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Magazin Unternehmen & Industrie

Bewertung der Leistung europäischer KMU

Photo: All rights reserved © Elena Allaga - Shutterstock.com

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen nicht nur den größten Teil der Unternehmen in der Europäischen Union aus, sondern sind auch Europas wichtigster Jobmotor. Der Jahresbericht über die europäischen KMU zeigt auf, dass die Wirtschaftskrise diesen Motor vorübergehend zum Stillstand gebracht hat, obwohl die EU und ihre Mitgliedstaaten die politischen Rahmenbedingungen für KMU verbessert haben.

Die 20,7 Millionen europäischen KMU - sie machen 99,8 % der Unternehmen in der Union aus - stellen einen entscheidenden Faktor für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung dar. Nach Angaben des Jahresberichts zur "KMU-Leistungsüberprüfungpdf [745 KB] English" haben die KMU von 2002 bis 2008 in den 27 EU-Mitgliedstaaten 9,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Dies entsprach einer jährlichen Beschäftigungszunahme von 1,9 %, im Gegensatz zu 0,8 % bei großen Unternehmen. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Zahl der KMU im genannten Zeitraum stärker gestiegen ist - und zwar um 2,4 Millionen bzw. 13 % -, während die Zahl großer Unternehmen lediglich um 2 000 bzw. 5 % zugenommen hat.

Zudem war diese Wachstumsdynamik ziemlich gleichmäßig auf die 15 Länder verteilt, die bereits vor 2004 Mitglied der EU waren, sowie auf die 12 seitdem beigetretenen Länder. Gravierende Unterschiede gab es allenfalls noch zwischen Mitgliedstaaten in einer der beiden Gruppen und nicht mehr zwischen den Gruppen selbst.

Dies unterstreicht die Bedeutung der von der EU und ihrer Mitgliedstaaten unternommenen Anstrengungen, KMU in den Mittelpunkt europäischer Unternehmenspolitik zu stellen und gemäß dem Prinzip "Vorfahrt für KMU" bestehende Rechtsvorschriften zu verbessern. Dieser im Small Business Act von 2008 verankerte Grundsatz zielt darauf ab, die Einstellung zur unternehmerischen Initiative zu verbessern und zum Wachstum von KMU beizutragen, indem diese bei der Beseitigung von Hemmnissen unterstützt werden, die ihre weitere Entwicklung beeinträchtigen könnten.

Ein steiniger Weg

Die von den Vereinigten Staaten ausgehende Finanzkrise begann 2008 auch auf Europa überzugreifen. Kurz darauf breiteten sich die Turbulenzen des Finanzsektors auf die Realwirtschaft aus und stürzten die EU in eine Rezession.

Obwohl Unternehmen aller Größenordnungen durch die Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen worden sind, haben sich die Auswirkungen auf kleinere Unternehmen erst mit einer leichten Verzögerung bemerkbar gemacht. Zudem hat die Krise ganz spezifische Auswirkungen auf KMU gehabt. In vielerlei Hinsicht erweisen sich KMU als anfälliger für konjunkturelle Einbrüche als große Unternehmen, da ihnen oft die Mittel fehlen, um gegensteuern zu können, oder ihnen aufgrund ihrer Spezialisierung alternative Geschäftsmöglichkeiten versperrt sind. Außerdem ist im Gefolge der Krise der Zugang zu Finanzmitteln für KMU schwieriger gewesen als für große Unternehmen.

Angesichts dieser getrübten wirtschaftlichen Aussichten kann es daher nicht überraschen, das sich die Wachstumsdynamik der KMU verlangsamt hat. Nachdem es nach Angaben der Studie im Jahr 2008 bereits zu einer Abschwächung kam, war das darauffolgende Jahr durch völligen Stillstand geprägt. 2009 stagnierte die Anzahl europäischer KMU, während ihre Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % zurückging. Dies wird sich voraussichtlich bis in das Jahr 2010 hinein auf die Beschäftigung in KMU auswirken, wenn auch ein Anstieg des Produktionsniveaus zu erwarten ist. Europäische KMU werden 2009 und 2010 voraussichtlich 3,25 Millionen Arbeitsplätze streichen. Zu einer vergleichbaren Situation ist es auch jenseits des Atlantiks und in anderen Ländern gekommen, wenngleich sich europäische KMU als widerstandsfähiger erwiesen haben, so die Studie.

Um KMU zu helfen und ihnen den Wiederaufschwung - Schaffung neuer Arbeitsplätze und neues Wachstum - zu ermöglichen, ist eine konzertierte Aktion auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene erforderlich. "Angesichts der vor uns liegenden Bewährungsproben ist eine wirksame politische Reaktion von wesentlicher Bedeutung, um die KMU im Hinblick auf eine erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit zu unterstützen", erklärte Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Unternehmen und Industrie. "Die Mitgliedstaaten sollten ihre Anstrengungen verstärken und den KMU den nötigen Anschub geben. Damit die KMU sich entwickeln können, brauchen wir europaweit ein geschäftsfreundlicheres Umfeld."

Momentaufnahmen kleiner Unternehmen

Angesichts der zentralen Rolle kleiner und mittlerer Unternehmen für die europäische Wirtschaft schafft der Small Business Act (SBA) einen umfassenden politischen Rahmen für die EU und ihre Mitgliedstaaten beim Umgang mit KMU. Der SBA enthält zehn Grundsätze als Leitlinien zur Gestaltung und Umsetzung politischer Maßnahmen sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene.

Da sich der SBA nicht nur mit der Schaffung eines KMU-freundlichen Umfelds auf europäischer, sondern auch auf einzelstaatlicher Ebene befasst, hat der Jahresbericht über die KMU-Leistungsüberprüfung hinaus Länderkurzdarstellungen für rund 37 Länder vorgelegt, einschließlich der 27 EU-Mitgliedstaaten.

Die nach den zehn SBA-Grundsätzen gegliederten Kurzdarstellungen liefern eine Zusammenfassung der politischen Rahmenbedingungen für KMU auf Länderebene. Es sind wichtige Instrumente, mit deren Hilfe die Umsetzung des Small Business Act überwacht, Ländervergleiche angestellt und außerdem die Leistung einzelner Länder mit dem EU-Durchschnitt in Beziehung gesetzt werden kann.

Aus den Länderkurzdarstellungen geht insgesamt hervor, dass sich zwischen 2006 und 2009 die Mitgliedstaaten bereits aktiv an der Umsetzung der im SBA festgelegten Maßnahmen zugunsten der KMU beteiligt haben, wobei mehr als 500 politische Maßnahmen verabschiedet oder bereits umgesetzt wurden. Es wurde aber auch deutlich, dass die meisten Länder sich für Maßnahmen in einigen wenigen Bereichen entschieden haben, und nur acht von ihnen deckten die ganze Bandbreite der SBA-Bereiche ab.

Länderkurzdarstellungen für 2009 und 2008 stehen hier zur Verfügung.

Kontakt

Referat Entwicklung der KMU-Politik und Handwerk,
Generaldirektion Unternehmen und Industrie

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