Navigationsleiste

Weitere Extras

Magazin Unternehmen & Industrie

Förderung bewährter Verfahren bei der Vergabe von Kleinstkrediten

All rights reserved © moodboard - Fotolia.com

Mikrokredite können einen wichtigen Beitrag für einen verbesserten Zugang zu Finanzmitteln und zur Förderung unternehmerischer Initiative leisten. Ein neuer europäischer Verhaltenskodex für die Vergabe von Kleinstkrediten soll flexibel und auf freiwilliger Basis zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Finanzierungseinrichtungen führen.

Während der europäische Markt für Mikrofinanzierung für die Unterstützung von KMU zunehmend an Bedeutung gewinnt, haben rechtliche und institutionelle Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu völlig unterschiedlichen Kreditvergabepraktiken geführt. Die Situation wurde zeitweilig noch komplizierter durch die Verschiedenartigkeit der Anbieter von Mikrokrediten, zu denen Geschäftsbanken und Sparkassen bis hin zu Genossenschaftsbanken und Wohlfahrtsverbänden zählen.

Entwicklung durch Diskussion

Die Europäische Kommission hat daher die Einführung eines flexiblen, freiwilligen europäischen Verhaltenskodex für die Vergabe von Kleinstkrediten gefördert. Ein derartiger Kodex soll nicht allein KMU einen sichereren Zugang zu den von ihnen benötigten Mikrofinanzierungen verschaffen, sondern darüber hinaus auch den Mikrokreditsektor selbst bei der Verbesserung der Qualität seiner Dienstleistung und der Entwicklung von Nachhaltigkeit unterstützen.

Zur Entwicklung des Kodex hat die Kommission zunächst wichtige Akteure der Branche wie Investoren, Kreditnehmer, Eigentümer und Regulierungsbehörden konsultiert und an Diskussionen beteiligt. Außerdem wurden die Erfahrungen von Fachverbänden wie dem Europäischen Mikrofinanznetz, dem Mikrofinanzzentrum und der britischen Community Development Finance Association (CDFA) herangezogen. Im Verlauf des Konsultationsprozesses wurde übereinstimmend hervorgehoben, dass man auf anerkannten bewährten Verfahren des Kleinstkreditsektors aufbauen müsse.

An wen richtet sich der Kodex?

Zweck des Verhaltenskodex ist nicht, bestehende Bestimmungen durch neue zu ersetzen, sondern vielmehr gemeinsame Normen für die Geschäftstätigkeit und Berichterstattung von Mikrokreditgebern festzulegen. Er richtet sich in erster Linie an Anbieter von Mikrokrediten, die nicht aus dem Bankensektor stammen und Darlehen bis zu einer Höhe von 25 000 EUR an Kleinstunternehmer vergeben. Der Kodex benennt auch bestimmte Arten von Einrichtungen oder schließt diese aus, auf die er nicht anwendbar ist oder deren Praktiken nicht als bewährte Verfahren gelten können.

Verwaltungsratsmitglieder und Manager von Kleinstkreditgebern können den Kodex als Instrument zur Verbesserung der Geschäftstätigkeit der Branche anwenden, und Kreditnehmer können ihn nutzen, um sicherzustellen, dass sie fair behandelt werden. Investoren und Förderern bietet der Kodex die Gewährleistung, dass der Sektor transparente und EU-weit einheitliche Berichterstattungsnormen anwendet, während er für Regulierungsbehörden eine Rückversicherung darstellt, dass der Sektor auf der Bais solider wirtschaftlicher Praktiken und Grundsätze agiert und verantwortungsvoll geführt wird.

Gewährleistung von Zuverlässigkeit und Transparenz

Der Kodex ist in fünf Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt befasst sich mit den Beziehungen zu Kreditnehmern und Investoren und macht deutlich, dass Kleinstkreditgeber bestimmte Pflichten gegenüber Kreditnehmern und Investoren eingehen, und dass der Transparenz und Zuverlässigkeit im Umgang mit Investoren große Bedeutung zukommt.

Zu den Pflichten von Kleinstkreditgebern zählen die faire und transparente Abwicklung des Kreditgeschäfts, Gewährung von Rückgriffsrechten, Vermeidung der Überschuldung von Kreditnehmern sowie Schutz der Kundendaten und Transparenz gegenüber Investoren. Kreditgeber müssen außerdem bei ihren Angeboten die Kreditkosten offenlegen und bei Darlehen mit einer Laufzeit mindestens zwölf Monaten in einem Jahresbericht klare und genaue Informationen vorlegen. Die Anbieter von Kleinstkrediten müssen darüberhinaus durch angemessene Maßnahmen sicherstellen, dass ein Kreditnehmer das Produkt, die Abwicklung des Darlehens und die Vertragsbedingungen uneingeschränkt versteht.

Der zweite Abschnitt betrifft die Unternehmenführung (Governance). Dem „Handbuch für die Analyse der Governance von Mikrofinanzinstitutionen“ zufolge „umfasst [Governance] alle Mechanismen, mit denen Akteure… die Ziele der Institution definieren und verfolgen... und deren Nachhaltigkeit durch Anpassung an die Umwelt und durch Vermeidung bzw. Bewältigung von Krisen sicherstellen.“

Zur Gewährleistung starker und verantwortungsbewusster Führungsstrukturen enthält der Kodex die Bestimmung, dass Kleinstkreditgeber mindestens einmal im Jahr einen regelmäßig geprüften Geschäftsplan aufstellen müssen. Der Geschäftsplan kann als strategischer Fahrplan einer Organisation dienen.

Anbieter von Kleinstkrediten sind zahlreichen Risiken ausgesetzt, die die Rentabilität und langfristige Entwicklung ihrer Einrichtung gefährden; der dritte Abschnitt befasst sich daher mit dem Risikomanagement. Der Kodex stellt fest, dass Kreditgeber neben internen Kontrollen zur Erkennung und Vermeidung unerwünschter Folgen über belastbare Systeme und Verfahren zur Ermittlung, Bewertung und Einstufung von Risiken verfügen sollten. Es sollte auch eine interne Rechnungsprüfung geben, um Lücken interner Kontrollen und betrügerisches Handeln aufzudecken.

Der vierte Abschnitt enthält gemeinsame Normen für die Berichterstattung und Offenlegung von Kennziffern für die soziale und finanzielle Leistung. Die Normen basieren weitgehend auf den international anerkannten Rechnungslegungsnormen des Micro finance Information Exchange (MIX).

Im fünften Abschnitt schließlich werden gemeinsame Normen für Management-Informationssysteme (MIS) festgelegt, die die Erhebung und Verarbeitung von Rohdaten und deren Verbreitung an Nutzer betreffen. Effektive und geeignete MIS ermöglichen Anbietern von Kleinstkrediten effizientere und zuverlässigere Dienstleistungen für ihre Kunden. Management-Informationssysteme, die die erforderlichen Daten für Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen sowie für tägliche Berichte über Darlehensschuld und Zahlungsverzug bereitstellen, werden in diesem Abschnitt als vorrangig eingestuft.

Der Verhaltenskodex wurde auf der Europäischen Woche der Regionen und Städte im Oktober 2011 offiziell vorgestellt und soll jedes Jahr durch Beiträge von Akteuren und den Austausch bewährter Verfahren aktualisiert werden.

Innovationsförderung durch Investitionsanreize

Europäische Fördermittel für Kleinstkredite werden durch die Finanzinstrumentepdf Übersetzung für diesen Link wählen  des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) zur Verfügung gestellt. Im Rahmen von CIP wurden 1,1 Mrd. EUR für diese Finanzinstrumente bereitgestellt, die KMU bei erkannten Marktlücken den Zugang zu Darlehen und Beteiligungskapital erleichtern sollen.

Die im Rahmen von CIP eingerichtete Kreditbürgschaftsfazilität für KMUpdf zum Beispiel wird von der Europäischen Union finanziert und vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Auftrag der Europäischen Kommission verwaltet. Ziel der Initiative ist die Förderung von Mikrodarlehen durch die Vergabe von EU-Bürgschaften für Mikrokredite an Kleinstbetriebe. EU-Kreditbürgschaften werden kostenfrei gewährt.

Eine weitere Aktion zur Unterstützung von Kleinstkreditinstituten ist JASMINE, eine gemeinsame Inititative der Europäischen Kommission, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und des Europäischen Investitionsfonds (EIF). JASMINE soll die Kapazität von Kleinstkreditgebern, die nicht aus dem Bankensektor stammen, in verschiedenen Bereichen vergrößern, damit sie sich zu nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Akteuren des Mikrokreditmarkts entwickeln können. Auch die europäische Mikrofinanzierungsfazilität PROGRESS soll die Verfügbarkeit von Kleinstkrediten durch die Vergabe von Bürgschaften zur Minderung des Verlustrisikos der Kreditgeber erhöhen. Die Fazilität stellt Unternehmen keine direkten Finanzmittel zur Verfügung, sondern ermöglicht ausgewählten europäischen Anbietern von Kleinstkrediten, ihre Kreditvergabe auszuweiten.

Mikrodarlehen können die Situation von Kleinstbetrieben entscheidend verändern. Die belgische Unternehmerin Karen Aerts zum Beispiel eröffnete 2007 mithilfe eines durch eine EU-Kreditbürgschaft abgesicherten Darlehens über 12 000 EUR eine Chocolaterie in Antwerpen. Derzeit plant sie, ihr Geschäft zu erweitern. Manuela Voigt aus Deutschland erhielt einen Kredit in Höhe von 25 000 EUR und konnte damit in der Stadt Thale eine Klinik für Sprachtherapie eröffnen. Manuela ist jetzt in der Lage, individuelle Therapie, Beratung und Nachbehandlung anzubieten.

Kontakt

Referat Finanzierung von Innovation und KMU
Generaldirektion Unternehmen und Industrie

Weiterempfehlen: FacebookGoogle+LinkedInSeite versenden