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Magazin Unternehmen & Industrie

Ziel: Identische Standards von Lissabon bis Wladiwostok

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Die Europäische Union und Russland sind bereits starke Wirtschaftspartner, doch erschweren weiterhin unterschiedliche Normen einen uneingeschränkten freien Handel. Um diese Unterschiede einzuebnen und das Potenzial der Partnerschaft vollständig nutzen zu können, haben europäische Normierungsbehörden und Russland ein richtungsweisendes Abkommen geschlossen. Erklärtes Ziel: eine verbesserte Zusammenarbeit und ein vereinfachter und profitablerer Handel.

Unterschiedliche Normen sind sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen ein Ärgernis. Noch größere Probleme bereiten sie allerdings auf einer größeren Ebene. Sobald nämlich ganze Unternehmen oder sogar gesamte Industriezweige beeinträchtigt werden: Denn wenn die heimischen Standards nicht mit den internationalen Normen übereinstimmen, können Industrieprodukte unter Umständen nicht im Ausland verkauft werden.

Um solche Probleme zu vermeiden, hat die Europäische Kommission ein wegweisendes Abkommen zwischen der Europäischen Union und Russland initiiert. Das Abkommen soll die bilaterale Kooperation verbessern und Hindernisse beseitigen, die durch unterschiedliche Normen verursacht werden.

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission Antonio Tajani betont bereits seit Langem, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Drittstaaten ist. Ein Ergebnis dieser Bestrebungen ist der Durchbruch, der mit der „China-Europe Standards Information Platform“ (CESIP) erreicht wurde. Chinesische und europäische Unternehmen erhalten in dieser Online-Datenbank wertvolle zweisprachige Informationen etwa zu technischen Vorschriften und zu Marktzugangsanforderungen. Ein weiteres positives Beispiel sind IPR-Helpdesks für den Schutz der geistigen Eigentumsrechte in Asien und Südamerika, die EU-Unternehmen dabei unterstützen, erfolgreich auf ausländischen Märkten zu agieren

Laut Tajani ist das neue Abkommen zwischen Russland und Europa ein weiterer Meilenstein in den Kommissionsbemühungen, den Handel zu stärken und die europäische Wirtschaft voranzutreiben.

„Die EU und Russland haben ein gemeinsames Interesse daran geäußert, den bilateralen Handel und Investitionsmöglichkeiten zu erweitern sowie den weltweiten Handel zu erleichtern und zu liberalisieren”, sagt Tajani. „Das ist ein großer Schritt vorwärts, um technische Handelshemmnisse zu beseitigen und den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Austausch zu verbessern. Umsetzungskosten für Unternehmen werden dadurch reduziert, und eine statt mehreren Produktionslinien ermöglichen Skaleneffekte und setzen so neues Potenzial frei.”

Russland ist der drittgrößte Handelspartner der Europäischen Union, während die EU der wichtigste Handelspartner Russlands ist. In puncto Handel sind sich die EU und Russland also nicht fremd. Zudem bemühen sich beide Seiten, diese Partnerschaft noch zu verbessern. Besonders deutlich zeigt sich die verstärkte Zusammenarbeit an der „Partnerschaft für Modernisierung“: Sie ermöglicht es langfristig, von Lissabon bis Wladiwostok einheitliche Normen anzuwenden.

Dieses Kooperationsabkommen und die gleichzeitig geführten Gespräche, um technische Regulierungen anzugleichen, sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich politische und technische Standards ergänzen.

Über das Abkommen

Das Abkommen – das erste seiner Art – wird die Zusammenarbeit zwischen den zwei europäischen Standardisierungsorganisationen, CEN (Europäisches Komitee für Normung) und CENELEC (Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung), und der russischen Standardisierungsbehörde, ROSSTANDART, erweitern.

Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist der Ausbau der Kommunikation zwischen den drei Organisationen. Zudem soll eine gegenseitige technische Kooperation bei Normungstätigkeiten etabliert und der Gebrauch von internationalen Standards als Instrument der Harmonisierung auf nationalem Niveau gefördert werden. Dabei soll insbesondere auf Gremien wie die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO) und die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) Bezug genommen werden.

Ein weiteres Element des Abkommens ist, dass ROSSTANDART den Status eines ständigen Beobachters in den technischen Gremien von CEN und/oder CENELEC erhält. Mit diesem Beobachterstatus wird Russland dazu ermutigt, europäische Standards als nationale Standards zu übernehmen und widersprüchliche nationale Standards zurückzunehmen. So werden europäische und russische Standards weiter harmonisiert und Kooperation und Handel weiter intensiviert.

In den folgenden Bereichen werden die Partner ihr Wissen teilen und sich über vorbildliche Praxisbeispiele austauschen: Vereinbarungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Zusammenarbeit zwischen internationalen und regionalen Normungsorganisationen sowie Synergien in anderen Bereichen gemeinsamen Interesses. Zu diesem Zweck sollen Seminare organisiert werden. Arbeitsprogramme ausgetauscht und/oder gemeinsame Arbeitsgruppen eingerichtet werden.

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