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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

Tajani: Ein gemeinsames Ladegerät für elektronische Kleingeräte

Alle Rechte vorbehalten © Nadezda Cruzova/Shutterstock

Jedes Ladegerät für jedes Handy nutzen können: Dies war das Ziel einer Absichtserklärung (AE), die die Europäische Kommission 2009 mit Handyherstellern unterzeichnete. Mit Erfolg, denn mittlerweile haben die meisten neuen Geräte ein kompatibles Ladegerät auf der Basis der Mikro-USB-Technologie. Die AE endete zwar 2012. In einem Interview mit dem Magazin Unternehmen & Industrie erläutert Antonio Tajani, Vize-Präsident der Europäischen Kommission, wie wichtig kompatible Ladegeräte sind und was die Kommission zu deren Erreichung tut.

Magazin E&I: Sie wollen Ihr Ziel nicht aufgeben, kompatible Ladegräte zu erreichen?

Tajani: Unsere Initiative hat den EU-Bürgern viele Vorteile beschert. Ein neuer Bericht der AE-Unterzeichner zeigt, dass sie ihren Verpflichtungen tatsächlich nachgekommen sind: Die Ladegeräte von schätzungsweise 90% der neuen Geräte, die Ende 2012 auf den Markt kamen, sind kompatibel.

Ende 2012 lief die AE allerdings aus. Natürlich wollen wir nun nicht wieder in die Zeit von vor vier oder fünf Jahren zurückfallen, als es nur inkompatible Ladegeräte gab. Deshalb hatten wir die AE-Unterzeichner schon vor dem Ablauftermin gebeten, die Vereinbarung um ein Jahr zu verlängern.

Ehrlich gesagt war ich dann nicht sehr erfreut, als ich hörte, dass die meisten Unterzeichner dieser Verlängerung nicht zustimmten. Ich bin enttäuscht. Uns wird oft vorgeworfen, unnötige Regelungen zu erlassen. Aber in diesem Fall steht es außer Frage, dass die Bürger Kompatibilität begrüßen würden.

Eine freiwillige Vereinbarung der Hersteller wäre natürlich die eleganteste Lösung. Wenn wir eine solche jedoch nicht erreichen können, werden wir Kompatibilität auf rechtlichem Weg sicherstellen. Ich würde mich gezwungen sehen, einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg zu bringen. Meine Mitarbeiter sind bereits dabei, verschiedene Optionen einschließlich ihrer Folgenabschätzung durchzuspielen – darunter auch eine neue rechtliche Regelung.

Magazin E&I: Worin bestehen die Schwierigkeiten?

Tajani: Die Unternehmen betonen, dass sie – um den Verbrauchererwartungen zu entsprechen – noch immer nach neuen technischen Lösungen suchen, zum Beispiel für kabelloses Aufladen. Sie bemängeln auch, dass die derzeitigen technischen Spezifizierungen der AE für leistungsstärkere Smartphones nicht ausreichen würden.

Ich nehme diese Einwände sehr ernst – aber das Gleiche gilt auch für Millionen von Handynutzern, die froh wären, wenn sie einfach einen Freund oder Kollegen um das Ladegerät einer anderen Marke bitten könnten, wenn sie in einer wichtigen Situation feststellen, dass ihre Batterie nicht mehr lange durchhält.

Mit etwas Entgegenkommen und angesichts des starken Drangs der Verbraucher nach Kompatibilität, sollte eine Einigung möglich sein. Um es noch einmal klar zu sagen: Wir respektieren Innovation. Aber wir wollen auch, dass dabei Standards zu beachten sind.

Magazin E&I: Wie soll es weitergehen?

Tajani: Wir fordern die Industrie auf, uns Vorschläge für kompatible Aufladetechnologien zu machen, sich über deren Markteinführung zu einigen und die Kommission regelmäßig über Markt- und Technologieentwicklungen zu informieren. Wir wollen in dieser Hinsicht unbedingt vorankommen. Ich bevorzuge immer freiwillige Vereinbarungen und würde nur sehr widerwillig den rechtlichen Weg beschreiten. Ich bin optimistisch, dass wir Ersteres erreichen.

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