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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

Mehr Unternehmerinnen für Wachstum und Jobs

Alle Rechte vorbehalten © Buero Monaco/Getty

Das Potenzial von Unternehmerinnen ist bei der Schaffung von Wirtschaftswachstum nur bedingt gefragt. Lediglich 34,4 % der Selbständigen in Europa sind weiblich. Dies legt nahe, dass Frauen mehr Unterstützung benötigen, um unternehmerisch tätig zu werden. Die Europäische Kommission hat zwei Netzwerke geschaffen, die sie inspirieren und ihnen praktische Ratschläge geben sollen: das European Ambassador Network und das European Mentor Network. Nun liegt es an den Frauen, die Herausforderung anzunehmen ...




Zwar machen Frauen mehr als die Hälfte der EU-Bevölkerung aus, jedoch sind nur ein Drittel von ihnen als Unternehmerinnen tätig. Daraus resultiert ein beachtliches ungenutztes Potenzial, das in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage dringend benötigt wird. Ließen sich mehr Frauen zur Gründung und Leitung von Unternehmen motivieren, könnte dies in der EU zu mehr Wachstum und Jobs beitragen.

Frauen kalkulieren die Risiken vorsichtiger


Obwohl Frauen in Europa mindestens genauso gut ausgebildet sind wie Männer, entscheiden sich in den 15 Jahren nach Abschluss ihrer Ausbildung nur wenige dafür, ein Unternehmen zu gründen. Das lässt sich zum Teil mit den Schwierigkeiten erklären, private und berufliche Aktivitäten miteinander zu vereinbaren. Außerdem sind die bestehenden Fördermaßnahmen zur Gründung von Firmen nicht immer auf die speziellen Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet. Potenzielle Unternehmerinnen befürchten größere Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln, zu professionellen Netzwerken sowie zu Schulungen. Zudem besteht möglicherweise ein Mangel an Selbstbewusstsein, weil es keine entsprechenden Vorbilder gibt. Frauen neigen ebenso zu mehr Vorsicht und gehen lieber kalkulierte Risiken ein. Weiter gründen sie eher Unternehmen in einem vertrauten Bereich, in dem sie von familiärer Unterstützung profitieren können. Sie können Networking-Möglichkeiten mitunter nicht voll ausschöpfen und bauen ihre Unternehmen nur langsam aus – Letzteres jedoch auch nur dann, wenn es ihre familiäre Situation erlaubt, bei guten Erfolgschancen deutlich mehr Arbeitszeit zu investieren. Für eine Unternehmensgründung benötigen Frauen deshalb speziell auf sie zugeschnittene Unterstützungsmaßnahmen.

Motivation und Unterstützung für potenzielle Unternehmerinnen


Die Europäische Kommission bietet in einigen Bereichen bereits Förderung, um Frauen zu einer Unternehmerinnenlaufbahn zu ermutigen. 2009 rief sie das European Network of Female Entrepreneurship Ambassadors ins Leben. Im Jahr 2011 folgte die Gründung des European Network of Mentors for Women Entrepreneurs. „FemaleAmbassadors“ bietet inspirierende Vorbilder, die Frauen anspornen, eine unternehmerische Laufbahn in Erwägung zu ziehen. Aber was passiert, wenn Frauen interessiert sind, aber Hilfe benötigen, um erfolgreich zu sein? Hier setzt der zweite Schritt ein: Mentoren geben Neuunternehmerinnen in der Startphase praktische Ratschläge.

Schwerpunkt des bevorstehenden Höhepunkts der europäischen KMU-Woche 2012 ist es, Frauen zu motivieren, über die Gründung und den Betrieb ihres eigenen Unternehmens nachzudenken. Da sich die europäischen Volkswirtschaften verstärkt auf Wertschöpfung durch Serviceleistungen konzentrieren, wird der Bedarf nach mehr und besser qualifiziertem Humankapital weiter wachsen. Hier können Frauen eine Schlüsselrolle spielen.

Unterstützung von Unternehmerinnen bei der Finanzierung


Die Finanzierung ist eine wesentliche Herausforderung für viele Kleinunternehmen in ganz Europa. Wie Frauen als Unternehmerinnen Zugang zu Kapital erhalten können, zeigt das Beispiel von Frau Artemis Toumazi. Sie ist Female Entrepreneurship Ambassador und CEO einer Genossenschaftsbank, die im Jahr 2000 auf Zypern gegründet wurde. Die Bank spezialisiert sich auf kleine Kredite von bis zu 100.000 Euro mit flexiblen Rückzahlungsplänen, bis zu zweijährigen Schonfristen, Zinssätzen von etwa 4 % und mit der Möglichkeit, Mittel innerhalb von 48 Stunden zu erhalten.

Einer ihrer Kreditnehmer ist Drive & Fly, ein Unternehmen, das die Autos von Passagieren am Flughafen Larnaca betreut, reinigt und wartet. Zusätzlich zu einem Kredit in Höhe von 60.000 Euro erhielt die Chefin von Drive & Fly, Anna Karyda, Beratung durch das professionelle Netzwerk der Bank.

Beispiele erfolgreicher Unternehmerinnen

Weibliches Technologie-Know-how


Technologie war vor allem eine Domäne der Männer. Das ändert sich derzeit allerdings. Es gibt zahlreiche Beispiele von Frauen, die diesem Trend entgegenwirken, einschließlich der schwedischen Forscherin/Unternehmerin Susanne Rostmark, ebenfalls Female Entrepreneurship Ambassador. Rostmark hat die Technologie des sogenannten Einfrier-Ausbaggerns patentiert, die verwendet wird, um kontaminierte Ablagerungen und Objekte vom Meeresboden an die Meeresoberfläche zu befördern, indem das Sediment oder das Objekt zunächst eingefroren wird. Mit dieser Technik hat man bereits ein schwedisches Flugzeug aus der Ostsee geborgen. Rostmarks nächstes Ziel ist es, das einfrierende Ausbaggern für die Entfernung von Schlamm und radioaktivem Material nutzbar zu machen.

Female Entrepreneurship Ambassador Katia Marchesin ist eine weitere Frau mit Erfolg im Technologiebereich. Sie ist mittlerweile CEO von ADL Ingegneria Informatica, einem 1995 gegründeten italienischen IT-Unternehmen mit 20 Beschäftigten. Bei ihren Kunden handelt es sich vor allem um KMU, insbesondere aus den Bereichen Produktion und Verkauf. Das Kerngeschäft ist die Entwicklung von Informationstechnologien für Supply Management und die Verfolgung von RFID (Radio Frequency Identification Devices). Außerdem entwickelt die Firma Technologien zur Unterstützung des Informationsaustauschs im Web, zur Aufnahme des elektronischen Handels, zum Organisieren von Online-Communities, zur Suchmaschinenoptimierung, zum Suchmaschinen-Marketing usw.

Katia Marchesin wirkt außerdem beim Erasmus-Programm für Jungunternehmer (Young Entrepreneurs) mit, von denen seit 2009 bereits drei in ihrer Firma hospitierten. Bei Erasmus for Young Entrepreneurs handelt es sich um ein grenzübergreifendes Austauschprogramm, das neuen oder angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern die Möglichkeit bietet, von erfahrenen Selbstständigen zu lernen, die kleine Firmen in anderen EU-Ländern leiten (siehe Artikel in dieser Ausgabe).

Schwerpunkt Film


Female Entrepreneurship Ambassador Jane Barnes, die Gründerin der Yakkety-Yak Multimedia Company Ltd, hat in der Geschäftswelt ebenfalls eine Marktnische gefunden. Als Kind war sie bei Bühnen- und Filmproduktionen aktiv. Nun ist sie Produzentin und Regisseurin von Kurzfilmen und arbeitet mit ihrem Team an einer Reihe von kommerziellen und audiovisuellen Projekten. Unter anderem bietet sie Serviceleistungen im Bereich Multimedia-Training an. Momentan bildet die Firma auch behinderte und benachteiligte Menschen in der Filmtechnik aus. Die von Barnes gewonnenen Auszeichnungen belegen ihren Erfolg: Sie holte den Disabled Business Person of The Year Award 2004-2005 sowie den Enterprising Women Best Boss Award 2008 und wurde Women’s Enterprise Champion für die Region Ostengland 2010. Sie ermutigt Frauen und andere gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel unzufriedene junge Menschen, eine unternehmerische Tätigkeit in Betracht zu ziehen. Dafür nutzt sie ihr Programm MIND YOUR OWN BIZNEZ.

Den Sprung wagen


Laut Definition beinhaltet Unternehmertum, kalkulierte Risiken einzugehen. Ob eine Geschäftsidee funktioniert, ist solange ungewiss, bis es jemand wagt, sie in die Tat umzusetzen. Ein gutes Beispiel ist Female Entrepreneurship Ambassador Gitta Quercia-Naumann, die 10 Jahre lang als Call Operator für die Deutsche Post arbeitete.

Ihr großer Sprung ins Ungewisse begann 2001, als sie im Alter von 47 Jahren ohne vorherige Erfahrungen im Catering-Bereich ihr eigenes spanisches Restaurant namens „Tapas y mas” eröffnete. Um in der Nähe ihrer Kinder bleiben zu können, beschloss sie, das Restaurant in Engelskirchen, ihrer 20.000-Einwohner-Heimatstadt, zu eröffnen, statt in den größeren und sichereren Markt von Köln einzusteigen, der nur 30 Kilometer entfernt ist.

Gitta Quercia-Naumann hat ein so erfolgreiches Marketing für ihr Restaurant betrieben, dass selbst angesichts der zurzeit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Gäste aus großer Entfernung anreisen, um ihre Küche zu genießen. Sie ist nach wie vor eine der wenigen Tapas-Spezialistinnen in Deutschland und wird oft eingeladen, um bei Kochshows und Messen über ihr Geschäftsmodell zu sprechen.

Unternehmerische Fertigkeiten für Frauen


Barcelonas „School of Entrepreneurship for Women” zeigt, wie sehr sich eine Ausbildung im Bereich Unternehmertum auszahlen kann. Die Einrichtung wurde von Barcelona Activa gegründet, der lokalen Entwicklungsagentur. An der Schule besuchen Frauen Fortbildungskurse beispielsweise zur Unternehmensberatung und zu Marketinginstrumenten. Darüber hinaus erhalten sie eine individuelle Beratung.

In den 27 Jahren ihres Bestehens hat die Schule 4.700 Frauen ausgebildet, von denen 48 % ihr eigenes Unternehmen gegründet haben. Von diesen 48 % haben 61 % ein Unternehmen im Technologie-/Kommunikationsbereich, 27 % im Dienstleistungsbereich und 12 % im Tourismusbereich gegründet. Potenzielle Unternehmerinnen werden dabei unterstützt, ihren Businessplan zu entwickeln, ihre Ziele im Auge zu behalten und sie in die Praxis umzusetzen.

Europäische KMU-Woche 2012

Das Hautthema des Gipfeltreffens der europäischen KMU-Woche, das am 17. Oktober in Brüssel stattfindet, ist „weibliches Unternehmertum“. Während der Konferenz werden vier Workshops zu den folgenden Themen angeboten:

1)      Unternehmerische Fortbildung für Unternehmerinnen;

2)      Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund;

3)      Unternehmerinnen und Zugang zu finanzieller Unterstützung;

4)      Frauen in Technologieunternehmen.

Damit aktuelle und potenzielle Unternehmerinnen ohne großen Reiseaufwand an Veranstaltungen teilnehmen können, bietet die europäische KMU-Woche 2012 Aktivitäten in 37 Ländern an. Die Veranstaltungen werden von Business-Organisationen, Anbietern von geschäftlichen Fördermaßnahmen sowie von nationalen, regionalen und lokalen Behörden angeboten und eröffnen auch bestehenden Unternehmen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen und sich weiterzuentwickeln. Im letzten Jahr fanden in ganz Europa fast 1.500 Veranstaltungen statt.

Ziele der europäischen KMU-Woche:

- Informationen über Fördermaßnahmen der EU sowie nationaler, regionaler und lokaler Einrichtungen, die für Mikro- sowie kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung stehen;

- Förderung des Unternehmertums, so dass mehr und insbesondere junge Menschen ernsthaft über eine Karriere als Selbstständige nachdenken;

-Anerkennung von Unternehmen für ihren Beitrag zur Schaffung von Wohlstand, Arbeitsplätzen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa.

Kontakt

‘Entrepreneurship’ Unit
Generaldirektion für Unternehmen und Industrie

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