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Magazin Unternehmen & Industrie

EU-Industrie Gewinner und kein Verlierer der Globalisierung

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Trotz zunehmender Konkurrenz durch aufstrebende Industriestaaten bleibt die Europäische Union sowohl der größte Exporteur der Welt als auch das wichtigste Ziel ausländischer Direktinvestitionen. In ihrem jährlichen „Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit“ unterstreicht die Europäische Kommission, in welchen Bereichen die EU einen Spitzenplatz behaupten konnte und was sie tut, um diese Position zu sichern.

Die Globalisierung wird manchmal als Bedrohung für die Europäische Industrie angesehen. Denn von Autos bis hin zu Windkraftanlagen, ist die Produktion vieler ehemaliger Aushängeschilder der europäischen Wirtschaft zumindest teilweise in Drittländer verlagert worden.

Tatsächlich aber überwiegen die Vorteile der Globalisierung wie es der Wettbewerbsfähigkeitsbericht verdeutlichtpdf Übersetzung für diesen Link wählen . Die EU-Wirtschaft konnte in vielerlei Hinsicht Vorteile aus der Globalisierung ziehen.

Nummer eins bei Exporten und Auslandsinvestitionen

Der Bericht zeigt, wie die Vorteile der zunehmenden globalen Verknüpfungen weiter erfolgreich genutzt werden können. Interessant ist dabei insbesondere das Potential eines stärkeren internationalen Handels als Vehikel einer wirtschaftlichen Erholung.  Neue Märkte außerhalb der EU fördern Exporte und reduzieren Produktionskosten. Weitere Erkenntnisse des Berichtes sind:

Erstens hat die EU eine doppelte globale Führungsposition sowohl bei Exporten und ausländischen Direktinvestitionen (foreign direct investment, FDI), und dies trotz  international gestiegener Konkurrenz. Das heißt, dass ausländische Staaten und Firmen mehr Geld in der EU investieren als irgendwo anders in der Welt. Selbst vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Abkühlung flossen 421 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen in Länder der Union – mehr als ein Viertel aller FDI weltweit. Solche Investitionen sorgen für neue Jobs und erhöhen die Produktivität. Die EU kann dadurch mehr Waren effizienter herstellen. Das wiederum macht Europa zu einem noch attraktiveren Investitionsziel. Dass dabei die EU derzeit ein wenig an Attraktivität für Investoren verliert, liegt vor allem an der derzeitigen Wirtschaftssituation.

Zweitens bietet eine Neupositionierung der Wertschöpfungskette Unternehmen die Möglichkeit, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen (‘value chain positioning’). Wenn europäische Unternehmen Produktionsprozesse in andere Teile der Welt verlagern, können sie dadurch beispielsweise Autoteile in Asien produzieren lassen. Das Auto selbst aber wird weiter in Europa zu geringeren Kosten als zuvor produziert – und ebenso bleibt der Großteil der Wertschöpfung in Europa.

Mit dieser globalisierten Zusammenarbeit geht ein steiler Anstieg der Zwischen- und Halbfertigprodukte einher. Durch diese können Firmen die komparativen Vorteile weit entfernter Orte und Märkte nutzen. Die Effektivität der Wertschöpfungskette dient mittlerweile nicht umsonst als wichtiger Maßstab für Wettbewerbsfähigkeit. Demgegenüber ist eine numerische Auflistung von Endprodukten, die exportiert werden, heute weniger aussagekräftig. Schauen wir jedoch auf die Wertschöpfungskette (die so genannte Value-Chain-Performance), dann haben Güter, die aus der EU exportiert werden, einen Anteil von 87% europäischer Produktion/Wertschöpfung.

Drittens sind europäische Firmen Nutznießer der Effizienz der nachhaltigen EU-Wirtschaftspolitik, was sie innerhalb weltweiter Wertschöpfungsketten wettbewerbsfähiger macht: Bei Energieeffizienzsteigerungen im Exportbereich sind Produzenten globale Spitzenreiter bei Innovation und Investitionen im Bereich Energieeffizienz.

KMU müssen besser in den Welthandel eingebunden werden

Um europäischen Firmen zu helfen, am besten die Früchte der Globalisierung zu ernten, listet der  Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit eine Reihe von Vorschlägen auf. Vorrangig müssen Barrieren – sowohl zwischen EU-Staaten als auch zwischen ihnen und dem Rest der Welt – fallen. Das gilt besonders für die Hemmnisse, die KMU eine Internationalisierung erschweren.

Deswegen sollte die EU eine Politik verfolgen, die den freien Handel unterstützt. Zugleich sollten Verfahrens- und Marktinnovationen gezielter in Forschung und Entwicklung integriert werden. Solche Maßnahmen würden es regionalen Firmen leichter machen, Teil weltweiter Wertschöpfungsketten zu werden, indem sie im Ausland kostengünstiger produzieren lassen. Zugang zu globalen Wertschöpfungsketten ist daher sehr wichtig, denn die EU-Importe bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Zwischenprodukten – Erzeugnisse, deren Handel auf Produzenten und Anbieter beschränkt ist.

Ziel muss es sein, den EU Anteil an Exporten von Endprodukten zu erhöhen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Handel mit den Industriemächten China, Brasilien und Indien.

Weiter plädiert der Bericht für eine „Nachbarschaftspolitik“, wobei er grenzüberschreitende Investitionen und Handelsbeziehungen mit benachbarten Ländern „tiefhängende Früchte“ nennt, mit anderen Worten, wo noch erhebliches Potential für die europäische Industrie  besteht. Einige der engsten Handelspartner außerhalb der EU sind der Kommissionsanalyse zufolge Russland, Ukraine, Schweiz, Norwegen und Ägypten.

Eines steht fest: Die EU befindet sich in einer guten Ausgangslage, um die Globalisierung für ihr Vorankommen zu nutzen. Europas industrielle Infrastruktur, seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie seine Erfolgsgeschichten in puncto Innovation machen die Union einzigartig. Aus ihrer globalen Führungsrolle in der neuen industriellen Revolution wird die fortschreitende internationale Arbeitsteilung die EU daher nicht verdrängen.

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