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28/05/10 Innovation

Höchst patente Erfindungen

Photo: All rights reserved © coloroftime - iStockphoto

Einige der erfindungsreichsten Geister dieser Welt wurden bei der Verleihung der Preise für "Europäische Erfinder des Jahres 2010" für ihre nachhaltigen Verdienste um den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt geehrt. Die Preise wurden am Rande des Europäischen Patentforums übergeben, das einen besonderen Schwerpunkt auf die Bereiche Technologie und Innovation vor dem Hintergrund der Verpflichtungen der EU zur Eindämmung des Klimawandels legte.

Fußballförmige Moleküle, 3D-Handscanner, aus "flüssigem Holz" hergestellter Kunststoff und Satellitennavigationssystem (GPS)-Chips haben eines gemeinsam: Es handelt sich um die intelligenten Ideen der fünf Preisträger aus Deutschland, der Schweiz, den USA und Kanada der diesjährigen Preisverleihung für Europäische Erfinder des Jahres, die in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben wurden.

Die Auszeichnungen machen deutlich, dass "Europa bei der Entwicklung bahnbrechender Erfindungen weiterhin ganz vorne liegt", erklärte Antonio Tajani, Kommissar für Industrie und Unternehmen. "Es sind herausragende Beispieledafür,wie technische Innovation und Marketingstrategien zum Nutzen der Wirtschaft erfolgreich zusammenwirken können und zudem die Lebensqualität von Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessern."

Gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Patentamt (EPA) werden Erfinder und Erfindungen ausgezeichnet, die einen maßgeblichen und nachhaltigen Beitrag zum technischen Fortschritt in Europa und der Welt geleistet und damit zur Stärkung der europäischen Wirtschaftsposition beigetragen haben. Der Preis wird in vier Kategorien vergeben: Lebenswerk, Industrie, KMU/Forschungseinrichtungen und außereuropäische Staaten, (siehe Kasten). Eine Voraussetzung für den Vorschlag zur Nominierung ist, dass den Erfindern ein europäisches Patent verliehen worden ist.

Der Schutz guter Ideen

Die Präsidentin des Europäischen Patentamtes, Alison Brimelow, hob hervor: "Der Erfolg dieser Erfindungen ist Ansporn genug, auch in Zukunft alles daran zu setzen, die Qualität europäischer Patente als wirkungsvolle Instrumente des Erfindungsschutzes zu erhalten und zu stärken".

In diesem Zusammenhang stand die Frage, wie man Umweltinnovationen am besten durch Patente und den Schutz der Rechte an gewerblichem und geistigem Eigentum fördern kann, ganz oben auf der Agenda des diesjährigen Europäischen PatentforumsEnglish, das Meinungsführer aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingeladen hatte. Das Forum richtete sein besonderes Interesse auf die technologische Dimension der EU-Verpflichtung, 20 % ihres Energiebedarfs bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen. Auf dem Programm stand ferner die Rolle der gewerblichen und geistigen Eigentumsrechte bei der Entwicklung und dem Transfer umweltfreundlicher Energietechnologien.

Der Ausbau intelligenter Stromnetze ("Smart Grid-Technologien), die Energie per 2-Wege-Digital-Technologie zur Gerätesteuerung liefern und zu einer effizienteren Energieversorgung beitragen, wird in Zukunft eine entscheidende Rolle für Europas saubere Energie spielen, betonte der Sprecher eines großen deutschen Technologiekonzerns. Ein anderer Panelteilnehmer und Vertreter eines führenden Windkraftunternehmens drückte seine Besorgnis darüber aus, dass Europa Gefahr läuft, seine führende Stellung im Bereich der Windkraft zu verlieren.

Während der Konferenz wurden die vorläufigen Ergebnisse einer groß angelegten Studie vorgestellt, die die Beziehung zwischen Patenten und sauberer Energie untersucht; diese Studie wird gemeinsam vom Europäischen Patentamt, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und des Internationalen Zentrums für Handel und Entwicklung ICTSD durchgeführt.

Über den Forschungs- und Innovationsplan der Europäischen Kommission, der voraussichtlich im September vorgelegt wird, sagteEnglish Françoise Le Bail, stellvertretende Generaldirektorin der GD Unternehmen und Industrie: "Wir möchten uns vom bloßen Schutz geistigen Eigentums hin zu einem Modell bewegen, dass das in Patenten enthaltene Wissen verbreitet." Im Zusammenhang mit einer intensiveren Erkundung der Möglichkeiten zur Stimulation der Wissensmärkte rief sie zu einer umfangreicheren Nutzung gewerblicher und geistiger Eigentumsrechte und des Wissens auf.

Kreative Ideen tragen Früchte

Europäische Erfinder erhielten Preise in vier Kategorien. Gewinner der Kategorie "Industrie" waren Albert Markendorf (CH) und Raimund Loser (DE), die leistungsfähige 3-D-Handscanner entwickelten, die heute weltweit erfolgreich im Einsatz sind. Bis zu ihrer Erfindung boten digitale Scanner nur ein begrenztes Maß an Genauigkeit. Doch indem der Winkel bestimmt wird, in welchem der Laserstrahl reflektiert wird, kann dank ihrer Erfindung eine bisher beispiellose Präzision erreicht werden.

Der Preis in der Kategorie "KMU/Forschungseinrichtungen" ging an Jürgen Pfitzer (DE) und Helmut Nägele (DE) vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie für einen neuartigen Biokunststoff aus Flüssigholz, "Arboform". Für diesen Kunststoff wird die im Holz vorkommende feste Substanz Lignin verwendet, die bei der Papier- und Zellstoffherstellung als Nebenprodukt anfällt. Genau wie Holz zerfällt dieser biologisch abbaubare Kunststoff in seine ökologisch unbedenklichen Bestandteile Wasser, Humus und Kohlendioxid.

Zwei Preise wurden in der Kategorie "außereuropäische Staaten" verliehen. Sanjai Kohli (Indien/USA) und Steven Chen (USA) wurden für ihre GPS-Spreizspektrumempfänger ausgezeichnet. Tatsächlich wurde die Verbreitung der GPS-Technologie im Alltagsleben durch diese leistungsstarken von Kohli und Chen erfundenen Chipsätze angekurbelt. Vor dieser Erfindung war die GPS-Navigation teuer und nur eingeschränkt möglich.

Der zweite Preis dieser Kategorie ging an die kanadischen Ingenieure Ben Wiens und Danny Epp, deren elektrochemischen Brennstoffzellen nunmehr eine kommerziell erfolgreiche Alternative zu fossilen Brennstoffen für Ersatzstromsysteme in Kanada, der EU und in Indien darstellen. Ihre Erfindung verwendet statt wärmeintensiver Keramikelemente eine dünne Kunststofffolie, eine sogenannte feste Polymermembran, wodurch die Zellen auch bei niedrigeren Temperaturen betrieben werden können.

Gewinner in der Kategorie "Lebenswerk" war der deutsche Kernphysiker Wolfgang Krätschmer, der mit einem Verfahren völlig neue Wege beschritt, das die Herstellung von "Fullerenen", einer neuen Gruppe von Kohlenstoffen, in Forschungsmengen erlaubt. Einerseits können diese Nanopartikel nun umfassend erforscht werden, andererseits finden sie schon in vielen Industriezweigen Verwendung: so z. B. in Hochleistungsschmiermitteln, in innovativen Brennstoffen, neuartigen Supraleitern und Magneten.

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