rechnungsstellung bereits nutzen, ist die Akzeptanz bei den 20,7 Millionen europäischen KMU und im öffentlichen Sektor noch minimal. Systeme zum Austausch elektronischer Rechnungen sind oft komplex und kostspielig, insbesondere bei der grenzüberschreitenden Abwicklung und für KMU.

Elektronische Rechnungen bieten klare Vorteile

Die Europäische Kommission hat sich in der Mitteilung "Die Vorteile der elektronischen Rechnungsstellung für Europa nutzenpdf [65 KB] " vom Dezember 2010 mit diesen Themen befasst. Das Dokument betont die Uneinheitlichkeit der Vorschriften zur elektronischen Rechnungsstellung und die daraus folgenden ungenutzten Möglichkeiten. Die Kommission hat sich zur Einsetzung eines europäischen Stakeholder-Forums für elektronische Rechnungsstellung entschieden, das die Mitteilung begleitet und durch nationale Foren der Mitgliedstaaten ergänzt werden sollte.

"Die elektronische Rechnungsstellung revolutioniert die Art und Weise, wie wir unsere Rechnungen zahlen, und wird einen kräftigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen, und insbesondere der KMU, leisten", erklärt Antonio Tajani, Vizepräsident der Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum.

Die vier wichtigsten Schwerpunkte bei der elektronischen Rechnungsstellung sind: Sicherstellung eines kohärenten Rechtsrahmens für die elektronische Rechnungsstellung, Masseneinführung am Markt durch Einbeziehung der KMU, Förderung geeigneter Rahmenbedingungen für eine maximale Reichweite zwischen Handelspartnern im Rechnungsaustausch sowie Förderung eines gemeinsamen Standards für die elektronische Rechnungsstellung. Die Kommission schlägt in ihrer Mitteilung für jede dieser Prioritäten mehrere spezifische Maßnahmen vor.

Europas digitale Zukunft in Aktion

Im Jahr 2011 beabsichtigt die Europäische Kommission beispielsweise, eine Überarbeitung der Richtlinie für elektronische Signaturen vorzuschlagen, damit sichere elektronische Authentifizierungssysteme grenzüberschreitend anerkannt werden. Unter dem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) sollen zwei neue Projekte ins Leben gerufen werden, um ausgewählte Sektoren beim elektronischen Austausch von Daten entlang der Lieferkette zu unterstützen, unter besonderer Berücksichtigung der elektronischen Rechnungsstellung.

Das Europäische Komitee für Normung (CEN), das europäische Normen und technische Spezifikationen veröffentlicht, soll einen Leitfaden entwickeln, der eine einheitliche Terminologie festlegt und Rollen und Zuständigkeiten der in die elektronische Rechnungsstellung involvierten Akteure eindeutig definiert. Außerdem, so die Europäische Kommission, sollte das Europäische Komitee für Normung Leitlinien für die Umsetzung eines branchenübergreifenden Rechnungsdatenmodells entwickeln.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen soll zur Konsolidierung der Funktionalität des europäischen Binnenmarktes beitragen und sowohl Unternehmen als auch dem einzelnen Bürger konkrete Vorteile bringen. Tatsächlich kann Europa davon nur profitieren. Nach einer von der Europäischen Kommission finanzierten Studie von 2008 könnten durch die elektronische Rechnungsstellung beim Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen allein in der EU und bei entsprechend breiter Anwendung in sechs Jahren etwa 238 Mrd. EUR - jährlich rund 40 Mrd. EUR - eingespart werden.

Die Entwicklung hin zur elektronischen Rechnungsstellung stärkt auch den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) zur Integration und Standardisierung des europaweiten elektronischen Zahlungsverkehrs. Außerdem haben elektronische Rechnungen durch Verringerung von Papierverbrauch und Energiekosten einen hohen ökologischen Nutzen. In der Tat profitieren alle Seiten in jeder Hinsicht von der elektronischen Rechnungsstellung. Die von der Europäischen Kommission unterbreiteten Vorschläge sollen einer breiten und effizienten Nutzung den Weg ebnen.

Mit gutem Beispiel voran

In bestimmten Fällen kann die Europäische Kommission bereits elektronische Rechnungen akzeptieren, aber ihre Maßnahmen in diesem Bereich beschränken sich natürlich nicht allein darauf. So hat die Kommission im Juni 2010 das ISA-ArbeitsprogrammEnglish angenommen, das 26 Mio. EUR für die Förderung der elektronischen Zusammenarbeit zwischen Behörden durch verbesserte Interoperabilität vorsieht. Im Rahmen einer dieser Maßnahmen - dem e-PRIOR-Projekt - wurde erfolgreich eine Plattform für elektronische Dienstleistungen entwickelt, mit der auf elektronischem Wege Kataloge, Bestellungen und Rechnungen ausgetauscht werden können. Ermöglicht wird dies durch eine Schnittstelle zu Internetdiensten, auf die jegliche Maschine zugreifen kann. Diese Plattform wird seit 2009 von der Europäischen Kommission entwickelt und steht unter dem Namen Open e-PRIOR als kostenlos nutzbares Online-Tool im Open-Source-Format zur Verfügung. Open e-PRIOR unterstützt Behörden bei der Verbindung ihrer Backoffice-Systeme mit der Infrastruktur von PEPPOLEnglish (Pan-European Public Procurement Online). Die sofort einsatzbereite Verbindung zum PEPPOL-Netzwerk macht Open e-PRIOR attraktiv für Verwaltungsbehörden der Mitgliedstaaten, da es einfach, effizient und nutzerfreundlich ist.

Das PEPPOL-Projekt dient der Umsetzung gemeinsamer Standards für ein europaweites elektronisches Beschaffungswesen der öffentlichen Hand. Die bereits bestehenden nationalen Systeme werden miteinander verknüpft, damit alle Beteiligten die Vorteile des europäischen Binnenmarktes ausschöpfen können. Eine stärkere Nutzung des grenzüberschreitenden elektronischen Beschaffungswesens hängt jedoch von einer größeren Zahl von Behörden ab, die sich dem PEPPOL-Netzwerk anschließen. Das Ziel von e-PRIOR war es daher, diesen Prozess zu beschleunigen.

Die Verbreitung von Open e-PRIOR in den Mitgliedstaaten im Kontext des elektronischen öffentlichen Beschaffungswesens ist ein erster Schritt zur branchenübergreifenden Nutzung dieser Plattform. Sobald sich die Verwaltungen der Mitgliedstaaten für die Nutzung von Open e-PRIOR entschieden haben, steht es für den Austausch sämtlicher elektronischer Geschäftsdokumente zur Verfügung.

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