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30/01/09 Industriepolitik

Die Glas- und Keramikindustrie Europas ist auf dem richtigen Weg

© Giuseppe Pons, iStockphoto

Die Europäische Kommission finanziert die aktuellsten Studien über die Glas- und Keramikindustrien Europas, welche Managern und politischen Entscheidungsträgern wertvolle Informationen bereit stellen, um den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs erfolgreich zu begegnen.

Ziel der Studien ist es, ein Bild über den aktuellen Stand der Glas- und Keramikindustrie innerhalb der EU sowie einen Überblick über die vorhandenen Strategien und Lösungsvorschläge zu schaffen. Die untersuchten Strategien beschäftigen sich vorwiegend mit den Themen und Gründen für eine verminderte oder verhinderte Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Überblick ist besonders in der derzeitigen Situation, in der die Glas- und Keramikindustrien ebenfalls von der Finanzkrise betroffen sind, von großer Bedeutung.

Diese Studien über den Glas-pdf [661 KB] English und Keramikpdf [545 KB] English sektor sowie eine weitere Studie über die Stahlindustrie, zählen zu den Ersten, welche in Verbindung mit dem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) erstellt wurde. Die Berichte wurden dabei von unabhängigen und EU-finanzierten Gutachtern verfasst.

Das von 2007 bis 2013 laufende CIP-Programm bietet Hilfestellungen für europäische Unternehmen an, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Im Zentrum dieses Bemühens stehen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Programm unterstützt Maßnahmen zur Innovationsförderung, zum besseren Zugang zu Finanzmitteln und zur Bereitstellung von Unterstützungsdiensten.

Die Glas und Keramik verarbeitenden Industrien zählen gemäß der Mitteilung zur Industriepolitik (aus dem Jahr 2005) zu den 27 Sektoren, die aus einer integrierteren Industriepolitik in der EU einen Nutzen ziehen könnten.

Herausforderungen für beide Sektoren

Das größte Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der Glas- und der Keramikindustrie, und damit eine Hauptursache für deren Marktanteilverlust im Verlauf des letzten Jahrzehnts, sind, wenn man diese mit den aufstrebenden Volkswirtschaften China und Indien vergleicht, die Produktionskosten in Europa.

Davon sind auch die Kosten für Energie und Umweltschutz betroffen. Beide Sektoren sind höchst energieintensiv und dem Emissionshandelssystem (ETS) unterstellt, welches das Hauptinstrument der EU gegen den Klimawandel darstellt, sowie internationale Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase behandelt.

Die Glas- und Keramikindustrien unterliegen auch weiteren bedeutenden Gesetzesvorschriften im Umweltbereich, wie zum Beispiel der Richtlinie zur "Integrated Pollution Prevention and Control" (IPPC) und der REACH-Verordnung für Chemikalien.

Der Erfolg dieser beiden Industrien und ihrer Herangehensweise an die Senkung der Produktionskosten sowie der Kosten für Umweltanforderungen wird beeinflussen, wie die EU politisch reagieren wird, um Hersteller bei der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen sowie um deren wirtschaftliches Überleben zu sichern.

Beide Sektoren können als traditionelle, alteingesessene und technologisch ausgereifte Industrien bezeichnet werden. Sie sind von großer Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung in der europäischen Wirtschaft. Einige Hersteller aus den verschiedenen Teilsektoren beliefern lokale und regionale Märkte, andere wiederum sind multinationale Unternehmen auf globaler Ebene.

Die Produktion in beiden Sektoren befindet sich generell in einem Aufwärtstrend oder ist zumindest konstant. Die Beschäftigungszahlen befindet sich generell in einem leichten Abwärtstrend, während die Produktivität je beschäftigter Person im Allgemeinen steigt.

Stand der Industrie

2007 hat die EU 37 Millionen Tonnen Glasprodukte (Container, Flachglas, Fasern, Tafelgeschirr und Spezialglas) im Wert von rund 39 Milliarden Euro hergestellt und damit 32% der weltweiten Produktionsmenge erzielt. Generell gesehen konnte die Produktion seit dem Jahr 2000 allerdings keine bedeutenden Zuwächse verzeichnen. Weiterhin ist die Anzahl der bei den wichtigsten Glasherstellern der EU beschäftigten Arbeitskräfte um etwa 24% auf 234 000 Personen gesunken.

Verglichen mit der Keramikindustrie ist der Glassektor relativ stabil und stärker globalisiert. Große, multinationale Unternehmen dominieren zahlreiche Industriezweige des Glassektors. Etwa 68% der Gesamtproduktion des Glassektors findet sich in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und im Vereinigten Königreich.

Das Handelsvolumen außerhalb der EU ist mit einem Umfang von etwa 5-10% von Produktion und Verbrauch gering.

Die Produktion von Keramik verschiedener Art (Wand- und Bodenfliesen, Ziegel und Dachziegel, Sanitärprodukte, Tafelgeschirr, technische Keramik, feuerfeste Produkte und Tonrohre) hatte gemäß den aktuellsten Daten von 2006 einen Wert von 28 Milliarden Euro. 2006 waren 221 000 Personen im Keramiksektor beschäftigt, im Jahr 2000 hingegen noch 235 000.

Die meisten der 2000 europäischen Unternehmen im Keramikbereich sind KMU und konzentrieren sich auf bestimmte geographische Gebiete. Im Glasbereich hingegen sind 1300 Unternehmen vertreten. Die Hauptproduktionsgebiete dieser Unternehmen sind in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Italien zu finden. Etwa 20 bis 25% der Keramikproduktion der EU werden außerhalb der EU exportiert.

Die Herausforderung der Globalisierung und des gesteigerten Wettbewerbs annehmen

Unternehmen in beiden Sektoren müssen sich den härteren Bedingungen durch die Globalisierung und dem gesteigerten Wettbewerb auf ihren inländischen Märkten durch Länder wie China und Indien stellen. Eine weitere damit verbundene Herausforderung sind die Energiekosten sowie die Erfüllung der Klimawandelanforderungen.

Zum Beispiel hat sich die Finanz- und Ertragslage der Glasindustrie seit 2000 insgesamt verschlechtert, die Reingewinnmarge ist gesunken. Der Studie zufolge ist ein Großteil dieses Leistungsrückgangs auf die steigenden Kosten in Europa zurückzuführen, insbesondere bezüglich Energie, Arbeit und Einhaltung der Rechtsvorschriften im Umweltbereich.

Die Studie zeigt, dass Glasproduzenten innerhalb der EU andere Wettbewerbs- Voraussetzungen haben als Produzenten aus konkurrierenden Nicht-EU-Ländern. Die europäischen Unternehmen sind bedeutend höheren Kosten ausgesetzt, da in Nicht-EU-Ländern die Gesetzgebung in den Bereichen Umweltschutz und Sicherheit weniger streng ist. Zusätzlich bestehen bedeutende außertarifliche Barrieren für den Handel mit Märkten von Drittländern.

Der Keramiksektor steht denselben Herausforderungen betreffend der generellen Kosten und Energiekosten gegenüber. Der Sektor muss sich in unmittelbarer Zukunft aufgrund des Konjunkturrückgangs einer Zeit voller Herausforderungen stellen, so die Studie. Zahlreiche Teilsektoren des Keramiksektors, die stark vom Bausektor abhängen, sind besonders anfällig, da die Investitionen im Lauf der kommenden Monate weiterhin abnehmen werden.

Länder wie China und die Türkei, welche in den EU-Märkten mit niedrigen Preisen EU-Unternehmen Konkurrenz machen, aber auch anhaltende Zugangsbeschränkungen zu einigen Nicht-EU-Märkten, sowie die seit 2000 schrittweise zunehmende Aufwertung des Euro im Vergleich zu den meisten anderen Währungen erhöhen den Druck auf die Industrie.

Über Globalisierung und Energiekosten hinaus beeinflussen noch weitere Themen diese Sektoren, wie unter anderem die mangelnde Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte auf Designs und Techniken und die zunehmende Konkurrenz durch Ersatzprodukte aus Kunststoff, Karton, Stahl und Aluminium.

Strategische Reaktionen

Um die Wettbewerbsfähigkeit beider Industriesektoren auch in Zukunft zu erhalten, führt die Studie einige allgemeine strategische Antworten an, wie EU-Entscheidungsträger und Industriemanager die Glas- und Keramikindustrie wieder zum Wachsen bringen können.

In den Sektoren Glas und Keramik wurde die Industrie ermutigt, neue Wege zu suchen und eine führende Position durch die Entwicklung von Marken, Designs und Dienstleistungen sowie die Verbesserung von Produkten durch Innovation und durch die Verstärkung von Forschung und Entwicklung neuer Materialien zu erreichen.

Beiden Sektoren wurde geraten, die Effizienz und Flexibilität ihrer Produktion zu erhöhen und in den Bereich Forschung und Entwicklung zu investieren. Durch Investitionen in saubere Technologien müssen sich diese Sektoren auch aktiver für die Reduzierung des Energieverbrauchs einsetzen. Ein weiterer Teil jener Strategie, welche die Industrie zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit einschlagen sollte, sind die Förderung der Arbeitskräfte sowie deren Motivation für lebenslanges Lernen.

Durch die Verbesserung der Funktionalität der Energiemärkte, die Bekämpfung von Fälschungen sowie die Reduzierung von Zolltarifen und außertariflichen Barrieren können politische Entscheidungsträger bereits jetzt faire Wettbewerbsbedingungen fördern.

Konsequente Umsetzung der Vorschläge

In Bezug auf die Politik macht die EU in allen Belangen Fortschritte um Barrieren zu beseitigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Zusätzlich wurde im Juli 2007 eine Bewertung der "Mitteilung der Kommission zur Industriepolitik" von Oktober 2005 angenommen.

Weiterhin fand im Mai 2007 eine hochrangige Konferenz zwischen Industrie, Europäischer Kommission, Europäischem Parlament und politischen Vertretern statt. Das Protokoll dieser Konferenz ist auf der Europa-WebsitepdfEnglish verfügbar.

Lediglich die Artikeltexte können reproduziert werden, sofern die Quelle des jeweiligen Artikels angegeben wird: Magazin Unternehmen & Industrie (http://ec.europa.eu/enterprise/magazine/index_de.htm), © Europäische Union, 2008 - 2012