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10/03/11 KMU und Unternehmertum

Unternehmerinnen – eine wichtige Ressource für Europa

A group of new ambassadors meet European Commissioner for Maritime Affairs and Fisheries Maria Damanaki and Belgian Minister for SMEs Sabine Laruelle. © European Union, 2011

Das Europäische Netzwerk für Botschafterinnen des Unternehmertums begrüßt seine 120 neuen Mitglieder, die sein Potenzial erweitern und es bei seiner Aufgabe, mehr Frauen zu Gründung eines eigenen Unternehmens zu bewegen, unterstützen. Die Initiative wird von der Europäischen Kommission im Rahmen ihrer Strategie zur Unterstützung von KMU-Gründungen in Europa gefördert.

Zu wenig Europäer machen sich selbstständig und gründen Unternehmen, die Wachstum und Wohlstand schaffen und einen Beitrag zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme leisten können.

Die Gründe hierfür liegen teilweise in der Einstellung zu Unternehmertum und Risikobereitschaft. Eine kürzlich durchgeführte Eurobarometer-Umfrage ergab, dass 45 % der EU-Bürger gerne selbstständig wären, verglichen mit 55 % in den Vereinigten Staaten (vor der Finanz- und Wirtschaftskrise waren es noch 61 %).

Europa braucht Unternehmerinnen

Hinzu kommt, dass die europäische Unternehmenslandschaft durch ein äußerst unausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern gekennzeichnet ist. Mehr als die Hälfte der Männer würden gerne selbstständig arbeiten, während nur 39 % der Frauen dieses Ziel verfolgen. Dementsprechend liegt ihr Anteil weiterhin bei nur rund 30 % der europäischen Unternehmer insgesamt, obwohl es bei der Anzahl der Unternehmerinnen in den letzten Jahren eine erfreuliche Steigerung gegeben hat.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt nicht nur die Benachteiligung von Frauen wider, sie bedeutet auch einen Schaden für die europäische Wirtschaft in einer Zeit, in der die EU mehr Unternehmerinnen und Unternehmer braucht, die KMU als Rückgrat und wichtigster Jobmotor der Wirtschaft Europas gründen und so die konjunkturelle Erholung voranbringen.

Um der Bedeutung von unternehmerischer Initiative und KMU Rechnung zu tragen, sind diese Bestandteil zahlreicher Leitinitiativen der „Europa 2020“-Strategie, wie etwa der „Innovationsunion“ und der „Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung“.

„Europa muss auf seinen KMU aufbauen. Wir müssen unbedingt etwas für die Unternehmerinnen tun, wenn wir mehr Wachstum wollen. Das unternehmerische Potenzial von Frauen ist nämlich noch lange nicht voll erschlossen”, erklärte Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission.

Geschlechterstereotypen sollten vermieden werden, und es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als die Unterschiede zwischen ihnen. Untersuchungen weisen allerdings darauf hin, dass von Frauen gegründete Unternehmen in der Regel zwar kleiner, im Verhältnis gesehen jedoch lebensfähiger sind. Unternehmerinnen gelten auch als vorsichtiger als ihre männlichen Kollegen und sind sich der Gefahr des Scheiterns stärker bewusst.

Die Bedeutung von Vorbildern

Um dem Mangel an Unternehmerinnen zu begegnen, hat die Europäische Kommission im Laufe der Jahre eine Reihe von Initiativen gestartet, darunter den Aktionsplan aus dem Jahr 2004 zur Förderung von Unternehmensgründungen durch Frauen. Darüber hinaus hat die Kommission ein Portal für Unternehmerinnen English (en) eingerichtet, das Links zu Kontaktadressen, Veranstaltungen und Netzwerken innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten bietet, sowie das europäische Netzwerk zur Förderung von Unternehmensgründungen durch Frauen English (en) , bei dem Regierungsvertreter aus 31 europäischen Ländern Unternehmerinnen mit Beratung, Unterstützung und Informationen zur Seite stehen.

Zu den öffentlichkeitswirksamsten Initiativen zählt das europäische Netzwerk für Botschafterinnen des Unternehmertums English (en) italiano (it) , eine der von der Kommission im Rahmen des Small Business Act von 2008 vorgesehenen Initiativen. Nach seinem Start im Oktober 2009 mit 150 erfolgreichen Geschäftsfrauen aus 10 europäischen Ländern vergrößerte sich das Netzwerk im Dezember 2010 um weitere 120 Botschafterinnen aus 12 Ländern auf insgesamt 270 Mitglieder.

Mit dem Netzwerk der Botschafterinnen „wollen wir Frauen dazu ermuntern, eine Existenzgründung zu wagen“, bemerkte Antono Tajani. Die Netzwerkmitglieder werben an Schulen, Universitäten, in den Gemeinden und den Medien für unternehmerische Initiative, um Frauen aller Altersgruppen dazu anzuregen, sich selbstständig zu machen. Indem sie von ihrer Erfolgsgeschichte und ihren Erfahrungen berichten, können die Unternehmerinnen zeigen, dass Frauen in allen Branchen erfolgreich sein können.

Erste Ergebnisse

Im Gründungsjahr des Netzwerks nahmen dessen 150 Mitglieder an insgesamt 141 Veranstaltungen und Workshops teil und erreichten so mehr als 7 600 Teilnehmerinnen. Angaben aus fünf Teilnehmerländern zufolge sind durch die Unterstützung der Netzwerkmitglieder 52 Unternehmen mit mindestens 68 Beschäftigten von Frauen gegründet worden.

Das Netzwerk ermutigt nicht nur Frauen, sich selbstständig zu machen, es hat auch nationale Regierungen dazu veranlasst, Maßnahmen zu ergreifen. Spanien, Lettland und Finnland zum Beispiel haben seit Gründung des Netzwerks Mentor- und/oder Finanzierungsprogramme für Unternehmerinnen eingerichtet; Österreich und die Niederlande bieten spezifische Unterstützung für Unternehmerinnen, die wegen Schwangerschaft, Familienangelegenheiten oder Krankheit vorübergehend eine Auszeit brauchen; Rumänien hat einen „Tag der Unternehmerin“ organisiert, und das Vereinigte Königreich hat das „Flying Start“-Programm zur Förderung der unternehmerischen Initiative von Hochschulabsolventinnen aufgelegt.

Unternehmerin in Sachen Film

Die aus dem sizilianischen Catania stammende Mariarosy Calleri ist als preisgekrönte Filmemacherin und tüchtige Unternehmerin auf beiden Seiten des Atlantiks erfolgreich. Ihr Start in die Selbstständigkeit war jedoch nicht unbedingt eine freiwillige Entscheidung, da sie nach einer erfolgreichen Karriere als Filmemacherin in den Vereinigten Staaten bei ihrer Rückkehr nach Italien Schwierigkeiten hatte, Arbeit zu finden. „Nach einer Phase der Niedergeschlagenheit entschied ich mich dann, meine Kenntnisse und meine Berufserfahrung zu nutzen, und gründete zusammen mit meinem Mann, den ich in New York kennengelernt hatte, ein eigenes Unternehmen“, erzählt sie.

Mit ihrer 2004 gegründeten Multimedia-Agentur Marden SNC entwickelt Calleri Kommunikationsaktivitäten, Marken sowie Corporate Image für italienische und ausländische Unternehmen. 2007 gründete sie Marden Entertainment, eine in Rom ansässige Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft.

Calleri empfindet ihre unternehmerische Tätigkeit als sehr lohnend. „Die größten Pluspunkte sind für mich die persönliche Freiheit und als mein eigener Chef selbst verantwortlich zu sein ... mir die Projekte aussuchen zu können, die mich wirklich interessieren und begeistern“, fährt sie fort. Aber Freiheit und Begeisterung haben ihren Preis, nämlich „ständig in Unsicherheit zu leben, was meine wirtschaftliche Zukunft betrifft, keine festen Arbeitszeiten zu haben und nötigenfalls sogar an Feiertagen und Wochenenden arbeiten zu müssen.“

Calleri ist der Meinung, dass es deshalb zu wenig weibliche Unternehmer gibt, weil „viele Frauen zeitlebens in Stereotypen gefangen sind [und] Männer in Machtpositionen ihre Leistungen oft schmälern und unterbewerten.“ Aus diesem Grund entschied sie sich, Botschafterin zu werden. „Mit meiner Erfahrung wollte ich andere Frauen ermutigen, an die Verwirklichung ihrer Träume und Ziele zu glauben, zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen der ganzen Gesellschaft, in der sie agieren.“

Selbstvertrauen, betont sie, sei eine wichtige Voraussetzung für angehende Unternehmerinnen. „Als Geschäftsfrau braucht man eine gehörige Portion Selbstwertgefühl, Mut, Zuversicht und Zielstrebigkeit, vor allem in der heutigen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.“

Profile weiterer Botschafterinnen finden Sie unter:
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/promoting-entrepreneurship/women/ambassadors/index_en.htm English (en)

Seine eigene Marke aufbauen

Nach einer erfolgreichen Karriere in Unternehmen in 30 Ländern auf drei Kontinenten entschied sich Krishna De, ein eigenes Unternehmern zu gründen. „Ich weiß, dass viele Führungskräfte aus der Wirtschaft von einem Schritt in die Selbstständigkeit träumen, und auch ich hatte im Verlauf meiner Karriere mehrmals daran gedacht“, bemerkt sie.

In Irland gründete De Biz Growth Media, eine Agentur für digitales Marketing und soziale Medien. Außerdem wurde sie als Business-Speaker, Kommentatorin und Mentorin mit Preisen ausgezeichnet. „Ich arbeite wirklich gerne mit Menschen aus vielen Branchen zusammen, das sorgt für Abwechslung“, hebt sie hervor.

Ein eigenes Unternehmen zu führen ist jedoch anstrengend. „Als jemand, die mit der Fort- und Weiterbildung von Führungskräften zu tun hat und sie dabei berät, wie sich digitales Marketing und soziale Medien in ihre Marketing- und Kommunikationsplanung einbinden lassen, ist das Tempo, in dem sich der Wandel in meiner Branche vollzieht, ganz bestimmt eine Herausforderung“, stellt De fest.

De ist in ihrer Bewertung der derzeitigen Situation von Unternehmerinnen optimistisch. „Heutzutage machen sich viel mehr Frauen als noch vor etwa zehn Jahren selbstständig“ erklärt sie. „Zu den Dingen, die Frauen dazu ermutigen, eine eigene Existenz zu gründen, zählen Vorbilder und deren persönliche Geschichte“, fügt De hinzu und nennt damit einen der Gründe, weshalb sie sich dazu entschloss, Botschafterin zu werden. „Ich möchte alle von uns, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben, dazu ermuntern, Möglichkeiten zur Unterstützung angehender Unternehmerinnen zu finden.“

Auf die Frage, ob es in der Geschäftswelt zwischen Männern und Frauen Unterschiede gebe, antwortet sie: „Bei meiner Arbeit habe ich zwischen Frauen und Männern mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede entdeckt. Ein Punkt jedoch, bei dem viele Frauen Unterstützung benötigen, ist die Stärkung des Vertrauens in sich selbst, um in der Lage zu sein, ein Unternehmen zu führen.“

De empfiehlt angehenden Unternehmerinnen vor dem entscheidenden Schritt vor allem, ein Netzwerk aufzubauen und das Unternehmen bekannt zu machen, sich um Mentoring und Unterstützung zu bemühen, in kontinuierliche berufliche Fortbildung zu investieren sowie zu lernen, wie man nicht nur das Unternehmen, sondern auch sich selbst vermarktet.

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