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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

„Mission Wachstum“: Wie EU-Unternehmen vom Aufschwung der Schwellenländer profitieren

Alle Rechte vorbehalten © EDHAR/Shutterstock

Längst haben Schwellenländer europäische Staaten in Sachen Wirtschaftswachstum überholt. Doch was wie eine schlechte Nachricht klingt, bietet Chancen: Die EU-Kommission arbeitet daran, die Tür zu diesen Boom-Märkten weit aufzustoßen. In ihrem Auftrag reisen Wirtschaftsdelegationen nach Afrika, Lateinamerika und Asien. Die dabei gewonnenen Einblicke sollen hiesigen KMU den Einstieg in die Schwellenmärkte erleichtern – und somit das Wirtschaftswachstum in Europa fördern.

Angeführt wurden die Delegationen 2012 von Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, zuständig für Industrie und Unternehmen, sowie Daniel Calleja Crespo, Generaldirektor der GD Unternehmen und Industrie und außerdem KMU-Beauftragter der Kommission. Durch ihre Besuche in den Wachstumsregionen dieser Welt wollen sie europäischen Kleinunternehmern und Mittelständlern helfen, von aufstrebenden Märkten in Ländern und Regionen wie China, Südostasien und Lateinamerika zu profitieren.

Bis zu 50 Vertreter europäischer Unternehmen und Verbände begleiteten die Besuche. Diese hatten vor allem zwei Ziele: die Internationalisierung der Konzerne und KMU fördern und gleichzeitig die Zusammenarbeit in Bereichen wie industrielle Innovation, Schlüsseltechnologie, Tourismus, Weltraum und Rohstoffzugang stärken.

„Diese Wachstumsmissionen tragen dazu bei, die richtigen Bedingungen für eine Win-win-Situation zu schaffen“, sagt Tajani. „Einerseits profitieren europäische Unternehmen vom einfacheren Zugang zu den Außenmärkten, andererseits haben lokale Handlungsträger und Behörden nun die reelle Chance, ausländische Investoren anzulocken.“

Calleja ergänzt: „Die Internationalisierung eines Klein- oder mittelständischen Unternehmens und seine Leistung hängen eng zusammen. Internationale Aktivitäten verstärken das Wachstum, erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit und unterstützen die Zukunftsfähigkeit eines Betriebs. Doch trotz der vielen Chancen, die die Globalisierung bietet, vertrauen europäische KMU immer noch zu stark auf die Inlandsmärkte.“

Während der Besuche spielte und spielt vor allem das Thema „Verstärkte Zusammenarbeit“ in folgenden Bereichen immer wieder eine wichtige Rolle.

Bürokratieabbau

Die EU-Kommission hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Rahmenbedingungen für Firmen zu verbessern und das Unternehmertum zu fördern. Gleichzeitig will sie Partnerländern und europäischen KMU Hilfestellung leisten, wenn es darum geht, das jeweilige Wachstum zu stärken, gemeinsame Geschäfte zu tätigen und erfolgreich am globalen Wettbewerb teilzunehmen. Die Haupthindernisse liegen dabei in regulatorischen und administrativen Barrieren – eine engere Zusammenarbeit soll diese überwinden.

Standardisierung

Eine Standardisierung reduziert technische Handelshemmnisse (TBT) – und verbessert so die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen sowie technischen Beziehungen. Ohne sie wären Produkte weder kompatibel noch für beide Seiten nutzbar. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind daher folgende Punkte wichtig:

  • ein regelmäßiger Dialog und Informationsaustausch zwischen den jeweiligen Standardisierungsinitiativen;
  • ein effizienterer, wirksamerer und kontinuierlicherer Dialog, insbesondere durch das Einbeziehen aller relevanten Beteiligten;
  • der Austausch über bewährte Standardisierungspraktiken zwischen der EU sowie den Behörden und Interessengruppen der Partnerländer.

Erste Gespräche haben bereits zu konkreten Ergebnissen geführt, etwa zur erfolgreichen EU-China Standardisation Information Platform. Zudem werden die Möglichkeiten für eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich des geistigen Eigentums (intellectual property rights) diskutiert.

Rohstoffversorgung

In der Rohstoffversorgung stehen die EU und Schwellenländer vor zwei wichtigen Herausforderungen: Sie müssen einen Weg finden, um nachgelagerte Industrien besser mit Rohstoffen zu versorgen – und eng zusammenarbeiten, um die Nachhaltigkeit sowie langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Phosphatindustrie zu gewährleisten. Ein absolutes Muss, bedenkt man die Rolle, die Phosphatgestein für die Produktion von Lebens- und Futtermittelzusätzen oder Düngemitteln spielt. Die Bemühungen in diesem Bereich sollen zudem die Risiken für Gesundheit und Umwelt begrenzen.

Tourismus

Neue Kooperationsmöglichkeiten und ein gemeinsames Verständnis touristischer Belange sind zwei Ziele, die die EU durch Absprachen und die Zusammenarbeit in der Tourismuspolitik erreichen will. Eine mögliche Maßnahme: der regelmäßige Austausch – sowohl zwischen Beamten auf Entscheidungsebene als auch über Best-Practice-Methoden bei Themen gegenseitigen Interesses. Dazu gehören das Schaffen neuer Arbeitsplätze, eine nachhaltige Entwicklung oder eine Stärkung des sozioökonomischen Wissens.

Satellitengestützte Dienste

Eine weitere mögliche Zusammenarbeit eröffnet sich durch die Weltraumprogramme der EU wie das Satelliten-Navigationssystem Galileo, das Umwelt- und Sicherheitsprogramm GMES und das satellitengestützte Erweiterungssystem EGNOS.

Um die Potenziale dahinter auszuloten und zu nutzen, besuchte eine Delegation europäischer Geschäftsleute unter Leitung von Kommissionsvizepräsident Tajani im Mai 2012 Mexiko und Kolumbien, im Dezember 2012 folgte eine Reise nach Marokko und Tunesien. In diesem Jahr wird Tajani zudem Peru, Chile, China, Indien und Russland besuchen.

KMU-Beauftragter Calleja wiederum will die Vereinbarungen, die Vizepräsident Tajani während der letzten „Wachstumsmissionen“ getroffen hat, weiter ausbauen – und Mexiko und Kolumbien im kommenden April einen weiteren Besuch abstatten.

Photovoltaik in Chile

Ein weiteres konkretes Beispiel für eine erfolgreiche „Mission Wachstum“ ist die 2012 vereinbarte Kooperation zwischen einem französisch-deutschen Unternehmen und Chile. Das EU-Unternehmen baut für den chilenischen Bergbausektor hocheffiziente Photovoltaik-Kraftwerke. Diese sind mehr als doppelt so leistungsstark wie die asiatischen Konkurrenzprodukte. Das landesweit erste Solarkraftwerk steht nun an der El-Tesoro-Mine in Nordchile und liefert seit Januar dieses Jahres Strom.

Kontakt

Weitere Informationen über die „Mission Wachstum“ finden Sie unter:

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/market-access/internationalisation/index_en.htm

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