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Unterstützung für europäische KMU auf internationaler Ebene

All rights reserved © Silvia Antunes - Shutterstock.com

Um die Chancen der Internationalisierung nutzen zu können, müssen Unternehmen einige Dinge beachten, nicht zuletzt den Schutz ihrer Rechte des geistigen Eigentums (IPR). Ein neues, von der EU und den Vereinigten Staaten geschaffenes Portal bietet viele nützliche Informationen in diesem Bereich.

Unternehmen, die ihre Aktivitäten durch Exporte, ausländische Geschäftspartner, Investitionen und grenzüberschreitende Cluster internationalisieren wollen, dürfen eher mit Wachstum, höherer Wettbewerbsfähigkeit und langfristiger Nachhaltigkeit rechnen. Dies wurde 2009 in einer Untersuchung bestätigt, die ergab, dass international aktive KMU ein Beschäftigungswachstum von 7 % verzeichneten, während KMU ohne internationale Aktivitäten ein Wachstum von nur 1 % vorweisen konnten. Darüber hinaus führten 26 % der international aktiven KMU Produkte oder Dienstleistungen ein, die in ihrem Land auf diesem Gebiet neu waren, während sich der Anteil bei nicht international tätigen Unternehmen lediglich auf 8 % belief.

Dieselbe Untersuchung ergab, dass 25 % der europäischen KMU Waren ausführen oder in den letzten drei Jahren ausgeführt haben und daher auf internationaler Ebene aktiver sind als amerikanische und japanische KMU. Trotz der Vorteile einer Internationalisierung konzentriert sich die Mehrzahl der KMU noch immer auf den heimischen Markt.

Piraten der Globalisierung

Einer der Gründe für diese offensichtliche Zurückhaltung ist, dass sich KMU für einen internationalen Marktauftritt nicht ausreichend gerüstet fühlen und fürchten, Opfer von Urheberrechtsverletzungen oder sogar Produktnachahmungen zu werden. Diese Sorge ist durchaus berechtigt. Fast jedes hergestellte Produkt – von Lebensmitteln und Haarwaschmitteln bis hin zu Autoteilen und Industriemaschinen – ist schon gefälscht worden, und einige Unternehmen verlieren Kunden an Wettbewerber, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die Marken- und Urheberrechte oder eine andere Form von Rechten des geistigen Eigentums wie Geschmacksmuster oder Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse verletzen.

Die Realität sieht tatsächlich so aus, dass der internationale Handel für nachgeahmte und gefälschte Waren mit einem geschätzten Wert von jährlich 250 Mrd. USD Übersetzung für diesen Link wählen  eine echte Bedrohung für internationale Unternehmen darstellt. Nach Schätzungen einer kürzlich vorgelegten Untersuchung der OECD mit dem Titel „The Economic Impact of Counterfeiting and Piracy“ (Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Marken- und Produktpiraterie) ist der Anteil von nachgeahmten und unerlaubt hergestellten Waren am Welthandel von 1,85 % (2000) auf 1,95 % (2007) gestiegen.

Dies ist ein besonders dringliches Thema für KMU, denen oft die Mittel zur Bewältigung dieser Herausforderung fehlen. So können sich etwa die wenigsten KMU einen eigenen Juristen leisten, und möglicherweise fühlen sich die Geschäftsleitungen fachlich überfordert, die Angelegenheit ist ihnen zu zeitraubend oder sie befürchten hohe Kosten.

Portal für sichere Geschäfte

Daher haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Europäischen Union das Transatlantische Portal für den Schutz der Rechte an geistigem Eigentum gestartet, um europäische und amerikanische Unternehmen, die in anderen Ländern geschäftlich aktiv werden wollen, zu beraten. Es enthält eine Vielzahl von Informationen über die Rechte des geistigen Eigentums, die hier gebündelt, klassifiziert und nutzerfreundlich zusammengestellt worden sind. Hier findet man auch Informationen, wie mit den zuständigen Behörden Kontakt aufgenommen werden kann und wo man Beratung erhält. Im Wesentlichen wird KMU die Botschaft vermittelt, dass ihnen das Portal mit Rat und Tat zur Seite steht und dass auch sie auf internationaler Ebene aktiv werden können.

Letztendlich ist es das Ziel der gemeinsamen Website, europäische und amerikanische Unternehmen bei der umfassenden Nutzung beiderseits des Atlantiks entwickelter Ressourcen und Instrumente zum Schutz der Rechte des geistigen Eigentums zu unterstützen. „Verbesserungen beim Schutz und bei der Durchsetzung der Rechte am geistigen Eigentum werden größere Beschäftigungsaussichten und Wirtschaftswachstum zur Folge haben”, unterstrich Antonio Tajani Übersetzung für diesen Link wählen , Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Industrie und Unternehmertum. „Marken- und Produktpiraterie richten nicht zuletzt bei kleinen und mittelständischen Unternehmen große wirtschaftliche Schäden an. Sowohl die EU als auch die USA setzen sich dafür ein, dass Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks faire Wettbewerbsbedingungen vorfinden.“

Das Portal entstand im Rahmen der gemeinsamen Arbeitsgruppe der EU und der Vereinigten Staaten zu den Rechten am geistigen Eigentum, die 2004 eingerichtet wurde, um Bereiche für gemeinsame Maßnahmen zu ermitteln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Märkten von Drittländern, in denen die Vereinigten Staaten und die EU bezüglich des Schutzes der Rechte des geistigen Eigentums vielfach dieselben Anliegen teilen. Dabei wurde deutlich, dass beide Seiten über eine Fülle von Informationen zu diesem Thema verfügten, diese jedoch häufig schwierig zu finden waren. Zudem besaß die EU Informationen über Länder, die die Vereinigten Staaten nicht besaßen, und umgekehrt. Durch eine Bündelung der Ressourcen und eindeutigere Informationsvermittlung konnten KMU beiderseits des Atlantiks davon profitieren.

Das Portal für den Schutz der Rechte an geistigem Eigentum ist in sechs Abschnitte gegliedert, wobei der Abschnitt „Länder-Toolkits“ im Mittelpunkt steht. Auf einer dynamischen Weltkarte können Besucher mit einem Mausklick auf den entsprechenden Kontinent das Land ihrer Wahl mit allen einschlägigen Informationen finden. Außerdem dient das Portal Unternehmern zur Aneignung von Grundkenntnissen über die Rechte des geistigen Eigentums, zur Verwaltung ihrer entsprechenden Rechte, zur Information über Weiterbildungsmöglichkeiten sowie zur Suche nach zuständigen Durchsetzungsbehörden und Fachleuten, die Beratung zu bestimmten Themen anbieten.

Mehr Sicherheit auf dem chinesischen Markt

Mit einer Reihe von Initiativen unterstützt die EU europäische Unternehmen bei ihrer Internationalisierung. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der KMU-Helpdesk zu IPR-Fragen in China, der unter dem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation finanziert wird und europäische KMU beim Schutz und bei der Durchsetzung ihrer Rechte des geistigen Eigentums in China unterstützt. Seit seiner Einrichtung 2008 hat der Helpdesk so KMU helfen können.

Ein griechischer, in China aktiver Hersteller von Olivenöl fand zum Beispiel heraus, dass seine chinesische Vertriebsfirma die Handelsmarke ohne Zustimmung in eine Reihe von Lebensmittelkategorien hatte eintragen lassen. Nachdem das griechische Unternehmen den Helpdesk zurate gezogen und sich mit Fallbeispielen sowie E-Learning-Modulen befasst hatte, nahm das Unternehmen Kontakt zum Helpdesk auf, um nähere Informationen zu erhalten.

Dem Unternehmen wurde geraten, innerhalb von drei Monaten ab Veröffentlichung der Markenanmeldung im amtlichen Markenblatt Widerspruch einzulegen oder über einen Rückkauf der Marke zu verhandeln. Durch nützliche Hintergrundinformationen und Beratung ersparte der KMU-Helpdesk dem Unternehmen kostbare Zeit und ermöglichte ihm, schnell und wirkungsvoll zu handeln.

Rechtzeitige Beratung

Erst kürzlich konnte ein bekannter portugiesischer Mode- und Möbeldesigner ebenfalls vom KMU-Helpdesk zu IPR-Fragen in China profitieren, als er Logo und Marke, die in Europa eingetragen waren, auch in China eintragen lassen wollte.

Nach Beantragung der Marke stellte sich heraus, dass ein chinesisches Unternehmen bereits 2006 die Marke angemeldet und dafür 2009 die Genehmigung erhalten hatte. Nach dem Studium von Fallbeispielen und E-Learning-Modulen auf dem Helpdesk wurde dem Unternehmen vom Helpdesk geraten, einen Rückkauf der Marke zu erwägen anstatt sich auf ein langwieriges und kostspieliges Gerichtsverfahren einzulassen, da die Einreichung eines Löschungsantrags nach Ablauf der festgesetzten Frist nicht mehr möglich war.

Dem Unternehmen wurde außerdem empfohlen, eine Eintragung weiterer Rechte des geistigen Eigentums in unterschiedlichen Dienstleistungsklassen, einschließlich Domänennamen in lateinischen und chinesischen Schriftzeichen, vornehmen zu lassen. Auf diesen Rat hin ließ der portugiesische Designer die Domänennamen eintragen und kaufte die Marke von dem verkaufsbereiten chinesischen Unternehmen zurück, was beiden Parteien ein zeitaufwendiges und teures Gerichtsverfahren ersparte.